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Zusälligkeit unserm Freunde so ties eingeprägt hat, daß er den Gegenstand oft wiederholen mochte, so sey, auch von unserer Seite der Versuch gewagt.

Jnmitten eines von düsteren Bäumen umschatteten Wasserspiegels zeigt sich, aus geringer Erderhöhung, eine alte Eiche im Volllichte, ihre zackigen Aeste umher verbreitend und niedersenkend, so daß die letzten Blätterbüschel beinahe das Wasser erreichen und sich darin gar sreundlich bespiegelnd wiederholen. Ebenso ist der wenige abgestellte Erdgrund, woraus der Baum steht, auch Stamm und Aeste, in sosern es. der Raum zuließ, im Abglanz wiederholt. '.

Der alte, in seuchter Einsamkeit erwachsene, ausdauernde Baum, in düsterer Umgebung erleuchtet, in der Wüste sich selbst bespiegelnd, veranlaßt« solgenden anthropomorphischen Reim:

Mitten in dem Wasserspiegel

Hob die Eiche sich empor, , ' , ^ ,,

Majestätisch Fürstensiegel ,,.' ^, ,> ,

Solchem grünen Waldesstor.'; ,,,. v ,. . , . >,

Sieht sich selbst zu ihren Füßen/

Schaut den Himmel in der Flut:

So des Lebens zu genießen

Einsamkeit ist höchstes Gut.

V.

Jn belebte und angenehme Gesellschaft versetzt uns aus jener Einsamkeit geschwinde dieses Blatt. Aus Rasen gelagert sehen wir anmuthige Jungsrauen, deren schöne Körper, der Sitte srüherer Zeitalter gemäß, nur theilweise verhüllt sind; der Anblick von derben, gesälligen Gliedern ist uns gegönnt.

Nun aber sragen wir: Was versammelt sie an diesen Platz? was erwarten sie? Denn gegenwärtig scheint nichts vorhanden, was ihnen Unterhaltung gewähren könnte. Doch, näher besehen, schauen wir hüben und drüben zwei männliche Figuren. Links, erhöht unter einem Baume sitzend, einen lieblichen Jüngling, die Flöte in der Hand, als erklärte er vor Beginnen seines Vortrages, aus was sür Melodien er sich bereite, was sür Lieder sollten gehört werden. Aus ihn sind viele Blicke gerichtet; wohl die Hälfte der Hörerinnen scheint ihm zu vertrauen, von ihm angezogen M seyn.

Aber an der andern Seite hat sich eine Faun unter die Nymphen gemischt; er zeigt eine vielrohrige Pseise, verspricht die muntersten Tänze, die lustigste Unterhaltung; auch mag er sich wohl die Hälste der Hörerschast gewonnen haben.

Mit wenig Reimen suchten wir dieß auszudrücken:

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Harren seht ihr sie, die Schönen,
Was durchs Oht das Herz ergreise?
'Flöte wird sür diese tönen.
Für die andern Pans Gepseise.

Nun aber laßt uns schweigen, damit beide den Wettstreit zu beginnen nicht weiter gehindert seyen.

VI.

Alle kunstreichen idyllischen Darstellungen erwerben^ sich deßhalb die größte Gunst, weil menschlich natürliche, ewig wiederkehrende, ersreuliche Lebenszustande einsach wahrhaft vorgetragen werden, sreilich abgesondert von allem Lästigen, Unreinen, Widerwärtigen, worin wir sie aus Erden gehüllt sehen. Mütterliche, väterliche Verhältnisse zu Kindern, besonders zu Knaben, Spiel und Naschlust der Kleinen, Bildungstrieb, Ernst und Sorge der Erwachsenen, das alles spiegelt sich gar lieblich gegen einander. Diesem Sinne gemäß finden wir in der sogenannten heiligen Familie einen idyllischen Gegenstand, erhoben zu srommer Würde, und deßhalb doppelt und dreisach ansprechend.

Hiernach also haben wir dem sechsten Bilde solgenden Vers zur Seite geschrieben: ,

Heute noch im Paradiese

Weiden Lämmer aus der Wiese,

Hüpst von Fels zu Fels die Ziege;

Milch und Obst nach ew'ger Weise

Bleibt der Alt' und Jungen Speise.

Mutterarm ist Kinderwiege,

Vaterflöte spricht ans Ohr,

Und Natur ist's nach wie vor,

Wo ihr huldiget der Holden,
Erd' und Himmel silbern, golden.
Darum Heil dem Freunde sey,
Der sich sühlt so treu und srei!

Nun zur nähern Beschreibung des Dargestellten! Eine junge, im blauen Gewand knieende Frau schaut, eine Ziege melkend, aus dem Bilde heraus, mit vollem sreundlichem Angesicht. Es ist aber keineswegs der Zuschauer, nach welchem sie sich umsieht; ihr Geschäst verrichtend, horcht sie vielmehr aus die Bitte des Kindes, das, an ihrem Rücken, nach der eben quillenden unschuldigen Nahrung verlangt. Vorwärts liegen und sitzen drei Knaben um eine Schale, eben gemolkene Milch schlürsend, ohne weiteres Hülssmittel als begierige Lippen. Hinterwärts am Baume sitzt ein Faun, den Schlauch unter dem rechten Arme, mit linker Hand hinausreichend, als wolle er Früchte von den Knaben, die aus dem Aste schweben, empsangen, und der Familie einen willkommenen Nachtisch bereiten.

In der Ferne sieht man vor einer Höhle Feuer angezündet, um den heitern kühlen Morgen sür die Umsitzenden zu erwärmen; die Felsengrotte aber zunächst ist hoch, ties und geräumig, wie sie vor Stürmen und unsreundlicher Jahreszeit zu schützen hinreichend seyn möchte. Und so ist auch das Troglodytische anzudeuten nicht vergessen, als nächstes Hauptbedingniß eines solchen halb wahren, halb poetischen Naturzustandes,

VII

Was die Alten pseisen,
Das wird ein Kind ergreisen;
Was die Väter sungen,
Das zwitschern muntre Jungen,
O, möchten sie zum Schönen
Sich srüh und srüh gewöhnen.
Und wären sie geboren
Den ziegensüßigen Ohren!

Mit dieser Strophe begleiteten wir ein Bild, das, nach des Künstlers liebster Weise, bei natürlichen, selbst ans Rohe gränzenden Gegenständen zugleich aus höhere Bildung deutend, die Ansänge der Sittlichkeit zur Sprache bringt. .

Aus einer hohen, sreien Hügelgruppe haben sich drei Figuren zusammengekauert. Faun, der Vater, seinem ziegensüßigen, von einer halbbekleideten, sittigen Mutter aus dem Schooß gehaltenen Knaben die Töne der Rohrpseise vordudelnd; begierig greist der Knabe darnach, ein Gleiches zu versuchen. Alle drei Gesichter sind glücklichen Ausdrucks: der Vater scheint sein Bestes thun zu wollen, das Kind greist täppisch wacker zu, die Miene der Mutter hat eher etwas Schmerzliches, sie scheint gerührt, entzückt, wie es solchen Naturen im Augenblicke wohl ziemen mag.

Hier ist zu bemerken, daß der zartsühlende Künstler sich nicht überwinden könne, den weiblichen Gliedern solcher Faunensamilien Ziegensüße zu verleihen, welches im Plastischen bei Darstellung wilder Bacchantenchöre wohl zulässig, ja nothwendig seyn möchte, in der Malerei aber, selbst von großen Meistern kunstreich ausgesührt, immer etwas Anstößiges hat. Wenn auch der Vater allensalls mit thierischem Hus und Ohr gelten kann, da wir ja ohnehin in der gesitteten Welt die Männer gestieselt zu sehen gewohnt sind, nicht weit von jenem Faunencostüm entsernt, so können die Frauen hingegen ohne lange würdige Kleider nicht gedacht werden, Durch diese vom Künstler beliebte Wendung ergiebt sich eine merkliche Annäherung an unsere Sitten, an das Schickliche, ohne welches ein Kunstwerk nicht leicht glücklichen Eingang finden würde.

Zu wiederholen ist hier noch, daß jener Gipsel, welcher die Gruppe trägt, in großer Höhe gedacht sey; Pinienschirme reichen hinabwärts, wodurch denn auch die kolossalen Fichtenzapsen motivirt sind, welche neben jenen Gestalten, zu andern Früchten gehäust, an der Erde liegen.

VIII.

Hier ist nun eines Geschlechtes zu gedenken, welches in dem Tischbein'schen Jdyllenkreis eine bedeutende Rolle spielt: ich meine die Centauren, die er, als Pserd- und Menschenkundiger, sehr gut vorzustellen weiß.

Wenn wir der menschlichen Gestalt Bockssüße hinzusügen, sie mit Hörnchen und Großohren begaben, so ziehen wir sie zum Thiere herunter, und nur aus der niedrigsten Stuse schöner Sinnlichkeit dürsen wir sie erscheinen lassen. Mit der Centaurenbildung ist es ganz ein anderes. Wie der Mensch sich körperlich niemals sreier, erhabener, begünstigter sühlt, als zu Pserde, wo er, ein verständiger Reiter, die mächtigen Glieder eines so herrlichen Thiers, eben als wären es die eigenen, seinem Willen unterwirft, und so über die Erde hin als höheres Wesen zu wallen vermag, eben so erscheint der Centaur beneidenswerth, dessen unmögliche Bildung uns nicht so ganz unwahrscheinlich entgegentritt, weil ja der in einiger Ferne hinjagende Reiter mit dem Pserde verschmolzen zu seyn scheint. Denken wir uns dieses Geschlecht nun auch als gewaltige, wilde Bergund Forstgeschöpse, von Jagd lebend, zu allen Kraftübungen sich stählend, ihre Halbsohlen zu gleich mächtigem Leben erziehend, finden wir sie ersahren in der Sternkunde, die ihnen sichere Wegesrichtung verleiht, serner einsichtig in die Kräste von Kräutern und Wurzeln, die ihnen zur Nahrung, Erquickung und Heilung gegeben sind, so läßt sich gar wohl solgern, daß darunter vorzüglich sinnende, Ersahrung verbindende Männer sich hervorthun, denen man wohl die Erziehung eines Fürsten, eines Helden anvertrauen möchte.

So wird uns Chiron geschildert, den mau hier ausgestreckt ruhend, also den thierischen Leib an der Erde findet. Der obere menschliche Theil deutet aber aus Höheres, mehr als Menschliches, denn das Haupt wird durch den Arm unterstützt, Angesicht und Augen sind auswärts gerichtet; edle Form, ernster Blick, aus sinnige, wichtige Unternehmung deutend. Damit wir aber außer Zweisel gesetzt werden, was so eine wundersame Person im Sinne trage, sehen wir hinterwärts, halb versteckt ein Weibchen im Tigersell. Es wendet uns die Schultern zu, und spielt mit einem muntern, beinah« unbändigen Menschenknaben. Sollte das nicht Achill seyn, einem Chiron, als dem tüchtigsten Pädagogen, übergeben, welcher jedoch einen solchen Auftrag wohl bedenklich finden dars.

Wir haben diesem Bilde deßhalb solgende Strophe hinzugesügt:

Edelernst, ein Halbthier liegend,
Jm Beschauen, im Besinnen,
Hin und her im Geiste wiegend,
Denkt er Großes zu gewinnen.
Ach! er Möchte gern entsliehen
Solchem Auftrag, solcher Würde;
Einen Helden zu erziehen,
Wird Centauren selbst zur Bürde.

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