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Auffallend ist noch der gut erhaltene Zustand, in dem sie sich befanden. Unter den am Sonnabend aufgefundenen Schädeln war einer viel sauberer als die anderen, von guter Größe und schöner Bildung. Ueber das Stirnbein waren, wahrscheinlich mit Dinte, die Worte

HODIE MIHI

CRAS TIBI, mit lesbaren, kühnen, römischen, ungefähr ein Viertel Zoll hohen Buchstaben eingeschrieben. Wörtlich übersetzt: "Heute mir, morgen dir', eine Warnung des Todten an die Lebenden. Die bessere Erhaltung dieses Schädels im Vergleich zu den andern läßt schließen, daß er in früheren Zeiten als Memento Mori auf einem Grabe gestanden und daß er, als mit der Reformation diese Dinge entfernt wurden, in das Beinhaus geworfen sei. Jetzt ist die Schrift schon schwächer als kurz nach der Auffindung, weil mit der Hand darüber gerieben, um den überflüssigen Schmutz zu entfernen. Trotzdem ist sie deutlich lesbar, die umgebenden Theile und die Zwischenräume der einzelnen Buchstaben müßten sorgfältig mit einem Haarpinsel gereinigt werden, dann würde die Schrift in noch schärferer, kühnerer Art hervortreten. Der Schädel ist jetzt in der Kirche eine merkwürdige Reliquie aus vergangener Zeit! Die Oeffnung ist am Sonnabend mit Brettern zugelegt und später mit einer fußdicken Erdlage bedeckt worden, in diesem Zustand ist der Platz jetzt noch. Am Sonnabend und Sonntag kamen viele Leute auf den Kirchhof, mit wenigen Ausnahmen sahen sie nichts weiter als die feste Decke über der Grube.

Der Ort, wo die Ausgrabung vorgenommen, ist noch mit Brettern und wenig Erde darüber verdeckt; er sieht nicht anders aus als die übrigen Theile des Kirchhofs, in welche man die aufgefundenen Knochen verscharrt hat. Auswärtige Besucher, die nach Stratford eilen, um zu sehen was geschehen, kehren enttäuscht zurück.

VII. Eine Shakespeare-Biographie von Halliwell.")

Wenn Kraft, Gesundheit und Neigung es gestatten, so ist es möglich, daß ich einst unter dem Titel: Contributions towards a Life of Shakespeare' eine Reihe von Foliobänden veröffentliche, in welchen ich versuchen möchte, der Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit jedes überlieferten Ereignisses, betreffe es die Person oder die Werke des großen Dramatikers, auf den Grund zu gehen; außerdem würde ich eine große Menge sich gegenseitig ergänzender Thatsachen, die Frucht langjährigen Forschens, anfügen und das Ganze ausgiebig mit Holzschnitten und Facsimiles illustriren. Unter den letzteren würden sich Facsimiles aller bekannten Documente, die den Namen des Dichters enthalten, befinden. Daß die Zusammenstellung einer wirklich erschöpfenden Biographie Shakespeare's ein Ding der Unmöglichkeit ist, bedarf keines Nachweises. Ein Lebensbild ohne Correspondenz, ohne Berichte über mündliche Auslassungen und ohne volle Darlegung des Charakters von Seiten der Zeitgenossen muß nothwendig Stückwerk bleiben.

Freilich ist über den Lebenslauf des Dichters viel mehr bekannt als die Meisten ahnen, theils sind es neue Thatsachen, theils viele Schlußfolgerungen, die noch der Veröffentlichung harren. Ueberdies hat sich neuerdings auf ganz unerwartete Weise eine höchst interessante Quelle unbekannter Informationen erschlossen; dieser Umstand hat mehr als alles Andere dazu beigetragen, meine Abneigung den Widerwärtigkeiten, welche mit der Herausgabe zusammenhängen, die Stirn zu bieten, zu überwinden. Nachforschungen werden nur, wenigstens was mich betrifft, mit Energie durchgeführt, wenn die Resultate schließlich einem nützlichen Zwecke dienstbar gemacht werden. Nach meinem Plan würde die Aufgabe, die ich mir gestellt, eine eingehende detaillirte Schilderung von Stratford-on-Avon zu des Dichters Zeit, und, wie ich 1874 bei Gelegenheit eines ähnlichen Projects auseinandersetzte, allgemeine Notizen über Shakespeare's Umgebung, d. h. unter Anderm seine Familie, die Menschen, mit denen er verkehrte,

1) Wir halten es für Pflicht, unsere Leser mit obiger Veröffentlichung J. O. Halliwell-Phillips' bekannt zu machen,

die Bücher, welche er brauchte, die Bühne, auf welcher er spielte, die Güter, die er kaufte, die von ihm bewohnten Häuser und Orte, und das Land, durch das er reiste, in sich schließen müssen. Die Berücksichtigung dieser und ähnlicher Gegenstände muß biographisch von Werth sein. Die Persönlichkeit Shakespeare's wird greifbarer, wenn wir annähernd den damaligen Zustand Englands, die Zeitgenossen des Dichters, den Charakter der von ihm bewohnten Städte, wie es ihm gelungen, ein Vermögen zu erwerben, die Hantirungen und sociale Stellung seiner Verwandten und Freunde, die Einrichtung der alten Bühne und die Gewohnheiten des damaligen häuslichen Lebens in Erwägung ziehen.

Die zahlreichen den großen Dramatiker betreffenden Ueberlieferungen sind niemals eingehend gesichtet worden. Staunenswerth ist es, wie lange sich, ehe es Zeitungen gab, die mündlichen Berichte in den Provinzen erhalten haben; alle, die man bis zum vorigen Jahrhundert verfolgen kann, verdienen eingehendste Prüfung. Viele beruhen auf reiner Erfindung, andere sind äußerst unwahrscheinlich, jedoch einige können zum Theil bezeugt werden. Was diesen Theil der Lebensbeschreibung betrifft

, so habe ich den Vorzug genossen, eng mit dem verstorbenen R. B. Wheler und W. 0. Hunt, den letzten lebenden Gliedern aus der Traditionszeit, befreundet gewesen zu sein und haben wir diesen Gegenstand häufig mit einander durchgesprochen. Mit der echten mündlichen Tradition ist es heutzutage vorbei; leider sind aber selbst in den letzten Jahren eine Menge ähnlicher Geschichten ohne Scheu erfunden worden; wäre ihre Verbreitung nicht so unheilvoll, so könnte die Zuversicht, mit der sie verbreitet werden, belustigen.

Charles Dickens schreibt in einem seiner flüchtigen Briefe: "Shakespeare's Leben ist ein schönes Mysterium und es ist meine tägliche Angst, man könnte etwas entdecken.' Ich sage: Wenn ich fürchten müßte, es sei auch nur entfernt die Möglichkeit vorhanden, Entdeckungen zu machen, die uns Shakespeare als schlechten Menschen enthüllen könnten, so würde ich meine emsigen Forschungen einstellen. Aber der günstigen Zeugnisse über den Menschen sind zu viele, um dies befürchten zu müssen. Daß er in seiner Jugend wild gewesen, manchmal etwas mehr Wein getrunken habe, als gerade nothwendig und sich gelegentlich mehr mit den jungen Damen in Barkside abgegeben, als Mrs. Shakespeare in Stratford-on-Avon genehmigt hätte, werden Alle die einräumen, denen es nicht unerläßlich scheint, daß der größte Dichter auch zugleich der größte Heilige gewesen ist. Daß er aber absichtlich den guten Namen eines Andern geschädigt, oder das Vertrauen eines Freundes oder Wirthes verrathen habe, stimmt zu wenig mit den Urtheilen aus seiner Zeit über ihn, als daß man es für wahrscheinlich halten könnte. Mit Ausnahme einer Anekdote, die zweifellos erfunden ist, ist die Davenantgeschichte die einzige, welche Shakespeare, wenn sie bewiesen, der Anklage einer verbrecherischen Handlung aussetzen könnte; Klatschgeschichten ausrotten ist aber so schwer, daß die Geschichte Generationen hindurch, auch noch jüngst, als wahr angenommen worden ist. Aus dem Grunde gereicht es mir zu besonderer Befriedigung, jetzt nach dreihundert Jahren im Stande zu sein, einen Fund, Beweise von Zeitgenossen, zu veröffentlichen, der endgültig feststellt, daß die Schmähschrift kein wahres Wort enthält.

Der erste Band der projectirten Serie kann nicht vor dem Frühjahr des künftigen Jahres beendigt werden.

Namen von Subscribenten bitte ich mir nicht einzusenden, denn das Werk soll nicht auf Subscription herausgegeben werden. Wenn es je erscheint, so wird es nur von einem Londoner Agenten erhältlich sein, die Zahl der Abzüge wird auf's äußerste beschränkt werden. Diese vorläufige Anzeige hat den Zweck, festzustellen, ob das Interesse für den Gegenstand genügend groß ist, um ein solch weitaussehendes, kostspieliges Unternehmen zu rechtfertigen. Hollingbury Copse, Brighton, 3. April 1880.

J, O. HALLIWELL-PHILLIPPS. Anmerkung. Der angeführte Brief erschien im Athenaeum vom 10. April. Die Correspondenz, welche der Veröffentlichung gefolgt, war nach jeder Richtung erfreulich und ermuthigend. Es ist mir aber nach sorgfältiger Erkundigung klar geworden, dass die damals vorgeschlagene Art der Publication von fast unübersteiglichen Hindernissen begleitet ist, d. h. wenn ich mir, wie ich es wünsche, vollkommene Unabhängigkeit in der Ausführung und Fernhaltung aller Subscriptions- und Publicationsmühen sichern will. Deshalb werde ich nicht eine Serie, die Fortsetzung heischt, herausgeben, sondern eine Anzahl zwangloser Bände verschiedener Grösse und beschränkt in der Zahl der Abzüge, von denen jeder ein in sich geschlossenes Ganze bildet, erscheinen lassen. Also dass in einem Band der Davenantscandal, im andern das Globetheater, im dritten das Rehdiebstahlabenteuer, in einem weiteren des Dichters letzte Krankheit u. s. w. behandelt werden wird. In bestimmten Zwischenräumen werden diese Bände in London öffentlich versteigert werden; der Käufer kann also bei seinem Buchhändler sogar einen einzelnen Band, der wie oben bemerkt, in jedem Falle eine gesonderte Veröffentlichung bildet, bestellen.

VIII. Entstehungszeit von Shakespeare's 55. Sonnett.

(Athenaeum. 11. Sept. 1880.) Die ersten Verse dieses Sonnets vergleicht Malone mit dem Anfang der allbekannten Ode von Horaz, Eregi monumentum' etc. (III. 30). Die Aehnlichkeit ist nicht nur im Gedanken, sondern zum Theil auch in der Sprache vorhanden. Jedoch ist, so viel ich weiß, nicht nachgewiesen, daß Shakespeare mit den Werken von Horaz bekannt war, trotzdem gebe ich zu, daß die Entgegnung, er habe dieses einzelne Gedicht gekannt, berechtigt ist und kann ich diesen Einwand auch abgesehen von folgenden Gründen gelten lassen.

In seiner Palladis Tamia, Wiť's Treasury', herausgegeben im Jahre 1598, sagt Francis Meres mit anderen Lobsprüchen auf Shakespeare folgendes: Wie Oyid von seinen Werken spricht:

Iamque opus exegi, quod nec Iovis ira, nec ignis,

Nec poterit ferrum, nec edax abolere vetustas.
Und Horaz von den seinen:

Exegi monumentum aere perennius,
Regalique situ pyramidum altius;
Quod non imber edax, non Aquilo impotens
Possit diruere, aut innumerabilis

Annorum series et fuga temporum: so erkläre ich, daß jedes einzelne Werk Sir Philip Sidney's, Spencer's, Daniel's, Drayton's, Shakespeare's und Warner's:

Non Iovis ira, imbres, Mars, ferrum, flamma, senectus,

Hoc opus unda, lues, turbo, venena ruent. Et quanquam ad pulcherrimum hoc opus evertendum tres illi Dii conspirabunt, Cronus, Vulcanus, et pater ipse gentis;

Non tamen annorum series, non flamma, nec ensis,

Aeternum potuit hoc abolere decus. Fol. 282, 283. Meine Ansicht ist, daß Shakespeare's Citat oder Anspielung nicht aus Horaz direct, sondern aus dieser Stelle von Meres genommen ist; es ist als sicher anzunehmen, daß das Zugeständniß der Unsterblichkeit, welches ihm und anderen berühmten Zeitgenossen hier gemacht wird, mehr oder weniger des Dichters Aufmerksamkeit erregt hat. Der Schluß, daß er auf die Stelle aus Horaz, nachdem er Meres' Buch gelesen, anspielt, scheint nicht zu gewagt; außerdem ist es merkwürdig, daß in dem Sonnett einige Dinge vorkommen, die nicht mit dem Vers von Horaz, sondern mit dem von Ovid und dem lateinischen Appendix, welchen Meres zufügt, übereinstimmen. Ovid und nicht Horaz spricht von der zerstörenden Wirkung des Feuers und des Schwertes, Nec ignis, nec poterit ferrum'; wenn also Shakespeare auf beide anspielt, so spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß er sie aus Meres' Citaten und nicht den Werken selbst entnommen hat. Die Hauptaufmerksamkeit möchte ich aber auf den siebenten Vers des Sonnets lenken:

Nor Mars his sword, nor war's quick fire shall burn', hier, scheint mir, ist der Ursprung in Meres 'Non mars, ferrum zu suchen. Diese Annahme wird bestärkt durch das Mißverhältniß in Shakespeare's Vers, das Verbum 'shall burn' paßt nur auf war's quick fire' und nicht auf das vorhergehende 'Mars his sword'. Ich meine, man kann diese Widersinnigkeit leicht erklären, wenn die Worte: 'Mars', 'sword' und 'fire oder was dafür steht, sämmtlich von Meres entliehen sind. Die Elemente dieses Verses finden sich im Zusammenhang sonst nicht bei Shakespeare, auch erwähnt er an keiner anderen Stelle das Schwert des Mars.

Ich darf hinzufügen, daß der Ausdruck ‘all oblivious enmity' (Malone macht daraus alloblivious enmity') seine Erklärung in den verschiedenartigen Einflüssen, welche von Meres als Vergessenheit bewirkend genannt werden, findet; vielleicht soll auch das Wort enmity' die feindliche Verschwörung der drei Gottheiten ausdrücken.

Bringt man die Anspielung auf Horaz und die Correspondenz mit Meres in Zusammenhang, so kann kaum bezweifelt werden, daß das 55. Sonnett nach der Herausgabe der «Palladis Tamia' im Jahr 1598 entstanden ist. Wir sind daher zu dem Schluß berechtigt, daß die Kritiker irren, welche, weil in diesem selben Meres'schen Buch von den sugred Sonnets among his private friends' gesprochen wird, meinen, diese hätten damals schon (1598) vollständig im Manuscript existirt, obgleich sie erst 1609 gesammelt und gedruckt worden sind. Die Entstehungszeit des 55. Sonnetts meine ich annähernd in die Zeit um 1599 setzen zu können. Freilich um dieses Datum zu rechtfertigen, wäre es erforderlich, das 144. Sonnett aus The Passionate Pilgrim' und den dreijährigen Zwischenraum, der im 104. erwähnt wird, zu berücksichtigen.

Tom TYLER.

IX. Ein Portrait von Shakespeare.

(The Birmingham Daily Globe, 21. IX. 80.) Vielleicht ist es für Shakesperianer interessant, durch Wiederabdruck einige Bemerkungen von Mr. John Rabone aus Birmingham über Portraits des Dramatikers kennen zu lernen; er machte sie bei einem Banket, das in Stratford-on-Avon zur Zeit des Ausflugs des Birminghamer Preß-Clubs stattfand. Mr. Rabone zeigte ein ihm gehöriges Portrait vor, welches von einem Bild, das sich jetzt in Shakespeare's Geburtshaus befindet, copirt wurde, ehe dieses "restaurirt war.

Zuerst erwähnte Mr. Rabone das unter dem Namen 'Chandos' bekannte Bildniß, von dem es heißt, es sei von Richard Burbage, dem Schauspieler, nach dem Leben für John Taylor, der es durch letztwillige Verfügung Sir William Davenant hinterließ, gemalt worden. Nach dessen Tode kaufte der Schauspieler Betterton es für 40 Guineen, dann erbten es nacheinander eine Reihe wohlbekannter Persönlichkeiten, bis es endlich in den Besitz des Herzogs von Chandos überging, dem Vater von Anna Elisa, Herzogin von Buckingham. Earl of Ellesmere erstand es 1848 bei dem Verkauf der Gemälde des Herzogs von Buckingham zu Stowe für 355 Guineen; er schenkte es dann der NationalPortrait-Gallerie, dort befindet es sich noch. Das Chandosportrait wurde stets von den vielen existirenden Bildern Shakespeare's, die unter sich alle wesentlich verschieden sind und doch ein gewisses Etwas gemein haben, für das zuverlässigste, weil es unzweifelhaft nach dem Leben gemalt ist, gehalten und häufiger als irgend ein anderes in jeder erdenklichen Form copirt. Vor etwa zwanzig Jahren jedoch wurde diesem Vorrang infolge eines fast zufälligen Ereignisses Eintrag gethan, welchem das jetzt im Geburtshaus befindliche unter dem Namen Stratfordportrait bekannte Bild seine Entdeckung verdankt. Damals forderte die Corporation von Stratford Mr. Simon Collins, einen bekannten Gemälderestaurirer, auf, nach Stratford zu kommen, um die in der Guildhall sich in ihrem Besitz befindlichen Bilder zu reinigen und zu restauriren. Er führte diese Arbeit so gut aus, daß man ihm mehr zu thun gab. Die einige Jahre nach des Dichters Tode in der Kirche aufgestellte Büste war ursprünglich dem Gebrauch der Zeit entsprechend colorirt gewesen; 1793 wurde sie jedoch auf Wunsch Malone's während seines Besuches in Stratford von einem gewöhnlichen Anstreicher mit anderen Monumenten zusammen, weiß angestrichen: ‘um dem Zeitgeschmack zu entsprechen'. Man beschloß nun der Büste ihr ursprüngliches Aussehen wieder zu geben und betraute Mr. Çollins mit der Aufgabe, die durch Malone veranlaßte Entstellung zu entfernen. Nachdem der weiße Anstrich abgehoben war, kamen die ursprünglichen Farben zum Vorschein und es bedurfte nur geringer Reparatur, um ihnen die einstige Frische wieder zu geben. Nachdem dies geschehen, forderte der verstorbene Mr. William Oakes Hunt, Beigeordneter von Stratford, Mr. Collins

auf, einige ihm zugehörige Bilder zu reinigen. Verkramt in einem der oberen Stockwerke in Mr. Hunt's Hause, fand man eine alte, vielfach beschädigte und etwas zerrissene Farbenskizze; man unterschied mühsam das hingeworfene, roh gemalte Bild eines Mannes mit langem Vollbart. Die Züge waren fast ganz durch Haare verdeckt und das Bild vielfach entstellt. Mr. Hunt erinnerte sich, daß dasselbe, so lange er denken könne und sicher auch früher, im Besitz seiner Familie gewesen; man habe es aber so gering geschätzt, daß es in Mr. Hunt's Jugend ihm und seinen Spielgefährten zur Zielscheibe beim Bogenschießen gedient. Mr. Collins sah die Spuren davon, die rohe Malerei und andere Gründe führten ihn auf die Vermuthung, daß ein anderes möglicherweise werthvolleres Bild darunter verborgen sei. Zuvörderst begann er, mit des Besitzers Erlaubniß, das Gesicht zu reinigen, der unordentliche Backenbart verschwand augenblicklich vor seinem Auflösungsmittel. Nun bearbeitete er einen schmalen Streifen der Leinwand quer über der Brust und war auf's höchste überrascht, als sich schwarze und scharlachrothe Streifen zeigten, die genau dem eben aufgedeckten Monument in der Kirche glichen; (der Anzug desselben besteht aus einem rothen Wamms, darüber ein weiter, schwarzer Mantel ohne Aermel). Es gewann den Anschein, als weise die Gleichartigkeit der Bekleidung mit der Büste auf ein Portrait Shakespeare's hin; das Reinigen wurde in Gegenwart vieler Bürger von Stratford, die die Arbeit beobachteten, fortgesetzt; nachdem die überflüssige Farbenschicht entfernt und das Originalgemälde sichtbar geworden, fand sich, daß die Aehnlichkeit mit der Büste sogar bis zu den kleinsten Falten unverkennbar war. Mr. Collins nahm das Bild auf Mr. Hunt's Kosten mit nach London, um es dort vollständig zu ‘restauriren'. Als dies geschehen und es zurückgeschickt worden war, wurde es bei irgend einer Gelegenheit, ich glaube 1861, im Theater neben einem ebenso colorirten Modell der Büste in seiner ursprünglichen Gestalt ausgestellt. Man ersuchte die Mitglieder der Birmingham Archaeological Society, die beiden Werke zu besehen, sie kamen und es entstand lebhafte Für- und Widerrede über die Frage, ob die Büste nach dem Bild, oder das Bild nach der Büste gemacht sei; ein Zusammenhang zwischen beiden wurde von allen Seiten als feststehend angenommen, aber welches das frühere sei ließ sich mit Gewißheit nicht nachweisen. Mr. Collins, der gegenwärtig war, wurde über das Gemälde befragt, er erwiderte, er habe nicht die Absicht zu verrathen, welche Mittel er angewendet, er könne nur sagen, daß er kein Mittel seiner Kunst unversucht gelassen, um das Gemälde so vollendet und dem Original ähnlich wie möglich zu machen; wie weit ihm dies gelungen, zeige das Resultat, das sie vor sich sähen. Das Bild sei sehr zerstört gewesen und er habe alles gethan, um es wieder herzustellen. Man behauptete, das Gemälde sei von Mr. Hunt's Großvater aller Wahrscheinlichkeit nach bei einer Auction in Clopton House mit anderen Sachen in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gekauft worden. Viele verschiedene Ansichten wurden laut, eins stand bei der genauen Aehnlichkeit mit der Büste, die hauptsächlich bei der Gewandung bis zur Durchführung der geringsten Details im Faltenwurf ging, fest, entweder war diese eine Copie des Gemäldes oder jenes nach der Büste angefertigt worden. Man behauptete, das Gemälde habe kleine lebenswahre Züge, die der Büste durchaus fehlten und daß darum das Bild nach dem Leben und die Büste eine Copie desselben sei. In der Presse war die Meinung mehr gegen als für die Originalität des Bildes; man hielt es für ein Ueberbleibselvom Jubiläum des Jahres 1769, welches wahrscheinlich später Spaßes halber überschmiert worden sei. Auf der andern Seite ist zu beachten, daß es wirklich ein lebendiges Portrait ist und vielleicht um seiner Erhaltung willen zu Zeiten der Puritaner, als “Spielleute' in üblem Geruch standen, übermalt wurde. Mr. J. 0. Halliwell (Halliwell Phillips) sagt darüber: Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Büste Copie des Gemäldes, oder das Bild Copie der Büste ist; freilich kann ich, nachdem ich das Bild gesehen, nicht länger annehmen, daß die erste Vermuthung jemals Gewißheit werde; ich glaube die Unwahrscheinlichkeit wird Jedem beim Anblick des Bildes einleuchtend, hätte es selbst das nothwendige Alter. Für mich unterliegt es kaum einem Zweifel, daß dieses Bild nach der Büste, frühestens in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts copirt worden; noch wahrscheinlicher ist die Annahme Mr. Hepworth Dixon's, der es zur Zeit des Jubiläums entstehen läßt. Das Athenaeum meint, ‘das Gemälde sei der Büste in der Trinity-Kirche sehr ähnlich, schlecht gezeichnet und in der Weise colorirt

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