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Tischbeins Zeichnungen

des Ammazzament« der Schweine in Rom.

Tischbein, der sich viel mit Betrachtung von Thieren, ihrer Gestalt, ihrer Eigenheiten, ihrer Bewegungen abgab, hat uns immer viel von dem Ammazzament der Schweine, von einem allgemeinen Schweinemord, zu erzählen gewußt, der in den Ruinen jenes Tempels vorgehe, die am Ende der Via Sacra wegen der schönen Basreliess berühmt sind, den Einsluß der Minerva aus weibliche Arbeiten sehr anmuthig darstellend.

Jn die Höhlungen und Gewölbe dieses zusammengestürzten Gebäudes werden zur Winterszeit in großen Heerden vom Lande herein schwarze wildartige Schweine getrieben und daselbst an die Kauslustigen nicht etwa lebendig, sondern todt überlassen. Das Geschäft aber wird solgendermaßen betrieben.

Der Römer dars sich mit Schweinschlachten nicht abgeben; wer aber das Blut, welches bei dem Schlachten verloren ginge, auch nicht entbehren will, versügt sich dorthin und seilscht um eines der in jenen Räumen zusammengedrängten Schweine. Jst man des Handels einig, so wirft sich einer der wild genug anzuschauenden Heerdebesitzer mit Gewalt über das Thier, stößt ihm einen starken, spitzen, oben umgebogenen und gleichsam zum Handgriff gekrümmten Drath ins Herz, und drillt ihn so lange darin herum, bis das Thier krastlos niedersällt und sein Leben aushaucht. Hierbei wird nun kein Tropsen Bluts vergossen; es gerinnt im Jnnern, und der Käuser schafft es mit allem innern und äußern Zubehör vergnügt nach Hause.

Daß eine solche Operation nicht ohne Kamps sich entwickele, läßt sich denken: der einzelne kräftige Mann, der sich über ein solches wildstarkes

Ooeth«, s«mmtl. Wirke, XXV, 20

Thier hinwirst, es beim Ohre saßt, zur Erde niederdrückt, die Stelle des Herzens sucht, und den tödtlichen Drath einstößt, hat gar manchen Widerstand , Gegenwirkung und Zusälle zu erwarten. Er wird oft selbst niedergerissen und zertreten, und seine Beute entspringt ihm; die Jagd geht von neuem an, und weil mehr als Ein Handel der Art zu gleicher Zeit im Gange ist, so entsteht ein vielsacher Tumult in den theils zusammenhängenden, theils durch Latten und Psahlwerk abgesonderten Gewölben, welcher mit dem entsetzlichsten, scharstönenden und grunzenden Zetergeschrei die Ohren beleidigt, so wie das Auge von dem wüsten Getümmel im innersten verletzt wird.

Freilich ist es einem humoristischen Künstlerauge, wie Tischbein besaß, nicht zu verargen, wenn es sich an dem Gewühl, den Sprüngen, an der Unordnung des Nennens und Stürzens, der hestigsten Gewalt wilder Thierheit und dem ohnmächtigen Dahinsinken entseelter Leichname zu ergötzen Lust findet. Es sind noch die flüchtigsten Federzeichnungen hiervon übrig, wo eine geübte Künstlerhand, .ils wetteisernd mit einem wilden unsaßlichen Getümmel, sich aus dem Papier mit gutem Humor zu ergehen scheint.

Danae.

Eine wohlgegliederte weibliche Gestalt liegt nackt, den Rücken uns zukehrend, uns über die rechte Schulter anschauend, aus einem wohlgepolsterten, anständigen Ruhebette; ihr rechter Arm ist ausgehoben, der Zeigesinger deutet, man weiß nicht recht woraus. Rechts vom Zuschauer, in der Höhe, zieht aus der Ecke eine Wolke heran, welche aus ihrem Wege Goldstücke spendet, deren einen Theil die alte Wärterin andächtig in einem Becken aussängt. Hinter dem Lager, zu den Füßen der Schönen, tritt ein Genius heran; er hat auch ein paar begeistete Goldstücke ausgesangen und scheint sie dem Oertchen näher bringen zu wollen, wohin sie sich eigentlich sehnen. Nun bemerkt man erst wohin die Schöne deutet. Ein in Karyatidensorm den Bettvorhang tragender, zwar anständig drapirter, doch genugsam kenntlicher Priap ist es, aus welchen sie hinweist, um uns anzuzeigen wovon eigentlich die Rede sey. Eine Rose hat sie im Haar stecken, ein paar andere liegen schon unten aus dem Fußbänkchen und neben dem Nachtgeschirr, das, wie auch der sichtbare Theil des Bettgestelles, von goldenen Zierrathen glänzt.

Das muß man beisammen sehen, mit welchem Geschmack und Geschick der geübteste Pinsel, allen Forderungen der Maler- und Farbenkunst genugthuend, dieses Bildchen ausgesertigt hat. Man stellt es gern kurz nach Paul Veronese; es mag's ein Venetianer oder auch ein Niederländer gemalt haben. Freilich unsern Meistern, welche sich mit trauernden Königspaaren beschästigen, ist dergleichen ein Aergerniß und den Schülern, die sich in heiligen Familien wohlgesallen, gewiß eine Thorheit. Glücklicherweise ist das Bildchen gut erhalten und beweist überall einen markigen Pinsel.

Beispiele symbolischer DeHandlung.

Folgendes sind Beispiele von demjenigen, was die Kunst nur aus ihrer höchsten Stuse erreichen kann, von der Symbolik, die zugleich sinnliche Darstellung ist: und zwar sollte dieser hohe Gewinn einem jeden geistreichen Menschen sühlbar und einsichtlich seyn; denn hier bestrebte sich die Darstellung des möglichsten Lakonismus.

Diana und Aktäon.

Aus der Ferne schaut ein junger Jäger unter einem durchbrochenen Felsbogen ein nacktes weibliches dämonisches Wesen von der größten Schönheit. Schon ist er herbeigeeilt, hat sie lüstern in der Nähe beschaut; sie besprengt ihn mit zauberischem Wasser, er nimmt sogleich die Hirschnatur an. Einer seiner getreuen Hunde ist schon an ihm ausgesprungen und hat sich im Schenkel eingebissen; aus der andern Seite ist er von einem zweiten heranstürmenden bedroht, und indem er sich mit seinem ausgehobenen Krummstabe zu wehren trachtet, wird er durch die aussprossenden Geweihe am Zuschlagen gehindert.

Wer dieses Bild zu schauen das Glück hat, möge von dem hohen Sinne desselben durchdrungen werden.

Ein zweites:

Iphigenia in Aulis,

auch erst neuerlich ausgegraben, wird uns durch Reisende mitgetheilt.

Jm Mittelgrunde tragen zwei Opserdiener die ohnmächtige Jungsrau gegen eine Statue der Artemis. Links vom Zuschauer eilt der behende, in seinen Mantel sich verhüllende Agamemnon davon. An der rechten erscheint Kalchas mit entblößtem Stahl, dem Vater mit dem Blick, der Tochter mit der Schärse drohend.

Hier stellt sich noch reiner, in einsacher Handlung, die Absicht hin, nur das Notwendigste dieses ungeheuern Ereignisses vor die Augen zu bringen, und zwar so, daß es durch Mannichsaltigkeit der Charaktere, durch symmetrische wohlgesällige Stellung, und durch Farbengebung ein angenehmes Wandbild erzwecken mag.

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