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Unter dem Fasse besindet sich Tantalos, mit allem dem Unheil umgeben, das Homer aus ihn gedichtet hat. Dazu kommt noch die Furcht vor dem niederstürzenden Steine.

Polygnots Kunst überhaupt.

Polygnot, Aglaophons Sohn, von Thasus, lebte vor der neunzigsten Olympiade, zu einer Zeit, wo die Plastik sich schon beinahe völlig ausgebildet hatte, die Malerei aber ihr nur mühsam nacheiserte.

Den Gemälden sehlte damals sast alles, was wir jetzt an solchen Kunstwerken vorzüglich schätzen: Richtigkeit der Perspective, Einheit einer reichen Composition, Massen von Licht und Schatten, liebliche Abwechselung des Helldunkels, Harmonie des Colorits. Auch Polygnot besriedigte, so viel sich vermuthen läßt, keine dieser Forderungen; was er besaß, war Würde der Gestalt, Mannigsaltigkeit des Charakters, ja der Mienen, ein Reichthum von Gedanken, Keuschheit in den Motiven uud eine glückliche Art, das Ganze, das sür die sinnliche Anschauung zu keiner Einheit gelangte, sür den Verstand, sür die Empfindung durch eine geistreiche, sast dürfte man sagen, witzige Zusammenstellung zu verbinden. Diese Vorzüge, wodurch er den älteren Meistern der in unserem Mittelalter auslebenden Kunst, besonders den slorentinischen, verglichen werden kann, verschasften ihm bis zu der Römer Zeiten lebhaste Bewunderer, welches wir um so eher begreisen, als jene Naivetät, mit Zartheit und Strenge verbunden, auch bei uns noch enthusiastische Gönner und Liebhaber findet.

Ferner können wir uns jene Art darzustellen am besten vergegenwärtigen, wenn wir die Vasengemälde, besonders die des älteren Styls, vor uns nehmen. Hier find auch nur umrissene Figuren und bedeutende Gestalten in gewissen Verhältnissen zusammengestellt, manchmal in Reihen, manchmal über einander. Von einem Local ist gar die Rede nicht: wenn eine Person sitzen soll, wird ein Fels zugegeben; ein viereckter Nahmen bedeutet ein Fenster, eine Reihe Kügelchen die Erde. Stühle, Gesässe, Altäre sind nur Zugaben. Die Pserde ziehen ohne Geschirr, und werden ohne Zaum gelenkt. Kurz, was nicht Gestalt ist, was man nicht zur nothwendigsten Bezeichnung bedurste, wird übergangen oder höchstens angedeutet.

Sehen wir ein rothe Figur aus schwarzem Grunde, so können wir uns von der monochromatischen Behandlung einen recht guten Begriff machen. Jst die Gestalt genau umrissen, und der Jnhalt mit wenig Strichen bezeichnet, so dars sie sich nur vom Grund ablösen, um mit einer Art von Wirklichkeit hervorzutreten.

Die Farbe des gebrannten Thons nähert sich der Fleischsarbe, und kann mit einigen Schattirungen ihr nahe genug gebracht werden. Schwarze Bärte und Haare, dunkle Säume der Kleider hatten schon aus die Localsarbe ausmerksam gemacht, und nun strich Polygnot die Kleider sarbig an, besonders gelb; er zierte die Frauen mit einem bunten Kopsputz, unternahm noch andere Darstellungen, die ihn zu Abwechselung der Farbe nöthigten, und so war ein Weg erössnet, der nach und nach weiter sühren sollte.

Was er nun an Gedanken, sowohl im Ganzen als Einzelnen, an Gestalt, Bedeutsamkeit der Motive, Mannichsaltigkeit der Charaktere, Absonderung des Ausdrucks, Anmuth des Beiwesens und sonst geleistet haben mag, werden unsere Leser sich schon zum Theil aus dem Vorhergehenden entwickelt haben, wozu wir noch einige Betrachtungen hinzusügen, die sich uns bei Behandlung dieser Gegenstände ausgedrungen.

Noch einiges Allgemeine.

Von der Höhe, aus welche sich in den neueren Zeiten die Malerei geschwungen hat, wieder zurück aus ihre ersten Ansänge zu sehen, sich die schätzbaren Eigenschaften der Stifter dieser Kunst zu vergegenwärtigen, und die Meister solcher Werke zu verehren, denen gewisse Darstellungsmittel unbekannt waren, welche doch unsern Schülern schon geläufig sind, dazu gehört schon ein sester Vorsatz, eine ruhige Entäußerung und eine Einsicht in den hohen Werth desjenigen Styls, den man mit Recht den wesentlichen genannt hat, weil es ihm mehr um das Wesen der Gegenstände, als um ihre Erscheinung zu thun ist.

Jndem wir nun bei Behandlung der Polygnotischen Gemälde und manchem deßhalb gesührten vertraulichen Gespräch, besonders bemerken konnten, daß es den Liebhabern am schwersten salle, sich die ausgesührten Gruppen, nicht perspectivisch hinter einander, sondern plastisch über einander zu denken, so hielten wir eine Darstellung des wechselseitigen Bezuges aus einigen Taseln sür unerläßlich. Und ob wir gleich dieselben nur mit typographischen Mitteln auszusühren im Stande waren, so glauben wir doch einem jeden, dem es nicht an Einbildungskrast mangelt, besonders aber dem Künstler, der sich mit diesen Gegenständen weiter zu beschäftigen gedenkt, dadurch schon bedeutend vorgearbeitet zu haben.

Eben so denken wir auch durch unsern Auszug aus dem Pausanias, wobei wir alles weggelassen, was die Beschreibung des Gemäldes nicht unmittelbar betrisft, die Uebersicht des Ganzen um vieles erleichtert zu haben. Jedoch würden beide Bemühungen nur ein mageres Jnteresse bewirken, wenn wir nicht auch dasjenige, was uns wegen sittlicher und poetischer Beziehung der Gruppen unter einander bedeutend geschienen, dem Leser mitzutheilen, und die Künstler dadurch zu Bearbeitung des Einzelnen sowohl als des Ganzen auszumuntern gedächten.

Schon aus der bloßen Beschreibung leuchtet hervor, daß Polygnot eine große Mannichsaltigkeit von Zuständen dargestellt; wir finden die verschiedenen Geschlechter und Alter, Stände, Beschästigungen, gewaltiges Wirken und großes Leiden, alles, in so sern es Heroen und Heroinen ziemt, deren Charakter und Schönheit er wahrscheinlich dadurch aus das Höchste zu steigern vermochte, daß er die Vorstellung der höher n Götter aus diesen Gemälden durchaus vermieden.

Wenn nun aus diese Weise schon eine große und würdige Mannichsaltigkeit in die Augen springt, so sind doch die Bezüge der Gruppen unter einander nicht so leicht ausgesunden. Wir wollen daher die schon oben erwähnte glückliche Art des Künstlers, das Ganze seiner Werke, das sür die sinnliche Anschauung zu keiner Einheit gelangen konnte, sür den Verstand, sür das Gesühl zu verbinden, nach unserer Ueberzeugung vortragen.

Die Gemälde der Lesche überhaupt betrachtet.

Die drei Gemälde machen unter sich ein Ganzes; in dem einen ist die Ersüllung der Jlias und die Auslösung des zehnjährigen Räthsels dargestellt, in dem andern der bedeutendste Punkt der Rückkehr griechischer Helden; denn muß nicht, sobald Troja erobert ist, die erste Frage seyn: Wie wird es Helenen ergehen? Jn dem dritten schließt sich durch Odysseus

Ooeihe, s«mmtl. Werk«, XXV,?

und die vor seinem Besuch des Hades umgekommenen Griechen und Trojaner diese große Weltepoche an die heroische Vergangenheit bis zu den Titanen hin. Wir sreuen uns schon aus die Zeit, wenn durch Bemühung tüchtiger deutscher Künstler alle diese Schatten, die wir jetzt mühsam vor die Einbildungskraft rusen, vor unsern Augen in bedeutenden und schönen Reihen dastehen werden.

Ueber die Eroberung Troja's.

Das erste Gemälde, ob sich gleich in demselben auch manche seine Bezüge, der Denkart des Künstlers gemäß, ausweisen lassen, kann doch eigentlich unter die historischen gezählt werden. Alles geht unter unsern Augen vor. Epeus reißt die Mauern ein; das unglückbringende Pserd, durch dessen Hülse er solches bewirkt, ist dabei angedeutet. Polypoites und Akamas solgen dem klugen Ansührer Odysseus.

Ueber und neben ihnen erscheinen die Gewaltthätigkeiten gegen Ueberwundene. Dort rächt Neoptolemos den Tod seines Vaters, hier vermögen die Atreiden selbst eine heilige Jungsrau nicht zu schützen.

Doch unsern dieser gewaltsamen Ereignisse ist eine Verschonte zu sehen. Laodike, es sey nun als Geliebte des Akamas oder als Schwiegertochter des Antenor, steht ruhig unter so vielen Gräueln. Vielleicht ist das Kind aus dem Schooße der alten Frauen ihr Sohn, den sie von Akamas empfing. Auch liegt ein trostloses Mädchen, Medusa, an dem Fuße des dabei stehenden Beckens.

Unter und neben dieser Gruppe sieht man gehäuste Todte liegen; dort Jünglinge, hier Greise. Die seinern Bezüge, warum gerade die Benannten gewählt worden, entdeckt uns künftig der Alterthumssorscher.

Nach diesen stummen Trauerscenen wendet sich das Gemälde zum Schluß: man beginnt die Leichname zu begraben; der Verräther Sinon erzeigt den Abgeschiedenen diesen Liebesdienst, und zu völliger Besriedigung des Zartgesühls entweicht der gastsreie Antenor, verschont, mit den Seinigen.

Ueber die Verherrlichung der Helena.

Haben wir das erste Gemälde mit Pausanias von der Rechten zur Linken betrachtet, so gehen wir dieses lieber von der Linken zur Rechten durch. Hier ist von keiner Oewaltthätigkeit die Rede mehr. Der weise Nestor, noch in seinem höchsten Alter als Pserdebändiger angedeutet, ist am User, als Vorsteher einer mit Vorficht vorzunehmenden Einschissung gestellt; neben ihm, in drei Stockwerken über einander gehäust, gesangene trojanische Frauen, ihren Zustand mehr oder weniger bejammernd; nicht mehr, wie sonst, ausgetheilt in Familien, der Mutter, dem Bater, dem Bruder, dem Gatten an der Seite, sondern zusammengerasft, gleich einer Heerde in die Enge getrieben, als Masse behandelt, wie wir vorhin die männlichen Todten gesehen.

Aber nicht schwache Frauen allein finden wir in dem erniedrigenden Zustande der Gesangenschaft, auch Männer sieht man, meist schwer verwundet, unsähig zu widerstehen.

Und alle diese geistigen und körperlichen Schmerzen, um wessentwillen werden sie erduldet? Um eines Weibes willen, des Sinnbildes der höchsten Schönheit.

Hier sitzt sie, wieder als Königin bedient und umstanden von ihren Mägden, bewundert von einem ehemaligen Liebhaber und Freier, und ehrsurchtsvoll durch einen Herold begrüßt.

Dieser letzte merkwürdige Zug deutet aus eine srühere Jugend zurück, und wir werden sogleich aus eine benachbarte Gruppe gewiesen. Hinter Helenen steht Aithra, Theseus Mutter, die schon um ihrentwillen seit langen Jahren in der Gesangenschast schmachtet, und sich nunmehr wieder als Gesangene unter den Gesangenen findet., Jhr Enkel Demophon scheint, neben ihr, aus ihre Besreiung zu sinnen.

Wenn nun, wie die Fabel erzählt, Agamemnon, der unumschränkte Heersührer der Griechen, ohne Helenens Beistimmung die Aithra loszugeben nicht geneigt ist, so erscheint jene im höchsten Glanze, da sie, mitten unter der Masse von Gesangenen, als eine Fürstin ruht, von der es abhängt zu binden oder zu lösen. Alles, was gegen sie verbrochen wurde, hat die traurigsten Folgen; was sie verbrach, wird durch ihre Gegenwart ausgelöscht.

Von Jugend aus ein Gegenstand der Verehrung und Begierde, erregt sie die heftigsten Leidenschasten einer heroischen Welt, legt ihren Freier n eine ewige Dienstbarkeit aus, wird geraubt, geheirathet, entsührt und wieder erworben. Sie entzückt, indem sie Verderben bringt, das Alter wie die Jugend, entwaffnet den rachgierigen Gemahl; und, vorher das Ziel eines

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