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Oberägypten, im Syenitischen Gebirge, kolossalisch vor; und wie man, eine merkwürdige Stätte zu bezeichnen, irgend einen ansehnlichen Stein ausrichtete, so hat man dort zu össentlichen Monumenten die größten, vielleicht selbst in dortigen Gebirgen seltenen Granitkeile ausgesucht und hervorgezogen. Es gehörte noch immer Arbeit genug dazu, um ihnen eine regelmäßige Form zu geben, die Hieroglyphen mit solcher Sorgsalt hineinzuarbeiten und das Ganze zu glätten; aber doch nicht so viel, als wenn die ganze Gestalt ohne einigen Anlaß der Natur aus einer ungeheuern Felsmasse hätte herausgehauen werden sollen.

Jch will nicht zur Besestigung meines Arguments die Art angeben, wie die Hieroglyphen eingegraben sind, daß nämlich erst eine Vertiesung in den Stein gehauen ist, in welcher die Figur dann erst erhaben steht. Man könnte dieses noch aus einigen andern Ursachen erklären; ich könnte es aber auch sür mich ansühren und behaupten, daß man die meisten Seiten der Steine schon so ziemlich eben gesunden, dergestalt, daß es viel vortheilhaster gewesen die Figuren gleichsam zu incassiren, als solche erhaben vorzustellen und die ganze Oberfläche des Steins um so viel zu vertiesen.

Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Styl.

1788.

Es scheint nicht überslüssig zu seyn, genau anzuzeigen, was wir uns bei diesen Worten denken, welche wir östers brauchen werden. Denn wenn man sich gleich auch derselben schon lange in Schriften bedient, wenn sie gleich durch theoretische Werke bestimmt zu seyn scheinen, so braucht denn doch jeder sie meistens in einem eigenen Sinne und denkt sich mehr oder weniger dabei, je schärser oder schwächer er den Begriff gesaßt hat, der dadurch ausgedrückt werden soll.

Einfache Nachahmung der llatur.

Wenn ein Künstler, bei dem man das natürliche Talent voraussetzen muß, in der srühesten Zeit, nachdem er nur einigermaßen Auge und Hand an Mustern geübt, sich an die Gegenstände der Natur wendete, mit Treue und Fleiß ihre Gestalten, ihre Farben aus das genaueste nachahmte, sich gewissenhaft niemals von ihr entsernte, jedes Gemälde, das er zu sertigen hätte, wieder in ihrer Gegenwart ansinge und vollendete, ein solcher würde immer ein schätzenswerther Künstler seyn; denn es könnte ihm nicht sehlen, daß er in einem unglaublichen Grade wahr würde, daß seine Arbeiten sicher, kräftig und reich seyn müßten.

Wenn man diese Bedingungen genau überlegt, so sieht man leicht, daß eine zwar sähige, aber beschränkte Natur angenehme, aber beschränkte Gegenstände aus diese Weise behandeln könne. Solche Gegenstände müssen leicht und immer zu haben seyn; sie müssen bequem gesehen und ruhig nachgebildet werden können; das Gemüth, das sich mit einer solchen Arbeit beschästigt, muß still, in sich gekehrt, und in einem mäßigen Genuß genügsam sehn.

Diese Art der Nachbildung würde also bei sogenannten todten oder stillliegenden Gegenständen von ruhigen, treuen, eingeschränkten Menschen in Ausübung gebracht werden. Sie schließt ihrer Natur nach eine hohe Vollkommenheit nicht aus.

Manier,

Allein gewöhnlich wird dem Menschen eine solche Art zu versahren zu ängstlich oder nicht hinreichend. Er sieht eine Uebereinstimnmng vieler Gegenstände, die er nur in ein Bild bringen kann, indem er das Einzelne ausopsert; es verdrießt ihn, der Natur ihre Buchstaben im Zeichnen nur gleichsam nachzubuchstabiren; er erfindet sich selbst eine Weise, macht sich selbst eine Sprache, um das, was er mit der Seele ergriffen, wieder nach seiner Art auszudrücken, einem Gegenstande, den er östers wiederholt hat, eine eigene bezeichnende Form zu geben, ohne, wenn er ihn wiederholt, die Natur selbst vor sich zu haben, noch auch sich geradezu ihrer ganz lebhast zu erinnern.

Nun wird es eine Sprache, in welcher sich der Geist des Sprechenden unmittelbar ausdrückt und bezeichnet. Und wie die Meinungen über sittliche Gegenstände sich in der Seele eines jeden, der selbst denkt, anders rechen und gestalten, so wird auch jeder Künstler dieser Art die Welt anders sehen, ergreisen und nachbilden; er wird ihre Erscheinungen bedächtiger oder leichter sassen, er wird sie gesetzter oder flüchtiger wieder hervorbringen.

Wir sehen, daß diese Art der Nachahmung am geschicktesten bei Gegenständen angewendet wird, welche in einem große n Ganzen viele kleine subordinirte Gegenstände enthalten. Diese letztern müssen ausgeopsert werden, wenn der allgemeine Ausdruck des großen Gegenstandes erreicht werden soll, wie zum Beispiel bei Landschaften der Fall ist, wo man ganz die Absicht versehlen würde, wenn man sich ängstlich beim Einzelnen aufhalten und den Begriff des Ganzen nicht vielmehr sesthalten wollte.

Styl.

Gelangt die Kunst durch Nachahmung der Natur, durch Bemühung sich eine allgemeine Sprache zu machen, durch genaues und tieses Studium der Gegenstände selbst endlich dahin, daß sie die Eigenschaften der Dinge und die Art, wie sie bestehen, genau und immer genauer kennen lernt, daß sie die Reihe der Gestalten überfieht und die verschiedenen charakteristischen Formen neben einander zu stellen und nachzuahmen weiß: dann wird der Styl der höchste Grad wohin sie gelangen kann, der Grad wo sie sich den höchsten menschlichen Bemühungen gleichstellen dars.

Wie die einsache Nachahmung aus dem ruhigen Daseyn und einer liebevollen Gegenwart beruht, die Manier eine Erscheinung mit einem leichten, sähigen Gemüth ergreist, so ruht der Styl aus den tiessten Grundsesten der Erkenntniß, aus dem Wesen der Dinge, in sosern uns erlaubt ist es in sichtbaren und greislichen Gestalten zu erkennen.

Die Aussührung des Obengesagten würde ganze Bände einnehmen: man kann auch schon manches darüber in Büchern finden: der reine Begriss aber ist allein an der Natur und den Kunstwerken zu studiren. Wir sügen noch einige Betrachtungen hinzu, und werden, so ost von bildender Kunst die Rede ist, Gelegenheit haben uns dieser Blätter zu erinnern.

Es läßt sich leicht einsehen, daß diese drei hier von einander getheilten Arten, Kunstwerke hervorzubringen, genau mit einander verwandt sind und daß eine in die andere sich zart verlausen kann.

Die einsache Nachahmung leichtsaßlicher Gegenstände — wir wollen hier zum Beispiel Blumen und Früchte nehmen — kann schon aus einen hohen Grad gebracht werden. Es ist natürlich, daß einer, der Rosen nachbildet, bald die schönsten und srischesten Rosen kennen und unterscheiden, und unter Tausenden, die ihm der Sommer anbietet, heraussuchen werde. Also tritt hier schon die Wahl ein, ohne daß sich der Künstler einen allgemeinen bestimmten Begriss von der Schönheit der Rose gemacht hätte. Er hat mit saßlichen Formen zu thun; alles kommt aus die mannichsaltige Bestimmung und die Farbe der Obersläche an. Die pelzige Psirsche, die sein bestaubte Pslaume, den glatten Apsel, die glänzende Kirsche, die blendende Rose, die mannichsaltigen Nelken, die bunten Tulpen, alle wird er nach Wunsch im höchsten Grade der Vollkommenheit ihrer Blüthe und Reise in seinem stillen Arbeitszimmer vor sich haben; er wird ihnen die günstigste Beleuchtung geben; sein Auge wird sich an die Harmonie der glänzenden Farben, gleichsam spielend, gewöhnen; er wird alle Jahre dieselben Gegenstände zu erneuer n im Stande seyn, und durch eiuc ruhige nachahmende Betrachtnng des simpeln Daseyns die Eigenschasten dieser Gegenstände ohne mühsame Abstraction erkennen und sassen: und so werden die Wunderwerke eines Huysum, einer Rachel Ruysch entstehen, welche Künstler sich gleichsam über das Mögliche hinüber gearbeitet haben. Es ist ossenbar, daß ein solcher Künstler nur desto größer und entschiedener werden muß, wenn er zu seinem Talente noch ein unterrichteter Botaniker ist, wenn er von der Wurzel an den Einfluß der verschiedenen Theile aus das Gedeihen und den Wachsthum der Pflanze, ihre Bestimmung und wechselseitigen Wirkungen erkennt, wenn er die successive Entwicklung der Blätter, Blumen, Besruchtung, Frucht und des neuen Keimes einsieht und überdenkt. Er wird alsdann nicht bloß durch die Wahl aus den Erscheinungen seinen Geschmack zeigen, sondern er wird uns auch durch eine richtige Darstellung der Eigenschasten zugleich in Verwunderung setzen und belehren. Jn diesem Sinne würde man sagen können, er habe sich einen Styl gebildet, da man von der andern Seite leicht einsehen kann, wie ein solcher Meister, wenn er es nicht gar so genau nähme, wenn er nur das Aussallende, Blendende leicht auszudrücken beflissen wäre, gar bald in die Manier übergehen würde.

Die einsache Nachahmung arbeitet also gleichsam im Vorhose des Styls. Je treuer, sorgsältiger, reiner sie zu Werke geht, je ruhiger sie das, was sie erblickt, empfindet, je gelassener sie es nachahmt, je mehr sie sich dabei zu denken gewöhnt, das heißt, je mehr sie das Aehnliche zu vergleichen, das Unähnliche von einander abzusondern und einzelne Gegenstände unter allgemeine Begriffe zu ordnen lernt, desto würdiger wird sie sich machen die Schwelle des Heiligthums selbst zu betreten.

Wenn wir nun serner die Manier betrachten, so sehen wir, daß sie im höchsten Sinne und in der reinsten Bedeutung des Worts ein Mittel zwischen der einsachen Nachahmung und dem Styl seyn könne. Je mehr sie bei ihrer leichtern Methode sich der treuen Nachahmung nähert, je eisriger sie von der andern Seite das Charakteristische der Gegenstände zu ergreisen und saßlich auszudrücken sucht, je mehr sie beides durch eine reine, lebhafte, thätige Jndividualität verbindet, desto höher, größer und respectabler wird sie werden. Unterläßt ein solcher Künstler sich an die Natur zu halten und an die Natur zu denken, so wird er sich immer mehr von der Grundseste der Kunst entsernen, seine Manier wird immer leerer und unbedeutender werden, je weiter sie sich von der einsachen Nachahmung und von dem Styl entsernt.

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