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verderblichen Krieges, erscheint sie nunmehr als der schönste Zweck des Sieges, und erst über Haufen von Todten und Gefangenen erhaben thront sie auf dem Gipfel ihrer Wirkung. Alles ist vergeben und vergessen; denn sie ist wieder da. Der Lebendige sieht die Lebendige wieder und erfreut sidy in ihr des höchsten irdischen Gutes, des Anblicks einer vollkommenen Gestalt.

Und so (dyeint Welt und Nachwelt mit dem idäisden Schäfer einzustimmen, der Macht und Gold und Weisheit neben der Schönheit gering achtete.

Mit großem Verstand hat Polygnot hiernädyst Briseïs, die zweite Helena, die nach ihr das größte Unheil über die Griechen gebracht, nidyt ferne hingestellt, gewiß mit unschäßbarer Abstufung der Schönheit.

lind so wird denn auch der Moment dieser Darstellung am Rande des Bildes bezeichnet, indem des Menelaos Feldwohnung niedergelegt, und fein Schiff zur Abfahrt bereitet wird.

Zum Spylusse sey uns nod; eine Bemerkung erlaubt. Außerordentliche Menschen, als große Naturers(jeinungen, bleiben dem Patriotismus eines jeden Volks immer heilig. Ob folche Phänomene genugt oder geschadet, koinmt nicht in Betracht. Jeder wackere Sdywede verehrt Karl XII, den schädlichsten seiner Könige. So scheint auch den Griechen das Andenken seiner Helena entzückt zu haben. Und wenn gleich hie und da ein billiger Unwille über das Unsittliche ihres Wandels entgegengesetzte Fabeln erdichtete, sie von ihrem Gemahl übel behandeln, sie sogar den Tod verworfener Verbrecher leiden ließ, so finden wir sie doch schon im Homer als behagliche Hausfrau wieder; ein Dichter, Stesichorus, wird mit Blindheit gestraft, weil er sie unwürdig dargestellt; und so verdiente, nach vieljähriger Controvers, Euripides gewiß den Dank aller Griechen, wenn er sie als gerechtfertigt, ja sogar als völlig unsduldig darstellte, und so die unerläßliche Forderung des gebildeten Menschen, Schönheit und Sittlicykeit im Einklange zu sehen, befriedigte.

Ueber den Besuch des Odysseus in der Unterwelt.

Wenn in dem ersten Bilde das Historische, im zweiten das Symbolisdie vorwaltete, so kommt uns im dritten, ohne daß wir jene beiden

Eigenschaften vermissen, ein hoher poetischer Sinn entgegen, der, weituinfassend, tiefeingreifend, sich anmaßungslos mit unschuldigem Bewußtseyn und heiterer, naiver Bequemlichkeit darzustellen weiß.

Dieses Bild, das gleichfalls aus drei Stockwerken über einander besteht, beschreiben wir nunmehr, den Pausanias auf einige Zeit vergessend, nach unsern eigenen Einsichten.

Oben, fast gegen die Mitte des Bildes, erblicken wir Odysseus, als den frommen, nur um fein Schicksal bekümmerten Besucher des Hades. Er hat das Schwert gezogen; aber nicht zur Gewaltthat gegen die unterirdischen Mächte, sondern die Erstlinge des blutigen Opfers dem Teiresias zu bewahren, der gegen ihm über steht, indeß die Mutter Antikleia, ihren Sohn noch nicht gewahrend, weiter zurüdsigt.

Hinter Odysseus stehen seine Gefährten: Elpenor, der kaum verstorbene, noch nicht begrabene, zunädyst; entfernter Perimedes und Eurylodjos, schwarze Widder zum Opfer bringend.

Gelingt nun diesem klugen Helden sein Besuch, so ist frevelhaften Stürmern der Unterwelt früher ihre Unternehmung übel gerathen. Unter ihm sieht man Theseus und Peirithoos, mit Betrachtung ihrer Schwerter beschäftigt, die ihnen, als irdisdie Waffen, im Kampfe mit den Geisterreich wenig gefrudytet. Sie fißen, auf goldene Throne gebannt, zur Strafe ihres Uebermuths.

An ihrer Seite, unter jenen ehrwürdigen Alten, sieht man völlig unähnliche Nacıbarinnen, Sameiro und Klytie, die zur Unterwelt allzufrüh entführten anmuthigen Töchter des Pandaros, bekränzt, den unsdjuldigsten Zeitvertreib, das Kinderspiel der Knöchelden, gleidysam ewig fortseßend.

An der andern Seite des Theseus und Peirithoo8 befindet sich eine ernstere Gesellschaft; unglüdliche Gattinnen, theils durch eigene Leidensdjaft, theils durch fremde beschädigt: Eriphyle, Tyro, Phaidra und Ariadne, die erste und dritte fonderbar bezeichnet.

Unter ihnen Chloris und Thyia, zärtliche Freundinnen, eine der andern im Schooße liegend. Sodann Prokris und Klymene, Nebenbuhlerinnen; diese wendet von jener sich weg. Etwas entfernt, für sich allein, steht Megara, die erste würdige, aber leider in ihren Kindern unglücklidie, verstoßene Gattin des Hercules.

Hat nun vielleicht der Künstler dadurd), daß er den Odysseus und

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seine Gefährten in die obere Reihe geseßt, die höhere Region des Hades bezeichnen wollen? Da Odysseus, nady Homerischer Dichtung, keineswegs in die Unterwelt hinabsteigt, sondern sich nur an sie heranwagt, so ist wohl nicht ohne Absicht der Acheron und jener den abgeschiedenen Seelen eigentlich bestimmte Eingang zum Schattenreiche unten an der Seite vorgestellt.

In dem Schiffe befindet sich Charon, neben ihm zwei junge Personen, weder durch sich noch durch ihre Verwandtschaft berühmt, über welche wir folgende Muthmaßungen hegen.

Tellis idjeinet dem Alterthum als ein gegen seine Eltern frommes Kind bekannt gewesen zu seyn, indem außerhalb des Schiffes, unter ihm wahrscheinlich auf einer vorgestellten Landzunge, ein unfrommer Sohn von seinem eigenen Vater gequält wird.

Kleoboia trägt das heilige Kistchen, ein Zeichen der Verehrung gegen die Geheimnisse, mit sich, und unter ihr, außer dem Schiffe, wird zum deutlichen Gegensaß ein Frevler gepeinigt.

Ueber dem Charon sehen wir ein Schređbild, den Dämon Eurynomos, und in derselben Gegend den zum Schatten verschwindenden Tityos. Diesen legten würden wir den Künstlern rathen noch etwas weiter herunter zu segen, als in unserer Tafel geschehen, damit dem Odysseus und seinen Gefährten der Rüden frei gehalten werde.

Warum Auge und Iphimedeia zunächst am Schiffe stehen, wagen wir nicht zu erklären; desto mehr finden wir bei der sonderbaren Gruppe zu bemerken, wo eine Eselin die Arbeit des beschäftigten Seildrehers aufzehrt.

Die Alten scheinen, und zwar mit Recht, ein fruchtloses Bemühen als die größte Pein betrachtet zu haben. Der immer zurückstürzende Stein des Sisyphos, die fliehenden Früchte des Tantalos, das Wassertragen in zerbrechenden Gefäßen, alles deutet auf unerreichte Zwecke. Hier ist nicht etwan eine dem Verbrechen angemessene Wiedervergeltung oder specifische Strafe! Nein, die Unglücklichen werden sämmtlich mit dem schrecklichsten der menschlichen Schicksale belegt, den Zweck eines ernsten, anhaltenden Bestrebens vereitelt zu sehen.

Was nun dort als Strafe gewaltsamer Titanen und sonstiger Schuldigen gedacht wird, ist hier durch Oknos und seine Eselin als ein Schicksal, ein Zustand auf das naivste dargestellt. Er flicht eben von Natur, wie sie von Natur frißt, er könnte lieber aufhören zu fledhten; aber was alsdann sonst beginnen? Er flicht lieber um zu flechten, und das Sdyilf, das sich auch ungeflochten hätte verzehren lassen, wird nun geflochten gespeist. Vielleicht schmeđt es so, vielleicht nährt es besser? Dieser Oknos, könnte man sagen, hat auf diese Weise doch eine Art von Unterhaltung mit seiner Eselin. .

Doch indem wir unsern Lesern die weitere Entwicklung dieses profunden Symbols überlassen, bemerken wir nur, daß der Grieche, der gleich ins Leben zurüdsah, darin den Zustand eines fleißigen Mannes, dem eine verschwenderische Frau zugesellt ist, zu finden glaubte.

Haben wir nun diese Seite des Bildes vollendet, wo wir fast nur frühere heroische Gestalten erblickten, so treffen wir bei fernerem Fortblick auf Gegenstände, die zu Odysseus einen näheren Bezug haben. Wir finden hier die Freunde des Odysseus, Antilochos, Agamemnon, Protesilaos, Achilleus und Patroklos. Sie dürfen sich nur in den freien Raum, der über ihnen gelassen ist, erheben, und sie befinden sich mit Odysseus auf Einer Linie.

Weiterhin sehen wir des Odysseus Gegner versammelt, die beiden Ajanten nebst Palamedes, dem edelsten der Griechen, der sein erfundenes Würfelspiel mit dem sonst so verschmähten Thersites zu üben beschäftigt ist.

In der Höhe zwischen beiden, sich der Gesinnung nach widerstrebens den, durch einen Zwischenraum abgesonderten Gruppen der Griechen finden sich Liebende versammelt: Phokos und Jaseus, mit einem Ringe, dem zartesten Zeichen der Freundschaft, beschäftigt; Aktaion und seine Mutter, mit gleicher lust am Waidwerke theilnehmend; Maira, einsam zwischen beiden, fönnte räthselhaft bleiben, wenn ihr nicht eine herzliche Neigung gegen ihren Vater diesen Plaß unter den anmuthig und naiv Liebenden verschaffte.

Man wende nun seinen Blick nach dem untern Theile des Bildes ! Dort findet man die Dichterwelt, vortrefflich geschildert, beisammen. Orpheus, als treuer Gatte, ruht auf dem Grabe seiner zweimal Verlorenen: als berühmtester Dichter, hat er seine Hörer bei sichy, Schedios und Pelias, deren Bezeichnung, so wie das Recht, in dieser Gesellsdaft zu seyn, noch zu erklären wäre. Thamyris, das schönste Talent, in dem traurigsten Zustande der verwelkenden Abnahme. Gleich dabei Lehrer und Schüler, Marsyas und Olympos , auf ein frisdjes Leben und künftige Zeiten deutend. n über dieser Blinfel, die armen

Sarpedon.

Befanden sich nun über dieser Dichterwelt die abgeschiedenen Griechen, so sind neben ihnen, als wie in einem Winkel, die armen Trojaner vorgestellt: Hektor, sein Schicksal immerfort betrauernd, Memnon und Sarpedon.

Aber um diesen düstern Winkel zu erheitern, hat der Künstler den lüsternen, weiberschätzenden Knaben Paris in ewiger Jugend dargestellt. Noch als roher Waldbewohner, doch seiner Macht über Frauen sich bewußt, schlägt er in die Hände, um, das Gegenzeichen erwartend, irgend einer horchenden Schönen anzubeuten, wo er zu finden sey.

Aber Benthesileia, die Heldin, im kriegerischen Schmuck, steht vor ihm, ihre Gebärden und Mienen zeigen sich abstoßend und verachtend, und so wäre denn auch der peinliche Zustand eines anmaßlichen Weiberbesiegers, der endlich von einer hochherzigen Frau verschmäht wird, im Hades verewigt.

Warum übrigens Meleager, und ferner Rallisto, Pero, Nomia in der höhern Region einen Plaß einnehmen, fen fünftigen Auslegern anheim gestellt.

Wir betrachten nur noch, am Schlusse des Bildes, jene Gesellschaft vergeblich Bemühter, die uns eigentlich den Ort zu erkennen giebt, wo wir uns befinden. Sisyphos, Tantalos, Unbenannte, welche sich in die höhern Geheimnisse einweihen zu lassen verabsäumt, zeigen sich hier. Konnten wir nocy über Oknos lächeln, so sind nun die Motive ähnlicher Darstellungen ins Tragische gesteigert. An beiden Enden des Hades finden wir vergeblich Bemühte und innerhalb folcher trostlosen Zustände Heroen und Heroïnen zusammengedrängt und eingeschlossen.

Bei den Todten ist alles ewig. Der Zustand, in welchem der Mensch zuleßt den Erdbewohnern erschien, figirt sich für alle Zukunft. Alt oder jung, sdön oder entstellt, glücklich oder unglücklid, schwebt er immer unserer Einbildungskraft auf der grauen Tafel des Hades vor.

Nachtrag. Indem die Künstler immer mehr Trieb zeigen sich dem Alterthume zu nähern, so wird es Pflicht ihnen zweckmäßig vorzuarbeiten, damit eine hödjft lobenswerthe Absicht rasder gefördert werde. Wir wünsdien, daß man dasjenige, was wir an den Gemälden der Lesdie zu leisten

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