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7.

Doch sie werden nicht sehr gedrängt; hinter ihnen schreiten Gesangene einher; kein Abzeichen unterscheidet sie, wohl aber persönliche Würde. Edle Matronen gehen voran mit erwachsenen Töchtern. Zunächst gegen den Zuschauer geht ein Fräulchen von acht bis zehn Jahreu an der Mutter Seite, so schmuck und zierlich als bei dem anständigsten Feste. Tressliche tüchtige Männer solgen hieraus, in langen Gewändern, ernst, nicht erniedrigt; es ist ein höheres Geschick, das sie hinzieht. Aussallend ist daher im solgenden Glied ein großer, wohlgebildeter, gleichsalls ehrenvoll gekleideter Mann, welcher mit grimmigem, beinahe sratzenhaftem Gesicht rückwärts blickt, ohne daß wir ihn begreisen. Wir lassen ihn vorüber, denn ihm solgt eine Gruppe von anziehenden Frauen. Eine junge Braut in ganzer Jugendsülle, im Vollgesicht dargestellt — wir sagen Braut, weil sie auch ohne Kranz in den Haaren so bezeichnet zu werden verdiente — steht hinterwärts, vor dem Zuschauer zum Theil verdeckt von einer ältern kinderbelästigten Frau; diese hat ein Wickelkind aus dem rechten Arme, und ihre linke Hand nimmt ein stillstehender Knabe in Anspruch, der den Fuß ausgereckt; weinend will er auch getragen seyn. Eine ältere sich über ihn hinneigende Person, vielleicht die Großmutter, sucht ihn vergebens zu begütigen.

Höchlich rühmen müssen wir indeß den Künstler, daß kein Kriegöheld, kein Heersührer als Gesangener vorgesührt wird. Sie sind nicht mehr, ihre Rüstungen trug man hohl vorbei; aber die eigentlichen Staaten, die uralten edlen Familien, die tüchtigen Rathsherren, die behäbigen, sruchtbar sich sortpflanzenden Bürger sührt man im Triumph aus; und so ist es denn alles gesagt: die einen sind todtgeschlagen und die andern leiden.

Zwischen diesem und dem solgenden Bilde werden wir nun gewahr, warum der stattliche Gesangene so grimmig zurückblickt. Mißgestaltete Narren und Possenreißer schleichen sich heran und verhöhnen die edlen Unglücklichen, diesem Würdigen ist das noch zu neu, er kann nicht ruhig vorübergehen; wenn er dagegen nicht schimpsen mag, so grinst er dagegen.

8. Aber der Ehrenmann scheint noch aus eine schmählichere Weise verletzt: es solgt ein Chor Musikanten in contrastirenden Figuren. Ein wohlbehaglicher, hübscher Jüngling, in langer, sast weiblicher Kleidung, singt zur Leyer, und scheint dabei zu springen und zu gesticuliren. Ein solcher durfte beim Triumphzug nicht sehlen; sein Geschäft war sich seltsam zu gebärden, neckische Lieder zu singen, die überwundenen Gesangenen srevelhast zu verspotten. Die Schalksnarren deuten aus ihn, und scheinen mit albernen Gebärden seine Worte zu commentiren, welches jenem Ehrenmann allzu ärgerlich aussallen mag.

Daß übrigens von keiner ernsthast edlen Musik die Rede sey, ergiebt sich sogleich aus der solgenden Figur, denn ein himmellanger, schasbepelzter, hochgemützter Dudelsackpseiser tritt unmittelbar hinterdrein; Knaben mit Schellentrommeln scheinen den Mißlaut zu vermehren. Einige rückwärts blickende Soldaten aber und andere Andeutungen machen uns ausmerksam, daß nun bald das Höchste ersolgen werde.

9.

Und nun erscheint auch, aus einem übermäßig, obgleich mit großem Sinn und Geschmack, verzierten Wagen, Julius Cäsar selbst, dem ein tüchtig gestalteter Jüngling aus einer Art Standarte das: Veui, Vicli, Vici entgegenhält. Dieses Blatt ist so gedrängt voll, daß man die nackten Kinder mit Siegeszweigen zwischen Pserden und Rädern nur mit Angst ansieht; in der Wirklichkeit müßten sie längst zerquetscht seyn. Tresslicher war jedoch ein solches Gedränge, das sür die Augen immer unsaßlich und sür den Sinn verwirrend ist, bildlich nicht darzustellen.

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Ein zehntes Bild aber ist sür uns nun von der größten Bedeutung: denn das Gesühl, der Zug sey nicht geschlossen, wandelt einen jeden an, der die neun Blätter hinter einander legt. Wir finden nicht allein den Wagen steil, sondern sogar hinter demselben durch den Rahmen abgeschnittene Figuren; das Auge verlangt einen Nachklang und wenigstens einige der Hauptgestalt nahe tretende, den Rücken deckende Gestalten.

Zu Hülse kommt uns nun ein eigenhändiger Kupserstich, welcher mit der größten Sorgsalt gearbeitet und zu den vorzüglichsten Werken des Meisters dieser Art zu rechnen ist. Eine Schaar tritt heran männlicher, älterer und jüngerer, sämmtlich charakteristischer Personen. Daß es der Senat sey, ist keineswegs zuzugeben; der Senat wird den Triumphzug am schicklichen Ort durch eine Deputation empsangen haben, aber auch diese konnte ihm nicht weiter entgegengehen, als nöthig war umzukehren und vorauszuschreiten, und den versammelten Vätern die Ankömmlinge vorzusühren.

Doch sey diese Untersuchung dem Alterthumssorscher vorbehalten. Nach unserer Weise dürsen wir nur das Blatt ausmerksam betrachten, so spricht es sich, wie jedes vortreffliche Kunstwerk, selbst aus; da sagen wir denn geradezu: es ist der Lehrstand, der gern dem siegenden Wehrstand huldigt, weil durch diesen allein Sicherheit und Fordernis; zu hoffen ist. Den Mhrstand hatte Mantegna in den Triumphzug als Tragende, Bringende, Feiernde, Preisende vertheilt, auch in der Umgebung als Zuschauer ausgestellt. Nun aber sreut sich der Lehrstand, den Ueberwinder zu begleiten, weil durch ihn Staat und Cultur wieder gesichert ist.

Jn Absicht aus Mannichsaltigkeit der Charakteristik ist das beschriebene Blatt eines der schätzbarsten, die wir kennen, und Mantegna hat gewiß diesen Zug aus der hohen Schule von Padua studirt.

Voran im ersten Glied, in langen saltigen Gewändern, drei Männer, Mittlern Alters, theils ernsten, theils heitern Angesichts, wie beides Gelehrten und Lehrern ziemt. Jm zweiten Gliede zeichnet sich zunächst eine alte, kolossale, behaglich dicke, krästige Natur aus, die hinter alle dem mächtigen Triumphgewirre sich noch ganz tüchtig hervorthut. Das bartlose Kinn läßt einen sleischigen Hals sehen, die Haare sind kurz geschnitten; höchst behaglich hält er die Hände aus Brust und Bauch, und macht sich nach allen bedeutenden Vorgängern noch immer aussallend bemerklich. Unter den Lebendigen habe ich niemand gesehen, der ihm zu vergleichen wäre, außer Gottsched; dieser würde in ähnlichem Fall und gleicher Kleidung eben so einher geschritten seyn: er sieht vollkommen dem Pseiler einer dogmatisch didaktischen Anstalt gleich. Wie er ohne Bart und Haupthaare, sind auch seine Collegen, wenn gleich behaart, doch ohne Bärte; der vorderste, etwas ernster und grämlicher, scheint eher dialektischen Sinn zu haben. Solcher Lehrenden sind sechs, welche in Haupt und Geist alles mit sich zu tragen scheinen; dagegen die Schüler nicht allein durch jüngere leichtere Gestalten bezeichnet sind, sondern auch dadurch, daß sie gebundene Bücher in Händen tragen, anzuzeigen, daß sie, sowohl hörend als lesend, sich zu unterrichten geneigt seyen.

Zwischen jene ältesten und mittlern ist ein Knabe von etwa acht Jahren eingeklemmt, um die ersten Lehrjahre zu bezeichnen, wo das Kind sich anzuschließen geneigt ist, sich einzumischen Lust hat; es hängt ein Pennal an seiner Seite, anzudeuten, daß er aus dem Bildungswege sey, wo dem Herankömmling manches Unangenehme begegnet. Wunderlicher und anmuthig natürlicher ist nichts zu erfinnen, als dieß Figürchen in solcher Lage. Die Lehrer gehen jeder vor sich hin, die Schüler unterhalten sich unter einander.

Nun aber macht den ganzen Schluß, wie billig, das Militär, von welchem denn doch zuerst und zuletzt die Herrlichkeit des Reiches nach außen erworben und die Sicherheit nach innen erhalten werden muß. Diese ganze große Forderung aber besriedigt Mantegna mit ein paar Figuren; ein jüngerer Krieger, einen Oelzweig tragend, den Blick auswärts gerichtet, läßt uns im Zweisel, ob er sich des Sieges ersreue oder ob er sich über das Ende des Kriegs betrübe; dagegen ein alter, ganz abgelebter, in den schwersten Wassen, indem er die Dauer des Krieges repräsentirt, überdeutlich ausspricht, dieser Triumphzug sey ihm beschwerlich, und er werde sich glücklich schätzen heute Abend irgendwo zur Ruhe zu kommen.

Der Hintergrund dieses Blattes nun, anstatt daß wir bisher meistens sreie Aussichten gehabt, drängt sich, dem Menschendrang gemäß, gleichsalls zusammen; rechter Hand sehen wir einen Palast, zur Linken Thurm und Mauern; die Nähe des Stadtthors möchte damit angedeutet seyn, angezeigt, daß wir uns wirklich am Ende befinden, daß nunmehr der ganze Triumphzug in die Stadt eingetreten, und innerhalb derselben beschlossen sey.

Sollten auch dieser Vermuthung die Hintergründe der vorhergehenden Blätter zu widersprechen scheinen, indem landschaftliche Aussichten, viel sreie Lust, zwar aus Hügeln Tempel und Paläste, doch auch Ruinen gesehen werden, so läßt sich doch auch annehmen, daß der Künstler hierbei die verschiedenen Hügel von Rom gedacht, und sie so bebaut und so ruinenhaft, wie er sie zu seiner Zeit gesunden, vorgestellt habe. Diese Auslegung gewinnt um so mehr Krast, als doch wohl einmal ein Palast, ein Kerker, eine Brücke, die als Wasserleitung gelten kann, eine hohe Ehrensäule da steht, die man denn doch aus städtischem Grund und Boden vermuthen muß.

Doch wir halten inne, weil wir sonst ins Gränzenlose geriethen, und man mit noch so viel gehäusten Worten den Werth der flüchtig beschriebenen Blätter doch nicht ausdrücken könnte.

Ciisars Triumphzug, gemalt von Mantegna

Zweiter Abschnitt. 1622.

1) Ursprung, Wanderung, Beschaffenheit der Bilder.

2) Fernere Geschichte derselben. Sammlungen Carls I von England,

3) Mantegna's eigene Kupserstiche in Bezug aus den Triumph.

4) Zeugniß von Vasari mit Bemerkungen darüber.

5) Allgemeine Betrachtung und Mißbilligung seiner salschen Methode, von hinten hervor zu beschreiben.

6) Emendation der Bartschischen Auslegung.

7) Schwerdgeburths Zeichnung.

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Mantegna lebte 1451 bis 1517 und malte in seiner besten Zeit, aus Anregen seines großen Gönners, Ludwig Gonzaga, Herzogs von Mantua, gedachten Triumphzug sür den Palast in der Nähe des Klosters St. Sebastian. Der Zug ist nicht aus die Wand, nicht im unmittelbaren Zusammenhange gemalt, sondern in neun abgesonderten Bildern, vom Platze beweglich; daher sie denn auch nicht an Ort und Stelle geblieben. Sie kamen vielmehr unter Carl I, welcher, als ein großer Kunstsreund die köstlichsten Schatze zusammenbrachte und also auch den Herzog von Mantua auskaufte, nach London und blieben daselbst, obgleich nach seinem unglücklichen Tode die meisten Besitzungen dieser Art durch eine Auction verschleudert wurden.

Gegenwärtig befinden sie sich, hochgeehrt, im Palaste Hamptoncourt, neun Stücke, alle von gleicher Größe, völlig quadrat, jede Seite neun Fuß, mit Wassersarben aus Papier gemalt, mit Leinwand unterzogen, wie die Raphael'schen Cartone, welche denselben Palast verherrlichen.

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