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errichten, ohne daß irgend jemand an jenes Monument gedacht hätte. Es ist freilich [djon aus einer spätern Zeit, aber man sieht immer nod) die Lust und Liebe, seine persönliche Gegenwart mit aller Umgebung und den Zeugnissen von Thätigkeit sinnlich auf die Nachwelt zu bringen. Hier stehen Eltern und Kinder gegen einander, man schmaust im Familienkreise; aber damit der Besdauer auch wisse, woher die Wohlhäbigkeit komme, ziehen beladene Saumrosse einher; Gewerb und Handel wird auf mancherlei Weife vorgestellt. Denn eigentlich sind es Kriegscommissarien, die sich und den Ihrigen dieß Monument errichteten, zum Zeugniß, daß damals, wie jeßt, an folcher Stelle genugsamer Wohlstand zu erringen sey.

„Man hat diesen ganzen Spißbau aus tüchtigen Sandquadern roh über einander gethürmt und alsdann, wie aus einem Felsen, die architektonisch-plastischen Gebilde herausgehauen. Die so manchem Jahrhunderte widerstehende Dauer dieses Monuments mag sich wohl aus einer so gründlichen Anlage hersdreiben."

Den 22. October 1792. „Ein herrlicher Sonnenblick belebte so eben die Gegend, als mir das Monument von Igel, wie der Leuchtthurm einem nächtlich Schiffenden, entgegenglänzte.

„Vielleicht war die Nacht des Alterthums nie so gefühlt worden, als an diesem Contrast; ein Monument, zwar auch kriegerischer Zeiten, aber doch glüdlicher, siegreicher Tage und eines dauernden Wohlbefindens rühriger Menschen in dieser Gegend.

„Obgleich in später Zeit, unter den Antoninen, erbaut, behält es immer von trefflicher Kunst noch so viel Eigenschaften übrig, daß es uns im Ganzen anmuthig-ernst zuspricht, und aus seinen, obgleich sehr beschädigten Theilen das Gefühl eines fröhlich-thätigen Daseyns mittheilt. Es hielt mich lange fest; ich notirte manches, ungern scheidend, da ich mich nur desto unbehaglicher in meinem erbärmlichen Zustande fühlte.“

Seit der Zeit versäumte ich nicht, jenen Eindruck, und war es auch nur einigermaßen, vor der Seele zu erneuern. Auch unvollständige und unzulängliche Abbildungen waren mir" willkommen; z. B. ein englischer Kupferstic, eine französische Lithographie nad General de Howen, so wie auch die lithographirte Skizze der Herzogin von Rutland. Jene ersten beiden erinnerten wenigstens an die wunderbare Stelle dieses Alterthums in nordischer ländlicher Umgebung. Viel näher brachte schon den erwünschten Augenschein die Bemühung des Herrn Duednow, sowie der Herren Hawich und Neurohr: lekterer hatte sich besonders auch über die Literatur und Geschichte, in sofern sie dieses Denkmal behandelt, umständlich ausgebreitet, da denn die verschiedenen Meinungen über dasselbe, welche man hierbei erfuhr, ein öfteres Kopfschütteln erregen mußten. Diese zwar dankenswerthen Vorstellungen ließen jedoch manches zu wünschen übrig: denn obgleich auf die Abbildungen Fleiß und Sorgfalt verwendet war, so gab doch der Totaleindruck die Ruhe nicht, welche das Monument selbst verleiht, und im Einzelnen fchien die Lithographie das Verwitterte roher und das Ueberbliebene stumpfer vorgestellt zu haben, dergestalt daß zwar Menntniß und Uebersicht mitgetheilt, das eigentliche Gefühl aber und eine wünschenswerthe Einsicht nicht gegeben ward.

Beim ersten Anblick Ihrer höchst schäßenswerthen Arbeit jedoch trat mir gerade das Erwünschteste entgegen. Dieses bronzene Facsimile in Miniatur bringt uns jene Eigenthümlichkeiten so vollkommen vor die Seele, daß ich geneigt war fhrem Werke unbedingtes enthusiastisches Lob zuzurufen. Weil ich aber auf meiner langen Laufbahn gewarnt bin, und oft gemerkt habe, daß man Gegenständen der Kunst, so wie auch Personen, für die man ein günstiges Vorurtheil gefaßt hat, alles nachsieht und in Gefahr kommt ihre Vorzüge zu überschäßen, so verlangte ich eine Autorität für meine Gefühle und eine Sicherheit für dieselben in dem Ausspruch eines unbestechbaren Renners.

Glüdlicherweise stand mir nun ein längst geprüfter Freund zur Seite, dessen Kenntnisse id seit vielen Jahren sich immer vermehren, sein Urtheil dem Gegenstande immer angemessen gesehen. Es ist der Director unserer freien Zeichenschule, Herr Heinrich Meyer, Hofrath und Ritter des weißen Falkenordens, der, wie so oft, mir auch diesmal die Freude machte meine Neigung zu billigen und meine Vorliebe zu rechtfertigen. Mehrmalige Gespräche in Gegenwart des allerliebsten Kunstwerkes, verschiedene daraus entsprungene Auffäße versdafften nun die innigste Bekanntschaft mit demselben. Nachstehendes möge als Resultat dieser Theilnahme angesehen werden, ob wir es gleich auch nur aufstellen als unsere Ansicht unter den vielen möglichen, voraussehend, daß über dieses Werk, in sofern es problematisch ist, die Meinungen sich niemals vereinigen, vielmehr, wo nicht im Gegensaß, doch im Schwanken und Zweifeln nadı menschlicher Art erhalten werden.

Amtsgeschäfte. 1) Hauptbasrelief im Basement der Vorderseite: An zwei Tischen mehrere Versammelte, Wichtiges verhandelnd. Ein dirigirender Sißender, Vortragende, Einleitende, Ankömmlinge.

2) Seitenbild in der Attika, zwei Sißende, zwei im Stehen Theilnehmende, kann als Rentkammer, Comptoir und dergleichen angesehen werden.

B.

Fabrication. 3) Hauptbild in der Attika, eine Färberei darstellend. In der Mitte heben zwei Männer ein ausgebreitetes, wahrscheinlich schon gefärbtes Tuch in die Höhe; der Ofen, worin der Reffel eingefügt zu denken ist, sieht unten hervor. Auf unserer linken Seite tritt ein Mann heran, ein Stück Tud, über der Schulter hängend, zum Färben bringend; zur Rechten ein anderer im Weggehen, ein fertiges davon tragend.

4) Langes Basrelief im Fries mag irgend eine chemische Behandlung vorstellen, vielleicht die Bereitung der Farben und sonst.

C.

Transport sieht man am vielfachsten und öftersten dargestellt, wie denn ja auch das Beischaffen aller Bedürfnisse das Hauptgeschäft der Kriegscommissarien ist und bleibt.

5) Wassertransport, sehr bedeutend in den Stufen des Sođels, die er, nach den Ueberbliebenen zu schließen, fämmtlich scheint eingenommen zu haben. Häufige sogenannte Meerwunder, hier wohl bloß im allgemeinen als Wasserwunder gedacht. Die Schiffe werden gezogen, welches auf Flußtransport einzig deutet.

6) Seitenbild in der Base: Ein sdhwer beladener Wagen mit drei Maulthieren bespannt, aus einem Stadtthor nach Bäumen hin lenkend.

7) Seitenbild in der Attika: Ein Jüngling lehrt einen Knaben, der auf seinem Schooße figt, den Wagen führen, beide nadt. Ein allerliebstes Bild, hindeutend, daß diese Geschäfte erblich in der Familie gewesen, und daß man die Füngsten gleich in dem Metier unterrichtet, welches für sie das Wichtigste blieb.

8) Bergtransport, gar artige halbsymbolische Wirklichkeit. Rechts und links zwei Gebäude, zwischen denselben ein Hügel. Von unserer Linken steigt ein beladenes Maulthier mit seinem Führer die Höhe hinan, während ein anderes Lastthier, ebenfalls von einem Führer begleitet, rechts hinabsteigt. Oben auf dem Gipfel in der Mitte ein ganz kleines Häuschen, die Ferne und Höhe andeutend. .

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- D. Familien- und häusliche Verhältnisse. 9) Großes Bild der Vorderseite, eigentlich das Hauptbild des Ganzen: Drei männliche Figuren; die eine rechts, leicht bekleidet, scheint wegzugehen und von der in der Mitte stehenden kleinern, welche des obern Theils ermangelt, durch Händedruck Abschied zu nehmen; die größere männliche, links, hält in beiden Händen einen Mantel, als wollte sie solchen der scheidenden um die Schultern schlagen. Ueber diesen Figuren sind drei Medaillons, aus Schildern oder Tellern hervorschauende Büsten angebracht, vielleicht die Hauptpersonen der Familie.

10) Schmales und langes Bild im Fries: Ein Angesehener, welcher unter einem Vorhang heraustritt, erhält von sechs Figuren Naturalatgaben, Wildpret, Fische u. s. w.; andere Männer stehen, mit Stäben, als bereite Boten gegenwärtig, alles wohl auf Frohnen und Zinsen deutend; ein hinterster bringt Getränke.

11) Langes Basrelief in der Vorderseite des Frieses: An beiden Seiten eines Tisdhes auf Lehnsesseln sißen zwei Personen, etwas entfernt von der Tafel; zwei dienende, oder vielleicht unterhaltende Figuren beschäftigt hinter dem Tische. In einer Abtheilung rechts die Rüche mit Herd und Schüsseln; ein Koch bereitet Speisen, ein anderer scheint auftragen zu wollen. Links, in einer Abtheilung, der Schenktisch mit Gefäßen: ein Mann ist beschäftigt einen Krug herabzuheben; ein anderer gießt Getränk in eine Schale.

E. Mythologische Gegenstände.. Sie sind gewiß sämmtlich auf die Familie und ihre Zustände im allgemeinen zu deuten, wenn dieses auch im einzelnen durchzuführen nicht gelingen möchte.

12) Hauptbild der Rückseite: In der Mitte eines Zodiaks Hercules auf einem Viergespann, seine Hand einer aus der Höhe sich herunter neigenden Figur hinreichend. Außerhalb dieses Kreises, in den Ecken des Quadrats, vier große Köpfe, herausschauend, Vollgesichter, jedoch sehr flach gehalten, von verschiedenem Alter, die vier Winde vorstellend. Man beschaue diese ganze Abtheilung recht aufmerksam und frage sid): Könnte man wohl eine thätige, durch glücklichen Erfolg belohnte Lebensweise reicher und entschiedener ausdrücken?

13) 3st nun hierdurch der Jahr- und Witterungslauf angedeutet, jo e«scheint im Giebel das Haupt der Luna, um die Monden zu bezeidinen. Ein Reh springt zur Seite hervor. Nur die Hälfte des Bildes ist übrig geblieben.

14) Daneben, gleichfalls in Giebelfelde, Helios, Beherrscher des Tages, mit frei und frohem Antliß. Die hinter dem Haupt hervorspringenden Pferde sind zu beiden Seiten erhalten. Darunter

15) Hauptbild in der Attika der Rüdseite: Ein Jüngling, zwei hochbeinige Greife am Zaume haltend, eben als wenn er der Sonne Relais gelegt hätte.

16) In Fronton der Hauptseite: Hylas, von den Nymphen geraubt.

17) Auf dem Gipfel des Ganzen eine Kugel, von der sich ein Adler, den Ganymed entführend, erhob. Dieses, wie das vorige Bild, wahrscheinlich auf früh verstorbene Lieblinge der Familie deutend, ganz im antiken classischen Sinn, das Vorübergehende immerfort lebend und blühend zu denken.

18) Endlich möchte wohl im Giebelfelde Mars, zur schiafenden Rhea herantretend, auf den römischen Ursprung der Familie und ihren Zusammenhang mit dem großen Weltreiche zu deuten seyn.

19) und 20) Zu Erklärung und Rangirung der beiden sehr beschädigten vohen Nebenseiten der Hauptmasse des Monuments werden umsichtige Renner das Beste beitragen, welche sich wohl ähnlicher Bilder des Alterthums erinnern, woran man mit einiger Sicherheit diese Lücken restau= riren und ihren Sinn erforschen könnte. Es sind allerdings mythologische Gegenstände, welche hier höchst wahrscheinlich in Beziehung auf die Schicsale und Verhältnisse der Familie abgebildet sind. Denn daß nicht alle hier vorhandenen Bilder, besonders die poetischen, von Erfindung der aus: führenden Künstler seyen, läßt sich vermuthen; sie mögen, wie ja alle Goethe, sämmtl. Werke. XXV.

19.

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