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wahrscheinlich, weil kein Thier aus seiner beschränkten, bestimmten Art herausgeht, und deßhalb immer zweckmäßig zu handeln scheint.

Wie die Fabel des Fuchses sich durch lange Zeiten durchgewunden und von mancherlei Bearbeitern erweitert, bereichert und ausgestutzt worden, darüber giebt uns eine einsichtige Literargeschichte täglich mehr Ausklärung.

Daß wir sinnliche Gegenstände, wovon wir hören, auch mit Augen sehen wollen, ist natürlich, weil sich alles, was wir vernehmen, dem innern Sinn des Auges mittheilt und die Einbildungskrast erregt. Diese Forderung hat aber der bildenden Kunst, ja allen äußerlich darstellenden, großen Schaden gethan und richtet sie mehr oder weniger zu Gnmde. Die Thiersabel sollte eigentlich dem Auge nicht dargestellt werden, und doch ist es geschehen; untersuchen wir an einigen Beispielen, mit welchem Glück?

Jost Ammon, in der zweiten Hälste des sechzehnten Jahrhunderts, gab zu einer lateinischen metrischen Uebersetzung des Reineke Fuchs kleine allerliebste Holzschnitte. Jn dem großen Kunstsinne der damaligen Zeit behandelt er die Gestalt der Thiere symbolisch, slügelmännisch, nach heraldischer Art und Weise, wodurch er sich den größten Vortheil verschafft, von der naivsten Thierbewegung bis zu einer übertriebenen, sratzenhaften Menschenwürde gelangen zu können. Jeder Kunstsreund besitzt und schätzt dieses kleine Büchelchen.

Aldert van Everdingen zog als vortrefflicher Landschaftsmaler die Thiersabel in den Naturkreis herüber, und wußte, ohne eigentlich Thiermaler zu seyn, viersüßige Thiere und Vögel dergestalt ans gemeine Leben heran zu bringen, daß sie, wie es denn auch in der Wirklichkeit geschieht, zu Reisenden und Fuhrleuten, Bauern und Psaffen gar wohl passend, einer und eben derselben Welt unbezweiselt angehören. Everdingeus außerordentliches Talent bewegte sich auch hier mit großer Leichtigkeit; seine Thiere, nach ihren Zuständen, passen vortrefflich zur Landschaft und componiren mit ihr auss anmuthigste. Sie gelten eben so gut sür verständige Wesen, als Bauern, Bäuerinnen, Psaffen und Nonnen. Der Fuchs in der Wüste, der Wols ans Glockenseil gebunden, einer wie der andere, sind an ihrem Platz. Dars man nun hinzusetzen, daß Everdingens landschastliche Composition, ihre Staffage mit inbegriffen, zu Licht- und Schattenmassen tresslich gedacht, dem vollkommensten Helldunkel Anlaß geben, so bleibt wohl nichts weiter zu wünschen übrig.

Diese Sammlung, in guten Abdrücken, ist jedem Liebhaber werth. Jm Nothsall kann man sich aus der Gottschedischen Quartausgabe, wozu man die schon geschwächten Platten benutzte, immer noch einen Begriss von dem hohen Verdienst dieser Arbeit machen.

Von allen Künstlern, welche die Thiersabel zum Gegenstand ihrer Bemühungen erkoren, hat wohl keiner so nahe den rechten Punkt getroffen, als Paul Potter in einem Gemälde von mehreren Abtheilungen, so sich ehemals in der Galerie zu Cassel besunden. Die Thiere haben den Jäger gesangen, halten Gericht, verurtheilen und bestrasen ihn; auch des Jägers Gehülsen, Hunden und Pserd, wird ein schlimmes Loos zu Theil. Hier ist alles ironisch, und das Werk scheint uns als gemaltes Gedicht außerordentlich hoch zu stehen. Wir sagen absichtlich als gemaltes Gedicht: denn obgleich Potter der Mann war, daß alles von ihm Herrührende von Seite der Aussührung Verdienste hat, so gehört doch gerade das erwähnte Stück nicht unter diejenigen, wo er uns als Maler Bewunderung abnöthigt. Hingegen wird schwerlich ein anderes, selbst das vollendete Meisterstück der pissenden Kuh nicht ausgenommen, dem Beschauer größeres Vergnügen gewähren, sich seinem Gedächtniß so lebhast und ergötzend einprägen.

Giebt Potters Gemälde ein Beispiel, in welchem Geist Thiersabeln, wosern der bildende Künstler sich dieselben zum Gegenstande wählt, zu behandeln seyen, so möchte hingegen die bekannte Folge von Fabeln, welche der sonst wackere Elias Riedinger eigenhändig radirt hat, als Beispiel durchaus sehlerhafter Denkweise und mißlungener Erfindung in dieser Art angesührt werden. Verdienst der Aussührung ist ihnen wohl nicht abzusprechen; allein sie sind so trocken ernsthast, haben einen moralischen Zweck, ohne daß die Moral aus dem Dargestellten errathen werden kann; es gebricht ihnen gänzlich an jener durchaus gesorderten ironischen Würze; sie sprechen weder das Gemüth an, noch gewähren sie dem Geist einige Unterhaltung.

Wer sich jedoch in diesem Fache bemüht, wie denn dem geistreichen Talente sein Glück nirgends zu versagen ist, dem wäre zu wünschen, daß er die radirten Blätter des Benedict Castiglione immer vor Augen habe, welcher die doch mitunter allzubreiten, halbgesormten, unersreulichen Thiergestalten so zu benutzen gewußt, daß einige das Licht in großen Massen ausnehmen, andere wieder durch kleinere Theile, so wie durch Localtinten die Schattenpartien mannichsaltig beleben. Dadurch entspringt der ästhetische Sinnenreiz, welcher nicht sehlen dars, wenn Kunstzwecke bewirkt werden sollen.

Vlumenmalerei.
l818.

Wenn gleich die menschliche Gestalt, und zwar in ihrer Würde und Gesundheitssülle, das Hauptziel aller bildenden Kunst bleibt, so kann doch keinem Gegenstande, wenn er sroh und srisch in die Augen sällt, das Recht versagt werden gleichsalls dargestellt zu seyn, und im Nachbild ein großes, ja größeres Vergnügen zu erwecken, als das Urbild nur immer erregen konnte. Wir schränken uns hier aus die Blumen ein, die sehr srühe als Vorbilder vom Künstler ergriffen werden mußten. Der alten Kunst waren sie Nebensache: Pausias von Sicyon malte Blumen zum Schmuck seines geliebten Sträußermädchens; dem Architekten waren Blätter, Knospen, Blumen und von daher abgeleitete Gestalten als Zierde seiner starren Flächen und Stäbe höchst willkommen, und noch sind uns hiervon die köstlichsten Reste geblieben, wie Griechen und Römer bis zum Uebermaß mit wandelbaren Formen der vegetirenden Welt ihren Marmor belebt.

Ferner zeigt sich aus den Thüren des Ghiberti die schönste Anwendung von Pflanzen und des mit ihnen verwandten Geflügels. Lucas della Robbia und seine Sippschaft umgaben mit bunt verglasten, hocherhabenen Blumen- und Fruchtkränzen anbetungswerthe, heilige Bilder. Gleiche Fruchtsülle bringt Johann da Udine dar, in den köstlich gedrängten Obstgehängen der Vatikanischen Logen, und noch manche dergleichen, selbst ungeheuer lastende Festone verzieren, Fries an Fries, die Säle Leo X. Zu gleicher Zeit finden wir auch kolossale und niedliche Pergamentblätter, heiligen und srommen Jnhalts, zum Beginn und am Rande mit bewundernswürdig nachgebildeten Blumen und Früchten reichlich verziert,.

Und auch später war Vegetation wie Landschaft nur Begleiterin menschlicher Gestalten, bis nach und nach diese untergeordneten Gegenstände durch die Machtgewalt des Künstlers selbstständig erschienen, und das Hauptinteresse eines Bildes zu bewirken sich anmaßten.

Manche Versuche vorbeigehend wenden wir uns zu den Künstlern, die in den Niederlanden zu Ansang des achtzehnten Jahrhunderts ihr Glück aus die Blumenliete reicher Handelsherren gründeten, aus die eigentliche Blumisterei, welche, mit unendlicher Neigung, ausgesuchte Floren durch Cultur zu vervielsältigen und zu verherrlichen trachtete. Tulpe, Nelke, Aurikel, Hyacinthe wurden in ihrem vollkommensten Zustande bewundert und geschätzt; und nicht etwa willkürlich gestand man Vollkommenheiten zu, man untersuchte die Regeln, wonach etwas gesallen konnte, und wir wagen die Schätzung der Blumenliebhaber als wohl überdacht anzuerkennen, und getrauen uns durchaus etwas Gesetzliches darin nachzuweisen, wonach sie gelten ließen oder sorderten.

Wir geben hier die Namen der Künstler, deren Arbeit wir bei Herrn Dr. Grambs in Franksurt am Main in sarbigen Aquarellzeichnungen mit Augen gesehen.

Morel aus Antwerpen blühte um 1700,

Maria Sibylla Merian deßgleichen.

Johann Bronkhorst, geb. 1648.

Hermann Henstenburgh, geb. 1667.

Johann van Huysum, geb. 1682, gest. 1749.

Oswald Wyne.

Vanloo.

Robb.

Roedig.

Johann van Os.

Van Brüssel, um 1780.

Van Leen.

Wilhelm Hendricus. Nähere Nachrichten von den neueren Künstlern würden sehr willkommen seyn.

Ob nun schon Sibylla Merian, wahrscheinlich angeregt durch des hochverdienten, viel jüngern Carl Plumier Reiserus und Ruhm, sich nach Surinam wagte und in ihren Darstellungen sich zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Naturbeschauung und malerischen Zwecken hin und her bewegte, so blieben doch alle solgenden großen Meister aus der Spur, die wir angedeutet: sie empfingen die Gegenstände von Blumenliebhabern; sie vereinigten sich mit ihnen über den Werth derselben, unb stellten sie in dem vollsten ästhetischen Glanze dar. Wie nur Licht und Schatten, Farbenwechsel und Widerschein irgend spielen wollten, ließ sich hier kunstreich und unerschöpslich nachbilden. Diese Werke haben den großen Vortheil, daß sie den sinnlichen Genuß vollkommen besriedigen. Blumen und Blüthen sprechen dem Auge zu, Früchte dem Gaumen, und das beiderseitige Behagen scheint sich im Geruch auszulösen.

Und noch lebt in jenen wohlhäbigen Provinzen derselbe Sinn, in welchem Huysum, Rachel Ruysch und Seghers gearbeitet, indessen die übrige Welt sich aus ganz andere Weise mit den Pflanzen beschäftigte, und eine neue Epoche der Malerkunst vorbereitete. Es lohnt wohl der Mühe gerade aus dem Wendepunkt diese Bemerkung zu machen, damit auch hier die Kunst mit Bewußtseyn ans Werk schreite.

Die Botanik huldigte in srüher Zeit dem Apotheker, Blumisten und Taselgärtner; diese sorderten das Heilsame, Augensällige, Geschmackreiche, und so war jedermann besriedigt; allein die Wissenschast, begünstigt vom rastlosen Treiben des Handels und Weltbewegens, erwarb sich ein Reich, das über Unendlichkeiten herrschte. Nun waren ihr Geschöpse sogar verächtlich die nur nützlich, nur schön, wohlriechend und schmackhast seyn wollen; das Unnützeste, das Häßlichste umsaßte sie mit gleicher Liebe und Antheil.

Diese Richtung mußte der Künstler gleichsalls versolgen; denn obgleich der Gesetzgeber Linn6 seine große Gewalt auch dadurch bewies, daß er der Sprache Gewandtheit, Fertigkeit, Nestimmungssähigkeit gab, um sich an die Stelle des Bildes zu setzen, so kehrte doch immer die Forderung des sinnlichen Menschen wieder zurück, die Gestalt mit einem Blick zu übersehen, lieber als sie in der Einbildungskrast erst aus vielen Worten auszuerbauen.

Welchem Natursreund wäre nun vorzuerzählen nöthig, wie weit die Kunst Pflanzen, sowohl der Natur als der Wissenschast gemäß, nachzubilden in unsern Tagen gestiegen sey? Will man tressliche Werke vorzählen, wo soll man ansangen, wo soll man enden?

Hier seh uns eins sür alle gegeben.

^ vezcriptiou ol tke Lenuz pinuz b^ L»mbert. Lon6on 1803.

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