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Die erste Zone sieht man durch ihre Bildwerke einer kräftig-thätigen Jugendzeit gewidmet, geistigen und körperlichen Uebungen und Vorbereitungen mancher Art. Die zweite soll das Andenken eines mittlern Manne8sebens bewahren, in That und Dulden, Wirken und Leiden zugebracyt, auf Krieg und Frieden, Ruhe und Bewegung hindeutend. Die dritte Zone, giebt einem reich gesegneten Familienleben Raum. Die vierte deutet auf das, was für Kunst und Wissenschaft geschehen. Die fünfte läßt uns die Begründung einer sichern Staatsform erblicken, worauf sich denn das Heiligthum eines wohlverdienten Ruhms erhebt.

Ob nun gleich zu unserer Zeit Gebäude dieser Art nicht leicht zur . Wirklichkeit gelangen dürften, so achtete der denkende Künstler doch für Pflicýt zu zeigen, daß ein solches Prachtgerüste nicht bloß phantastisch gefabelt, sondern auf einer "innern Möglichkeit gegründet sey; weßhalb er denn in einem zweiten Blatte die vorsichtige Construction desselben, sowohl in Grundrissen als Durchschnitten, den Kenneraugen vorlegte; woneben man auch, umständlicher als hier geschieht, durch eine gedruckte Erklärung erfahren kann, worauf theils durch reale, theils durch allegorische Darstellungen gedeutet worden.

Und so wird denn endlich an dem Aufriß, welchen die Hauptplatte darstellt, der einsichtige Rennerblick geneigt unterscheiden und beurtheilen, inwiefern die jdywierige Uebereinanderstellung verschiedener Säulenordnungen, von der derbsten bis zu der schlankesten, gelungen, in wiefern die Profile dem jedesmaligen Charakter gemäß bestimmt und genügend gezeichnet worden.

Kehrt nun das Auge zu dem beim ersten Anschauen empfangenen Eindruck nad; einer solchen Prüfung des Einzelnen wieder zurück, so wünschen wir die Frage günstig beantwortet, ob der allgemeine Umriß des Ganzen, der so zu nennende Schattenriß, dem Auge gefällig und nebst seinem reichen Inhalte dem Geiste faßlich sen, indem wir von unserer Seite hier nur eine allgemeine Anzeige beabsichtigen konnten.

Wenn nun der Künstler in einer genauen, zum saubersten ausgeführten Zeichnung das Seinige geleistet zu haben hoffen durfte, so kann die Arbeit des Kupferstechers sich gleichfalls einer geneigten Aufnahme getrösten. Herr Schwerdgeburth, dessen Geschicklichkeit inan bisher nur in kleineren, unsere Taschenbücher zierenden Bildern liebte und bewunderte, hat sich hier in ein Feld begeben, in welchem er bisher völlig fremd gewesen; deßhalb

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eine Unbekanntschaft eines Kupfersteders mit dem ardhitektonischen Detail vom Kenner mit Nachsicht zu beurtheilen seyn dürfte. Ferner ist zu bedenken, daß bei einer solchen Arbeit die geschickteste Hand ohne Beihülfe von mitleistenden Maschinen sich in Verlegenheit fühlen kann.

Eines solchen Vortheils, welcher dem Künstler in Paris und andern in dieser Art vielthätigen Städten zu Hülfe kommt, ermangelt die unsrige so gut wie gänzlich: alles ist hier die That der eigenen freien Hand, es sey daß sie die Radirnadel oder den Grabstichel geführt. Hiedurch aber hat auch dieses Blatt ein gewisses Leben, eine gewisse Anmuth gewonnen, weldie gar oft einer ausschließlich angewandten Technik zu ermangeln pflegt.

Eben so waren bei dem Abdruck gar manche Sdywierigkeiten zu überwinden, die bei größeren, den Fabrikanstalten sich nähernden Gelegenheiten gar leicht zu beseitigen sind, oder vielmehr gar nicht zur Sprache kommen.

Schließlich ist nur nocy zu bemerken, daß dieses Blatt für die Liebhaber der Kunst auch dadurch einen besondern Werth erhalten wird, daß der löbliche Stadtrath zu Weimar dem Kupferstecher die Platte honorirt und die sorgfältig genommenen Abdrücke, als freundliche Gabe, den Verehrern des gefeierten Fürsten zur Erinnerung an jene so bedeutende Epodje zugetheilt hat, welches allgemein mit anerkennendem Danke aufgenommen worden. Sie sind erfreut dem Lebenden als Lebendige ein Denkmal erridtet zu sehen, dessen Sinn und Bedeutung von ihnen um so williger anerkannt wird, als man sonst dergleichen dem oft schwankenden Ermessen einer Nachkommenschaft überläßt, die, mit sich selbst alzusehr beschäftigt, selten den reinen Enthusiasmus empfindet, um rückwärt8 dankbar zu schauen und gegen edle Vorgänger ihre Pflicht zu erfüllen, wozu ihr denn audy wohl Ernst, Mittel und Gelegenheit oft ermangeln mögen.

Architektur in Sicilien.

1828.

Architecture moderne de la Sicile, par J. HITTORF et Zanth.

A Paris.

Wie uns vor Jahren die modernen Gebäude Roms durch Fontaine und Percier, die Florentinischen durch Grandjean und Famin, die Genuefischen durd Gautier belehrend dargestellt worden, so haben sich, um gleichen Zweck zu erreichen, ausgebildete Männer, Hittorf und Zanth, nach Sicilien begeben und liefern uns die dortigen, besonders von Zeitgenoffen Midjel Angelo's errichteten, öffentlichen und Privatgebäude, so wie auch dergleichen aus früheren christlich - firdýlichen Zeiten.

Von diesem Werke liegen uns 49 Tafeln vor Augen, und wir können soldies, sowohl in Gefolg obgenannter Vorgänger als auch um der eigenen Verdienste willen, Künstlern und Kunstfreunden auf das nachdrüclichste empfehlen. Ein reicher Inhalt, so darakteristis(y als geistreich dargestellt, auf das sicherste und zarteste behandelt. Es sind nur Linearzeichnungen, aber durdy zarte und starke Striche ist Licht- und Schattenseite hinreichend ausgedrückt; daher befriedigen sie mit vollkommener Haltung.

Bei gewissen baulichen Gegenständen fanden die Sünstler perspectivisdje Zeidhnung nöthig, und diese madjen den angenehmsten Eindruď; etwas eigenthümlicy Charakteristisches der sicilianischen Baukunst tritt hier hervor; wir wagen es nicht näher zu bezeid, nen, und bemerken nur Einzelnes.

Beim Eintritt in die diesmal gelieferten Messinischen Paläste fieht man sid, in einem Hofe von hohen Woljnungen umkränzt; wir empfinden sogleid, Respect und Wohlgefallen: der Baumeister scheint dem Hausherrn einen anständigen Lebensgenuß zugesichert zu haben; man ist in einer grandiosen, aber nicht allzu ernsten Umgebung. Das gleiche gilt von den Klöstern und andern öffentlichen Gebäuden; man ist von allem Düstern, Drückenden durchaus befreit, und diese Gebäude sind ihrem Zweck völlig angemessen.

Noch eine zweite allgemeine Bemerkung stehe hier. Nicht leicht hat irgendwo eine edle Bildhauerkunft der Einbildungskraft so viel Antheil an ihren Werken gestattet, als wie in Sicilien; deßwegen sie audy schwer zu beurtheilen sind.

Statuen von Menschen, Halbnensden, Thieren und Ungeheuern, Basreliefs mythologischer und allegorisder Art, Verzierungen architektonischer Glieder, alles überschwenglich angebracht, besonders bei Brunnen, die bei ihrer Nothwendigkeit und Nugbarkeit auch den größten Schmuck zu verdienen schienen. Wer an Einfalt und ernsthafte Würde gewöhnt ist, der wird sid, in diesen mannichfaltigen Reichthum kaum zu finden wissen; wir aber konnten ihm an Ort und Stelle nicht ungünstig seyn, und so erfreut es uns, mit ganz außerordentlicher Sorgfalt hier diese fonderbaren Werke dargestellt zu sehen und die architektonische Zierlichkeit ihrer Profile sowohl als die übrige Fülle ihrer Verzierungen zu bewundern. Denn so lange die Einbildungskraft von der Kunst gebändigt wird, giebt sie durchaus zu erfreulichen Gebilden Anlaß; dahingegen wenn Kunst sich nach und nach verliert, der regelnde Sinn entweicht und das Handwerk mit der Imagination allein bleibt; da nehmen sie unaufhaltsam den Weg, welcher, wie schon in Palermo der Fall ist, zum Pallagenischen Unsinn nicht Schritt für Schritt, sondern mit Sprüngen hinführt.

Architecture antique de la Sicile, par J. HITTORF et ZanTH.

A. Paris.

Von diesem Werke sind 31 Tafeln in unsern Händen: sie enthalten die Tempel von Segeste und Selinunt, geographische und topographische Karten, die genauesten architektonischen Risse und charakteristische Nachbildungen der wundersamen Basreliefs und Ornamente, zugleich mit ihrer Färbung, und erheben uns zu ganz eigenen neuen Begriffen über alte Baukunst. Früheren Reisenden bleibe das Verdienst die Aufmerksamkeit erregt zu haben, wenn diese legtern, begabt mit mehr historisd) – kritischen

und artistischen Hülfsmitteln, endlich das Eigentliche Veisten, was zur wahren Erkenntniß und gründlichen Bildung zulegt erfordert wird.

Mit Verlangen erwarten wir die Nachbildungen der Tempel zu Girgenti, besonders aber hinlängliche Kenntniß von den legten Ausgrabungen, wovon uns einige Blätter in-Osterwalds Sicilien schon vorläufige Renntniß gegeben und ein einzelner Theil in einem landschaftlichen Gemälde dargestellt die angenehmsten Eindrüde verleiht, die wir in folgendem näher aussprechen.

Südöstliche Ecke des Jupitertempels von Girgenti, wie sie sich nach

der Ausgrabung zeigt. Delbild von Herrn von Klenze, föniglich bayerischem Oberbaudirector.

Ein Gemälde, nicht nur des Gegenstandes wegen für den Alters thumsforscher belehrend, sondern auch befriedigend, ja erfreulich dem Kunstfreund, wenn er das Werk bloß als Landschaft betrachtet.

Die Luft mit leichtem Gewölf ist recht schön, klar, gut abgestuft ; die Behandlung desselben beweist des Meisters Kunstfertigkeit; nicht weniger Lob verdient auch die gar zierlic), fleißig und geschmadvoll ausgeführte weite Küstenstrecke des Mittelgrundes. Vorn im Bilde liegen die kolossalen Tempelruinen mit solcher Präcision der Zeichnung, solcher auf das Wesentliche im Detail verwendeten Sorgfalt ausgeführt, wie es nur von einem im Fach der Ardhitekturzeichnung vielgeübten Künstler zu erwarten ist. Der so glüdlich in dem geschmadvollen Ganzen restaurirt aufgestellte Moloß giebt der mächtigen Ruine eine ganze originelle Anmuth. Ein schlanker, an der Seite der Tempelruine aufgewachsener Delbaula, charakteristisch, sehr zart und ausführlich in seinem Blätterschlag, eine Aloe und in der E&e rechts noch verschiedene Fragmente von der Architektur des Tempels, stafjiren durchaus zweđmäßig den nächsten und allernächsten Vordergrund.

Das Verdienstliche verschiedener Theile dieser Malerei wird am besten gelobt und am treffendsten bezeichnet, wenn man sagt, daß es an Elzheimers Arbeiten erinnere.

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