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decorirenden Künstler thun, sich einen Vorrath von trefflichen Mustern gehalten haben. Die Zeit, in welche die Errichtung dieses Monuments fällt, ist nicht mehr productiv; man nahm schon längst zum Nachbilden seine Zuflucht, wie späterhin immer mehr:

Ein Werk dieser Art, das in einem höhern Sinne collectiv ist, aus mancherlei Elementen, aber mit Zweck, Sinn und Geschmack zusammens

gestellt ist, läßt sich nicht bis auf die geringsten Glieder dem Verstande . vorzählen; man wird sich immer bei Betrachtung desselben in einer ge

wiffen läßlichkeit erhalten müssen, damit man die Vorzüge des Einzelnen scharf und genau kenne, dagegen aber Absicht und Verknüpfung des Ganzen eher behaglich als genau sich in der Seele wieder erschaffe.

Offenbar sind hier die realsten und ideelsten, die gemeinsten und höchsten Vorstellungen auf eine künstlerische Weise vereinigt, und es ist uns kein Denkmal bekannt, worin gewagt wäre einen so widersprechenden Reichthum mit solcher Kühnheit und Großheit der betrachtenden Gegenwart und Zukunft vor die Augen zu stellen. Ohne uns durch die Schwierigkeit einer vielleicht geforderten Darstellung abschrecken zu lassen, haben wir die einzelnen Bilder unter Rubriken zu bringen gesucht, und wie überdem diese niedergeschriebenen Worte ohne die Gegenwart des so höchst gelungenen Modells auch nicht im mindesten befriedigen können, so haben wir an manchen Stellen mehr angedeutet als ausgeführt. Denn in diesem Falle besonders gilt: Was man nicht gesehen hat, gehört uns nicht, und geht uns eigentlich nichts an. Hiernach beurtheile man die versuchte Darstellung der einzelnen Bilder unter gewissen Rubriken.

Weimar, den 1. Juni 1829.

Der Tänzerin Grab.

1812.

Das entdeckte Grab ist wohl für das Grab einer vortrefflichen Tänzerin zu halten, welche, zum Verdruß ihrer Freunde und Bewunderer, zu früh von dem Schauplaş geschieden. Die drei Bilder muß id, cyklisdy, als eine Trilogie, ansehen. Das kunstreiche Mädchen erscheint in allen dreien, und zwar in ersten die Gäste eines begüterten Mannes zum Hochgenuß des Lebens entzückend; das zweite stellt sie vor, wie sie im Tartarus, in der Region der Verwesung und Halbvernichtung, kümmerlich ihre Künste fortseßt; das dritte zeigt sie uns, wie sie, dem Schein nach wieder hergestellt, zu jener ewigen Schattenseligkeit gelangt ist. Das erste und legte Bild erlauben keine andere Auslegung; die des mittlern ergiebt sich mir aus jenen beiden.

Es wäre kaum nöthig, diese schönen Kunstproducte nod; besonders durchzugehen, da sie für sich zu Sinn, Gemüth und Kunstgeschmad so deutlich reden. Allein man kann sich von etwas Liebenswürdigem so leicht nicht loswinden, und ich spreche daher meine Gedanken und Empfindungen mit Vergnügen aus, wie sie sich mir bei der Betrachtung dieser schönen Gebilde immer wieder erneuern.

Die erste Tafel zeigt die Künstlerin als den höchsten lebendigsten Schmuck eines Gastmahls, wo Gäste jedes Alters mit Erstaunen auf sie schauen. Unverwandte Aufmerksamkeit ist der größte Beifall, den das Alter geben kann, das eben so empfänglich als die Jugend, nicht eben so leicht zu Neußerungen gereizt wird. Das mittlere Alter wird schon seine Bewunderung in leichter Handbewegung auszudrücken angeregt, so auch der Jünglir.z; doch dieser beugt sich überdieß empfindungsvoll zusammen, und schon fährt der Jüngste der Zuschauer auf und beklatscht die wahrgenommenen Tugenden wirklich.

Vom Effecte, den die Künstlerin hervorgebracht und der uns in seinen Abstufungen zuerst mehr angezogen als sie selbst, wenden wir uns nun zu ihr und finden sie in einer von jenen gewaltsamen Stellungen, durdy welche wir von lebenden Tänzerinnen so höchlich ergößt werden. Die schöne Beweglichkeit der Uebergänge, die wir an solchen Künstlerinnen bes wundern, ist hier für einen Moment firirt, so daß wir das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige zugleich erblicken und schon dadurch in einen überirdischen Zustand verseķt werden. Audy hier erscheint der Triumph der Kunst, welche die gemeine Sinnlichkeit in eine höhere verwandelt, so daß von jener kaum eine Spur mehr zu finden ist.

Daß die Künstlerin sich als ein bacchisches Mädchen darstellt und eine Reihe Stellungen und Handlungen dieses Charakters abzuwickeln im Begriff ist, daran läßt sich wohl nicht zweifeln. Auf dem Seitentische stehen Geräthschaften, die sie braucht, um die verschiedenen Momente ihrer Darstellung mannichfaltig und bedeutend zu machen, und die hinten über schwebende Büste scheint eine helfende Person anzudeuten, die der Hauptfigur die Requisiten zureicht und gelegentlich einen Statisten macht; dein mir scheint alles auf einen Solotanz angelegt zu seyn.

Ich gehe zum zweiten Blatt. Wenn auf dem ersten die Künstlerin und reich und lebensvoll, üppig, beweglicy, graciös, wellenhaft und fließend erschien, so sehen wir hier, in dem traurigen lemurischen Reiche, von allem das Gegentheil. Sie hält sich zwar auf einem Fuße, allein sie drückt den andern an den Schenkel des erstern, als wenn er einen Halt suchte. Die linke Hand stüßt sich auf die Hüfte, als wenn sie für sich selbst nicht Kraft genug hätte; man findet hier die unästhetische Kreuzesform, die Glieder gehen im Zickzac, und zu dem wunderlichen Ausdruck muß selbst der rechte aufgehobene Arm beitragen, der sich zu einer sonst graciös gewesenen Stellung in Bewegung seßt. Der Standfuß, der aufgestügte Arm, das angeschlossene Snie, alles giebt den Ausdruck des Stationären, des Beweglid) - Unbeweglichen – ein wahres Bild der traurigen Lemuren, denen noch so viel Muskeln und Sehnen übrig bleiben, daß sie sich fümmerlich bewegen können, damit sie nicht ganz als durchsichtige Gerippe erscheinen und zusammenstürzen.

Aber auch in diesem widerwärtigen Zustande muß die Künstlerin auf ihr gegenwärtiges Publicum noch immer belebend, nod immer anziehend und kunstreich wirken. Das Verlangen der herbeieilenden Menge, der Beifall, den die ruhig Zuschauenden ihr widmen, sind hier in zwei Halbgespenstern sehr köstlidy symbolisirt. Sowohl jede Figur für sich als alle brei zusammen componiren vortrefflich und wirken in Einem Sinne zu Einem Ausdruck. Was ist aber dieser Sinn, was ist dieser Ausdruck ?

Die göttliche Kunst, welche alles zu veredeln und zu erhöhen weiß, mag auch das Widerwärtige, das Absdyeuliche nicht ablehnen. Eben hier will sie ihr Majestätsrecht gewaltig ausüben; aber sie hat nur Einen Weg, dieß zu leisten: sie wird nicht Herr vom Häßlichen, als wenn sie es komisch behandelt; wie denn ja Zeuris sich über seine eigene, ing Häßlichste gebildete Hecuba zu Tode gelacht haben soll.

Eine Künstlerin, wie diese war, mußte sich bei ihrem Leben in alle Formen zu schmiegen, alle Rollen auszuführen wissen, und jedem ist aus Erfahrung bekannt, daß uns die komischen und nedischen Exhibitionen solcher Talente oft mehr aus dem Stegreife ergößen, als die ernsten und würdigen, bei großen Anstalten und Anstrengungen.

Bekleide man dieses gegenwärtige lemurische Scheusal mit weiblich jugendlicher Muskelfülle, man überziehe sie mit einer blendenden Haut, man statte sie mit einem schidlichen Gewand aus, welches jeder geschmacvolle Künstler unserer Tage ohne Anstrengung ausführen kann, so wird man eine von den komischen Posituren sehen, mit denen uns Harlekin und Colombine unser Leben lang zu ergößen wußten. Verfahre man auf dieselbe Weise mit den beiden Nebenfiguren, und man wird finden, daß hier der Pöbel gemeint ser, der am meisten von solcherlei Vorstellungen angezogen wird.

Es sey mir verziehen, daß ich hier weitläuftiger, als vielleicht nöthig wäre, geworden; aber nicht jeder würde mir gleich auf den ersten Anblick diesen antiken humoristischen Geniestreich zugeben, durch dessen Zauberkraft zwischen ein menschliches Schauspiel und ein geistiges Trauerspiel eine lemurische Posse, zwischen das Sdyöne und Erhabene ein Fraßenhaftes hineingebildet wird. Jedoc gestehe ich gern, daß ich nicht leicht etwas Bewundernswürdigeres finde, als das ästhetische Zusammenstellen dieser drei Zustände, welche alles enthalten, was der Mensch über seine Gegenwart und Zukunft wissen, fühlen, wähnen und glauben kann.

Das letzte Bild, wie das erste, spricht sich von selbst aus. Charon

nothig

auf den ersten

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hat die Künstlerin in das Land der Schatten hinübergeführt, und schon bliďt er zurück, wer allenfalls wieder abzuholen drüben stehen möchte. Eine den Todten günstige und daher auch ihr Verdienst in jenem Reiche des Vergessens bewahrende Gottheit blidt mit Gefallen auf ein entfaltetes Pergament, worauf wohl die Rollen verzeichnet stehen mögen, in welchen die Künstlerin ihr Leben über bewundert worden: denn wie man den Dichtern Denkmale seßte, wo zur Seite ihrer Gestalt die Nainen der Tragödien verzeichnet waren, sollte der praktische Künstler sich nicht auch eines gleichen Vorzugs erfreuen ?

Besonders aber diese Künstlerin, die, wie Orion seine Jagden, jo ihre Darstellungen hier fortfeßt und vollendet. Cerberus schweigt in ihrer Gegenwart; sie findet schon wieder neue Bewunderer, vielleicht schon ehes malige, die ihr zu diesen verborgenen Regionen vorausgegangen. Eben so wenig fehlt es ihr an einer Dienerin; auch hier folgt ihr eine nach, welche, die ehemaligen Functionen fortseßend, den Shawl für die Herrin bereit hält. Wunderschön und bedeutend sind diese Umgebungen gruppirt und disponirt, und doch machen sie, wie auf den vorigen Tafeln, bloß den Rahmen zu dem eigentlichen Bilde, zu der Gestalt, die hier, wie überall, entscheidend hervortritt. Gewaltsam erscheint sie hier, in einer Mänadischen Bewegung, welche wohl die legte seyn mochte, womit eine solche Bacchische Darstellung beschlossen wurde, weil drüber hinaus Verzerrung liegt. Die Künstlerin scheint mitten durch den Kunstenthusiasmus, welcher sie auch hier begeistert, den Unterschied zu fühlen des gegenwärtigen Zustandes gegen jenen, den sie so eben verlassen hat. Stellung und Ausdruck sind tragisdy, und sie könnte hier eben so gut eine Verzweifelnde als eine vom Gott mächtig Begeisterte vorstellen. Wie sie auf dem ersten Bilde die Zuschauer durch ein absichtliches Wegwenden zu neđen schien, so ist sie hier wirklich abwesend; ihre Bewunderer stehen vor ihr, klatschen ihr entgegen, aber sie achtet ihrer nicht, aller Außenwelt entrüdi, ganz in sich selbst hineingeworfen. Und so schließt sie ihre Darstellung mit den zwar stummen, aber pantomimisch genugsam deutlichen, wahrhaft heidnisch tragischen Gesinnungen, welche sie mit dem Achill der Odyssee theilt, daß es besser sey, unter den lebendigen als Magd einer Künstlerin den Shawl nachzutragen, als unter den Todten für die Vortrefflichste zu gelten.

Sollte man mir den Vorwurf machen, daß ich zu viel aus diesen Bildern herausläse, so will ich die clausulam salutarem hier anhängen,

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