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Von deutscher Dankunst

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Als ich aus deinem Grabe herumwandelte, edler Erwin, und den Stein suchte, der mir deuten sollte: ^nnu <lomini l3l8. xvl. Il»l. ?ebr. odiit Xußizter Lrvinu«, lZubern»tor l?2t»lic»e iicclez!»« ^r

ßentinsnziz, und ich ihn nicht finden, seiner deiner Landsleute mir ihn zeigen konnte, daß sich meine Verehrung deiner an der heiligen Stätte ergossen hätte, da ward ich ties in die Seele betrübt, und mein Herz, jünger, wärmer, thörichter und besser als jetzt, gelobte dir ein Denkmal, wenn ich zum ruhigen Genuß meiner Besitzthümer gelangen würde, von Marmor oder Sandsteinen, wie ich's vermöchte.

Was braucht's dir Denkmal! Du hast dir das herrlichste errichtet; und kümmert die Ameisen, die drum krabbeln, dein Name nichts, hast du gleiches Schicksal mit dem Baumeister, der Berge austhürmte in die Wolken.

Wenigen ward es gegeben, einen Babelgedanken in der Seele zu zeugen, ganz, groß, und bis in den kleinsten Theil nothwendig schön, wie Baume Gottes; wenigeren, aus tausend bietende Hände zu treffen, Felsengrund zu graben, steile Höhen draus zu zaubern, und dann sterbend ihren Söhnen zu sagen: Jch bleibe bei euch in den Werken meines Geistes; vollendet das Begonnene in die Wolken!

Was braucht's dir Denkmal! und von mir! Wenn der Pöbel heilige Namen ausspricht, ist's Aberglaube oder Lästerung. Dem schwachen Geschmäckler wird's immer schwindeln an deinem Koloß, und ganze Seelen werden dich erkennen ohne Deuter.

Also nur, tresslicher Mann, ehe ich inein geflicktes Schiffchen wieder aus den Ocean wage, wahrscheinlicher dem Tod, als dem Gewinnst

Goethe, siimmll, Werke, XXV, l

entgegen, siehe hier in diesem Hain, wo ringsum die Namen meiner Geliebten grünen, schneide ich den deinigen in eine deinem Thurm gleich schlank aussteigende Buche, hänge an seinen vier Zipseln dieß Schnupstuch mit Gaben dabei.aus — nicht ungleich jenem Tuche, das dem heiligen Apostel aus den Wolken herabgelassen ward, voll reiner und unreiner Thiere; so auch voll Blumen, Blüthen, Blätter, auch wohl dürres Gras und Moos und über Nacht geschossene Schwämme, das alles ich, aus dem Spaziergang durch unbedeutende Gegenden kalt, zu meinem Zeitvertreib botanisirend, eingesammelt, dir nun zu Ehren der Verwesung weihe.

Es ist im kleinen Geschmack, sagt der Jtaliäner, und geht vorbei. Kindereien! lallt der Franzose nach, und schnellt triumphirend aus seine Dose » I» (^eo<zue. Was habt ihr gethan, daß ihr verachten dürft?

Hat nicht der seinem Grab entsteigende Genius der Alten den deinen gesesselt, Wälscher! Krochst an den mächtigen Resten, Verhältnisse zu betteln, flicktest aus den heiligen Trümmern dir Lusthäuser zusammen, und hältst dich sür Verwahrer der Kunstgeheimnisse, weil du aus Zoll und Linie von Riesengebäuden Rechenschaft geben kannst. Hättest du mehr gesühlt als gemessen, wäre der Geist der Massen über dich gekommen, die du anstauntest, du hättest nicht so nur nachgeahmt, weil sie's thaten, und es schön ist; nothwendig und wahr hättest du deine Plane geschaffen, und lebendige Schönheit wäre bildend aus ihnen gequollen.

So hast du deinen Bedürsnissen einen Schein von Wahrheit und Schönheit ausgetüncht. Die herrliche Wirkung der Säulen tras dich; du wolltest auch ihrer brauchen und mauertest sie ein, wolltest anch Säulenreihen haben, und umzirkeltest den Vorhos der Peterskirche mit Marmorgängen, die nirgends hin noch her sühren, daß Mutter Natur, die das Ungehörige und Unnöthige verachtet und haßt, deinen Pöbel trieb jene Herrlichkeit zu öffentlichen Cloaken zu prostituiren, daß ihr die Augen wegwendet und die Nasen zuhaltet vorm Wunder der Welt.

Das geht nun so alles seinen Gang: die Grille des Künstlers dient dem Eigensinne des Reichen; der Reisebeschreiber gasft, und unsere schönen Geister, genannt Philosophen, erdrechseln aus protoplastischen Mahrchen Principien und Geschichte der Künste bis aus den heutigen Tag, und ächte Menschen ermordet der böse Genius im Vorhos der Geheimnisse.

Schädlicher als Beispiele sind dem Genius Principien. Vor ihm mögen einzelne Menschen einzelne Theile bearbeitet haben; er ist der erste, aus dessen Seele die Theile, in Ein ewiges Ganzes zusammen gewachsen, hervortreten. Aber Schule und Principium sesselt alle Kraft der Erkenntniß und Thätigkeit. Was soll uns das, du neusranzösischer philosophirender Kenner, daß der erste zum Bedürsniß erfindsame Mensch vier Stämme einrammelte, vier Stangen drüber verband, und Aeste und Moos draus deckte? Daraus entscheidest du das Gehörige unserer heutigen Bedürsnisse, eben als wenn du dein neues Babylon mit einsältigem patriarchalischem Hausvatersinn regieren wolltest.

Und es ist noch dazu salsch, daß deine Hütte die erstgeborne der Welt ist. Zwei an ihrem Gipsel sich kreuzende Stangen dornen, zwei hinten und eine Stange quer über zum First ist und bleibt, wie du alltäglich an Hütten der Felder und Weinberge erkennen kannst, eine weit primavere Erfindung, von der du doch nicht einmal Principium sür deine Schweinställe abstrahiren könntest.

So vermag keiner deiner Schlüsse sich zur Region der Wahrheit zu erheben, sie schweben alle in der Atmosphäre deines Systems. Du willst uns lehren, was wir brauchen sollen, weil das, was wir brauchen, sich nach deinen Grundsätzen nicht rechtsertigen läßt.

Die Säule liegt dir sehr am Herzen, und in anderer Weltgegend wärst du Prophet, Da sagst: Die Säule ist der erste, wesentliche Bestandtheil des Gebäudes, und der schönste. Welche erhabene Eleganz der Form, welche reine mannichsaltige Größe, wenn sie in Reihen dastehen! Nur hütet euch, sie ungehörig zu brauchen; ihre Natur ist sreizustehen. Wehe den Elenden, die ihren schlanken Wuchs an plumpe Mauern geschmiedet haben!

Und doch dünkt mich, lieber Abt, hätte die östere Wiederholung dieser Unschicklichkeit des Säuleneinmauerns, daß die Neuern sogar antiker Tempel Jntercolumnia mit Mauerwerk ausstopsten, dir einiges Nachdenken erregen können; wäre dein Ohr nicht sür Wahrheit taub, diese Steine würden sie dir gepredigt haben.

Säule ist mit nichten ein Bestandtheil unserer Wohnungen; sie widerspricht vielmehr dem Wesen all unserer Gebäude. Unsere Häuser entstehen nicht aus vier Säulen in vier Ecken; sie entstehen aus vier Mauern aus vier Seiten, die statt aller Säulen sind, alle Säulen ausschließen, und wo ihr sie anslickt, find sie belastender Uebersluß. Eben das gilt von unsern Palästen und Kirchen, wenige Fälle ausgenommen, aus die ich nicht zu achten brauche.

Eure Gebäude stellen euch also Flächen dar, die, je weiter sie sich ausbreiten, je kühner sie zum Himmel steigen, mit desto unerträglicherer Einsörmigkeit die Seelen unterdrücken müssen! Wohl! wenn uns der Genius nicht zu Hülse käme, der Erwinen von Steinbach eingab: Vermannichsaltige die ungeheure Mauer, die du gen Himmel sühren sollst, daß sie aussteige gleich einem hocherhabenen weitverbreiteten Baume Gottes, der mit tausend Aesten, Millionen Zweigen, und Blättern wie der Sand am Meer, ringsum der Gegend verkündet die Herrlichkeit des Herrn, seines Meisters.

Als ich das erstemal nach dem Münster ging, hatte ich den Kops voll allgemeiner Erkenntniß guten Geschmacks. Aus Hörensagen ehrte ich die Harmonie der Massen, die Reinheit der Formen, war ein abgesagter Feind der verworrenen Willkürlichkeiten gothischer Verzierungen. Unter die Rubrik Gothisch, gleich dem Artikel eines Wörterbuchs, häuste ich alle synonymischen Mißverständnisse, die mir von Unbestimmtem, Ungeordnetem, Unnatürlichem, Zusammengestoppeltem, Ausgeslicktem, lieberladenem jemals durch den Kops gezogen waren. Nicht gescheidter als ein Volk, das die ganze sremde Welt barbarisch nennt, hieß alles Gothisch, was nicht in mein System paßte, von dem gedrechselten, bunten Puppenund Bilderwerk an, womit unsere bürgerlichen Edelleute ihre Häuser schmücken, bis zu den ernsten Resten der ältern deutschen Baukunst, über die ich, aus Anlaß einiger abenteuerlichen Schnörkel, in den allgemeinen Gesang stimmte: „Ganz von Zierrath erdrückt!" und so graute mir's im Gehen vorm Anblick eines mißgesormten, krausborstigen Ungeheuers.

Mit welcher unerwarteten Empsindung überraschte mich der Anblick, als ich davor trat. Ein ganzer, großer Eindruck süllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonirenden Einzelheiten bestand, ich wohl schmecken und genießen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte. Sie sagen, daß es also mit den Freuden des Himmels sey. Wie ost bin ich zurückgekehrt, diese himmlisch-irdische Freude zu genießen, den Riesengeist unserer ältern Brüder in ihren Werken zu umsassen! Wie ost bin ich zurückgekehrt, von allen Seiten, aus allen Entsernungen, in jedem Lichte des Tags zu schauen seine Würde und Herrlichkeit! Schwer ist's dem Menscheugeist, wenn seines Bruders Werk so hoch erhaben ist, daß er nur beugen und anbeten muß. Wie oft hat die Abenddämmerung mein durch sorschendes Schauen ermattendes Auge mit sreundlicher Nuhe geletzt, wenn durch sie die unzähligen Theile zu ganzen Massen schmolzen, und nun diese, einsach und groß, vor meiner Seele standen, und meine Krast sich wonuevoll entsaltete, zugleich zu genießen und zu erkennen! Da offenbarte sich mir in leisen Ahnungen der Genius des großen Werkmeisters. Was staunst du? lispelt er mir entgegen. Alle diese Massen waren nothwendig; und siehst du sie nicht in allen älteren Kirchen meiner Stadt? Nur ihre willkürlichen Großen habe ich zum stimmenden Verhältniß geboten. Wie über dem Haupteingang, der zwei kleinere zu'n Seiten beherrscht, sich der weite Kreis des Fensters össnet, der dem Schiffe der Kirche antwortet und sonst nur Tageloch war, wie hoch darüber der Glockenplatz die kleineren Fenster sorderte! — das all war nothwendig, und ich bildete es schon. Aber ach, wenn ich durch die düstern erhabenen Oessnungen hier zur Seite schwebe, die leer und vergebens da zu stehen scheinen! Jn ihre kühne schlanke Gestalt habe ich die geheimnißvollen Kräste verborgen, die jene beiden Thürme hoch in die Luft heben sollten, deren, ach, nur einer traurig da steht, ohne den sünsgethürmten Hauptschmuck, den ich ihm bestimmte, daß ihm und seinem königlichen Bruder die Provinzen umher huldigten! Und so schied er von mir, und ich versank in theilnehmende Traurigkeit, bis die Vögel des Morgens, die in seinen tausend Oessnungen wohnen, der Sonne entgegen jauchzten und mich aus dem Schlummer weckten. Wie srisch leuchtet er im Morgenduftglanz mir entgegen, wie sroh konnte ich ihm meine Arme entgegenstrecken, schauen die großen harmonischen Massen, zu unzählig kleinen Theilen belebt, wie in Werken der ewigen Natur, bis auss geringste Zäserchen, alles Gestalt, und alles zweckend zum Ganzen; wie das sestgegründete, ungeheure Gebäude sich leicht in die Lust hebt, wie durchbrochen alles und doch sür die Ewigkeit! Deinem Unterricht danke ich's, Genius, daß mir's nicht mehr schwindelt an deinen Tiesen, daß in meine Seele ein Tropsen sich senkt der Wonneruhe des Geistes, der aus solch eine Schöpsung herabschauen, und Gott gleich sprechen kann: Es ist gut!

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