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In obengenannter Stelle meiner Werke ist auf die immer wadisende Seltenheit von Leichen, die man dem anatomischen Messer darbieten könnte, gedeutet und gesprochen; sie wird noch mehr zunehmen, und in wenig Fahren daher muß eine Anstalt, wie die obengewünschte, willkommen seyn.

Diejenigen freien Räume, welche das Geseß der Widfür überläßt, hat sich die Menschlichkeit erobert und engt nunmehr das Gesetz ein. Die Todesstrafe wird nach und nach beseitigt, die schärfsten Strafen gemildert. Man denkt an die Verbesserung des Zustandes entlassener Verbrecher, man erzieht verwilderte Kinder zum Guten, und schon findet man es höchst unmenschlich, Fehler und Irrthümer auf das grausamste nach dem Tode zu bestrafen. Landesverräther mögen geviertheilt werden, aber gefallene Mädchen in tausend Stüde anatomisch zu zerfegen, will sich nicht mehr ziemen. Dergleichen hat zur Folge, daß die alten harten Geseße zum Theil schon abgeschafft sind, und jedermann die Hände bietet, auch die neuern milderen zu umgehen.

Das Furchtbare der Auferstehungsmänner in England, in Schottland die Mordthaten, um den Leichenhandel nicht stođen zu lassen, werden zwar mit Erstaunen und Verwunderung gelesen und besprochen, aber gleich andern Zeitungsnachrichten, wie etwas Wildfremdes das uns nichts angeht.

Die akademischen Lehrer beklagen sich, die emsige Wißbegierde ihrer Secanten nicht befriedigen zu können, und bemühen sich vergebens, diese Unterrichtsart in das alte Gleis wieder zurückzuweisen. So werden denn auch die Männer vom Fach unsere Vorschläge mit Gleichgültigkeit behandeln: dadurch dürfen wir aber nicht irre werden; das Unternehmen komme zu Stande, und man wird im Verlauf der Zeit sich einrichten. Es bedarf nur einiger geistreicher talentvoller Jünglinge, so wird sich das Gesdhäft gar leicht in Gang seßen.

So weit hatte ich geschrieben, als mir in dem ersten Hefte der Branschen Miscellen ein merkwürdiger Beleg zur Hand kam, wovon ich einen Uuszug beizulegen nicht ermangele.

Die Erftider in London.

(Siehe Brans Miscellen. Erstes Heft 1832.) „Meinen größern Schreden brachte die Nachricht von der Annäherung der Cholera in London hervor, als die Furcht, im Schooße der Hauptstadt die Erneuerung von Mordthaten zu erleben, welche vor kurzem in Edinburg und dessen Ulmgegend aus dem schmugigsten Eigennut von einer Bande unter Anführung eines gewissen Burke verübt worden waren.

. „Durch folgende Thatsache kündigte fich die Wiedererscheinung dieser so gefürchteten Geißel an. Ein kleiner Italiäner, der zu einer in London wohlbekannten Gesellschaft wandernder Sänger gehörte, war seit einigen Tagen verschwunden. Vergeblich stellten seine Verwandten Nachforschungen nach ihm an, als man auf einmal seinen Leichnam in einem Hospitale wieder erkannte, durch Hülfe einiger Zöglinge aus demselben, an welche die Nesurrectionisten (Auferstehungsmänner, Leidyendiebe) ihn als einen frisdy aus dem Grabe aufgescharrten Leichnam verkaufen wollten. Da man an der Leiche des unglücklichen Kindes fast keine Spur eines gewaltsamen Todes entdecken konnte, so lag kein Zweifel vor, daß es lebend in die Hände der Ersticker gefallen sey und daß es so der Gegenstand der furchtbarsten Speculation geworden war.

„Man versicherte sich sogleich der muthmaßlichen Schuldigen und unter andern auch eines gewissen Bishop, eines alten Seemanns, der an den - Ufern der Themse wohnte. Bei einer in seiner Abwesenheit angestellten Hausuntersuchung wurde die Frau verleitet zu bekennen, ihr Haus sey der Aufenthaltsort einer Resurrectionistenbande, und täglich bringe man dahin Leichname, um sic an die Hospitäler zu verkaufen.

„Ein Brief Bishops an einen Zögling des Hospitals, an den sie ihre Leichen zu verkaufen pflegten, ward gefunden; darin heißt es: Hätten Sie wohl die Güte, mein Herr, uns in Gemeinsdjaft mit Ihren Herren Collegen einige Hülfe zukommen zu lassen? Vergessen Sie nicht, daß wir Ihnen für eine sehr mäßige Belohnung, und indem wir uns den größten Gefahren aussetzten, die Mittel geliefert haben Ihre Studien zu vervollkonimnen.

„Uus näheren Nachforschungen ging hervor, daß der junge Italiäner nicht der einzige Mensch sey, welder plößlich verschwunden. Von ihren Eltern verlassene Kinder, die von Betteln oder Spißbübereien lebten, kamen nid)t wieder an die Orte, die sie gewöhnlich besuchten. Man zweifelt nicht daran, daß auch sie als Opfer der Habgier jener Ungeheuer gefallen sind, die sich um jeden Preis zu lieferanten der Sectionssäle machen wollen. Ein Kirchenvorsteher aus dem Pfarrsprengel St. Paul versprach vor dem Polizeibureau von Bow-Street demjenigen eine Belohnung von 200 Bf. Sterl., der die Gerichte auf die Spur dieser Verbrecher führen würde. Goethe, fämmtl. Werke. XXV.

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„Frau Ning, die Bishops Haus gerade gegenüber wohnt, in dem Viertheil, welches unter dem Namen: die Gärten von Neuschottland bes kannt ist, sagt aus, sie habe den kleinen Italiäner am 4. November frith in der Nähe von Bishops Wohnung gesehen. Er hatte eine große Schachtel mit einer lebendigen Schildkröte, und auf dieser Schachtel hatte er einen Käfig mit weißen Mäuschen. Die Kinder der Frau King sagen aus, sie hätten ihre Mutter um zwei Sou gebeten, um sich vom kleinen Savoyarden die närrischen Thierchen zeigen zu lassen; ihre Mutter habe aber nicht ges wollt. Auf die umständlichste Weise bezeichnete die Mutter und die Kinder die Tracht des kleinen Savoyarden, der eine blaue Weste oder Fade, einen sdhlechten, ganz durchlöcherten und verschossenen Pantalon und große Schuhe anhatte, mit einer wollenen Müße auf dem Kopfe.

„Die Frau Augustine Brun, eine Savoyardin, der der Italiäner Peragalli zum Dolmetscher diente, sagte folgendes aus: Vor ungefähr zwei Jahren wurde mir in dem Augenblicke, wo ich von Piemont abreiste, vom Vater und der Mutter des kleinen Italiäners dieß Kind anvertraut, welches Joseph Ferrari heißzt. Ich brachte es mit nach England, wo ich es neun oder zehn Monate bewachte. Ich that es dann zu einem Schornsteinfeger auf drittehalb Jahre in die Lehre; aber es lief weg und wurde Straßenfänger. Joseph Ferrari war ein sehr kluges Kind. Vom Profit seiner Arbeit kaufte er eine große Schachtel, einen Käfig, eine Schildkröte und weiße Mäuschen, und verdiente sich so recht gut auf dem Pflaster von London sein Brod.

„Die Art und Weise, wie sie ihr Verbrechen ausübten, hatte gar keine Aehnlichkeit mit der Burke’schen Methode. Sie bedienten sich narkotischer Mittel, die sie in den Wein mischten, um sich so des Individuums zu bemächtigen, nach dessen Leichnam sie trachteten, und trugen ihn dann in einen Brunnen des Gartens, wo sie ihn an den Füßen über dem Wasser aufhingen, bis ihn das in den Kopf steigende Blut ersticite. Auf diese Weise brachten sie ums Leben einen jungen Menschen aus Lincolnshire, die Frau Frances Pigburn und diesen kleinen italiänischen Sänger Ferrari.

„Seit dem ausgesprochenen Todesurtheil war im Zeußern der Gefangenen eine große Veränderung vorgegangen. Sie waren äußerst niedergeschlagen; nur mit Schaudern konnten sie sich mit dem Gedanken befassen, daß ihr Körper zur Section überliefert werden würde - ein höchst fremdartiges Gefühl für Menschen, die mit dem Verbrechen so vertraut und beständige Lieferanten der anatomisden Säle waren.

„Nicht zu besdireiben ist die Scene, welche nach der Erscheinung der Verbrecher auf dem Gerüst erfolgte. Der Haufe stürzte sich gegen die Barrieren; aber sie widerstanden dem wüthenden Anlauf, und es gelang den Constablern der Bewegung Einhalt zu thun. Ein wüthendes Geschrei, mit Pfeifen und Hurrahrufen begleitet, erhob sich plößlich aus dieser ungeheuern Menschenmasse, und dauerte so lange bis der Henker mit seinen Vorbereitungen fertig war. Eine Minute später wurde der Strick in die Höhe gezogen, die Verurtheilten hauchten den legten Lebensathem aus, und das Volk jauchzte Beifall zu dem furchtbaren Schauspiel. Man schätzt die Zahl der bei Old-Bailey versammelten Menschenmenge auf 100,000."

Dieses Unheil trug sid) in den letzten Monaten des vorigen Jahres zu, und wir haben noch mehr dergleichen zu fürchten, wohin die hohe Prämie deutet, welche der wadere Kirchenvorsteher deßhalb anbietet. Wer möchte nicht eilen da vorzuschreiten, wenn er auch nur die mindeste Hoffnung hat, solche Gräuelthaten abzuwehren? In Paris sind dergleichen noch nicht vorgekommen; die Morgue liefert vielleicht das Bedürfniß, ob man gleidy sagt, die anatomirenden Franzosen gehen mit den Leid;namen sehr verschwenderisc um.

Indem ich nun hiermit zu schließen gedachte, überlege ich, daß diese Angelegenheit zu mandjem Hin- und Wiederreden werde Veranlassung geben, und es daher möchte wohl gethan seyn, an dasjenige zu erinnern, was bereits auf dem empfohlenen Wege für die Wissenschaften geschehen. Schon seit Romé de Lisle hat man für nöthig gefunden, die Mannichfaltigkeit der Krustalle mit den gränzenlosen Abweichungen und Ableitungen ihrer Gestalten durch Modelle vor die Augen zu bringen. Und dergleichen sind auf mancherlei Weise von dem verschiedensten Material in jeder Größe nachgebildet und dargeboten worden. In Petersburg hat man den großen am Ural gefundenen Goldklumpen gleichfalls in Gyps ausgegossen, und er liegt vergoldet vor uns, als wenn es das Original selbst wäre. In Paris verfertigt man gleichfuls soldie in Gyps gegossene und nach der Natur colorirte Copien der seltenen vorgeschichtlichen fossilen organisdhen Körper, welde zuerst durdj Baron Cuvier entschieden zur Sprache gekommen. Doch hiervon finden sich gewiß in den Berliner Museen, mineralogisden, zoologisdhen, anatomischen, gar manche Beispiele, die meinen Wunsd), dasjenige nun im Ganzen und in voller Breite zu liefern, was bisher nur einzeln unternommen worden, vollkommen rechtfertigen.

Schon vor zwanzig Jahren und drüber lebte in Jena ein junger und thätiger Docent, durch welchen wir jenen Wunsch zu realisiren hofften, indem er freilich besonders pathologische Curiosa, vorzüglich auch syphilitische Krankheitsfälle, aus eigenem Trieb und ohne entschiedene Aufmunterung ausarbeitete und in gefärbtem Wachs mit größter Genauigkeit darzustellen bemüht war. Bei seinem frühen Ableben gelangten diese Sremplare an das Fenaische anatomische Museum, und werden dort zu seinem Andenken und als Muster zu einer hoffentlich dereinstigen Nacheiferung, im stillen, da sie öffentlich nicht gut präsentabel sind, aufbewahrt.

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