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er es aushält. Sein Blick ist das Unerforschlichste; er sieht vor sich hin, ob er aber den Beschauer ansieht, ist zweifelhaft. Sein Blick geht nicht in fich hinein, wie der eines Denkenden, auch nicht vorwärts, wie der eines Beschauenden; das Auge ruht in und auf sich, wie die ganze Gestalt, welche, man kann nicht sagen ein Selbstgenügen, aber doch einen Mangel an irgend einem Bezug nach außen andeutet.

Genug, wir mögen hier physiognomisiren und deuten wie wir wollen, so finden wir unsere Einsicht zu kurz, unsere Erfahrung zu arm, unsere Vorstellung zu beschränkt, als daß wir uns von einem solchen Wesen einen hinlänglichen Begriff madjen könnten. Wahrscheinlicherweise wird es künftighin dem Historiker auch so gehen, welcher dann sehen mag, in wiefern ihn das gegenwärtige Bild fördert. Zu annähernder Vergleichung gab uns das Porträt dieses wichtigen Mannes auf dem großen Bilde vom Congreß zu Wien, nad 3sabey, jedoch einigen Anlaß. Wir bemerken dieß um forscủender liebhaber willen.

Ferdinand von Imécourt,

Drdonnanzofficier des Marschalls Lefebvre, umgekommen vor Danzig 1807,

gemalt 1808.

Also, wie das Datum besagt, aus der Erinnerung oder nach einer Skizze gemalt.

Einen merkwürdigen Contrast giebt uns auch dieses Bild. Die militärische Laufbahn des Mannes deutet auf einen brauchbaren Thätigen, sein Tod auf einen Braven; aber in dem Incognito des Civilkleides ist jeder charakteristische Zug verschwunden. Gentlemanartig in Stellung und Kleidung, ist er eben im Begriff die breiten Stufen zu einem einfachen Gartenhaus hinaufzusteigen; den Hut in der herabhängenden Linken, auf den Stoď in der rechten Hand gestüßt, hält er einen Augenblick inne, als sich umsehend, ob er vielleicht noch wo einen Bekannten in der Nähe gewahr würde. Die Züge des Gesichts sind die eines verständigen gelassenen Mannes ; die Gestalt von mittlerer Größe, anständiger Zartheit. In der Societät würden wir ihn für einen Diplomaten angesprochen haben; und es ist wirklich ein glüdlicher Gedanke, die vollkommene edle Prosa einer vorübergegangenen Gegenwart hier zwischen so bedeutenden welthistorischen Männern zu finden.

Graf und Gräfin Fries,

geinalt 1804.

Dieses Familienbild paßt recht gut zum vorigen; denn jener Mann durfte nur hier hereintreten und er wäre willkommen gewesen.

Der Gemahl hat sich auf die Ecke eines ausgeschweiften dreiseitigen Tisches geseßt, und zeigt sich in einer sehr natürlichen glüdlichen Wendung. Eine Reitgerte in der rechten Hand deutet auf Kommen oder Gehen, und so paßt das augenblickliche nachlässige Hinsißen auf einer solchen Stelle gar wohl. Die Gemahlin, einfach weiß gekleidet, einen bunten Shawl über dem Schooß, sigt und schaut, den Blick des Gemahls begleitend, gleichsam nach einem Eintretenden. Diesmal sind wir es, die Anschauenden, die wir glauben können auf eine so freundlich höfliche Weise empfangen zu werden. Die linke Hand der Dame ruht auf der Schlafstätte eines kleinen Kindes, das in halbem Schlummer sich ganz wohl zu behagen scheint. Wand und Pilaster, die freie Durchsicht in einen Bogengang, ein Schirm hinter dem Bette des Kindes bilden einen mannichfaltigen, anmuthigen, offenen und doch wohnlichen Hintergrund. Das Bild componirt sehr gut und mag in Lebensgröße, der Andeutung nady colorirt, eine sehr erfreuliche Wirkung thun.

Katharina, Königliche Prinzessin von Würtemberg, Königin von Westphalen, gemalt 1813.

Dieses Bild spricht uns am wenigsten an, wie man in der Conservationssprache zu sagen pflegt. Eine mit Geschmack, der ans Brächtige hinneigt, gekleidete, wohlgestaltete Dame fißt auf einem architektonisch mäßig verzierten Marmorseffel, dem es nicht an Teppich und Kissen fehlt; die niedergesenkte Rechte hält ein Büchlein, offen durch den eingreifenden Daumen, eben als hätte man aufgehört zu lesen; der linke Arm, auf ein Polster gestüßt, zeigt die Band in einer Wendung, als hätte das nun erhobene Haupt noch erst eben darauf geruht. Gesicht und Augen sind nach dem Beschauer gerichtet, aber in Blick und Miene ist etwas Unbefriedigtes, Entfremdetes, dem man nicht beikommen kann. Die Aussicht nach Berg und Thal, See und Wasserfall, Fels und Gebüsch mag auf die Anlagen von Wilhelmshöhe deuten, aber das Ganze ist doch zu heroisch

und wild gedacht, als daß man recht begreifen könnte, wie diese stattliche Dame hier zu diesem feenhaften Ruhesit gelangt.

Sodann entsteht noch die Frage über ein höchst wunderliches Beiwesen. Warum seßt die Dame ihre netten Füßchen auf Kopf und Schnabel eines Storchs, der von einigen leichten Zweigen umgeben in dem Teppich oder Fußboden skizzenhaft gebildet ist. Dieß alles jedoch beseitigt, mag dieß Bild als trefflich componirt gelten, und man muß ihin die Anlage zu einem vollkommenen wohl colorirten Gemälde zugestehen.

Elisa,
ehemalige Großherzogin von Tuscana,

und ihre Tochter

Napoleon Elisa,

Prinzessin von Pivmbino, gemalt 1811. Das reichste Bild von allen, welches zu dem mannichfaltigsten Farbenwechsel Gelegenheit gab. Eine stattliche Dame, orientalischer Physiognomie, blidt euch an mit verständigem Behagen; Diadem, Schleier, Stirnbinde, Loden, Halsband, Halstuch geben dem Obertheil Würde und Fülle, wodurch er hauptsächlich über das Ganze dominirt: denn schon vom Gürtel an dienen die Gewande der übrigen Figur eigentlich nur zur Folie für ein anmuthiges Töchterchen, auf dessen rechter Schulter von hinten her die mütterliche rechte Hand ruht. Das liebliche Kind hält am Bande ein zierliches, nettes, seltsam schlank gestaltetes Hündchen, das unter dem linken Arm der Mutter sich behaglich fühlt. Das breite mit Löwenköpfen und Taßen architektonisch verzierte weißmarmorene Canapé, dessen wohlgepolsterter, geräumiger Siß von der Hauptfigur bequem eingenommen wird, verleiht dem Ganzen ein stattliches Ansehen; Fußkiffen und herabgesunkene Falten, Blumenkorb und eine lebhafte Vegetation zu= nächst deuten auf die mannichfaltigste Färbung. Der Hintergrund, wahrscheinlich in mildem Luftton gehalten, zeigt hoher dichter Bäume überdrängtes Wachsthum; wenige Säulen ruinenartig, eine wilde Treppe, die ins Gebüsche führt, erweden den Begriff einer ältern romantischen Kunstanlage, aber bereits von langherkömmlicher Vegetation überwältigt, und so geben wir gern zu, daß wir uns wirklich auf einem großherzoglich florentinischen Landsit befinden.

Madame Recamier,

gemalt 1805.

Zum Abschluß dieser Darstellungen sehen wir nun das Bild einer schönen Frau, das uns schon seit zwanzig Jahren gerühmt wird. In einer von stillem Wasser angespülten Säulenhalle, hinten durdy Vorhang und blumiges Busdwerk geschlossen, hat sich die schönste, anmuthigste Person, wie es scheint nach dem Bade, in einen gepolsterten Sessel gelehnt: Brust, Arme und Füße sind frei, der übrige Körper leicht, jedoch anständig bekleidet; unter der linken Hand senkt sich ein Shawl herab zn allenfallsigem lleberwurf. Mehr haben wir freilidh von diesem lieblichen und zierlichen Blatte nicht zu sagen. Da die Schönheit untheilbar ist und uns den Eindruc einer vollkommenen Harmonie verleiht, so läßt sie sid) durch eine Folge von Worten nicht darstellen. Glüdlich schätzen wir die, welche das Bild, das gegenwärtig in Berlin seyn soll, bedauen und sich daran erfreuen können. Wir begnügen uns an dieser Skizze, welche die Intention vollkommen überliefert; und was macht denn am Ende den Werth eines Kunstwerkes aus? Es ist und bleibt die Intention, die vor dem Bilde vorausgeht und zuleßt, durch die sorgfältigste Ausführung, vollkommen ins Leben tritt. Und so müssen wir denn auch dieses Bild, wie die sämmtlichen vorhergehenden, wohlgedacht, in seiner Art bedeutend, darakteristisch und gehörig ansprechend anerkennen. .

Steht es nun freilid, nicht in unserm Vermögen, die äußern Vorzüge einer schönen Person mit Worten auszudrücken, so ist doch die Spradje eigentlich da, um das Gedädytniß sittlicher und geselliger Bezüge zu erhalten; deßwegen wir uns nicht versagen können, mitzutheilen wie sich über diese merkwürdige Frau, nach zwanzig Jahren, die neuesten Tagesblätter vernehmen lassen.

„Die legte und lieblicyste dieser Gestalten ist Madame Recamier. Niemand wird sich wundern, dieses Bild den erlauchten weiblichen Zeit= genossen beigefelt zu sehen. Eine Freundin der Frau von Staël, eines Camille Jordan, des Herrn von Chateaubriand wäre zu folchen Ehren berechtigt, wüßte man auch nicht, daß die unendliche Anmuth ihrer Unterhaltung und die Gewalt ihrer Gutmüthigkeit unablässig die vorzüglichsten Männer aller Parteien bei ihr versammelt hat. Man darf sagen, daß durd, Ausüben des Guten, durd, Dämpfen des Hasses, durd, Annähern

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der Meinungen sie die Unbeständigkeit der Welt gefesselt habe, ohne daß man bemerkt hätte, Glüc und Jugend habe sich von ihr entfernen können. Diejenigen, weldie glauben möchten, ihr Geist sey die Wirkung eines anhaltenden Ilmgangs mit den vorzüglichsten Menschen, der Widerschein eines andern Gestirns, der Wohlgeruch einer andern Blume, folche sind ihr niemals näher getreten. Wir wollen zwar nicht untersuchen, ob nicht mit fedhzehn Jahren die Sorge für den Puß und sonstige Hauptgeschäfte desselbigen Alters eine Frau vielleicht verhindern können andere Vorzüge als die ihrer Schönheit bemerken zu lassen; aber jegt wäre es unmöglich so viel Geschmad, Anmuth und Feinheit zu erklären, ohne zu gestehen, daß sie immer Elemente dieser Eigenschaften besessen habe.

„Ohne etwas herausgegeben, vielleicht ohne etwas niedergesdhrieben zu haben, übte diese merkwürdige Frau bedeutenden Einfluß über zwei unserer größten Schriftsteller. Ein solcher ungesuchter Einfluß entspringt aus der Fähigkeit das Talent zu lieben, es zu begeistern, sich selbst zu entzünden beim Anblick der Eindrücke, die es hervorbringt. Diejenigen, welche wissen, wie der Gedanke sich vergrößert und befrudytet, indem wir ihn vor einer andern Intelligenz entwickeln, daß die Hälfte der Beredsamkeit in den Augen derer ist, die euch zuhören, daß der zu Ausführung eines Werkes nöthige Muth aus dem Antheil geschöpft werden muß, den das Unternehmen in andern erwedt, folche Personen werden niemals erstaunen über Corinna’s und des Verfassers der Märtyrer leidenschaftliche Freundschaft für die Person, welche sie außerhalb Frankreich begleitete oder ihnen in der Ungunst treu blieb. Es giebt edle Wesen, die mit allen hohen Gedanken sympathisiren, mit allen reizenden Schöpfungen der Einbildungskraft. Ihr möchtet edle Werke hervorbringen, um sie ihnen zu vertrauen, das Gute und Rechte thun, um es ihnen zu erzählen. Dieß ist das Geheimniß des Einflusses der Madame Recamier. Vor ihr hatte man niemals so viel Uneigennuş, Bescheidenheit und Berühmtheit vereinigt. Und wie sollte man sich nicht freuen, ein durdy die Kunst fo wohl überliefertes Bild einer Frau zu besißen, welche niemals auf mädhtige Freundschaften sid, lehnte, als um das unbekannte Verdienst belohnt zu sehen, die nur dem Unglüd sdymeichelte, und nur dem Genie den Hof machte.“

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