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geht mir's jetzt nicht besser. So sey es denn mein Schicksal, wie es dein Schicksal ist, himmelanstrebender Thurm, und deins, weitverbreitete Welt Gottes! angegafft und läppchenweise in den Gehirnchen der Wälschen aller Völker austapezirt zu werden.

Dritte Illlti«n.

Hätt' ich euch bei mir, schöpsungsvolle Künstler, gesühlvolle Kenner! deren ich aus meinen kleinen Wanderungen so viele sand, und auch euch, die ich nicht sand, und die sind! Wenn euch dieß Blatt erreichen wird, laßt es euch Stärkung seyn gegen das slache unermüdete Anspülen unbedeutender Mittelmäßigkeit, und solltet ihr an diesen Platz kommen, gedenkt mein in Liebe!

Tausend Menschen ist die Welt ein Raritätenkasten, die Bilder gaukeln vorüber und verschwinden, die Eindrücke bleiben flach und einzeln in der Seele; drum lassen sie sich so leicht durch sremdes Urtheil leiten; sie sind willig, die Eindrücke anders ordnen, verschieben und ihren Werth aus und ab bestimmen zu lassen.

Hier ward durch Lenzens Ankunst die Andacht des Schreibenden unterbrochen, die Empfindung ging in Gespräche über, unter welchen die übrigen Stationen vollendet wurden. Mit jedem Tritte überzeugte man sich mehr, daß Schöpsungskrast im Künstler sey, ausschwellendes Gesühl der Verhältnisse, Maße und des Gehörigen, und daß nur durch diese ein selbstständig Werk, wie andere Geschöpse durch ihre individuelle Keimkraft hervorgetrieben werden.

Baukunst.

1788.

Es war sehr leicht zu sehen, daß die Steinbaukunst der Alten, in sosern sie Säulenordnungen gebrauchten, von der Holzbaukunst ihr Muster genommen habe. Vitruv bringt bei dieser Gelegenheit das Mährchen von der Hütte zu Markte, das nun auch von so vielen Theoristen angenommen und geheiligt worden ist; allein ich bin überzeugt, daß man die Ursachen viel näher zu suchen habe.

Die dorischen Tempel der ältesten Ordnung, wie sie in Großgriechenland und Sicilien bis aus den heutigen Tag noch zu sehen sind, und welche Vitruv nicht kannte, bringen uns aus den natürlichen Gedanken, daß nicht eine hölzerne Hütte zuerst den sehr entsernten Anlaß gegeben habe.

Die ältesten Tempel waren von Holz, sie waren aus die simpelste Weise ausgebaut, man hatte nur sür das Nothwendigste gesorgt. Die Säulen trugen den Hauptbalken, dieser wieder die Köpse der Balken, welche von innen heraus lagen, und das Gesims ruhte oben drüber. Die sichtbaren Balkenköpse waren, wie es der Zimmermann nicht lassen kann, ein wenig ausgekerbt, übrigens aber der Raum zwischen denselben, die sogenannten Metopen, nicht einmal verschlagen, so daß man die Schädel der Opserthiere hineinlegen, daß Pylades, in der Jphigenie aus TauriS des Euripides, hindurchzukriechen den Vorschlag thun konnte. Diese ganz solide, einsache und rohe Gestalt der Tempel war jedoch dem Auge des Volks heilig, und da man anfing von Stein zu bauen, ahmte man sie, so gut man konnte, im dorischen Tempel nach.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß man bei hölzernen Tempeln auch die stärksten Stämme zu Säulen genommen habe, weil man sie, wie es scheint, «oethe, sHmmtl, Werk«, XXV. 2

ohne eigentliche Verbindung der Zimmerkuust dem Hauptbalken nur gerad untersetzte. Als man diese Säulen in Stein nachzuahmen anfing, wollte man sür die Ewigkeit bauen; man hatte aber nicht jederzeit die sestesten Steine zur Hand: man mußte die Säulen aus Stücken zusammensetzen, um ihnen die gehörige Höhe zu geben; man machte sie also sehr stark in Verhältniß zur Höhe, und ließ sie spitzer zugehen, um die Gewalt ihres Tragens zu vermehren.

Die Tempel von Pästum, Segeste, Selinunt, Girgenti sind alle von Kalkstein, der mehr oder weniger sich der Tussteinart nähert, die in Jtalien Travertin genannt wird; ja die Tempel von Girgenti sind alle von dem losesten Muschelkalkstein, der sich denken läßt; sie waren auch deßhalb von der Witterung so leicht anzugreisen, und ohne eine andere seindliche Gewalt zu zerstören.

Man erlaube nur eine Stelle des Vitruv hierher zu deuten, wo er erzählt, daß Hermogenes, ein Architekt, da er zu Erbauung eines dorischen Tempels.den Marmor beisammengehabt, seine Gedanken geändert, und daraus einen jonischen gebaut habe. Vitruv giebt zwar zur Ursache an, daß dieser Baumeister sowohl als andere mit der Eintheilung der Triglyphen nicht einig werden können; allein es gesällt mir mehr, zu glauben, daß dieser Mann, als er die schönen Blöcke Marmor vor sich gesehen, solche lieber zu einem gesälligeren und reizenderen Gebäude bestimmt habe, indem ihn die Materie an der Aussührung nicht hinderte. Auch hat man die dorische Ordnung selbst immer schlanker gemacht, so daß zuletzt der Tempel des Hercules zu Cora acht Diameter in der Säulenlänge enthält.

Jch möchte durch das, was ich sage, es nicht gerne mit denjenigen verderben, welche sür die Form der altdorischen Tempel eingenommen sind. Jch gestehe selbst, daß sie ein majestätisches, ja einige ein reizendes Ansehen haben, allein es liegt in der menschlichen Natur, immer weiter, ja über ihr Ziel sortzuschreiten; und so war es auch natürlich, daß in dem Verhältniß der Säulendicke zur Höhe das Auge immer das Schlankere suchte, und der Geist mehr Hoheit und Freiheit dadurch zu empsinden glaubte, besonders da man von so mannichsaltigem schönem Marmor sehr große Säulen aus einem Stücke sertigen konnte, und zuletzt noch der Urvater alles Gesteins, der alte Granit, aus Acgypten herüber nach Asien und Europa gebracht ward und seine großen und schönen Massen zu jedem ungeheuern Gebrauche darbot. So viel ich weiß, sind noch immer die größten Säulen von Granit.

Die jonische Ordnung unterschied sich bald von der dorischen nicht allein durch die mehrere verhältnißmäßige Säulenhöhe, durch ein verzierteres Capitäl, sondern auch vorzüglich dadurch, daß man die Triglyphen aus dem Friese ließ, und den immer unvermeidlichen Brüchen in der Eintheilung derselben entging. Auch würden, nach meinem Begriss, die Triglyvhen niemals in die Steinbaukunst gekommen seyn, wenn die ersten nachgeahmten Holztempel nicht so gar roh gewesen, die Metopen verwahrt und zugeschlossen und der Fries etwa abgetüncht worden wäre. Allein ich gestehe es selbst, daß solche Ausbildungen sür jene Zeiten nicht waren, und daß es dem rohen Handwerk ganz natürlich ist Gebäude nur wie einen Holzstoß über einander zu legen.

Daß nun ein solches Gebäude, durch die Andacht der Völker geheiligt, zum Muster ward, wonach ein anderes von einer ganz andern Materie ausgesührt wurde, ist ein Schicksal, welches unser Menschengeschlecht in hundert andern Fällen ersahren mußte, die ihm weit näher lagen und weit schlimmer aus dasselbe wirkten, als Metopen und Triglyphen.

Jch überspringe viele Jahrhunderte und suche ein ähnliches Beispiel aus, indem ich den größten Theil so genannter gothischer Baukunst aus den Holzschnitzwerken zu erklären suche, womit man in den ältesten Zeiten Heiligenschränkchen, Altäre und Capellen auszuzieren pslegte, welche man nachher, als die Macht und der Reichthum der Kirche wuchsen, mit allen ihren Schnörkeln, Stäben und Leisten an die Außenseiten der nordischen Mauern anhestete, und Giebel und sormenlose Thürme damit zu zieren glaubte.

Leider suchten alle nordischen Kirchenverzierer ihre Größe nur in der multiplicirten Kleinheit. Wenige verstanden diesen kleinlichen Formen unter sich ein Verhältniß zu geben; und dadurch wurden solche Ungeheuer wie der Dom zu Mailand, wo man einen ganzen Marmorberg mit ungeheuern Kosten versetzt und in die elendesten Formen gezwungen hat, ja noch täglich die armen Steine quält, um ein Werk sortzusetzen, das nie geendigt werden kann, indem der erfindungslose Unsinn, der es eingab, auch die Gewalt hatte einen gleichsam unendlichen Plan zu bezeichnen.

Material der bildenden Kunst.

»788.

Kein Kunstwerk ist unbedingt, wenn es auch der größte und geübteste Künstler versertigt: er mag sich noch so sehr zum Herrn der Materie machen, in welcher er arbeitet, so kann er doch ihre Natur nicht verändern. Er kann also nur in einem gewissen Sinne und unter einer gewissen Bedingung das hervorbringen, was er im Sinne hat, und es wird derjenige Künstler in seiner Art immer der tresslichste seyn, dessen Erfindungs- und Einbildungskraft sich gleichsam unmittelbar mit der Materie verbindet, in welcher er zu arbeiten hat. Dieses ist einer der großen Vorzüge der alten Kunst; und wie Menschen nur dann klug und glücklich genannt werden können, wenn sie in der Beschränkung ihrer Natur und Umstände mit der möglichsten Freiheit leben, so verdienen auch jene Künstler unsere große Verehrung, welche nicht mehr machen wollen, als die Materie ihnen erlaubte, und doch eben dadurch so viel machten, daß wir mit einer angestrengten und ausgebildeten Geisteskrast ihr Verdienst kaum zu erkennen vermögen.

Wir wollen gelegentlich Beispiele ansühren, wie die Menschen durch das Material zur Kunst gesührt und in ihr selbst weiter geleitet worden sind. Für dießmal ein sehr einsaches.

Es scheint mir sehr wahrscheinlich, daß die Aegypter zu der Ausrichtung so vieler Obelisken durch die Form des Granits selbst sind gebracht worden. Jch habe bei einem sehr genauen Studium der sehr mannichsaltigen Formen, in welchen der Granit sich findet, eine meist allgemeine Uebereinstimmung bemerkt, daß die Paralleleviveden, in welchen man ihn antrisft, öfters wieder diagonal getheilt sind, wodurch sogleich zwei rohe Obelisken entstehen. Wahrscheinlich kommt diese Naturerscheinung in

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