Зображення сторінки
PDF
ePub

was bisher einzeln oder paarweise, an der Erde, in der Mittelhöhe erschien, nun zur Dreiheit erhoben, und in die höchste Atmosphäre gelüstet. Ein überhängender Felsgipsel tritt zur rechten Seite ins Bild hinein, ohne Rechenschast von dem Fuße zu geben, woraus die Masse ruhen könnte; er hängt, von Rosen und wildem Wein bekränzt, über dem weiten Meer, welches, bis vorn an den Rahmen herantretend, aus seinem erleuchteten Horizonte die Sonne hervorläßt, die sich in den Wellen bespiegelt, und den Himmel ausklärt. Da schweben denn um jenes Felshaupt drei srische, leichte Sylphiden, die unterste slach, wie eine Streiswolke einherziehend, die zweite sich hinter ihr erhebend, die dritte noch weiter hinter- und auswärts sich in den Aether verlierend. Es ist, als wenn der Künstler die Howard'sche Terminologie anthropomorphisch auszudrücken den Vorsatz gehabt, und es bedürste nur noch weniges, so wäre die Zeichensprache vollkommen. Sehr anmuthig schwebt die unterste, mit Schale und Krug, an die Rosen heran, und spürt, ob durch linde Beseuchtung der Morgenduft sich möchte entwickelt haben. Die zweite erhebt sich in diagonaler Richtung, die dritte senkrecht steigt empor. Mit wenigen Pinselzügen wäre hier die Streiswolke, die geballte, die zerstiebende vorgestellt. Wir werden den wackern Freund ersuchen, in diesem Sinne ein Gegenbild zu erfinden, und bringen deßhalb kein Gedicht hier bei, weil solches nur als Wiederholung von Howards Ehrengedächtniß erscheinen dürfte. Wir schlagen um und wenden uns zu

XVI.

wo der Künstler aus einmal den Vorhang sallen, und uns vor einer Scene stehen läßt, welche Bezug aus das erste Bild zu haben scheint, mit welchem sie jedoch einen aussallenden Gegensatz bildet. Dort sahen wir mächtige, ernstlich gründliche Kunst, durch Natur und Zeit überwältigt, Ihre Eigenthümlichkeit ausgehoben, und mit Frucht-, Feld- und Ackerboden ausgeglichen, der Vegetation anheim gegeben; hier aber finden wir Natur, wie sie gebirgisch aus sich selbst ruht, ohne der Pflanzenwelt irgend einen Antheil einzuräumen. Wir bezeichneten den Gegenstand mit solgenden Worten:

Ruhig Wasser, grause Höhle,
Bergeshöh' und ernstes Licht,

Seltsam, wie es unserer Seele

Schauderhafte Laute spricht!
So erweist sich wohl Natur;
Künstlerblick vernimmt es nur.

Nun lasse man diese prosaisch rhythmischen Darstellungen abermals als einen Versuch gelten, weit entsernte oder wohl gar aus der Wirklichkeit verschwundene Bilder in der Einbildungskraft hervorzuwecken. Möge diese Bemühung sreundlich ausgenommen werden, wie es derjenigen gelang, die wir der Philostratischen Galerie gewidmet. Glücklicherweise werden die gegenwärtig besprochenen noch von deutschem Tageslicht beschienen, und welche Aussührung der Künstler so bedeutenden Jntentionen verliehen, wird derjenige beurtheilen, der Glück und Gelegenheit hat, das Vorzimmer des Großherzogs von Oldenburg Hoheit im Schlosse neben dessen Cabinet zu betreten.

XVII

In dem lieblichsten Gewirre,
Wo das Bild um Bilder summt,
Dichterblick wird scheu und irre,
Und die Leyer, sie verstummt.

XVlll.

Die Lieblichen sind hier zusammen;
Es ist doch gar zu viel der Flammen.
Der Uebersluß erregt nur Pein;
Es sollten alle nur Eine seyn.

XIX

„Was trauern denn die guten Kinder?
Sie sind so jung, da hilft's geschwinder."
Habt ihr's vergessen, alte Kinder?
Es schmerzt im Augenblick nicht minder.

[ocr errors]

Glücklicher Künstler! in himmlischer Lnft
Bewegen sich ihm schöne Weiber.
Versteht er sich doch aus Nosendnst
Und appetitliche Leiber.

XXI

Hier hat Tischbein, nach seiner Art,
Striche gar wunderlich gepaart;
Sie sind nicht alle deutlich zn lesen,
Sind aber alles Gedanken gewesen,

XXII.

Wie so herrlich ist die Welt! wie schön! Heil ihm, der je sie so gesehn!

Radirte Blätter, nach Handzeichnungen (.Skizzen) von Goethe, herausgegeben von Echwerbgebmth. Weimar 1821.

Das Unternehmen einiger verdienten Künstler, nach meinen Entwürsen radirte Blätter herauszugeben, muß mir in mehr als Einem Sinne erwünscht seyn; denn wie dem Dichter die Melodie willkommen ist, wodurch der Tonkünstler sein Lied sür ihn und andere belebt, so sreut es auch hier, ältere längst verklungene Bilder aus dem Lctheischen Strome wieder hervorgehoben zu sehen.

Anderntheils aber habe ich längst bedacht, daß in den Bekenntnissen, in den Nachrichten, die ich von meinem Lebensgange gegeben, des Zeichnens öfters erwähnt wird, wobei man wohl nicht mit Unrecht sragen könnte, warum denn aus wiederholter Bemühung und sortdauernder Liebhaberei nicht auch etwas künstlerisch Besriedigendes habe hervortreten können.

Da läßt sich nun vor allen Dingen von den Vortheilen slüchtiger Entwürse nach der Natur sür den Einzelnen so manches erwähnen; denn wie man von Leibnitz erzählt, daß er beim Lesen, Sprechen, Denken gar vieles angemerkt, ohne die Blätter jemals wieder anzusehen, und dennoch dadurch jene bedeutenden Momente seinem Gedächtniß eingeprägt: also ist es auch mit flüchtigen Skizze n nach der Natur, wodurch uns Bilder, Zustände, an denen wir vorüber gegangen, sestgehalten werden und die Reproduction derselben in der Einbildungskraft glücklich erleichtert wird. Nun kommt hinzu, daß der Liebhaber, dessen Hand nicht sertig genug ist allen und jeden Gegenständen eine anmuthige Nachbildung zu verleihen, auss Bedeutende hinstreben und dasjenige sich zueignen wird, was eine n aussallenden, sich besonders aussprechenden Charakter hat. Dergleichen glaubten sreundschastlich gesinnte Künstler schon längst unter meinen Blättern zu finden; wie denn der uns allzusrüh entrissene Kaaz sich eine Sammlung aussuchte, davon aber Gebrauch zu machen durch tödtliche Krankheit verhindert ward.

So ist denn auch der schönste Gewinn, den der Liebhaber bei seinem unerreichten Streben dennoch genießt, daß ihm die Gesellschaft des Künstlers lieb und werth, unterhaltend und nützlich bleibt; und wer auch nicht selbst hervorzubringen im Stande ist, wird, wenn er sich nur kennt und zu beurtheilen weiß, im Umgang mit productiven Menschen immer gewinnen, und wo auch nicht gerade von dieser Seite, doch von einer andern sich ausbilden und auserbauen.

Jm Gesühl übrigens, daß diese Skizzen, selbst wie sie gegenwärtig vorgelegt werden, ihre Unzulänglichkeit nicht ganz überwinden können, habe ich ihnen kleine Gedichte hinzugesügt, damit der innere Sinn erregt und der Beschauer löblich getäuscht werde, als wenn er das mit Augen sähe, was er sühlt und denkt, eine Annäherung nämlich an den Zustand, in welchem der Zeichner sich besand, als er die wenigen Striche dem Papier anvertraute.

Ein Gleiches haben wir schon oben bei slüchtigen Zeichnungen eines Freundes gethan; denn wenn man von einem jeden Kunstgebilde zwar verlangen kann, daß es sich selbst ausspreche, so gilt dieß doch eigentlich nur von gewählten, der größten Aussührung sich eignenden Werken; andern hingegen, welche etwas zu denken und zu wünschen übrig lassen, mag man wohl mit guten Worten eine schickliche Nachhülse gönnen.

Mannichsaltiges, was hier noch zu sagen wäre, bleibe verspart aus den Fall, daß die Unternehmung begünstigt würde, und mehrere Blätter, über die man sich äußern könnte, den Freunden der Kunst und der Sitte vorgelegt waren.

I.

Ginsamste Wildniß.

Jch sah die Welt mit liebevollen Blicken,

Und Welt und ich, wir schwelgten im Entzücken;

So duftig war, belebend, immer srisch.

Wie Fels, wie Strom, so Bergwald und Gebüsch.

Doch unvermögend Streben, Nachgelalle

Bracht' ost den Stift, 5>en Pinsel bracht's zu Falle:

Aus neues Wagniß endlich blieb doch nur

Vom besten Wollen halb und halbe Spur.

Goethe, stmm«. Werke, XXV, 9

« НазадПродовжити »