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daß wenn man meinen Aussatz nicht als eine Erklärung zu jenen Bildern wollte gelten lassen, man denselben als ein Gedicht zu einem Gedicht ansehen möge, durch deren Wechselbetrachtung wohl ein neuer Genuß entspringen könnte.

Uebrigens will ich nicht in Abrede seyn, daß hinter dem sinnlich ästhetischen Vorhange dieser Bilder noch etwas anderes verborgen seyn dürste, das den Augen des Künstlers und Liebhabers entrückt, von Alterthumskennern entdeckt, zu tieserer Belehrung dankbar von uns auszunehmen ist.

So vollkommen ich jedoch diese Werke dem Gedanken und der Aussührung nach erkläre, so glaube ich doch Ursache zu haben an dem hohen Alterthum derselben zu zweiseln. Sollten sie von alten griechischen Cumanern versertigt seyn, so müßten sie vor die Zeiten Alexanders gesetzt werden, wo die Kunst noch nicht zu dieser Leichtigkeit und Geschmeidigkeit in allen Theilen ausgebildet war. Betrachtet man die Eleganz der Herculanischen Tänzerin, so möchte man wohl jenen Künstlern auch diese neugesundenen Arbeiten zutrauen, um so mehr, als unter jenen Bildern solche angetrossen werden, die in Absicht der Erfindung und Zusammenbildung, den gegenwärtigen wohl an die Seite gestellt werden können.

Die in dem Grabe gesundenen griechischen Wortsragmente scheinen mir nicht entscheidend zu beweisen, da die griechische Sprache den Römern so geläufig, in jenen Gegenden von Alters her einheimisch und wohl auch aus neueren Monumenten im Brauch war. Ja, ich gestehe es, jener lemurische Scherz will mir nicht ächt griechisch vorkommen, vielmehr möchte ich ihn in die Zeiten setzen, aus welchen die Philostrate ihre Halb- und Ganzsabeln, dichterische und rednerische Beschreibungen hergenommen.

Homere Apotheose.

Ein antikes Basrelies, gesunden in der Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts zu Marino, aus den Gütern des Fürsten Colonna, in den Ruinen der Villa des Kaisers Claudius, zu unserer Zeit in dem Palast Colonna noch vorhanden, stellt den alten Homer dar, wie ihm göttliche Ehre bewiesen wird. Wir sind auss neue ausmerksam daraus geworden durch einige Figuren dieser Vorstellung, deren Abgüsse uns durch Freundeshand zugekommen.

Um sich den Sinn dessen, was wir zu sageu gedenken, sicherer zu entwickeln, betrachte man eine Abbildung von dem Florentiner Gallestruzzi, im Jahr 1656 gezeichnet und gestochen. Sie findet sich in Kirchers 1^3tium, bei der 80. Seite, und in Cupers Werke gleich zu Ansang; sie giebt uns einen hinreichenden Begriss von diesem wichtigen Alterthum; denn Gallestruzzi hatte sür solche Nachbildungen genugsame Geschicklichkeit, welche dem Kunstliebhaber schon bekannt ist durch ähnliche nach Polidor radirte Blätter, z. B. den Untergang der Familie Niobe, nicht weniger durch die Kupser zu ^ß08tini (Zemme 2nticlie lizur»te.

Da in einem problematischen Falle eines jeden Meinung sich nach Belieben ergehen dars, so wollen wir, ohne weitläuftige Wiederholung dessen, was hierüber bisher gedacht und gestritten worden, unsere Auslegung kürzlich vortragen. Und hierbei sondern wir, was nach prüsender Betrachtung des Bildes, nach Lesung der darüber vorhandenen Schristen völlig klar geworden, und was zu erörtern allensalls noch übrig geblieben wäre.

Klar ist, mit beigesügten Worten bestimmt und ausgelegt, die vor einem abgeschlossenen Vorhangsgrunde, als in einem Heiligthum, abgebildete göttliche Verehrung Homers aus dem untern Theile des Bildes. Er sitzt, wie wir sonst den Zeus abgebildet sehen, aus einem Sessel, jedoch ohne Lehnen, die Füße aus einem Schemel ruhend, den Scepter in der Linken, eine Rolle in der Rechten. Die Jlias und Odyssee knieen sromm an seiner Seite, hinter ihm Eumelia, die ihn bekränzt, Kronos zwei Rollen in Händen; unter dem Schemel sind die Mäuslein nicht vergessen; Mythos als bekränzter Opserknabe mit Gießgesäß und Schale; ein gebuckelter Stier im Hintergrunde; Historia streut Weihrauch aus den Altar; Poesis hält ein paar Fackeln sreudig in die Höhe; Tragödia, alt und würdig, Comödia, jung und anmuthig, heben ihre rechte Hand begrüßend aus, alle vier gleichsam im Vorschreiten gebildet; hinter ihnen eine Turba stehend, ausmerksam, deren einzelne Figuren mehr durch die Jnschristen, als durch Gestalt und Beiwesen erklärt werden; und wo man Buchstaben und Schrift sieht, läßt man sich wohl das übrige gesallen.

Aber von oben herunter dars man, auch ohne Namen und Inschrist, die Vorstellung nicht weniger sür klar halten.

Aus der Höhe des Berges Zeus sitzend, den Zepter in der Hand, den Adler zu Füßen; Mnemosyne hat eben von ihm die Erlaubniß zur Vergötterung ihres Lieblings erhalten: er, mit rückwärts über die Schulter ihr zugewandtem Gesicht, scheint mit göttlicher Gleichgültigkeit den Antrag bejaht zu haben; die Mutter alles Dichtens aber, im Begriff sich zu entsernen, schaut ihn mit aus die Hüste gestütztem rechtem Arm, gleichsalls über die Schulter an, als wenn sie ihm nicht besonders dankte sür das, w^s sich von selbst verstehe.

Eine jüngere Muse, kindlich munter hinabspringend, verkündet's sreudig ihren sieben Schwestern, welche, aus den beiden mittleren Planen sitzend und stehend, mit dem, was oben vorging, beschästigt scheinen. Sodann erblickt man eine Höhle, daselbst Apollo Musagetes in herkömmlich langem Sängerkleide, welcher ruhig ausmerksam da steht, neben ihm Bogen und Pseile über ein glockensörmiges Gesäß gelehnt.

So weit nun können wir uns sür ausgeklärt halten und stimmen mit den bisherigen Auslegern meistentheils hierin überein. Von oben herein wird nämlich das göttliche Patent ertheilt und den beiden mittleren Reihen publicirt; das unterste vierte, von uns schon beschriebene Feld aber stellt die wirkliche, obgleich poetisch-symbolische Verleihung der zugestandenen hohen Ehre dar.

Problematisch bleiben uns jedoch noch zwei Figuren in dem rechten Winkel der zweiten Reihe von unten. Aus einem Piedestal steht eine Figur, gleichsam als Statue eines mit gewöhnlichem Unterkleid und vierzipseligem Mantel angethanen Mannes von mittlerem Alter; Füße und Hände sind nackt; in der Rechten hält er eine Papier- oder Pergamentrolle und über seinem Haupte zeigt sich der obere Theil eines Dreisußes, dessen Gestell jedoch, ganz gegen die Eigenthümlichkeit einer solchen Maschine, bis zu den Füßen des Mannes heruntergeht.

Die srüheren Erklärungen dieser Figur können in einigen diesem Gegenstand gewidmeten Schriften nachgelesen werden; wir aber behaupten, es sey die Abbildung eines Dichters, der sich einen Dreisuß durch ein Werk, wahrscheinlich zu Ehren Homers, gewonnen, und zum Andenken dieser sür ihn so wichtigen Begebenheit sich hier als den Widmenden vorstellen lasse.

Vorgemeldetes Buch schlugen wir nach, um zu ersahren, in wiesern die persönliche Gestalt des Widmenden oder sonst Betheiligten mit in die bildlichen Darstellungen eingreise, welche sowohl an Sarkophagen als an Grabeswänden plastisch und malerisch uns ausbewahrt sind.

Eben so wie wir bei den römisch -heidnischen Gräbern gesehen haben, sinden sich Halbsiguren mit beiden Armen, entweder allein oder zu zweien, Mann und Frau, Vater und Sohn, sodann auch, nach alter heidnischer Weise an Familientischen mit besonders großen Weingesäßen.

Mit ausgestreckten Armen, als Betende, kommen besonders Frauen vielsach vor, meist allein, sodann aber auch mit Assistenten.

Vielleicht sind sie auch als Mithandelnde in den biblischen Geschichten dargestellt, als Theilnehmende an den heilsamen Wundern, wie denn hie und da knieende und dankende Figuren vorkommen. Offenbar aber sind sie persönlich als widmende vorgestellt in kleinen Manns- und Frauensfiguren zu Christi Füßen, der aus einem Berge steht, aus welchem die vier paradiesischen Quellen entspringen. Dergleichen sind zu sehen Seite 67. 69. 75. 85 und 87.

Gleichsalls ossenbar kommen sie als Handwerker und Arbeitende vor, am ostesten als Cavatori, als Grabhöhlengräber, welche wahrscheinlich als Handarbeiter mitunter zugleich Architekten waren; wie man aus den kunstgemäß ausgehauenen Grabgewölben gar wohl zu erkennen hat. Mag nun seyn, daß sie sich selbst auch ihre Grabhöhlen aushöhlten, und nicht allein andern, sondern auch sich und den Jhrigen diesen frommen Dienst leisten wollten, oder daß ihnen aus sonst einer Ursache erlaubt gewesen sich dieses Denkmal in sremden Grabwohnungen zu stiften: genug, sie erscheinen mit Piken, Hacken und Schauseln, und die Lampe sehlt nicht.

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