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Miscellen.

I. Professor Dr. Wilhelm Wagner.

Am 15. April des Jahres 1880 starb in Neapel, 37 Jahre alt, Dr. Wilhelm Wagner, Professor am Johanneum in Hamburg. Auch wir haben den Verlust zu beklagen, denn nicht nur ein Mitglied unserer Gesellschaft, ein Mitarbeiter am Jahrbuche, sondern eine tüchtig strebende Kraft auf dem Shakespeare-Gebiete ist in der vollsten Blüthezeit aus ihrem Boden herausgerissen worden, während sie reiche Frucht versprach. Wagner war nach einer Richtung hin thätig, die in Deutschland gerade nicht viele Vertreter findet - er hatte sich der Textkritik gewidmet, und wenn er vielleicht oft zu jugendlich rasch emendirte, so ist das ein erfreulicherer Fehler als das Gegentheil, denn der perlende Most wird ja immer ein guter, firner Wein. Die Textkritik in Deutschland hätte ihn sehr gut gebrauchen können, und er wird sich schwer ersetzen lassen, denn gerade die Vielseitigkeit seines Wissens qualificirte ihn dazu, ein tüchtiger Textkritiker zu werden. Die classische wie die neugriechische Literatur (von jener nenne ich Plato, Terenz und Plautus, die er theils in Uebersetzungen, theils in kritischen Ausgaben veröffentlichte) fanden in ihm einen talentvollen und eisern fleißigen Vertreter, und auch als Lehrer hat er mit glänzendem Erfolge gewirkt. — Das Land, in dem er Kräftigung und Heilung suchte, ist sein Grab geworden, und mit ihm sind viel Keime zu Vorzüglichem in die Gruft hinabgestiegen.

II. Doctor Robert Gericke.

Doctor Robert Gericke, ein langjähriges und fleißiges Mitglied der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft, starb nach einem seit vielen Jahren kränklichen Leben am 5. April 1880 in Leipzig. Geboren ebendaselbst am 8. Juli 1828 wurde er zuerst für den Handelsstand bestimmt, wandte sich aber bald academischen Studien und zwar zuerst der Medicin, dann den Naturwissenschaften zu, fand indeß auch hier nicht volle Befriedigung, und widmete sich endlich dem philologischen Fache, und ganz speciell dem Studium Shakespeare's. Wir verdanken seinem gewissenhaften Fleiße nicht nur die statistischen Zusammenstellungen über die Bühnen-Aufführungen Shakespearescher Stücke, sondern auch eine Abhandlung über eine neue Bühnenbearbeituug des Macbeth (Band 6, pag. 19—82), eine Arbeit, zu welcher er ganz besonders berufen war, weil er schon im Jahre 1865 eine eigene, der modernen Bühne angepaßte Macbethübersetzung als Manuscript veröffentlicht hatte. Der 14. Band des Jahrbuches bot den Lesern noch als Zeugniß für seine Ausdauer und die feine, gründliche und gelehrte Art seines Arbeitens den Aufsatz: 'Romeo und Juliet nach Shakespeare's Manuscript'. Endlich ist er der Erste gewesen, der in Deutschland für das Zählen der Verse nach dem Muster der Ausgaben römischer und griechischer Autoren – agitirte, , und er hat sich damit in der That ein Denkmal gesetzt, denn seiner Energie ist es zu danken, wenn man so schnell im Entschlusse einig wurde, die Zählung der Globe edition zu Grunde zu legen. – Sei ihm die Erde leicht, dem treuen, wackern Arbeiter, der sich so frühzeitig zur Ruhe gelegt hat.

III. Vilorxa.

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Im "Timon von Athen', III, 4, 112, stehen folgende Zeilen, die ich nach der I. Folio wiedergebe:

. ... Go, bid all my Friends againe,
Lucius, Lucullus and Sempronius Vllorxa: All,

Ile once more feast the Rascals.' Das Wort Vllorxa wurde von denjenigen Herausgebern am Richtigsten behandelt, welche es aus dem Texte entfernten, denn Versuche, an seine Stelle eine Emendation, wie z. B. all, Sirrah, all! zu setzen, mussten aus den verschiedenartigsten Gründen missglücken; weder Schreibweise, noch Gedanke, noch endlich Versform konnten für dieselbe in die Schranken geführt werden. Es ist also nur von Interesse, zu entdecken, wie das Wort in den Text gekommen ist, und was es bedeutet. Ich glaube, dass mir Beides gelungen ist:

In jeder Druckerei sind für die verschiedenen Schriftarten verschiedene Setzkasten, und ein Setzer, welcher ein Manuscript unter Händen hat, das in Antiqua-Schrift zu setzen ist, aber auch einzelne

Wörter in anderen Schriftformen enthält, wird, um die letzteren in seinen Text zu bringen, an den Setzkasten treten müssen, welcher die betreffende Letternart enthält. Ein Gleiches ist mit der I. Folio geschehen: um die bezügliche obige Zeile fertig zu stellen, trat der Setzer an das Pult für Cursivschrift, trug die dort von ihm gesetzten Namen Lucius, Lucullus, Sempronius nach seinem Pulte zurück, und griff bei dieser Gelegenheit aus Versehen noch eine Reihe von Lettern, welche bereits für bevorstehenden Druck von dem an diesem Kasten arbeitenden Setzer zum Worte zusammengefügt waren; diese Lettern brachte er - wiederum aus Versehen in seinen Text, und der Corrector scheute sich, sie auszumerzen vielleicht um so mehr, je weniger ihm das seltsam klingende Wort bekannt war; er hielt es vielleicht gerade deshalb für einen integrirenden Theil des Verses.) - So weit die Erklärung, auf welche Weise Vllorxa in den Vers gekommen ist. - Nun zur Frage, was es bedeutet: Der Setzer am Kasten für Cursivschrift hatte ein Manuscript vor sich, welches irgend eine Art von Rechnungslegung mit Preisangaben enthielt, und hatte eben die Worte

five pounds or ten angels in der für solche Fälle gebräuchlichen Weise gesetzt, nämlich:

V U or X a. V = 5, x = 10, 11 als Zeichen für Pfund Sterling', und a der Anfangsbuchstabe von angel, einer Goldmünze aus jener Zeit, im Werthe von 10 Shilling, also eines halben Pfundes. Wenn man endlich die betreffende Stelle in der I. Folio mit der Lupe betrachtet, findet man auch bei dem zweiten 1 den für das Pfundzeichen charakteristischen Strich links nach dem ersten 1 hin.

Der Einwand, dem ich begegnete, daß das Gewichtspfund mit U., das Geldpfund dagegen mit li bezeichnet würde, kann zunächst auf die cinfachste Art durch Hinweisung auf einen Fehler beim Ablegen des früheren Satzes erledigt werden. Der erste Setzer hat das U in das Fach für li geworfen, der zweite es dann später daraus entnommen. Außerdem aber wird es sich ganz besonders darum handeln und das müßte eben in England untersucht werden -- den Gebrauch des lb für das Geldpfund aus Documenten nachzuweisen. Daß es zu irgend einer Periode so angewandt wurde, ist zweifellos, denn nur aus dem lb, U. konnte das £ und später £, d. h. aus dem Zeichen für

1) Von hervorragender Seite ist mir die Möglichkeit betont worden, daß das Wort Vllorra das Product einer albernen Spielerei des Schreibers oder Copisten sein könne, der sich erlaubt habe, es in die Versreihe oder an den Rand zu setzen. Auch Das ist nicht unwahrscheinlich, und daher dankbar anzunehmen, weil in der vorliegenden Frage das 'wie viel schwerer zu beantworten sein wird, als das"

was'.

Jahrbuch XVI.

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das Gewichtspfund das Zeichen für das Geldpfund entstehen. Eine in England auf diesem Gebiete hervorragende Autorität schreibt zwar: 680 far as I can discover, the conventional sign for pounds sterling at that time was 'li'; I have given some instances on the slip of paper enclosed. But, as far as that goes, there is no greater difficulty in supposing that 'li' might in some way be changed into 'l', than that lb' might be', doch möchte ich das Beneficium dieser Erklärung nicht für mich in Anspruch nehmen, sondern glaube eher, daß es eine Uebergangsperiode gegeben habe, in welcher beide Zeichen sich in einem, nämlich lb vereinigten, aus dem dann die neue Form in naturgemäßer Entwicklung hervorging. Es ist eben erwünscht, mehrere Belege zu finden; einen solchen kann ich schon in der von W. Hunter entdeckten Subsidyroll von 1589 nachweisen, deren Original in CARLTON RIDE RECORD OFFICE liegt. Dort lesen wir (siehe Halliwell Shakespeare, vol. I. p. 153).

Affid. William Shakespeare 5 d. xiij s. üj d. Soweit, was die Lesart Vllorxa betrifft. Nun bleibt mir nur noch übrig, demselben Manne gegenüber zu treten, welchen ich bereits in der 'Literarischen Uebersicht bei Besprechung des Grant White'. schen Referats als Verfechter der Nationalitätenfrage im Reiche des Wissens, zu signalisiren gezwungen war. Der dort citirte Briefschreiber, der eine ziemlich officielle Stellung im Kreise der englischen Shakesperianer einnimmt, schreibt mir u. A. Folgendes:

Vllorxa: VU or x a! there you are, 5 £ or 10 angels! You never look to see whether U., li. or lib. ever meant pounds in Sh’s days, or whether 10 angels was used in accounts for 5 £ or any thing like it; you neither search for or produce a parallel instance you'd die before you found it ... Solche Pistol-Bombast-Reden imponiren zuweilen und schrecken ab; man antwortet nicht und Pistol glaubt, Recht zu haben darum ist es ganz dienlich, wenn ein Fluellen ihn ab und zu zum Lauch-Essen zwingt.

Was die erste obige Bemerkung betrifft: 'You never look to see whether U., li. or lib. ever meant pounds in Sh’s days', so brauchte der Briefschreiber nur in den REGISTERS OF THE COMPANY OF STATIONERS OF LONDON, Band III pag. 35 nachzuschlagen, um Folgendes zu finden:

9. Augusti 1596. 38 Elizabeth(ae) Deliuered in full Court to the master and Wardens The cities bill vnder their seale for XIli Lent in marche (1596) last toward the shippes

40li repaiable 28 marcij 1597. In den ersten 20 Zeilen dieser Seite kommt das Zeichen li für Pfund nicht weniger als neun mal vor!

if you did, Ferner finden wir, dem Winke der oben citirten Autorität folgend, in KNIGHT SHAKSPERE, A BIOGRAPHY (London pag. 465, New-York pag. 469) Folgendes:

In the following August the Lord Chamberlain's company performed Othello in the house of the Lord Keeper at Harefield. The accounts of the large expenditure on this occasion, in the handwriting of Sir Arthur Mainwaring were discovered by Mr. Collier amongst the EgertonPapers, and they contain the following entry:

'6. August 1602. Rewardes to the vaulters, players and dauncers. Of

this Xli to Burbidge's players of Othello lxiiijli xviij* r. d})

Ferner siehe pag. 469 (resp. pag. 473): Xli, und pag. 481 (resp. pag. 485): 70001; 5001; 933li 68 sa; etc.

Für die zweite Bemerkung: bor whether 10 angels was used in accounts for 5 £ or any thing like it würde mein Freund Pistol die erschöpfende Antwort gefunden haben, wenn er sich der Mühe unterzogen hätte, in

Ruding, Annals of the coinage of Great Britain and its Dependencies; from the earliest period of authentic history to the reign of Victoria.

3d edition. London 1840. 3 vols. Band I, pag. 343 nachzuschlagen; er würde aus der Elisabeth - Zeit Folgendes gefunden haben:

The former proclamations to prevent the spreading of rumours respecting the decry of the money having proved ineffectual, and the universal expectation of that event being so deeply settled in men's heads, that the prices of things were greatly enhanced; and as until the monies were brought to the value at which they were intended, and ought to be, not only the meaner sort of people, as labourers etc., but also all serving-men, soldiers etc., living only by pensions and wages, would be pitifully oppressed, her majesty was induced to make a final end, and to fix the value of the coins current in the realm, at the following rates by proclamation, to commence from the 4th of March, the date of the issuing thereof. Which rates were then declared to be those at which they were current since the 6th of Edward IV., and so on until the 16th of Henry VIII. Fine Gold. Sovereign was current for 30 s.

Ryall
Angel
Half-Angel

5 s. 1) Die Thatsache, daß obige Handschrift als älschung erkannt ist, dient meiner Ansicht nur zu größerer Beweiskraft. Ein Fälscher wird um so sorgfältiger geprüft haben, um die damals gebräuchliche Form wiederzugeben, jemehr er sich bemühte, einer Entdeckung seines Betruges vorzubeugen.

15 s. 10 s.

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