Зображення сторінки
PDF
ePub

Notice sur le Cabinet des Médailles et des Pierres gravées de

Sa Majesté le Roi des Pays-Bas; par J. C. de Jonge,
Directeur. A la Haye 1823.

In der Geschichte meiner Campagne in Frankreich sprach ich den dringenden Wunsch aus, zu erfahren, wo sich die Hemsterhuis-Gallitinische Gemmensammlung wohl befinden möchte. Er gelangte glücklicherweise dahin, woher mir der beste Aufschluß zu Theil werden konnte. Ihro des Königs der Niederlande Majestät ließen allergnädigst durch des Herrn Landgrafen Ludwig Christian von Hessen Hochfürstliche Durchlaucht mir vermelden, daß gedadyte Sammlung in Allerhöchst Ihro Besiß, gut verwahrt und zu andern Schäßen hinzugefügt sey. Wie sehr ich dankbarlichst hierdurch beruhigt worden, verfehlte id; nidit gebührend auszusprechen. Nach kurzer Zeit jedoch wird mir auf eben die Weise vorgenannte ausführliche Schrift, durch weldie nunmehr eine vollkommene Uebersicht der im Haag aufgestellten Kostbarkeiten dieses Fache zu erlangen ist. Wir überseßen aus der Vorrede so viel als nöthig, um unsern Lesern, vorzüglich den Reisenden, die Kenntniß eines so bedeutenden Gegenstandes zu überliefern.

ber, in einer Gr kaufte cafete de Thong

Die Sammlung verdankt ihren Ursprung dem Statthalter Wilhelm IV, der, in einer friedlichen Zeit lebend, die Künste liebend, sich mit Sammeln beschäftigte. Er kaufte unter andern die Alterthümer, Medaillen und geschnittenen Steine des Grafen de Thons, Schwiegersohns des berühmten Boerhave. Prinz Wilhelm V, sein Sohn, folgte diesem Beispiel, und vermehrte den Schat unter Beirath der Herren Vosmaer und Friedrich Hemsterhuis. Die Revolution trat ein, und der Statthalter verließ das

.

Land. Ilmstände hinderten ihn die ganze Sammlung mitzunehmen; ein großer Theil fiel den Franzosen in die Hände und ward nad Paris gebracht, wo er sich nod; befindet. Glücklicherweise war nicht alles verloren; der Fürst hatte Mittel gefunden den größten Theil der Gold-, Silberund Kupfermünzen, so wie die Mehrzahl der hoch- und tiefgeschnittenen Steine zu retten.

Von gleichem Verlangen wie seine glorreichen Vorfahren beseelt, faßte der gegenwärtig regierende Monarc im Jahr 1816 den Gedanken, aus den Nesten der Oranischen Sammlung ein königliches Cabinet zum öffentlichen Gebrauch zu bilden, und befahl dieser ersten Grundlage die bedeutende Reihenfolge griechischer und römisder Münzen anzuschließen, weldje vor dessen Thronbesteigung, bei Vereinzelung des berühmten Cabinets des Herrn van Damme, waren angeschafft worden. Herr de Jonge erhielt die Stelle eines Directors, und den Auftrag das Ganze einzurichten.

Die königliche Sammlung vermehrte sich von Tag zu Tage; unter dem Angeschafften zeichnen sich aus:

1) Eine herrliche Sammlung tiefgesdhnittener Steine, mit Sorgfalt vereinigt durch den vorzüglichen Franz Hemsterhuis, aus dessen Händen sie an den verstorbenen Prinzen Galligin, kaiserlich ruffisden Gesandten bei Thro Hochmögenden gelangte, und von seiner Tochter, Gemahlin des Prinzen Salm-Reifferscheid-Krautheim, an den König verkauft ward; sie ist merkwürdiger durch das Verdienst als durch die Menge der Steine, aus denen sie besteht. Man findet darin Arbeiten des ersten Rangø, einen Dioskorides, Aulus, Gnajus, Hyllus, Nicomachus, Hellen und mehrere andere Meisterstücke berühmter Künstler des Alterthums.

2) Eine kleine Sammlung hoch- und tiefgeschnittener Steine, welche Herr Hultmann, sonst Gouverneur des nördlichen Brabant, zurüdließ; sie ward an den König verkauft durch Frau van Griethuysen. Diese Sammlung, wenn schon viel geringer als die vorhergehende, enthält doch einige sehr schätzbare Stücke.

3) Eine zahl- und werthreiche Sammlung neuerer Münzen, die meisten inländisc, Belagerungs- und andere currente Münzen, verkauft durch verwittwete Frau van Schuylenburch van Bommenede im Haag.

4) Das herrliche Cabinet geschnittener Steine, so alter als neuer, des verstorbenen Herrn Theodor van Smeth, Präsidenten der Schöffen der Stadt Amsterdam. (Es ist derselbe, an welchen Franz Hemsterhuis den

bedeutenden Brief schrieb über einen alten geschnittenen Stein, vorstellend eine Meernymphe an einem Meerpferd herschwimmend, von herrlicher Kunst.) Baron van Smeht van Deurne verkaufte folches an thro Majestät.

5) Eine Sammlung griechischer, römisdher, kufischer und arabisdyer - Münzen, auch einige geschnittene Steine, welche Major Humbert von den

afrikanischen Küsten mitbrachte, als Früchte seiner Reise über den Boden des alten Karthago und seines fünf und zwanzigjährigen Aufenthalts zu Tunis. Darunter finden sich mehrere afrikanische feltene Münzen mit einigen unbekannten. .' - 6) Eine schöne Thalerfolge, abgelassen durch Herrn Stiels, ehemaligen Pfarrer zu Mastricht.

7) Die reiche Sammlung geschnittener Steine, aus dem Nachlaß des Herrn Baron van Hoorn van Vloodwyck, dessen Erben abgekauft.

8) Sammlung von Medaillen, Jettons und neueren Münzen, weldhe chemals dem reichen Cabinet des Herrn Dibbet zu Leyden angehörte, und welche die Erben des Herrn Byleveld, eines der Präsidenten des hohen Gerichtshofes zu Haag, Ihro Majestät überließen.

Außer jenen großen Ankäufen wurden auf Befehl Ihro Majestät mit diesem Cabinet noch vereinigt die Gold- und Silbermedaillen, aus dem Nachlaß Ihro verwittweten königlichen Hoheiten der Prinzeß von Oranien und der Herzogin von Braunschweig, Mutter und Schwester des Rönig8. Von Zeit zu Zeit wurden auch einzeln, besonders durch Vertausch des Doppelten, einige schöne geschnittene Steine hinzugefügt, und eine große Anzahl Medaillen und Münzen aller Art.

Vorstehende Nachricht giebt uns zu manchen Betrachtungen Anlaß, wovon wir einiges hier anschließen.

Zuvörderst begegnet uns das herzerhebende Gefühl, wie ein ernstlich gefußter Entschluß nach dem größten Glücswechsel durch den Erfolg glücklich begünstigt und ein Zweck erreicht werde, höher als inan sich ihn hätte vorstellen können. Hier bewahrheitet sich abermals, daß wenn man nur nach irgend einer Niederlage gleich wieder einen entschiedenen Posten faßt, einen Punkt ergreift, von dem aus man wirkt, zu dem man alles wieder zurücführt, alsdann das Unternehmen schon geborgen sey, und man sich einen glüdlichen Erfolg versprechen dürfe.

Eine fernere Betrachtung dringt sich hier auf, wie wohl ein Fürst Goethe, sämmtl. Werke. XXV.

17

handelt, wenn er das was Einzelne mit leidenschaftlicher Mühe, mit Glück, bei Gelegenheit gesammelt, zusammengält, und dem unsterblichen Körper seiner Besißungen einverleiht. Zum einzelnen Sammeln gehört Liebe, Kenntniß und gewisser Muth den Augenblick zu ergreifen, da denn ohne großes Vermögen, mit verständig mäßigem Aufwand eine bedeutende Vereinigung manches Schönen und Guten sich erreichen läßt.

Meist sind solche Sammlungen den Erben zur Last; gewöhnlich legen sie zu großen Werth darauf, weil sie den Enthusiasmus des ersten Befißers, der nöthig war so viel treffliche Einzelnheiten zusammen zu schaffen und zusammen zu halten, mit in Anschlag bringen, dergestalt daß oft, von einer Seite durch Mangel an entschiedenen Liebhabern, von der andern durch überspannte Forderungen dergleichen Schäße unbekannt und unbenugt liegen, vielleicht auch als zerfallender Körper vereinzelt werden. Trifft sid,'8 nun aber, daß hohe Häupter dergleichen Sammlungen gebührend Ehre gebeit, und sie andern schon vorhandenen anzufügen geneigt sind, so wäre zu wünschen, daß von einer Seite die Besißer ihre Forderungen nicht zu hody trieben, von der andern bleibt es erfreulich zu sehen, wenn große, mit Gütern gesegnete Fürsten zwar haushälterisch zu Werke geben, aber zugleich auch bedenken, daß sie oft in den Fall kommen großmüthig zu seyn, ohne dadurch zu gewinnen; und doch wird beides zugleich der Fall seyn, wenn es unschäßbare Dinge gilt, wofür wohl alles das anges sehen werden darf, was ein glüdlich ausgebildetes Talent hervorbrachte und hervorbringt.

Und so hätten wir denn zulegt nody zu bemerken, welcher großen Wirkung ein solcher Besit in rechten Händen fähig ist.

Warum sollte man läugnen, daß dem einzelnen Staatsbürger ein höherer Kunstbesit oft unbequem sey? Weder Zeit noch Zustand erlauben ihm treffliche Werke, die einflußreich werden könnten, die, es sey nun. auf Productivität oder auf Kenntniß, auf That oder Geschichtseinsicht kräftig wirken sollten, dem Künstler so wie dem Liebhaber öfter vorzulegen, und dadurch eine höhere, freigesinnte, fruchtbare Bildung zu bezwecken. Sind aber dergleichen Schäße einer öffentlichen Anstalt einverleibt, sind Männer dabei angestellt, deren Liebe und Leidenschaft es ist ihre schöne Pflicht zu erfüllen, die ganz durchdrungen sind von dem Guten, das man stiften, das man fortpflanzen wollte, so wird wohl nichts zu wünschen übrig bleiben. .

Sehen wir doch schon im gegenwärtigen Falle, daß der werthe Vorgeseßte genannter Sammlung sich selbst öffentlich verpflichtet die höchsten Zwede in allem Umfang zu erreichen, wie das Motto seiner sorgfältigen Arbeit auf das deutlichste bezeichnet: „Die Werke der Kunst gehören nicht Einzelnen, sie gehören der gebildeten Menschheit an.“ Şeeren, Ideen 3. Theil, 1. Abthl.

« НазадПродовжити »