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gesucht, als eine Probe dessen, was wir künftig weiter sortzusühren gedenken, günstig ausnehme.

Pausanias ist ein sür den heitern Künstlersinn beinahe unzugänglicher Schriftsteller; man muß ihn recht kennen, wenn man ihn genießen und nützen soll. Gegen ihn, als Beobachter überhaupt, als Bemerker insbesondere, als Erklärer und Schriftsteller ist gar viel einzuwenden, dazu kommt noch ein an vielen Stellen verdorbener Text, wodurch sein Werk noch trüber vor unsern Augen erscheint; daher wäre zu wünschen, daß Freunde des Alterthums und der Kunst sich vereinigten, diese Decke wegzuziehen, und besonders alles, was den Künstler zunächst interessirt, vorerst ins Klare zu stellen.

Man kann dem Gelehrten nicht zumuthen, daß er die reiche Ernte, zu der ihn die Fruchtbarkeit seines weiten Feldes und seine eigene Tätigkeit berechtigt, selbst auseinander sondere; er hat zu viel Rücksichten zu nehmen, als daß er eine der andern völlig ausopsern könnte; und so ergeht es ihm gewöhnlich, wie es dem Pausanias erging, daß ein Kunstwerk, oder sonst ein Gegenstand, ihn mehr an sein Wissen erinnert, als daß es ihn aussorderte sich des großen Umsangs seiner Kenntnisse zu Gunsten dieses besondern Falles zu entäußern. Deßhalb möchte der Kunstsreund wohl ein verdienstliches Werk unternehmen, wenn er sich zwischen dem Gelehrten und Künstler in die Mitte stellte, und aus den Schätzen des ersten sür die Bedürsnisse des andern auszuwählen verstünde.

Die Kunst überhaupt, besonders aber die deutsche, steht aus dem bedeutenden Punkte, daß sich Künstler und Liebhaber dem wahren Sinne des Alterthums mit starken Schritten genähert. Man vergleiche die Riepenhausischen Blätter mit Versuchen des sonst so verdienten Grasen Caylus, und man wird mit Vergnügen einen ungeheuern Abstand gewahr werden.

Fahren unsere Künstler nun sort, die Restauration verlorener Kunstwerke nach Beschreibungen zu unternehmen, so läßt sich gar nicht absehen, wie weit sie solches sühren werde. Sie sind genöthigt, aus sich selbst, aus ihrer Zeit, und Umgebung herauszugehen, und indem sie sich eine Ausgabe vergegenwärtigen, zugleich die Frage auszuwersen, wie eine entsernte Vorzeit sie gelöst haben würde. Sie werden aus die einsach hohen und prosund naiven Gegenstände ausmerksam, und sühlen sich gedrungen Bedeutung und Form im höchsten Sinne zu cultiviren.

Betrachtet man nun den Weg, welchen die Alterthumskunde schon seit geraumer Zeit einschlägt, so bemerkt man, daß auch sie dem wünschenswerthen Ziele nachstrebt, die Vorzeit überhaupt, besonders aber die Kunst der Vorzeit, zur Anschauung zu bringen.

Setzt sich nun zugleich die Manier, bloß durch Umrisse eine geistreiche Composition auszudrücken und ganze epische und dramatische Folgen darzustellen, beim Publicum in Gunst, so werden die höhern Kunstzwecke gewiß mehr gesördert, als durch die endlose Qual, womit Künstler ost unglücklich ersundene Bilder auszusühren Jahre lang bemüht sind. Das, was ein glücklicher Gedanke sey, wird mehr offenbar werden, und eine vollendete Aussührung wird ihm alsdann den eigentlichen Kunstwerth zu allgemeinem Behagen geben können.

Um zu diesem schönen Zweck das Mögliche beizutragen, werden wir unsere künstigen Ausgaben dahin lenken, und indessen, durch successive Bearbeitung des Pausanias und Plinins, besonders auch der Philostrate, die Künstler zu sördern suchen.

Auch würde die Vergleichung der Homerischen, Virgilischen und Polygnotischen Höllensahrten dereinst, wenn die letztere vor den Augen des Publicums ausgestellt seyn wird, ersreuliche Gelegenheit geben, Poesie und bildende Kunst als verwandt und getrennt zu beobachten und zu beurtheilen.

Aus ähnliche Weise wird sich eine Vorstellung der Eroberung von Troja, wie sie aus einer antiken Vase vorkommt, mit der Polygnotischen Behandlung vergleichen und dergestalt benutzen lassen.

Wir hatten eine Zeichnung des Vasengemäldes neben den Riepenhausischen Blättern ausgestellt. Hier ist nichts, das mit der Polygnotischen, von uns oben entwickelten Darstellungsweise übereinstimmte; alles scheint mehr ins Kurze zusammengezogen, Thaten und Handlungen werden mit voller Wirklichkeit neben einander ausgezählt; woraus sich, wie uns dünkt, ohne die übrigen, von Geschmack, von Anordnung u. s. w. hergenommenen Gründe in Anschlag zu bringen, schon mit großer Wahrscheinlichkeit aus eine jüngere Entstehung schließen läßt.

Wir wünschen, diese Abbildung gedachten Vasengemäldes künstig der Riepenhausischen Arbeit beigesügt zu sehen; denn obgleich, so viel wir wissen, Herr Tischbein solches bereits in Kupser stechen lassen, so ist es doch immer noch viel zu wenig bekannt.

Kupferstich nach Tizian, wahrscheinlich von C. Cort,

1822.

Wenn man problematische Bilder wie das sragliche von Tizian verstehen und auslegen will, so hat man solgendes zu bedenken. Seit dem dreizehnten Jahrhundert, wo man ansing den zwar noch immer resvectabeln, aber zuletzt doch ganz mumienhast vertrockneten byzantinischen Styl zu verlassen und sich an die Natur zu wenden, war dem Maler nichts zu hoch und nichts zu ties, was er nicht unmittelbar an der Wirklichkeit nachzubilden getrachtet hätte; die Forderung ging nach und nach so weit, daß die Gemälde als eine Art von Musterkarte alles dem Auge Erreichbare enthalten mußten. Eine solche Tasel sollte bis an den Rand bedeutend und aussührlich gesüllt seyn; hierbei blieb nun unvermeidlich, daß sremde, zum Hauptgegenstand nicht gehörige Figuren und sonstige Gegenstände als Beweise allgemeiner Kunstsertigkeit mit ausgesührt wurden. Zu Tizians Zeiten unterwars sich der Maler noch gern solchen Forderungen.

Wenden wir uns nunmehr zum Bilde selbst! Jn einer offenen mannichsaltigen Landschast sehen wir zu unserer linken Hand, sast am Rande nächst Felsen und Baum, das schönste nackte Mädchen liegen, bequem, gelassen, impassible, wie aus dem einsamsten Polster. Schnitte man sie heraus, so hätte man schon ein vollkommenes Bild und verlangte nichts weiter; bei gegenwärtigem Musterbilde aber sollte vorerst die Herrlichkeit des menschlichen Körpers in seiner äußerlichen Erscheinung dargethan werden. Ferner steht hinter ihr ein hohes enghalsiges Gesäß, wahrscheinlich des Metallglanzes willen; ein sanfter Rauch zieht aus ihm hervor. Sollte das vielleicht aus die Frömmigkeit dieser schönen Frau, aus ein stilles Gebet oder woraus sonst deuten? Denn daß hier eine höchst merkwürdige Person vorgestellt sey, werden wir bald gewahr. Rechts gegenüber am Rande liegt ein Todtenkops, und aus der Kluft daneben zeigt sich der Arm eines Menschen noch von Fleisch und Muskeln nicht entblößt.

Wie das zusammenhänge, sehen wir bald; denn zwischen gedachten Eruvien und jenem Götterbilde krümmt sich ein kleiner beweglicher Drache, begierlich nach der anlockenden Beute schauend. Sollten wir nun aber, da sie selbst so ruhig liegt und wie durch einen Zauber den Lindwurm abzuhalten scheint, sür sie einigermaßen besorgt seyn, so stürmt aus der düstersten Gewitterwolke ein geharnischter Ritter, aus einem abenteuerlichen seuerspeienden Löwen hervor, welche beide wohl dem Drachen bald den Garaus machen werden. Und so sehen wir denn, obgleich aus eine etwas wunderbare Weise, St. Georg, der den Lindwurm bedroht und die zu erlösende Dame vorgestellt.

Fragen wir nunmehr nach der Landschast, so hat diese mit der Begebenheit gar nichts gemein; sie ist nur, nach oben ausgesprochenem Grundsatz, sür sich so merkwürdig als möglich, und doch finden die beschriebenen Figuren in ihr glücklichen Raum.

Zwischen zwei selsigen Usern, einem steilern stark bebuschten, einem slächern der Vegetation weniger unterworsenen, strömt ein Fluß erst rauschend, dann sanst zu uns heran; das rechte steile User ist von einer nichtigen Ruine gekrönt, gewaltige unsörmliche Massen von überbliebenem Mauerwerk deuten aus Macht und Krast, die sich beim Erbauen bewiesen. Einzelne Säulen, ja eine Statue noch in einer Nische deuten aus die Anmnth eines solchen königlichen Ausenthalts; die Gewalt der Zeit hat aber alle Menschenbemühungen unnütz und unbrauchbar gemacht.

Aus dem gegenüber liegenden User werden wir aus neuere Zeiten gewiesen; da stehen mächtige Thürme, srisch errichtete oder völlig wiederhergestellte Vertheidigungsanstalten, neue, wohlausgemauertc Schießscharten und Zacken. Ganz hinten aber im Grunde verbindet die beiden User eine Brücke, die uns an die Engelsbrücke, so wie der dahinter stehende Thurm an die Engelsburg erinnert. Bei jener Wahrheits- und Wirklichkeitsliebe ward eine solche Ort- und Zeitverwechselung dem Künstler nicht angerechnet. Denke man aber ja nicht das Ganze ohne die genaueste Congruenz; man könnte keine Linie verändern ohne der Composition zu schaden. Höchst merkwürdig preisen wir die vollkommen poetische Gewitterwolke die den Retter hervorbringt; doch läßt sich ohne Gegenwart des Blattes davon nicht aussührlich sprechen. Au der einen Seite scheint sie sich von jener Ruine gleich einem Drachenschwanz loszulösen, im Ganzen kann man aber mit allem Zoomorphismus keine eigentliche Gestalt herausdeuten; an der andern Seite entsteht zwischen Brücke und Festungswerken ein Brand, dessen Rauch, still wallend, bis zu dem seuerspeienden Rachen des Löwen hinaussteigt und mit ihm in Zusammenhang tritt. Genug, ob wir gleich diese Composition erst als collectiv ansprachen, so müssen wir sie zuletzt als völlig zur Einheit verschlungen betrachten und preisen.

Zum Schlusse jedoch ganz genau besehen, nach besragten Legendenbüchern, ist es eine christliche Parodie der Fabel von Perseus und Andromeda. Eines heidnischen Königs Land wird durch einen Drachen verwüstet, welcher nur durch Menschenopser zu beschwichtigen ist. Endlich trisft seine Tochter das Loos, welche jedoch durch den hereinstürmenden Ritter St. Georg besreit, und der Lindwurm getödtet wird. Sie geht zum Christeuthum über; ihr Name jedoch blieb uns unbekannt.

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