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Bedenken wir nun, wie groß die Innung dieser Cavatori muß gewesen seyn, da sie denn doch immerfort als Bewohner und Erbauer dieser unterirdischen Stadt anzusehen sind; ferner daß sie mit Architekten, Bildhauern, Malern in fortwährender thätiger Berührung blieben: so überzeugt man sich leicht, daß das Handwerk, welches nur für die Torten lebte, sich den Vorzug der Erinnerung vor den übrigen Lebendigen wohl anmaßen durfte. Wir bemerken deßhalb nur im Vorübergehen und ohne Gewicht darauf zu legen, daß vielleight hie und da ein Musifer, ein Fischer, ein Gärtner auch wohl auf seine Person und sein Geschäft habe anspielen lassen.

Zwei antike weibliche figuren ,

weldie, in ihrem volfоmmenen Zustand, nid)t gar einen römischen Palm hodi mögen gewesen seyn, gegenwärtig des Kopfes und des untern Theils der Füße ermangelnd, von gebranntem Thou, in meinem Besitz. Von diesen wurden Zeichnungen nach Rom an die dortigen Alterthumsforscher gesendet mit nadystehendem Auffaß:

Die beiden Zeichnungen mit schwarzer Kreide sind Nachbildungen von zwei, wie man sieht, sehr besdhädigten antiken Ueberbleibseln, aus gebranntem Thon, beinahe völlig Relief, von gleicher Größe, aber ursprünglich schon nur zur Hälfte gebildet, indem die Rückseite fehlt, wie sie denn scheinen in die Wand eingemauert gewesen zu seyn. Sie stellen Frauen vor in anständiger Kleidung, die Gewänder von gutem Styl. Die eine hält ein Thierdyen im Arm, welches man mit einiger Aufmerksamkeit für ein Ferkelchen erkennt, und wenn sie es als ein Lieblingshündchen behandelt, so hat die andere ein gleiches Geschöpf bei den Hinterbeinen gefaßt und läßt es vor sich herunterhängen, wodurch schon eher die Vermuthung erregt wird, es sehen diese Thiere zu irgend einem Opferfest aufgefaßt.

Nun ist bekannt, daß bei den der Ceres geweihten Festen auch Saugschweinchen vorkamen, und man konnte, daß diese beiden Figuren auf solche Umstände und Gelegenheiten hindeuten, wohl den Gedanken fassen.

Herr Baron von Stadelberg hat sich hierüber näher geäußert, indem er die Erfahrung mittheilte, daß wenn wirklich Ferkelchen der Göttin dargebracht wurden, wohl auch solche von unvermögenderen Personen im Bilde möchten angenommen worden seyn. Ja er bezeugte, daß man in Griechenland Neste von solchen Fabriken entdeckt habe, wo noch dergleichen fertige Votivbilder mit ihren Formen seyen gefunden worden.

Idh erinnere mich nicht im Alterthum einer ähnlichen Vorstellung,

außer daß ich glaube, es sey auf dem braunschweigischen berühmten Onyxgefäße die erste darbringende Figur gleichfalls mit einem Schweinchen, welches sie an den Hinterfüßen trägt, vorgestellt.

Die römischen verbundenen Alterthumskenner werden sich, bei ihrer weiten Umsicht, wohl noch manchen andern Fals erinnern und uns darüber aufzuklären wissen. Ich bitte nur um Verzeihung, wenn ich Käuze nach Athen zu tragen mir diesmal sollte angemaßt haben.

Ein drittes Blatt, welches ich beifüge, ist eine Durchzeichnung nach einem Pompejanischen Gemälde. Mir scheint es eine festliche Tragbahre zu seyn aus irgend einem Feierzuge, wo die Handwerker nach ihren Hauptabtheilungen aufgetreten. Hier sind die Holzarbeiter vorgestellt, wo sidy sowohl der gewöhnliche Tischer, der Brettspalter, als der Bildschnißer hervorthun. Die auf den Boden liegende Figur mag ich mir als ein unvollendetes Schnißwerk einer menschlichen Gestalt vorstellen; der hinterwärts gestredte linke Arm möchte noch nicht eingerichtet seyn; der über dem Kopf hervorragende Stift ist vielleicht zu dessen Befestigung bestimmt. Der über dem Körper stehende nachdenkende Künstler hat irgend ein sdneidendes Instrument zu seinen Zwecken in der Hand. Es kommt nun darauf an, ob erfahrene Renner unter den vielen festlichen Aufzügen des Alterthums eine solche Art Handlung auffinden werden oder schon aufgefunden haben.

In der neuern Zeit ergab sich etwas ähnlid)es, daß in einer nordamerikanischen Stadt, ich glaube Boston, die Handwerker mit großem Festapparat vor einigen Jahren einen solchen Umzug durchgeführt.

Reizmittel in der bildenden Kunft.

Wenn wir uns genau beobachten, fo finden wir daß Bildwerke uns vorzüglich nach Maßgabe der vorgestellten Bewegung interessiren. Einzelne ruhige Statuen können uns durch hohe Schönheit fesseln, in der Malerei leistet dasselbe Ausführung und Prunk: aber zulegt schreitet doch der Bildhauer zur Bewegung vor, wie im Laokoon und der neapolitanischen Gruppe des Stiers ; Canova bis zur Vernichtung des lichas und der Erdrüđung des Centauren. Diese folgereiche Betrachtung deuten wir nur an, um überzugehen zu Bemerkungen über die Schlange als Reizmittel in der bildenden Kunst.

Hiezu geben uns die Abgüsse der Stoschischen Sammlung Gelegenheit. Ohne weiteres zählen wir die Beispiele her:

1) Ein Adler; er steht auf dem rechten Fuße, um den sich eine Sd lange gewiđelt hat, deren oberer Theil drohend hinter dem linken Flügel hervorragt; der edle Vogel schaut nach derselben Seite und hat auch die linke Klaue aufgehoben im Vertheidigungszustand. Ein köstlicher Gedanke und vollkommene Composition.

2) Eine geistreiche Darstellung, eine Art von Parodie auf die erste. Ein Hahn, so anmaßlich als ihn die Alten darzustellen pflegen, tritt mit dem linken Fuße auf den Schwanz einer Schlange, die sich parallel mit ihm als Gegnerin drohend emporhebt. Er scheint nicht im mindesten von der Gefahr geïührt, sondern troßt dem Gegner mit geschwollenem Ramm.

3) Ein Storch, der sich niederbüdend eine kleinere Schlange zu fassen, zu verschlingen bereitet, wo alfo dieß Gewürm nur als Nahrungsmittel Appetit und Bewegung erregt.

4) Ein Stier im vollen Lauf, gleichsam fliehend ; mitten von der Erde erhebt sid, eine Schlange seine Weichen bedrohend. Nöstlich gedacht und allerliebst ausgeführt.

5) Ein uralt griedrisdier geschnittener Stein in meinem Besiß. Ein gehelmter Held, dessen Sdsild an der Seite steht, dessen rechter Fuß von einer Schlange umwunden ist, beugt sid), um sie zu fassen, sich von ihr zu befreien.

Alterthumsforscher wollten hierin den Hercules sehen, welcher wohl auch gerüstet vorgestellt würde, ehe er den Nemeischen Löwen erlegt und sich alsdann halbnađt als kunstgemäßer Gegenstand dem bildenden Künstler darbot.

Unter den mir bekannten Gemmen findet sich dieser, oder ein ähnlidher Gegenstand nicht behandelt.

6) Das Höchste dieser Art möchte denn wohl der Laokoon seyn, wo zwei Schlangen sich mit drei Menschengestalten herumkämpfen; jedod wäre über ein so allgemein Bekanntes wohl nichts weiter hinzuzufügen.

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