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Die Sammlung verdankt ihren Ursprung dem Statthalter Wilhelm IV, der, in einer sriedlichen Zeit lebend, die Künste liebend, sich mit Sammeln beschäftigte. Er kaufte unter andern die Alterthümer, Medaillen und geschnittenen Steine des Grasen de Thoms, Schwiegersohns des berühmten Boerhave. Prinz Wilhelm V, sein Sohn, solgte diesem Beispiel, und vermehrte den Schatz unter Beirath der Herren Vosmaer und Friedrich Hemsterhuis. Die Revolution trat ein, und der Statthalter verließ das 5>and. Umstände hinderten ihn die ganze Sammlung mitzunehmen; ein großer Theil siel den Franzosen in die Hände und ward nach Paris gebracht , wo er sich noch befindet. Glücklicherweise war nicht alles verloren; der Fürst hatte Mittel gesunden den größten Theil der Gold-, Silberund Kupsermünzen, so wie die Mehrzahl der hoch- und tiesgeschnitteuen Steine zu retten.

Von gleichem Verlangen wie seine glorreichen Vorsahren beseelt, saßte der gegenwärtig regierende Monarch im Jahr 1816 den Gedanken, aus den Resten der Oranischen Sammlung ein königliches Cabinet zum össentlichen Gebrauch zu bilden, und besahl dieser ersten Grundlage die bedeutende Reihensolge griechischer und römischer Münzen anzuschließen, welche vor dessen Thronbesteigung, bei Vereinzelung des berühmten Cabinets des Herrn van Damme, waren angeschafft worden. Herr de Jonge erhielt die Stelle eines Directors, und den Auftrag das Ganze einzurichten.

Die königliche Sammlung vermehrte sich von Tag zu Tage; unter dem Angeschasften zeichnen sich aus:

1) Eine herrliche Sammlung tiesgeschnittener Steine, mit Sorgsalt vereinigt durch den vorzüglichen Franz Hemsterhuis, aus dessen Händen sie an den verstorbenen Prinzen Gallitzin, kaiserlich russischen Gesandten bei Jhro Hochmögenden gelangte, und von seiner Tochter, Gemahlin des Prinzen Salm-Reisserscheid-Krautheim, an den König verkauft ward; sie ist merkwürdiger durch das Verdienst als durch die Menge der Steine, aus denen sie besteht. Man findet darin Arbeiten des ersten Rangs, einen Dioskorides, Nulus, Gnajus, Hyllus, Nicomachus, Hellen und mehrere andere Meisterstücke berühmter Künstler des Alterthums.

2) Eine kleine Sammlung hoch- und tiesgeschnittener Steine, welche Herr Hultmann, sonst Gouverneur des nördlichen Brabant, zurückließ; sie ward an den König verkauft durch Frau van Griethuysen. Diese Sammlung, wenn schon viel geringer als die vorhergehende, enthält doch einige sehr schätzbare Stücke.

3) Eine zahl- und werthreiche Sammlung neuerer Münzen, die meisten inländisch, Belagerung« - und andere currente Münzen, verkauft durch verwittwete Frau van Schuylenburch van Bommenede im Haag.

4) Das herrliche Cabinet geschnittener Steine, so alter als neuer, des verstorbenen H?rrn Theodor van Smeth, Präsidenten der Schöffen der Stadt Amsterdam. (Es ist derselbe, an welchen Franz Hemsterhuis den bedeutenden Bries schrieb über einen alten geschnittenen Stein, vorstellend eine Meernymphe an einem Meerpserd herschwimmend, von herrlicher Kunst.) Baron van Smeht van Deurne verkauste solches an Jhro Majestät.

5) Eine Sammlung griechischer, römischer, kusischer und arabischer Münzen, auch einige geschnittene Steine, welche Major Humbert von den asrikanischen Küsten mitbrachte, als Früchte seiner Reise über den Boden des alten Karthago und seines süns und zwanzigjährigen Ausenthalts zu Tunis. Darunter finden sich mehrere asrikanische seltene Münzen mit einigen unbekannten. . ^

6) Eine schöne Thalersolge, abgelassen durch Herrn Stiels, ehemaligen Psarrer zu Mastricht.

7) Die reiche Sammlung geschnittener Steine, aus dem Nachlaß des Herrn Baron van Hoorn van Vlooswyck, dessen Erben abgekaust.

8) Sammlung von Medaillen, Jettons und neueren Münzen, welche ehemals dem reichen Cabinet des Herrn Dibbetz zu Leyden angehörte, nnd welche die Erben des Herrn Byleveld, eines der Präsidenten des hohen Gerichtshoses zu Haag, Jhro Majestät überließen.

Außer jenen großen Ankäusen wurden aus Besehl Jhro Majestät mit diesem Cabinet noch vereinigt die Gold- und Silbermedaillen, aus dem Nachlaß Jhro verwittweten königlichen Hoheiten der Prinzeß von Oranien und der Herzogin von Braunschweig, Mutter und Schwester des Königs. Von Zeit zu Zeit wurden auch einzeln, besonders durch Vertausch des Doppelten, einige schöne geschnittene Steine hinzugesügt, und eine große Anzahl Medaillen und Münzen aller Art.

Vorstehende Nachricht giebt uns zu manchen Betrachtungen Anlaß, wovon wir einiges hier anschließen.

Zuvörderst begegnet uns das herzerhebende Gesühl, wie ein ernstlich gesaßter Entschluß nach dem größten Glückswechsel durch den Ersolg glücklich begünstigt und ein Zweck erreicht werde, höher als man sich ihn hätte vorstellen können. Hier bewahrheitet sich abermals, daß wenn man nur nach irgend einer Niederlage gleich wieder einen entschiedenen Posten saßt, einen Punkt ergreist, von dem aus man wirkt, zu dem man alles wieder zurücksührt, alsdann das Unternehmen schon geborgen sey, und man sich einen glücklichen Ersolg versprechen dürse.

Eine sernere Betrachtung dringt sich hier aus, wie wohl ein Fürst Goethe, s«mmil. Werke. XXV, 17

handelt, wenn er das was Einzelne mit leidenschaftlicher Mühe, mit Glück, bei Gelegenheit gesammelt, zusammenhält, und dem unsterblichen Körper seiner Besitzungen einverleibt. Zum einzelnen Sammeln gehört Liebe, Kenntniß und gewisser Muth den Augenblick zu ergreisen, da denn ohne großes Vermögen, mit verständig mäßigem Auswand eine bedeutende Vereinigung manches Schönen und Guten sich erreichen läßt.

Meist sind solche Sammlungen den Erben zur Last; gewöhnlich legen sie zu großen Werth daraus, weil sie den Enthusiasmus des ersten Besitzers , der nöthig war so viel tressliche Einzelnheiten zusammen zu schassen und zusammen zu halten, mit in Anschlag bringen, dergestalt daß ost, von einer Seite durch Mangel an entschiedenen Liebhabern, von der andern durch überspannte Forderungen dergleichen Schätze unbekannt und unbenutzt liegen, vielleicht auch als zersallender Körper vereinzelt werden. Trifft sich's nun aber, daß hohe Häupter dergleichen Sammlungen gebührend Ehre geben, und sie andern schon vorhandenen anzusügen geneigt sind, fo wäre zu wünschen, daß von einer Seite die Besitzer ihre Forderungen nicht zu hoch trieben, von der andern bleibt es ersreulich zu sehen, wenn große, mit Gütern gesegnete Fürsten zwar haushälterisch zu Werke gehen, aber zugleich auch bedenken, daß sie oft in den Fall kommen großmüthig zu seyn, ohne dadurch zu gewinnen; und doch wird beides zugleich der Fall seyn, wenn es unschätzbare Dinge gilt, wosür wohl alles das angesehen werden dars, was ein glücklich ausgebildetes Talent hervorbrachte und hervorbringt.

Und so hätten wir denn zuletzt noch zu bemerken, welcher großen Wirkung ein solcher Besitz in rechten Händen sähig ist.

Warum sollte man läugnen, daß dem einzelnen Staatsbürger ein höherer Kunstbesitz oft unbequem sey? Weder Zeit noch Zustand erlauben ihm treffliche Werke, die einflußreich werden könnten, die, es sey nun aus Productivität oder aus Kenntniß, aus Thal oder Gcschichtseinsicht krästig wirken sollten, dem Künstler so wie dem Liebhaber öfter vorzulegen, und dadurch eine höhere, sreigesinnte, sruchtbare Bildung zu bezwecken. Sind aber dergleichen Schätze einer öffentlichen Anstalt einverleibt, sind Männer dabei angestellt, deren Liebe und Leidenschast es ist ihre schöne Pslicht zu ersüllen, die ganz durchdrungen sind von dem Guten, das man stisten, das man sortpflanzen wollte, so wird wohl nichts zu wünschen übrig bleiben. .

Sehen wir doch schon im gegenwärtigen Falle, daß der werthe Vorgesetzte genannter Sammlung sich selbst öffentlich verpflichtet die höchsten Zwecke in allem Umsang zu erreichen, wie das Motto seiner sorgsältigen Arbeit aus das deutlichste bezeichnet: „Die Werke der Kunst gehören nicht Einzelnen, sie gehören der gebildeten Menschheit an." Heeren, Jdeen 3. Theil, 1. Abthl.

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