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Neinbrandt der Denker,

Aus dem Bilde, der gute Samariter ^Bartsch Nr. 90), sieht mau voru ein Pserd sast ganz von der Seite; ein Page hält es am Zaum. Hinter dem Pserde hebt ein Hausknecht den Verwundeten so eben herab, um ihn ins Haus zu tragen, in welches eine Treppe durch einen Balkon hineinsührt. Unter der Thüre sieht man den wohlgekleideten Samaritaner, welcher dem Wirth einiges Geld gegeben hat, und ihm den armen Verwundeten ernstlich empfiehlt. Gegen den linken Rand zu sieht man aus einem Fenster einen jungen Mann herausblicken, mit einer durch eine Fcder verzierten Mütze. Zur Rechten, aus geregeltem Grund, sieht man einen Brunnen, aus welchem eine Frau das Wasser zieht.

Dieses Blatt ist eines der schönsten des Rembrandt'schen Werkes; es scheint mit der größten Sorgsalt gestochen zu seyn, und ungeachtet aller Sorgsalt ist die Nadel sehr leicht.

Die Ausmerksamkeit des vortresslichen Longhi hat besonders der Alte unter der Thüre sich ausgezogen, indem er sagt: „Mit Stillschweigen kann ich nicht vorübergehen das Blatt vom Samaritaner, wo Rembrandt den guten Alten unter der Thüre in solcher Stellung gezeichnet hat, wie sie demjenigen eigen ist, der gewöhnlich zittert, so daß er durch die Verbindung der Erinnerungen wirklich zu zittern scheint, welches kein anderer Maler, weder vor ihm noch nach ihm, durch seine Kunst erlangen konnte."

Wir setzen die Bemerkungen über dieses wichtige Blatt weiter sort: Aussallend ist es, daß der Verwundete, anstatt sich dem Knechte, der ihn sorttragen will, hinzugeben, sich mühselig mit gesalteten Händen und ausgehobenem Haupte nach der linken Seite wendet, und jenen jungen Mann mit dem Federhute, welcher eher kalt und untheilnehmend, als trotzig zum Fenster heraussieht, um Barmherzigkeit anzuslehen scheint. Durch diese Wendung wird er dem, der ihn eben aus die Schulter genommen, doppelt lästig; man sieht's diesem am Gesicht an, daß die Last ihm verdrießlich ist. Wir sind sür uns überzeugt, daß er in jenem trotzigen Jüngling den Räuberhauptmanu derjenigen Bande wieder erkennt, die ihn vor kurzem beraubt hat, und daß ihn in dem Augenblicke die Angst übersällt, man bringe ihn in eine Räuberherberge, der Samariter sey auch verschworen ihn zu verderben. Genug, er findet sich in dem verzweislungsvollsten Zustand der Schwäche und Hülslosigkeit.

Betrachten wir nun die Gesichter der sechs hier ausgestellten Personen, so sieht man die Physiognomie des Samariters gar nicht, nur wenig von dem Prosil des Pagen, der das Pserd hält. Der Knecht, durch die körperliche Last beschwert, hat ein verdrießlich angestrengtes Gesicht und einen geschlossenen Mund, der arme Verwundete den vollkommensten Ausdruck der Hülslosigkeit. Höchst tresslich, gutmüthig und vertrauenswerth ist die Physiognomie des Alten, contrastirend mit unserem Räuberhauptmann in der Ecke, welcher eine verschlossene und entschlossene Sinnesweise ausdrückt.

Georg Friedrich Schmidt,

geboren Berlin 1712,
abgegangen daselbst 1775.

Der Künstler, dessen Talent wir zu schätzen unternehmen, ist einer der größten, dessen sich die Kupserstecherkunst zu rühmen hat; er wußte die genaueste Reinlichkeit und zugleich die Festigkeit des Grabstichels mit einer Bewegung, einer Behandlung zu verbinden, welche sowohl kühn als abwechselnd und manchmal mit Willen unzusammenhängend war, immer aber vom höchsten Geschmack und Wissen.

Von dem regelmäßigen Schnitt, worin er den ernstesten Chalkographen nacheiserte, ging er nach Belieben zur sreien Behandlung über, indem er sich jenes spielenden Punktirens der geistreichsten Radirkünstler bediente, und das Urtheil ungewiß ließ, ob er sich in einer oder der andern Art vorzüglicher bewiesen habe. Doch es ist kein Wunder, daß er sich in diesen einander so entgegengesetzten Arten des Stiches vollkommen gleich erwiesen, da ihm die gesühlteste Kenntniß der Zeichnung und des Helldunkels, die seinste Beurtheilung und ein unbegränzter Geist beständig zum Führer dienten.

Jn der ersten Art zog er vor Porträte zu behandeln, ob er gleich auch einige geschichtliche Gegenstände gestochen hat, und alles was er gestochen, vorzüglich ist. Aber jenes Porträt von Latour, welches dieser Maler von sich selbst gesertigt hatte, ist bewundernswürdig durch die Vorzüge, welche in allen übrigen sich finden, mehr aber durch die Seele und die sreie Heiterkeit, die in diesem Gesichte so glücklich ausgedrückt sind. Sehr schön ist auch das Bildniß von Mounsey und außerordentlich die der Grasen Rasumowsky und Esterhazy. Auch die Kaiserin von Nußland, Elisabeth, gemalt von Tocqus, ist vorzüglich, wo besonders die Beiwerke mit erstaunender Meisterschaft behandelt sind. Nicht weniger schätzenswerth ist das Porträt von Mignard nach Rigaud; welches ich jedoch nicht, wie andere wollen, sür sein Hauptstück halte.

Jn der zweiten Art behandelt er eben so gut Porträte als historische Vorstellungen, worunter einige von eigener Erfindung sind, die ihm zu großem Lobe gereichen.

Er ahmte, doch nicht knechtisch, die weise malerische Unordnung Rembrandts und Castiglione's nach, und wußte sich sehr ost mit der kalten Nadel der geistreichen und bezaubernden Leichtigkeit des Stesano della Bella anzunähern. Bei ihm ist alles Wissen, alles Feuer, und was vielmehr bedeuten will, alles der Wahrheit Stempel.

Man kann von diesem wundersamen Manne sagen, daß zwei der tresslichsten Stecher in ihm verbunden seyen. Wie er auch irgend die Kunstart eines andern nachahmt, tritt er immer, von seinem außerordentlichen Geiste begleitet, als Original wieder hervor.

Hätte er die Geschichte im großen Sinne, wie das Porträt behandelt, und hätte ihn die Uebersülle seines Geistes nicht manchmal irre geleitet, so könnte er die oberste Stelle in unserer Kunst erreichen. Jst ihm dieß nicht gelungen, so bleibt er doch, wie gesagt, einer der trefflichsten Meister und der ersahrenste Stecher.

Wer seine schönen Kupserstiche zu Rathe zieht, wird von vielen Seiten in seiner Prosession gewinnen.

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