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Wilhelm Tischbein bildete sich in der glüdlichen Zeit, wo dem zeichnenden Künstler noch objectives Wahre von außen geboten ward, wo er die reinern Dichterwerke als Vorarbeit betrachten, sie, nach seiner Weise belebt, wieder hervorbringen konnte.

Wenn Homer ihn zur heroisch kriegerischen Welt heranzog, wendete er rich eben so gern mit Theokrit zum unschuldigen golden-silbernen Zeitalter ländlichen Wesens und Treibens, und wenn die Phantasie, welche alles mit Bildern bevölkert, ins weite zu führen drohte, so kehrte er schnell zum Charakteristisdhen zurüd, das er, Gestalt um Gestalt, bis zu den Thieren verfolgte.

Und so vorbereitet begab er sich nach Italien, da er denn schon auf der Reise das Vorgefühl einer heroisch bedeutenden Landschaft an Skizzen gar anmuthig auszudrücken wußte.

Seines wackern Lebensganges haben wir früher schon gedacht, so wie des wechselseitig freundschaftlich - belehrend fortdauernden Verhältnisses. Gegenwärtig sey von leicht entworfenen Blättern die Rede, durch deren Sendung er bis auf den heutigen Tag eine höchst erquidliche Verbindung aud aus der Ferne zu erhalten weiß.

Vor uns liegt ein Band in groß Quart mehr oder weniger ausgeführter Entwürfe, die Mannichfaltigkeit des künstlerischen Sinnes und Denkens enthaltend. Einem jeden Blatte haben wir, auf des Freundes Verlangen, einige Reime hinzugefügt; er liebt seine sinnigen Skizzen durch Worte verklärt und vollendet zu sehen. As Titelschrift sandten wir voran:

Wie seit seinen Jünglingsjahren
Unser Tischbein sich ergeht,
Wie er Berg und Thal befahren,
Stets an rediter Stelle steht;
Was er sieht, weiß mitzutheilen,
Was er dichtet, ebenfalls;
Faunen bringt er auď) zuweilen ,
Frauen doch auf allen Zeilen
Des poetisch - plastisden Aus.
Also war es an der Tiber ,
Wo dergleichen wir geübt,
Und noch wirkt dieselbe Fiber,
Freund, dem Freunde gleich geliebt.

Substructionen zerstörter ungeheurer Lust- und Prachtgebäude, deren Ruinen durd, Vegetation wiederbelebt worden.

Gar manche bedeutende Stelle unserer Erdoberfläche erinnert, mitten in herrlicher Gegenwart, an eine größere Vergangenheit, und vielleicht ist nirgends dieser Contrast sichtbarer, fühlbarer, als in Rom und dessen Umgegend; das Zerstörte ist ungeheuer, durch keine Einbildungskraft zu vergegenwärtigen, und doch auch erscheint das Wiederhergestellte, unsern Augen sich Darbietende gleichfalls ungeheuer.

Nun aber zu unserm Blatt! Die weitläufigsten, von der Baukunst eroberten Räume sollten wieder als ebener Boden dem Pflanzenleben gewidmet werden. Substructionen, die last kaiserlicher Wohnungen zu tragen geeignet, überlassen nunmehr einen ebenen gleichgültigen Boden dem Weizenbau; Solinge- und Hängepflanzen senken sich in diese halbverschütteten finstern Räume; Früchte des Granatbaumes, Kürbisranken erheitern, schmücken diese Einöde; und wenn dem Auge des Wanderers ein so uneben zerrissener Boden als gestalteter Naturhügel erschien, so wunderte es einen Herabsteigenden desto mehr, in solchen Schluchten statt Urfels Mauerwerk, statt Gebirgslagern, Spalten und Gängen gerade anstrebende Mauerpfeiler, mächtige Gewölbsbogen zu erblicken, und wollte er sich wagen, ein unterirdisches Labyrinth von düsteren Hallen und Gängen vor sich zu finden.

Einem solden gefühlvollen Anschauen war Tischbein mehr als andere hingegeben; überall fand er Lebendiges zu dem Abgeschiedenen gepaart. Nody besige ich solche unschäßbare Blätter, die den innigen Sinn eines wundersamen hingeschwundenen und wieder neu belebten Zustandes verkünden. Dem oben beschriebenen Blatt fügte ich folgende Neime hinzu:

Würdige Prachtgebäude stürzen,
Mauer fädt, Gewölbe bleiben,
Daß nach tausendjährigem Treiben
Thor und Pfeiler sich verkürzen.
Dann beginnt das Leben wieder ,
Boden mischt sidy neuen Saaten,
Rank auf Ranke senkt sich nieder;

Der Natur ist’8 wohlgerathen.
Das in folchem Falle uns überraschende Gefühl sprach icy in früher
Jugend, ohne den sinnlichen Eindruck erfahren zu haben, folgender-
maßen aus:

Natur! du ewig keimende,
Schaffst jeden zum Genuß des Lebens,
Hast deine Kinder alle mütterlich
Mit Erbtheil ausgestattet, einer Hütte.
Hoch baut die Schwalb' an das Gesims,
Unfühlend, welchen Zierrath
Sie verklebt;
Die Raup umspinnt den goldnen Zweig
Zum Winterhaus für ihre Brut;
Und du flickst zwischen der Vergangenheit
Erhabne Trümmer
Für dein Bedürfniß
Eine Hütte, o Mensch,
Genießest über Gräbern!

II.

Im Meer die Sonne untergehend, zwei Jünglingsfreunde, an einander traulich gelehnt, auf einer Höhe stehend, von den legten Strahlen

beleuchtet, überschauen die reiche Gegend und erquicken sich mit und an einander.

Für dergleichen Naturscenen hatte Tischbein stets reinen Sinn und offene freie Brust. Ich besige noch eine ältere Zeichnung, wo er sich, als Reisender in unwirthbarem Gebirg, am Sonnenaufgang und herrlichen, sich zusammendrängenden Zufälligkeiten entzüdt. In diesem Betracht schrieb ich zu obigem Bilde folgende Zeilen:

Schön und menschlich ist der Geist,
Der uns in das Freie weist,
Wo in Wäldern, auf der Flur,
Wie im steilen Berggehänge,
Sonnenauf- und Untergänge
Preisen Gott und die Natur.

Der Geschichtsmaler, der eigentliche Menschendarsteller, hat in Bezug auf landschaft große Vortheile; aus dem Wirkliden zieht er das Bedeutende, findet das Merkwürdige unter jeder Bedingung, weiß ihm Gestalt und Adel zu verleihen. Schroffe Felsen, deren bewaldeter Fuß in bebaute Hügel sidy senkt, die endlich gegen den Fluß zu in fette Trift auslaufen. Hier begleiten grüne Wiesen mit bebuschten Ufern den Strom ins Meer. Und was da alles von fernen Vorgebirgen, Buchten und sichern Landungen erscheinen mag, das war dem Künstler um Rom und Neapel auf mannichfachen Reisen so zu eigen geworden, daß dergleichen Umrisse leicht und bequem aus seiner Feder flossen, stets anmuthig, stets bedeutend.

Auch auf das stärkste drüdten sich einzelne Vorfallenheiten der leblosen Natur in sein Gedächtniß; er wiederholte sie gern, wie man eine Geschichte, die uns besonders getroffen, uns Antheil abzugewinnen vermocht, erzählend gern öfters wiederholen mag. Baum- und Felsgruppen, eigene, seltene Dertlichkeiten, Meteore jeder Art, die Verbindung irdischer Wirkungen mit himmlischen, das Wechfelspiel unterer und oberer Erscheinungen ward er nicht müde darzustellen.

Seltenes und Außerordentliches verlischt nod; weniger in seiner Einbildungskraft. Den vollen Mond neben dem feuersprühenden furchtbaren Spiel des Vesuv, beides im Meere sich abspiegelnd, wagt er sogar mit Federstrichen nachzubilden; fließende laven, wie die erstarrten, faßt er

Goethe, sämmtl. Werte. XXV.

ich noch gar

gleich dharakteristisch auf. Soldie flüchtige Blätter, deren manche sorgfältig verwahre, sind geistreiche Lust.

III.

Wie man sonst angehenden Kunstjüngern eine reiche vollbeerige Traube vorlegte, um ihnen daran die Geheimnisse der Composition, Gruppirung, Licht, Schatten und Haltung zu versinnlichen, so standen zu Frascati in dem Aldobrandinischen Garten, zu einer Einheit versammelt, die verschiedenartigsten Bäume, ein Wanderziel allen Künstlern und Kunstfreunden.

In der Mitte hob sich die Cypresse hoch empor, links strebte die immer grünende Eidhe zur Breite wie zur Höhe und bildete, indem sie zugleich jenen schlanken Baum hie und da mit zierlichen Aesten umfaßte, eine reiche Lichtseite. Rechts in freier Luft zeigten sich der Pinien horizontale Schirmgipfel und die Schattenseite war mit leichterem Gesträuche abgeschlossen; sodann nahmen, weiter hervor, die breiten gezacten Blätter eines Feigenbaums noch einiges Licht auf und das Ganze rundete sich befriedigend.

Von dieser musterhaften Gruppe besige ich nod; eine große Kreidezeichnung auf grau Papier, jedermann zur Bewunderung. Nun hatte er dieses Gebilde unverrüdt im Sinne behalten, solches in gegenwärtigem Kunst- und Musterbüchlein abermals vorgestellt, nur, dem Format gemäß, um vieles kleiner und mit einiger Veränderung. Folgenden Reim schrieb idy zur Seite:

Wenn in Wäldern Baum an Bäumen ,
Bruder sid, mit Bruder nähret,
Ser das Wandern, sey das Träumen
Unverwehrt und ungestöret:
Doch wo einzelne Gesellen
Zierlich mit einander streben,
Sich zum schönen Ganzen stellen,
Das ist Freude, das ist Leben.

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Ubermals aus der vegetabilen Welt eine seltene, vielleicht einzige Erscheinung, schwer, unmöglich zu beschreiben! Da sich jedoch die wunderlichste

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