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War der Charakter bestimmt, aufs Höchste gebracht, so hielt man an dem Gegebenen fest, und wenn man auch, das Gelungene wiederholend, aus - und abwich, so strebte man doch immer theils zu der Natur, theils zu den Hauptgedanken zurückzukehren.

Wenn man denn nun auch die Behandlung der besondern Darstellungsarten dem Zweck, dem Material anzueignen verstand, so benußte man das Gegebene als Copien und Nachahmung der Statuen, selbst im kleinsten, auf Münzen und geschnittenen Steinen. Deßwegen denn audy beide einen wichtigen Theil des Studiums der Alten ausmachen und höchst behülflich sind, wenn von Darstellung ganz verlorener Kunstwerke oder von Restauration mehr oder weniger zertrümmerter die Rede ist. Mit aufmerksamer Dankbarkeit ist zu betrachten, was besonders in den legten

Zeiten auf diesem Wege geschehen ist; man fühlt sich aufgefordert daran selbst mitzuwirken, durch Beifall erfreut, unbekümmert um den Widerspruch, da in allen solchen Bemühungen eß mehr um das Bestreben als um das Gelingen, mehr um das Suchen als um das Finden zu thun ist.

Auf die Person des Sammlers, Philipp Baron von Stosch, aufmerksam zu machen, ist wohl hier der Ort. Der Artikel des Conversa= tionslexikons wird hier, wie in vielen andern Fällen, theils befriedigen, theils zu weiterem Forschen veranlassen. Wir sagen hier lakonisch nur so viel. Er war zu seiner Zeit ein höchst merkwürdiger Mann. Als Sohn eines Geistlichen studirt er Theologie, geht freisinnig in die Welt, mit Kunstliebe begabt, so wie persönlich von Natur ausgestattet; er ist überall wohl aufgenommen und weiß seine Vortheile zu benußen. Nun erscheint er als Reisender, Kunstfreund, Sammler, Weltmann, Diplomat und Wagehals, der sich unterwegs selbst zum Baron constituirt hatte, und sich überall etwas Bedeutendes und Schäßenswerthes zuzueignen wußte. So gelangt er zu Seltenheiten aller Art, besonders auch zu gedachter Sammlung geschnittener Steine.

Es wäre anmuthig, räher und ausführlicher zu schildern, wie er in den Frühling einer geschichtlichen Kunstkenntniß glüdlicherweise eingetreten. Es regt sich ein frisches Beschauen alterthümlicher Gegenstände; nody ist die Würdigung derselben unvollkommen, aber es entwickelt sich die geistreiche Anwendung claffischer Schriftsteller auf bildende Kunst; noch vertraut man dem Buchstaben mehr als dem lebendig geformten Zeugniß. Der Name des Künstlers auf dem geschnittenen Steine steigert seinen Werth. Aber schon feimt die erste, wahrhaft entwickelnde, historisch folgerechte Methode, wie sie durch Mengs und Windelmann zu Heil und Segen auftritt.

Von den ferneren Schicksalen der Gemmensammlung, die uns hier besonders beschäftigt, bemerken wir, daß nach dem Tode des Barong ein Neffe, Philipp Muzell - Stosd, mit vielem andern auch das Cabinet ererbt; es wird eingepackt und versendet, ist durch Unaufmerksamkeit der Spediteurs eine Zeit lang verloren, wird endlich in Livorno wieder gefunden und kommt in Besig Friedridhs des Großen, Königs von Preußen.

Es gab frühere Abgüsse der Sammlung, aber die Versuche, gestochen und mit Anmerkungen herauszukommen, mißlingen. Einzelne Steine kommen im Abdruck in verschiedene Daktyliotheken, in Deutschland in die Lippert'sche, in Rom in die Dehn'sche, und fanden sidy auch wohl einzeln hie und da bei Händlern und in Cabineten. Der Wunsdy, sie im Ganzen zu besigen und zu übersehen, war ein vieljähriger bei uns und andern Kunstfreunden; er ist gegenwärtig auf das angenehmste erfüllt und dieser angebotene Schaß mit allgemeiner Theilnahme zu begrüßen. Wir eilen zur Bekanntmachung des Nädsten und Nöthigen.

wohl einzeln

war ein vier Der Wunsd

Schema der Fortsetung.
Geschichte des Künstler8 Reinhardt.

Welcher jeßt sowohl Glaspasten als Massenabdrücke den Liebhabern gegen billige Preise überliefert.

Die Sammlung im Einzelnen sorgfältig durchzugehen.
Die vorzüglichsten Stücke, schon bekannt, kürzlich hervorzuheben.
Weniger bekannte gleichfals ins Licht zu stellen.
Aufmerksamkeit auf Nachbildungen wichtiger alter Kunstwerke.
Auf geistreiche Vermannichfaltigung mythologischer Gegenstände.
Auf geschmackvolle Scherze.
Dergleichen in Kinderspielen.
Emblemen.
Und sonstigen Darstellungen aller Art.

Hemsterhuis - Gallifinische Gemmensammlung.

Den Freunden meiner literarischen Thätigkeit ist aus der Geschichte meiner Campagne in Frankreich bekannt, daß ich nach überstandenem traurigem Feldzug von 1792 eine frohere Rheinfahrt unternommen, um einen lange schuldigen Besuch bei Freunden zu Pempelfort, Duisburg und Münster abzustatten; wie ich denn auch nicht verfehlte ausführlich. zu erzählen, daß ich mich zu gewünschter Erheiterung überall einer guten Aufnahme zu erfreuen hatte. Von dem Aufenthalte zu Münster berichtete ich umständlich und machte besonders bemerklich, wie eine von Hemsterhuis hinterlassene Gemmensammlung den geistig ästhetischen Mittelpunkt verlieh, um welchen sich Freunde, übrigens im Denken und Empfinden nicht ganz übereinstimmend, mehrere Tage gern vereinten.

Aus jenem Erzählten geht gleichfalls hervor, wie gedachte Sammlung beim Abschied mir liebevoll aufgedrungen worden, wie ich fie, durch Ordnung gesichert, mehrere Jahre treulich auflewahrte und in dem Studium dieses bedeutenden Kunstfache die Weimarischen Freunde entschieden förderte; daraus entstand sodann der Auffat, welcher vor der Fenaischen allgemeinen literaturzeitung des Januar: 1807 als Programm feine Stelle nahm, worin die einzelnen Steine betrachtet, beschrieben und gewürdigt, nebst einigen beigefügten Abbildungen zu finden sind.

Da die Besiberin diesen Schap verkäuflich abzulassen und das Erlöste zu wohlthätigen Zwecken zu verwenden geneigt war, suchte ich eine Uebereinkunft deshalb mit Herzog Ernst von Gotha zu vermitteln. Dieser Kenner und Liebhaber alles Schönen und Merkwürdigen, reich genug seine edle Neigung ungehindert zu befriedigen, war aufs höchste versucht sich umsere Sammlung anzueignen; doch da ich zuleßt seine schwankenden

Entschließungen zu Gunsten des Ankaufs entschieden glaubte, überrasdite er mich mit einer Erklärung folgenden Inhalts :

„So lebhaft er auch den Besig der vorliegenden von ihm als köstlich anerkannten Geunmen wünsche, so hindere ihn doch daran, nicht etwa ein innerer Zweifel, sondern vielmehr ein äußerer Umstand. Es sey ihm keine Freude etwas für sich allein zu besigen, er theile gern den Genuß mit andern, der ihm aber sehr oft verkümmert werde. Es gebe Mensdien, die ihre tiefblidende Kennerschaft dadurch zu beweisen suchen, daß sie an der Aechtheit irgend eines vorgelegten Kunstwerks zu zweifeln scheinen und . folche verdächtig machen. Um sich nun dergleichen nicht wiederholt auszuseßen, entsage er lieber dem wünschenswerthen Vergnügen.“

Wir enthalten uns nicht, bei dieser Gelegenheit noch folgendes hinzuzuseßen. Es ist wirklich ärgerlich mit Zweifeln das Vorzüglichste aufgenommen zu sehen, denn der Zweifelnde überhebt sich des Beweises, wohl aber verlangt er ihn von dem Bejahenden. Worauf beruht denn aber in folchen Fällen der Beweis anders als auf einem innern Gefühl, begünstigt durch ein geübtes Auge, das gewisse Kennzeichen gewahr zu werden vermag, auf geprüfter Wahrscheinlichkeit historischer Forderungen und auf gar manchem andern, wodurch wir, alles zusammengenommen, uns doch nur selbst, nicht aber einen andern überzeugen?

Nun aber findet die Zweifelsud;t kein reicheres Feld fich zu ergehen, als gerade bei geschnittenen Steinen: bald heißt es eine alte, bald eine moderne Copie, eine Wiederholung, eine Nachahmung; bald erregt der Stein Verdacht, bald eine Inschrift, die von besonderem Werth seyn sollte; und so ist es gefährlicher sich auf Gemmen einzulassen, als auf antike Münzen, obgleich auch hier eine große Umsicht gefordert wird, wenn es zum Beispiel gewisse Paduanische Nachahmungen von den ächten Originalen zu unterscheiden gilt.

Die Vorsteher der königlichen französischen Münzsammlung haben längst bemerkt, daß Privatcabinete, aus der Provinz nach Paris gebracht, gar vieles Falsche enthalten, weil die Besißer in einem beschränkten Kreise das Auge nicht genugsam üben konnten, und mehr nach Neigung und Vorurtheil bei ihrem Geschäft verfahren. Besehen wir aber zum Schluß die Sache genau, so gilt dieß von allen Sammlungen, und jeder Besißer wird gern gestehen, daß er manches Lehrgeld gegeben, bis ihm die Augen aufgegangen.

Fedod wir fehren in Hoffnung, dieses Abfdweifen werde verziehen seyn, zu unserm eigentlichen Vortrage wieder zurück.

Jener Schaß blieb noch einige Jahre in meinen Händen, bis er wieder an die fürstliche Freundin und zulegt an den Grafen Friedrich Leopold von Stolberg gelangte, nach dessen Hinscheiden idy den Wunsch nicht unterdrücken konnte, zu erfahren, wo nunmehr das theure, so genau geprüfte Pfand befindlich sey; wie ich mich denn hierüber auch an gedachtem Worte andringlich vernehmen ließ.

Diesen Wunsch einer Aufklärung werth zu achten, hat man höchsten Orts gewürdigt und mir zu erkennen gegeben, daß gedachte Sammlung unzertrennt unter den Schäßen Ihro Majestät des Königs der Niederlande einen vorzüglichen Plaß einnehme; welche nachrichtliche Beruhigung idmit dem lehaftesten Danke zu erkennen habe, und es für ein Glüc achte, gewiß zu seyn, daß so vortreffliche Einzelnheiten von anerkanntem Werth, mit Renntniß, Glück und Aufwand zusammengebracht, nicht zerstreut, sondern auch für die Zukunft beisammen gehalten werden. Vielleicht befinden sie sich noch in denselbigen Kästchen, in welche ich sie vor so viel Jahren zusammengestellt. Da man bei einem langen Leben so vieles zersplittert und zerstört sieht, so ist es ein höchst angenehmes Gefühl, zu erfahren, daß ein Gegenstand, der uns lieb und werth gewesen, sich auch einer ehrenvollen Dauer zu erfreuen habe.

Mögen diese Kunstedelsteine den höchsten einsichtigen Besißern und allen ächten Freunden döner Kunst immerfort zur Freude und Belehrung gereichen; mozu vielleicht eine französische Ueberseßung jenes Neujahrsprogramms der allgemeinen Jenaischen Literaturzeitung, mit beigefügten charakteristischen Umrissen, nicht wenig beitragen, und ein angenehmes Geschenk für alle diejenigen feyn würde, welche sich in diesen Regionen mit Ernst und liebe zu ergeben geneigt sind, worauf hinzubeuten ich mir zur dankbaren Pflicht mache.

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