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irgend einer Aussicht, als der Wirklichkeit entsprechend, an seiner Seite wünschen!

Da jedoch in den Kupsern nach Herculanischen Entdeckungen eine Unzahl solcher Nachbildungen anzutreffen ist, auch zugleich ein in der Kunstgeschichte interessanter Punkt zur Sprache kommt, so sey es vergönnt, hierbei einen Augenblick zu verweilen.

Die Frage, ob jene Künstler Kenntniß der Perspective gehabt, beantworte ich mir aus solgende Weise. Sollten solche mit den herrlichsten Sinnen, besonders auch dem des Auges, begabte Künstler, wie so vieles andere, nicht auch haben bemerken können und müssen, daß alle unterhalb meines Auges sich entsernenden Seitenlinien hinaus-, dagegen die oberhalb meines Blickes sich entsernenden hinabzuweichen scheinen? Diesem Gewahrwerden sind sie auch im Allgemeinen gesolgt.

Da nun serner, in den älteren Zeiten sowohl als in den neueren, bis in das siebzehnte Jahrhundert, jedermann recht viel zu sehen verlangte, so dachte man sich aus einer Höhe, und in sosern mußten alle dergleichen Linien auswärts gehen, wie es denn auch damit in den ausgegrabenen Bildern gehalten wird, wo aber sreilich manches Schwankende, ja Falsche wahrzunehmen ist.

Eben so findet man auch diejenigen Gegenstände, die nur über dem Auge erblickt werden, als in jener Wandarchitektur die Gesimschen und was man sich an deren Stelle denken mag, wenn sie sich als entsernend darstellen sollen, durchaus im Sinken gezeichnet, so wie auch das, was unter dem Auge gedacht wird, als Treppen und dergleichen auswärts sich richtend vorgestellt.

Wollte man aber diese nach dem Gesetze der reinen subjectiven Perspectivlehre untersuchen, so würde man sie keineswegs zusammenlausend finden. Was eine scharse, treue Beobachtung verleihen kann, das besaßen sie; die abstracte Regel, deren wir uns rühmen, und welche nicht durchaus mit dem Gcschmacksgesühl übereintrifft, war, mit so manchem andern Späterentdeckten, völlig unbekannt.

Durch alles Vorgesagte, welches sreilich noch viel weiter hätte ausgesührt werden sollen, kann man sich überzeugen, daß die vorliegenden Zahn'schen Heste gar mannichsaltigen Nutzen zu stisten geeignet sind. Dem Studium des Alterthums überhaupt werden sie sörderlich seyn, dem Studium der alterthümlichen Kunstgeschichte besonders. Ferner werden-sie. theils weil die Nachbildungen vieler Gegenstände in der an Ort und Stelle vorhandenen Größe gezeichnet sind, theils weil sie im ganzen Zusammenhange und sogar sarbig vorgesührt werden, eher in das praktische Leben eingehen, und den Künstler unserer Tage zu Nachbildung und Erfindung auswecken, auch dem Begriss, wie man am schicklichen Platze sich eine heitere, geschmackvolle Umgebung schaffen könne und solle, immer mehr zur allgemeinen Reise verhelsen.

Anschließlich mag ich hier gern bemerken, daß meine alte Vorliebe sür die Abbildung des Säuglings mit der Mutter, von Myrons Kuh ausgehend, durch Herrn Zahns Gesälligkeit abermals belohnt worden, indem er mir eine Durchzeichnung des Kindes Telephus, der in Gegenwart seines Heldenvaters und aller schützenden Wald- und Berggötter an der Hinde saugt, zum Abschied verehrte. Von dieser Gruppe, die vielleicht alles übertrifft, was in der Art je geleistet worden, kann man sich Band I. Seite 31 der Herculanischen Nlterthümer einen allgemeinen, obgleich nicht genügenden Begriff machen, welcher nunmehr durch den gedachten Umriß, in der Größe des Originals, vollkommen überliesert wird. Die Verschränkung der Glieder eines zarten saugenden Knaben mit dem leichtsüßigen Thiergebilde einer zierlichen Hinde, ist eine kunstreiche Composition, die man nicht genug bewundern kann.

Undankbar aber wäre es, wenn ich hier, wo es Gelegenheit giebt, nicht eines Oelbildes erwähnte, welches ich täglich gern vor Augen sehe. Jn einem still-engen, doch heiter-mannichsaltigen Thal, unter einem alten Eichbaume säugt ein weißes Reh einen gleichsalls blendend weißen Abkömmling unter liebkosender Theilnahmc.

Aus diese Weise bildet sich denn um mich, angeregt durch jene srüheren Bemerkungen, ein heiterer Cyclus dieses anmuthigen Zeugnisses ursprünglichster Verwandtschast und nothwendigster Neigung. Vielleicht kommen wir aus diesem Wege am ersten zu dem hohen philosophischen Ziel, das göttlich Belebende im Menschen mit dem thierisch Belebten aus das unschuldigste verbunden gewahr zu werden.

Dr. Jacob Nour über die Farben in technischem Sinne.

(I. Hest 1824. 2. Hest 1828.)

Die Zahn'schen colorirten Nachbildungen der Pompejischeii Wandgemälde setzen uns, außer den glücklichen Gedanken, auch noch durch eine wohlerhaltene Färbung in Erstaunen. Erwägen wir nun, daß jener Farbenschmuck sich durch so manche Jahrhunderte, durch die ungünstigsten Umstände klar und augensällig erhalten, und finden dagegen Bilder der neuern Zeit, ja der neuesten geschwärzt, entsärbt, rissig und sich ablösend; treffen wir serner auch bei Restaurationen dieser Mängel aus gar mancherlei Fehler der ersten Anlage; dann haben wir allerdings den Künstler zu loben, welcher hierüber sorschend und nachdenkend einen Theil seiner edlen Zeit anwendet.

Wir empsehlen obgenannte Hefte den Künstlern um desto mehr, als man in der neuern Zeit völlig zu vergessen scheint, daß die Kunst aus dem Handwerk ruht, und daß man sich aller technischen Ersordernisse erst zu verfichern habe, ehe man ein eben so würdiges als dauerndes Kunstwerk hervorzubringen Anstalt macht.

Die Bemühungen des sorgsältigen Versassers noch höher zu schätzen, sehen wir uns dadurch veranlaßt, daß Palmaroli, der sich durch seine Restauration in Dresden so viel Verdienste erworben, in Rom leider mit Tode abgegangen ist; da denn Uebung und Nachdenken sowohl über ältere Bilder, wie solche allensalls wieder herzustellen, als über die Art den neu zu versertigenden dauernde Krast und Haltung zu geben, im allgemeinen bestens zu empsehlen steht.

Myrons Kuh.
1812.

Myron, ein griechischer Bildner, versertigte ungesähr vierhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung eine Kuh von Erz, welche Cicero zu Athen, Procopius im siebenten Jahrhundert zu Rom sah, also daß über tausend Jahre dieses Kunstwerk die Ausmerksamkeit der Menschen aus sich gezogen. Es sind uns von demselben mancherlei Nachrichten übrig geblieben, allein wir können un3 doch daraus keine deutliche Vorstellung des eigentlichen Gebildes machen; ja, was noch sonderbarer scheinen muß, Epigramme, sechsunddreißig an der Zahl, haben uns bisher eben so wenig genutzt, sie sind nur merkwürdig geworden als Verirrungen poctisirender Kunstbeschauer. Man findet sie eintönig, sie stellen nicht dar, sie belehren uns nicht; sie verwirren vielmehr den Begriss, den man sich von der verlorenen Gestalt machen möchte, als daß sie ihn bestimmten.

Genannte und ungenannte Dichter scheinen in diesen rhythmischen Scherzen mehr unter einander zu wetteisern, als mit dem Kunstwerke; sie wissen nichts davon zu sagen, als daß sie sämmtlich die große Natürlichkeit desselben anzupreisen beflissen sind. Ein solches Dilettantenlob ist aber höchst verdächtig. Denn bis zur Verwechselung mit der Natur Natürlichkeit darzustellen, war gewiß nicht Myrons Bestreben, der, als unmittelbarer Nachsolger von Phidias und Polyklet, in einem höhern Sinne versuhr, beschästigt war Athleten, ja sogar den Hercules zu bilden, und gewiß seinen Werken Styl zu geben, sie von der Natur abzusondern wußte.

Man kann als ausgemacht annehmen, daß im Alterthum kein Werk berühmt worden, das nicht von vorzüglicher Erfindung gewesen wäre: denn diese ist's doch, die am Ende den Kenner wie die Menge entzückt. Wie mag denn aber Myron eine Kuh wichtig, bedeutend und sür die Aufmerksamkeit der Menge durch Jahrhunderte durch anziehend gemacht haben?

Die sämmtlichen Epigramme preisen durchaus an ihr Wahrheit und Natürlichkeit, und wissen die mögliche Verwechselung mit dem Wirklichen nicht genug hervorzuheben. Ein Löwe will die Kuh zerreißen, ein Stier sie bespringen, ein Kalb an ihr saugen, die übrige Heerde schließt sich an sie an; der Hirte wirst einen Stein nach ihr, um sie von der Stelle zu bewegen, er schlägt nach ihr, er peitscht sie, er dutet sie an; der Ackersmann bringt Kummet und Pslug sie einzuspannen, ein Dieb will sie stehlen, eine Bremse setzt sich aus ihr Fell, ja Myron selbst verwechselt sie mit den übrigen Kühen seiner Heerde.

Ossenbar strebt hier ein Dichter den andern mit leeren rednerischen Floskeln zu überbieten und die eigentliche Gestalt, die Handlung der Kuh bleibt immer im Dunkeln. Nun soll sie zuletzt gar noch brüllen; dieses sehlte sreilich noch zum Natürlichen. Aber eine brüllende Kuh, in sosern sie plastisch vorzustellen wäre, ist ein so gemeines und noch dazu unbestimmtes Motiv, daß es der hochsinnige Grieche unmöglich brauchen konnte.

Wie gemein es sey, sällt jedermann in die Augen, aber unbestimmt und unbedeutend ist es dazu. Sie kann brüllen nach der Weide, nach der Heerde, dem Stier, dem Kalbe, nach dem Stalle, der Melkerin, und wer weiß nach was allem? Auch sagen die Epigramme keineswegs, daß sie gebrüllt habe, nur daß sie brüllen würde, wenn sie Eingeweide hätte, so wie sie sich sortbewegen würde, wenn sie nicht an das Piedestal angegossen wäre.

Sollten wir aber nicht trotz aller dieser Hindernisse doch zum Zwecke gelangen und uns das Kunstwerk vergegenwärtigen, wenn wir alle die salschen Umstände, welche in den Epigrammen enthalten sind, ablösen und den wahren Umstand übrig zu behalten suchen?

Niemand wird in der Nähe dieser Kuh, oder als Gegen- und Mitbild einen Löwen, den Stier, den Hirten, die übrige Heerde, den Ackersmann, den Dieb oder die Bremse denken. Aber ein Lebendiges konnte der Künstler ihr zugesellen, und zwar das einzige Mögliche und Schickliche, das Kalb. Es war eine säugende Kuh: denn nur in sosern sie säugt, ist es erst eine Kuh, die uns, als Heerdenbesitzern, bloß durch Fortpflanzung und Nahrung, durch Milch und Kalb bedeutend wird.

Wirst man nun alle jene sremden Blumen hinweg, womit die Dichter,

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