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X

Diesen Platz wollen wir dem Hauptmann von Capernaum gönnen; er ist einer der ersten Gläubigen, der von dem hohen Wundermanne Hülse sordert nicht sür sich, noch einen Blutsverwandten, sondern sür den treuesten willsährigsten Diener. Es liegt hierin etwas so Zartes, daß wir wünschten, es möchte mitempsunden werden.

Da bei dem ganzen Vorschlag eigentlich Mannichsaltigkeit zugleich beabsichtigt ist, so haben wir hier einen römischen Hauptmann in seinem Costüme, der sich tresslich ausnehmen wird. Wir verlangen nicht gerade, daß man ihm ansehe, was er bringt und will; es ist uns genug, wenn der Künstler einen kräftig verständigen und zugleich wohlwollenden Mann darstellt.

XI.

Maria Magdalena.

Diese würde ich sitzend oder halb gelehnt dargestellt wünschen, aber weder mit einem Todtenkops noch einem Buche beschäftigt; ein zu ihr geseilter Genius müßte ihr das Salbsläschchen vorweisen, womit sie die Füße des Herrn geehrt, und sie sähe es mit srommem wohlgesälligem Behagen an. Diesen Gedanken haben wir schon in einer allerliebsten Zeichnung ausgesührt gesehen, und wir glauben nicht, daß etwas Frommanmuthigeres zu decken sey.

Xll.

Paulus.

Der ernste gewaltige Lehrer! Er wird gewöhnlich mit dem Schwerte vorgestellt, welches wir aber, wie alle Marterinstrumente ablehnen und ihn lieber in der beweglichen Stellung zu sehen wünschten eines, der seinem Wort, mit Mienen sowohl als Gebärde, Nachdruck verleihen und Ueberzeugung erringen will. Er würde, als Gegenstück von Iesaias, dem vor Gesahr warnenden Lehrer, dem die traurigsten Zustände voraus erblickenden Seher nicht gerade gegenüber stehen, aber doch in Bezug zu denken seyn.

XIII.
Petrus.

Diesen wünschte ich nun aus das geistreichste und wahrhafteste behandelt.

Wir sind oben in eine Basilika hereingetreten, haben zu beiden Seiten in den Jntercolumnien die zwöls Figuren im allgemeinen erblickt; in der Mitte, in dem würdigsten Raum, den Einzelnen, Unvergleichbaren. Wir fingen historisch aus unserer linken Hand an, und betrachteten das Einzelne der Reihe nach.

Jn der Gestalt, Miene, Bewegung St. Peters aber wünschte ich solgendes ausgedrückt. Jn der Linken hängt ihm ein kolossaler Schlüssel, in der Rechten trägt er den Gegenpart, eben wie einer der im Begriff ist aus- oder zuzuschließen. Diese Haltung, diese Miene recht wahrhast auszudrücken, müßte einem ächten Künstler die größte Freude machen. Ein ernster sorschender Blick würde gerade aus den Eintretenden gerichtet seyn, ob er denn auch sich hierher zu wagen berechtigt sey. Und dadurch würde zugleich dem Scheidenden die Warnung gegeben, er möge sich in Acht nehmen, daß nicht hinter ihm die Thüre sür immer zugeschlossen werde,

Wiederaufnahme.

Ehe wir aber wieder hinaustreten, drängen sich uns noch solgende Betrachtungen aus. Hier haben wir das alte und neue Testament, jenes vorbildlich aus Christum deutend, sodann den Herrn selbst in seine Herrlichkeit eingehend, und das neue Testament sich in jedem Sinne aus ihn beziehend. Wir sehen die größte Mannichsaltigkeit der Gestalten und doch immer, gewissermaßen paarweise, sich aus einander beziehend, ohne Zwang und Ansorderung: Adam aus Noah, Moses aus Matthäus, Jesaias aus Paulus, Daniel aus Johannes; David und Magdalena möchten sich unmittelbar aus Christum selbst beziehen, jener stolz aus solch einen Nachkommen, diese durchdrungen von dem allerschönsten Gesühle, einen würdigen Gegenstand sür ihr liebevolles Herz gesunden zu haben. Christus steht allein im geistigsten Bezug zu seinem himmlischen Vater. Den Gedanken, ihn darzustellen, wie die Orabestücher von ihm wegsinken, haben wir schon benutzt gesunden, aber es ist nicht die Frage, neu zu seyn, sondern das Gehörige zu finden, oder wenn es gesunden ist, es anzuerkennen.

Es ist offenbar, daß bei der Fruchtbarkeit der Bildhauer sie nicht immer glücklich in der Wahl ihrer Gegenstände sind; hier werden ihnen viele Figuren geboten, deren jede einzeln werth ist des Unternehmens; und sollte auch das Ganze, im Großen ausgesührt, nur der Einbildungskraft anheim gegeben werden, so wäre doch in Modellen mäßiger Größe mancher Ausstellung eine anmuthige Mannichsaltigkeit zu geben. Der Verein, der dergleichen billigte, würde wahrscheinlich Beisall und Zusriedenheit erwerben.

Würden mehrere Bildhauer ausgerusen sich, nach ihrer Neigung und Fähigkeit in die einzelnen Figuren zu theilen, sie in gleichem Maßstab zu modelliren, so könnte man eine Ausstellung machen, die in einer großen bedeutenden Stadt gewiß nicht ohne Zulaus seyn würde.

Verein der deutschen Vildhauer.

Ima, den 27. Juli 1817.

Da von allen Zeiten her die Bildhauerkunst das eigentliche Fundament aller bildenden Kunst gewesen und mit deren Abnahme und Untergang auch alles andere Mit - und Untergeordnete sich verloren, so vereinigen sich die deutscheu Bildhauer in dieser bedenklichen Zeit, ohne zu untersuchen, wie die übrigen verwandten Künste sich vorzusehen hätten, aus ihre alten, anerkannten , ausgeübten und niemals widersprochenen Rechte und Satzungen dergestalt, daß es sür Kunst und Handwerk gelte, wo erhobene, halb und ganz runde Arbeit zu leisten ist.

Der Hauptzweck aller Plastik, welches Wortes wir uns künstighin zu Ehren der Griechen bedienen, ist, daß die Würde des Menschen innerhalb der menschlichen Gestalt dargestellt werde. Daher ist ihr alles außer dem Menschen zwar nicht sremd, aber doch nur ein Nebenwerk, welches erst der Würde des Menschen angenähert werden muß, damit sie derselbigen diene, ihr nicht etwa in den Weg trete, oder vielleicht gar hinderlich und schädlich sey. Dergleichen sind Gewänder und alle Arten von Bekleidungen und Zuthaten s auch sind die Thiere hier gemeint, welche diejenige Kunst ganz allein würdig bilden kann, die ihnen ihren Theil von dem im Menschen wohnenden Gottesgebilde in hohem Maße zuzutheilen versteht.

Der Bildhauer wird daher von srühester Jugend aus einsehen, daß er eines Meisters bedars und aller Selbstlernerei, d. h. Selbstquälerei zeitig absagen. Er wird das gesunde menschliche Gebilde vom Knochenbau heraus, durch Bänder, Sehnen und Muskeln, auss sleißigste durchüben; welches ihm keine Schwierigkeit machen wird, wenn sein Talent, als ein Selbstgesundes, sich im Gesunden und Jugendlichen wieder anerkennt.

Wie er nun das vollkommene, obschon gleichgültige Ebenmaß der menschlichen Gestalt, männlichen und weiblichen Geschlechts, sich als einen würdigen Canon anzueignen und denselben darzustellen im Stande ist, so ist alsdann der nächste Schritt zum Charakteristischen zu thun. Hier bewährt sich nun jener Typus aus und ab zu allem Bedeutenden, welches die menschliche Natur zu ossenbaren sähig ist, und hier sind die griechischen Muster allen andern vorzuziehen, weil es ihnen glückte den Raupen- und Puppenzustand ihrer Vorgänger zur höchstbewegten Psyche hervorzuheben, alles wegzunehmen, und ihren Nachsolgern, die sich nicht zu ihnen bekennen, sondern in ihrer Unmacht Original seyn wollen, in dem Sansten nur Schwäche und in dem Starken nur Parodie und Caricatur übrig zu lassen.

Weil aber in der Plastik zu denken und zu reden ganz unzulässig und unnütz ist, der Künstler vielmehr würdige Gegenstände mit Augen sehen muß, so hat er nach den Resten der höchsten Vorzeit zu sragen, welche denn ganz allein in den Arbeiten des Phidias und seiner Zeitgenossen zu finden sind. Hiervon dars man gegenwärtig entschieden sprechen, weil genugsame Reste dieser Art sich schon jetzt in London befinden, so daß man also einen jeden Plastiker gleich an die rechte Quelle weisen kann.

Jeder deutsche Bildhauer verbindet sich daher, alles was ihm von eigenem Vermögen zu Gebote steht, oder was ihm durch Freunde, Gönner und sonstige Zusälligkeiten zu Theil wird, daraus zu verwenden, daß er eine Reise nach England mache und daselbst so lange als möglich verweile; indem allhier zuvörderst die Elgin'schen Marmore, sodann aber auch die übrigen dort befindlichen, dem Museum einverleibten Sammlungen eine Gelegenheit geben, die in der bewohnten Welt nicht weiter zu finden ist.

Daselbst siudire er vor allen Dingen auss fleißigste den geringsten Ueberrest des Parthenons und des Phigalischen Tempels; auch der kleinste, ja beschädigte Theil wird ihm Belehrung geben. Dabei bedenke er sreilich, damit er sich nicht entsetze, daß es nicht gerade nöthig sey ein Phidias zu werden.

Denn obgleich in höherem Sinne nichts weniger von der Zeit abhängt, als die wahre Kunst, sie auch wohl überall immer zur Erscheinung kommen könnte, wenn selbst der talentreiche Mensch sich nicht gewöhnlich gefiele albern zu seyn, so ist in unserer gegenwärtigen Lage wohl zu betrachten , daß ja die Nachsolger des Phidias selbst schon von jener strengen

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