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Münzkunde der deutschen Mittelzeit

(Aus Ansrage.)
<8<7.

Ueber die zwar nicht seltenen, doch immer geschätzten problematischen Goldmünzen, unter dem Namen Negenbogenschüsselchen bekannt, wüßte ich nichts zu entscheiden, wohl aber solgende Meinung zu erössnen.

Sie stammen von einem Volle, welches zwar in Absicht aus Kunst barbarisch zu nennen ist, das sich aber einer wohlersonnenen Technik bei einem rohen Münzwesen bediente. Wenn nämlich die srühern Griechen Gold- und Silberküchelchen zu stempeln, dabei aber das Abspringen vom Ambos zu verhindern gedachten, so gaben sie der stählernen Unterlage die Form eines Kronenbohrers, woraus das Küchelchen gelegt, der Stempel ausgesetzt und so das Obergebilde abgedruckt ward; der Eindruck des untern vierecktcn zackigen Hülssnüttels verwandelte sich nach und nach in ein begränzendes, mancherlei Bildwerk einhaltendes Viereck, dessen Ursprung sich nicht mehr ahnen läßt.

Das unbekannte Volk jedoch, von welchem hier die Rede ist, vertieste die Unterlage in Schüsselsorm, und grub zugleich eine gewisse Gestalt hinein; der obere Stempel war convex und gleichsalls ein Gebild hineingegraben. Wurde nun das Küchelchen in die Stemvelschale gelegt, und der obere Stempel draus geschlagen, so hatte man die schüsselsörmige Münze, welche noch östers in Deutschland aus der Erde gegraben wird; die daraus erscheinenden Gestalten aber geben zu solgenden Betrachtungen Anlaß.

Die erhobenen Seiten der drei mir vorliegenden Exemplare zeigen barbarische Nachahmungen bekannter, aus griechischen Münzen vorkommender Gegenstände, einmal einen Löwemachen, zweimal einen Taschenkrebs, Gebilde der Unsähigkeit, wie sie auch häufig aus silbernen dacischen Münzen gesehen werden, wo die Goldphilippen offenbar kindisch psuscherhaft nachgeahmt sind. Die hohle Seite zeigt jedesmal sechs kleine halbkugelsörmige Erhöhungen; hierdurch scheint mir die Zahl des Werthes ausgesprochen.

Das Merkwürdigste aber ist aus allen dreien eine sichelsörmige Umgebung, die aus dem einen Exemplar unzweiselhast ein Huseisen vorstellt, und also da, wo die Gestalt nicht so entschieden ist, auch als ein solches gedeutet werden muß. Diese Vorstellung scheint mir Original; sände sie sich auch aus andern Münzen, so käme man vielleicht aus eine nähere Spur; jedoch möchte das Bild immer aus ein berittenes kriegerisches Volk hindeuten.

Ueber den Ursprung der Huseisen ist man ungewiß; das älteste, das man zu kennen glaubt, soll dem Pserde des Königs Childerich gehört haben, und also um das Jahr 481 zu setzen seyn. Aus andern Nachrichten und Combinationen scheint hervorzugehen, daß der Gebrauch der Hufeisen in Schwung gekommen zu der Zeit, als Franken und Deutsche noch sür Eine Völkerschast gehalten wurden, die Herrschast hinüber und herüber schwankte, und die kaiserlich königlichen Gebieter bald diesseits, bald jenseits des Rheins größere Macht auszubieten wußten. Wollte man sorgsältig die Orte verzeichnen, wo dergleichen Münzen gesunden worden, so gäbe sich vielleicht ein Ausschluß. Sie scheinen niemals ties in der Erde gelegen zu haben, weil der Volksglaube sie da finden läßt, wo ein Fuß des Regenbogens aus dem Acker ausstand, von welcher Sage sie denn auch ihre Benennung gewonnen haben.

Von deutscher Baukunst.
1823.

Einen großen Reiz muß die Bauart haben, welche die Jtaliäner und Spanier schon von alten Zeiten her, wir aber erst in der neuesten, die deutsche ste<len», zerm«nic»j genannt haben. Mehrere Jahrhunderte ward sie zu kleineren und zu ungeheuern Gebäuden angewendet; der größte Theil von Europa nahm sie aus; tausende von Künstlern, abertausende von Handwerkern übten sie; den christlichen Cultus sörderte sie höchlich und wirkte mächtig aus Geist und Sinn: sie muß also etwas Großes, gründlich Gesühltes, Gedachtes, Durchgearbeitetes enthalten, Verhältnisse verbergen und an den Tag legen, deren Wirkung unwiderstehlich ist.

Merkwürdig war uns daher das Zeugniß eines Franzosen, eines Mannes, dessen eigene Bauweise der gerühmten sich entgegensetzte, dessen Zeit von derselben äußerst ungünstig urtheilte; und dennoch spricht er solgendermaßen:

„Alle Zusriedenheit, die wir an irgend einem Kunstschönen empfinden, hängt davon ab, daß Regel und Maß beobachtet sey; unser Behagen wird nur durch Proportion bewirkt. Jst hieran Mangel, so mag man noch so viel äußere Zierrath anwenden; Schönheit und Gesälligkeit, die ihnen innerlich sehlen, wird nicht ersetzt; ja man kann sagen, daß ihre Häßliche keit nur verhaßter und unerträglicher wird, wenn man die äußern Zierrathen durch Reichthum der Arbeit oder der Materie steigert."

„Um diese Behauptung noch weiter zu treiben, sage ich, daß die Schönheit, welche aus Maß und Proportion entspringt, keineswegs kostbarer Materien und zierlicher Arbeit bedars, um Bewunderung zu erlangen; sie glänzt vielmehr und macht sich sühlbar, hervorblickend aus dem Wuste und der Verworrenheit des Stosses und der Behandlung. So beschauen wir mit Vergnügen einige Massen jener gothischen Gebäude, deren Schönheit aus Symmetrie und Proportion des Ganzen zu den Theilen und der Theile unter einander entsprungen erscheint und bemerklich ist, ungeachtet der häßlichen Zierrathen, womit sie verdeckt sind und zum Trotz derselben. Was uns aber am meisten überzeugen muß, ist, daß wenn man diese Massen mit Genauigkeit untersucht, man im Ganzen dieselben Proportionen findet wie an Gebäuden, welche, nach Regeln der guten Baukunst erbaut, uns beim Anblick so viel Vergnügen gewähren."

?r»n9Ulz Llunclel, <Iourz «l'Hronitecture. tüinquitzme psrtis. I.iv. V. clmp. XVI. XVII.

Erinnern dürsen wir uns hierbei gar wohl jüngerer Jahre, wo der Straßburger Münster so große Wirkung aus uns ausübte, daß wir imberusen unser Entzücken auszusprechen nicht unterlassen konnten. Eben das, was der sranzösische Baumeister nach gepflogener Messung und Untersuchung gesteht und behauptet, ist uns unbewußt begegnet, und es wird ja auch nicht von jedem gesordert, daß er von Eindrücken, die ihn überraschen, Rechenschast geben solle.

Standen aber diese Gebäude Jahrhunderte lang nur wie eine alte Ueberlieserung da, ohne sonderlichen Eindruck aus die größere Menschenmasse, so ließen sich die Ursachen davon gar wohl angeben. Wie mächtig hingegen erschien ihre Wirksamkeit in den letzten Zeiten, welche den Sinn dasür wieder erweckten! Jüngere und Aeltere beiderlei Geschlechts waren von solchen Eindrücken übermannt und hingerissen, daß sie sich nicht ullein durch wiederholte Beschauung, Messung, Nachzeichnung daran erquickten und erbauten, sondern auch diesen Styl bei noch erst zu errichtenden, lebendigem Gebrauch gewidmeten Gebäuden wirklich anwendeten, und eine Zusriedenheit sanden, sich gleichsam urväterlich in solchen Umgebungen zu empfinden.

Da nun aber einmal der Antheil an solchen Productionen der Vergangenheit erregt worden, so verdienen diejenigen großen Dank, die uns in den Stand setzen, Werth und Würde im rechten Sinne, das heißt historisch zu sühlen und zu erkennen, wovon ich nunmehr einiges zur Sprache bringe, indem ich mich durch mein näheres Verhältniß zu so bedeutenden Gegenständen ausgesordert sühle.

Seit meiner Entsernung von Straßburg sah ich kein wichtiges imposantes Werk dieser Art. Der Eindruck erlosch, und ich erinnerte mich kaum jenes Zustandes, wo mich ein solcher Anblick zum lebhastesten Enthusiasmus angeregt hatte. Der Ausenthalt in Jtalien konnte solche Gesinnungen nicht wieder beleben, um so weniger als die modernen Veränderungen am Dome zu Mailand den alten Charakter nicht mehr erkennen ließen; und so lebte ich viele Jahre solchem Kunstzweige entsernt, wo nicht gar entsremdet.

Jm Jahre 1810 jedoch trat ich, durch Vermittelung eines edlen Freundes, mit den Gebrüdern Boisser6e in ein näheres Verhältniß. Sie theilten mir glänzende Beweise ihrer Bemühungen mit; sorgsältig ausgesührte Zeichnungen des Doms zu Köln, theils im Grundriß, theils von mehreren Seiten, machten mich mit einem Gebäude bekannt, das, nach scharser Prüsung, gar wohl die erste Stelle in dieser Bauart verdient: ich nahm ältere Studien wieder vor, und belehrte mich durch wechselseitige sreundschastliche Besuche und emsige Betrachtung gar mancher aus dieser Zeit sich herschreibenden Gebäude, in Kupsern, Zeichnungen, Gemälden, so daß ich mich endlich wieder in jenen Zuständen ganz einheimisch sand.

Allein der Natur der Sache nach, besonders aber in meinem Alter und meiner Stellung, mußte mir das Geschichtliche dieser ganzen Angelegenheit das Wichtigste werden, wozu mir denn die bedeutenden Sammlungen meiner Freunde die besten Fördernisse darreichten.

Nun sand sich glücklicherweise, daß Herr Moller, ein höchst gebildeter, einsichtiger Künstler, auch sür diese Gegenstände entzündet ward und aus das glücklichste mitwirkte. Ein entdeckter Originalriß des Kölner Doms gab der Sache ein neues Ansehen; die lithographische Copie desselben, ja die Contradrücke, wodurch sich das ganze zweithürmige Bild durch Zusammensügen und Austuschen den Augen darstellen ließ, wirkte bedeutsam; und was dem Geschichtssreunde zu gleicher Zeit höchst willkommen seyn mußte, war des vorzüglichen Mannes Unternehmen, eine Reihe von Abbildungen älterer und neuerer Zeit uns vorzulegen, da man denn zuerst das Herankommen der >von uns dießmal betrachteten Bauart, sodann ihre höchste Höhe, und endlich ihr Abnehmen vor Augen sehen und bequem erkennen sollte. Dieses findet nun um desto eher statt, da das erste Werk «ollendet vor uns liegt, und das zweite, das von einzelnen Gebäuden dieser Art handeln wird, auch schon in seinen ersten Heften zu uns gekommen ist.

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