Зображення сторінки
PDF
ePub

zu einer Wiederbesteigung des Thrones nach damaligen Begriffen benommen war 85).

Spanien war in den ersten Jahren von Chinbasuinths Regierung ein sehr unglückliches Land. Parteiungen entstanden, die an ihrer Spiße Große und Geistliche hatten und des neuen Regenten mit Gewalt erworbene Macht nicht anerkennen wollten. Dazu fam, daß eine schredliche Hungersnoth und anstecende Krankheiten das land heimsuchten.

Die Schonung und Milde, welche die frühern Könige gegen die Empörer bewiesen, nåhrten die Unruhen, ungeachtet die Cons cilien in ihren Saßungen über jeden Rebellen die strengsten Strafen ausgesprochen hatten. Die Königswürde war bisher nicht mit der Scheu angesehen worden, wie in andern ländern: der Konig hatte nur den ersten Plaß unter den Großen des Reiches; daher mochte es selbst kommen, daß verdrängte Könige wie Suinthila und Lulga am feben erhalten wurden. Chindasuinth ånderte aber das Verfahren. Wie er einsah, mußte bei den Gothen Strenge, ja Grausamkeit, angewendet werden, um ihnen Schrecken einzufloßen, und sie im Zaume zu halten 86). Er

Clericati fecit. Continuatio Chronici Joann. Biclar, incerti anctoris bei Florez in der España sagrada T. VI. p. 422. Aera DCLXXXVII. In occidente praeficitar Gothis Chindasinthus.

85) Der Zeitgenosse Fredegar. Schol. in seiner Chronik 1. c. ist hier Hauptquelle; die spanischen Schriftsteller, die viel später als Fre: degar lebten, benußten freilich die Chronik des Ildephong, Pónnen uns aber hier nicht bessere Fúhrer seyn als der frantische Chronikichreiber. Ganz abweichend von ihm beißi és bei Lucas Tudensis Chronic. Mundi Era DCLXXX anno imperii Heraclii XXVI. Post Chintilanum regem Tulga regnat annis tribus. Iste blandus et catholicus per omnia fuit. Regna sibi subdita in pace dilatavit, in judicio rectus et largitate ac lenitate claruit. Synoda a suis decessoribus facta firmavit. Toleti decessit. Mariana L. VI. 8. sagt: verum ab optimis initiis ad summa nitentem, mors importuna praecepsque Toleti ex morbo oppressit ejus saeculi anno XLI (nach andern XL) cum rempublicam gubernasset annis duobus, mensibus quatuor. Dic spanischen Gericht: schreiber beschuldigen den Sigebertus Gemblacensis, der das im Tert Erzählte berichtet, daß er diese Nachrichten aus Haß gegen die gothische Nation ausgestreut habe. Da er dieselben aus der Chronit des damals lebenden Fredegar entlehnt hat, so ist diese Beschuldigung ganz ungerecht.

86) Fredegar. Schol. c. 82. sagt daber mit Recht: Gothorum gens impaticns est, quando su se forte jugum non habuerit.

ließ daher die Großen, die sich gegen ihn emporten, oder die er nur im Verdacht hatte, daß fie etwas gegen ihn unternehmen wollten, mit ihren Familien aus dem Wege råumen. Von den vornehmsten Gothen foll er zweihundert, von den minder vors nehmen fünfhundert haben hinrichten lassen. Ihre Weiber und Kinder machte er zu Sklaven, die Güter zog er ein, und theilte sie seinen Getreuen als Belohnung zu. Viele, die das Schicksal der Hingerichteten fürchteten, flüchteten aus dem Lande und begaben sich nach Afrika oder zu dem frånkischen Könige, um bei günstigern Umstånden mit den Waffen in der Hand ihre verlorenen Recite zu erfämpfen. Chindasuinth hatte aber seine Hauptabsicht erreicht: nach einigen Jahren war die Ruhe in Spanien und Septimanien so hergestellt, daß die Gothen nicht wagten irgend etwas gegen die Regierung zu unternehmen, wie fie unter den vorigen Königen gewohnt waren 87).

Um nóthige Verbesserungen und Verordnungen zu machen, berief er, als das Reich beruhigt war, die siebente Kirchens versammlung nach Toledo (646). Gleich am Eingange ihrer Saßungen wurde gegen die Aufrührer und die Ausgewanderten, welche im Auslande Hülfe gegen ihr Vaterland suchten, der lebenslängliche Bann ausgesprochen, und die Confiscation ihrer Güter bestimmt: wenn es Geistliche wåren, so sollten sie abges segt werden. Nicht nur der König, sondern auch andere Fürs sten (in deren Staaten sich die Ausgewanderten begaben) werden gebeten dieser Verordnung nicht entgegen zu handelu 88). Durch diese Saßung war zugleich der Geistlichkeit, die mit Chindasuinths fråftiger Regierung nicht zufrieden war, aber aus Furcht vor seiner Strenge nichts zu unternehmen wagte,

87) Fredegar. Schol. Chronic. 1. c. schließt die Erzählung von Chin: dasuintho Strenge gegen die Aufrúbrer mit der Bemerkung: Gothi vero a Chintasindo perdomiti, nihil adversus eundem ausi sunt, ut de regibus consuerant, inire consilium.

88) Coleti Concilia T. VI. p. 1593. Quis enim nesciat quanta sint hactenus per tyrannos et refugas transferendi se in exteras partes illicite perpetrata et quam nefanda eorum superbia jugiter frequentata, quae et patriac deminutionem afferrent, et exercituumn GOthorum indesinenter laborem imponerent.

die Gemeinschaft und das Einverståndniß mit den Rebellen abgeschnitten, wenn sie sich nicht der Gefahr ausseßen wollte, gleich den Ausgewanderten behandelt zu werden. Auch in dem Gesetzbuche befinden sich von ihm mehrere Gefeße wegen der Auswanderung. Obwohl er keineswegs die weltliche Macht der Geistlichen hob, so stiftete er doch mehrere Kloster und Kirchen, und machte reiche Schenkungen 89). Zugleich lebte er in großer Frömmigkeit und erwarb sich die liebe des Voltes, das, von keinen Unruhen in Furcht geseßt, friedlich die Früchte seines Wohlstandes genoß 90). Auch als einen Freund der Wissenschaften und Stünste zeigte er sich durch die Erhebung des gelehrten Eugenius zum Metropolitan von Toledo, den er auch zu poetischen Arbeiten aufmunterte 91).

89) Fredegar. 1. c. Chintasindus poenitentiam agens, elemosynam multam de rebus suis faciens, plenus senectute fertur nonagenarius mortuus.

90) Roderichus Tolet. L. II. c. 8. wohl nach der Chronit des beil. Ildephons: Hujus (Chindasuinthi) tempore ab omni perturbatione Hispania conquievit, adeo ut nullus in ea infidelis reperiretur, vel qui arma sumeret rebellandi.

91) Eugenius machte auf Riciberga, die, wie Ferreras ad ann. 649 gut beweist, nicht Chindasuinths, sondern Reccesuintho Gemahlin war , eine berrliche Grabschrift. Sie ward zuerst in einer gothi: rohen Handidhrift gefunden, steht bei Garcias Loaisa in Colets Conciliensammlung, und bei Baronius ad ann. 649. N. CXVI. Sie lautet so:

Si dare pro morte gemmas licuisset et aurum,
Nulla mihi poterant regum dissolvere vitam:
Sed quia sors una cuncta mortalia quassat,
Nec pretium redimit reges, nec fletus egentes;
Hinc cgo te conjux, quia vincere fata nequivi,
Funere perfunctam sanctis commendo tuendam;
Ut cum flamma vorax veniet comburere terras
Coetibus ipsorum merito sociata resurgas.
Et nunc cara mihi jam Reciverga valeto

Quodque paro feretrum rex Reccesuinthus amato. Diesem Eugenius schreibt man auch ein Epitaphium zu, das er für sich selbst bestimmte : welches die in der gothischen Zeit gewóbnlichen Acrostichen und Teleostichiden hat. (Hispan. illustr. T. IV. p. 346.)

Excipe Christi potens discretam corpore mente M,
Ut possim picei poenam vitare barathr I.
Grandis inest culpa, sed tu pietate redunda S :
Elue probra pater, et vitae crimina toll E.
Non sim pro meritis sanctorum coetibus exu L:
Judice te prosit sanctum videre tribunal L.
Vis, lector, uno, qui sim, dignoscere vers V,
Signa priora lege: mox ultima nosse valebi S.

Als ro das Reich befestigt war, sah der westgothische Kónig ein, daß das ganze mühsam aufgebaute Werk wieder in die alte Zerrůttung zusammenfallen würde, wenn es nicht in die rechten Hände fåme. Sein Ansehen war so groß, daß er, ohne Unruhen zu erregen, seinen Sohn Reccesuinth zum Mits regenten ernennen konnte (649), und da er einsah, daß die Wahlstreitigkeiten bisher am meisten zur Zerrůttung beigetragen hatten, so mag wohl seine Absicht gewesen seyn, das Wahlfos nigthum zu einem Erbreich zu machen. Dbwohl er nod drei Jahre und vier Monate lebte, so überließ er doch, niederges drůdt von der Laft der Jahre, seinem Sohne ganz die Regies rung 9). Er war zwar noch Zeuge von den Kämpfen, die Reccesuinth gegen neue Empörer zu führen hatte, erlebte aber doch die Freude endlich ihn auf dem Throne befestigt zu sehen. Im Jahre 652, nach einer zehnjährigen Regierung, starb der neunzigjährige Greis 93).

Reccesuinths Erhebung erregte bei den ehrgeizigen Großen vieles Mißvergnügen, da sie sich bei dem hohen Alter Chindasuinths auf die baldige Wahl eines neuen Königs Hoffnung gemacht hatten. Sie glaubten sich nun durch die Einrichtung eines Erbreiches von dem Throne ganz ausgeschlossen. Verschiedene Empórungen brachen aus. Die bedeutendste war dic, welche von einein gothischen Großen Namens Froja gemacht wurde. Dieser begab sich über die Pyrenaen zu den Basfen und sams melte sich ein Kriegsheer, mit dem er unter Verwůstungen in Spanien einfiel und bis an den Ebro vordrang. Reccesuinto 30g gegen den Empórer, schlug ihn in einer blutigen Schlacht und jagte die Basken wieder über die Pyrenåen zurück 9).

[ocr errors]

92) Fredegar. 1. c. Chintasindus cum esset plenus dierum filium suum nomine Řichisindum in omne regnum Spaniae regem stabilivit.

93) Juliani Chronic. Chindaswindus solus regnavit annos VI, menses XIII, dies XX. Item cum filio suo Recessuindo rege regnavit annos III, menses VIII, dies XII. obiit pridic Kal. Octobris, Aera DCXCI.

94) Isidor. Pacensis Chronic. Incursationem Vasconum non cum modico exercitus damno prospectat. Roderic. Tolet. dagegen sagt:

Um die Gåhrungen im Lande gånzlich zu unterdrücken, bedurfte es mehr als der Waffen. Die Großen, mißvergnügt mit dem Regenten, der ohne ihre Wahl den Chron bestiegen hatte, fanden Schuß und Hülfe in vielen Städten und lands schaften, die ihrer Vorrechte beraubt und durch schwere Abgas ben gedrůdt wurden. Reccesuinth sah ein, daß, ohne diesen Samen des Aufruhrs zu tilgen, an keine Ruhe zu denken sey. Er versprach daher den Aufrührern eine allgemeine Verzeihung, dem Landvolke Verminderung der Abgaben, den Städten die Zurückstellung der genommenen Vorrechte.

Kaum faß Reccesuinth ein Jahr allein auf dem Throne (653), To berief er die achte Kirchenversammlung nach Loledo, um sowohl die firchlichen als die Staats- Angelegenheiten zu ordnen. Denn von jeßt an finden wir die Concilien zugleich als Candtage und Reichsversammlungen betrachtet, wo die Hers zoge, Grafen und höhere Staatsbeamten erschienen und zugleich die Saßungen mit unterschrieben. Auf dieser Versammlung trug Reccesuinth darauf an, die gegen die Aufrührer früher abges faßten strengen Beschlüsse zu mildern und Schiedsrichter aufzu: stellen, wenn irgend jemand Beschwerden gegen den König zu führen hatte. Dann erließ er ein Edict, daß alle Güter des Königs nach seinem Lode an die Krone anheim fallen, und nur die seinen Erben verbleiben sollten, welche er vor seiner Thronbesteigung als Eigenthum besessen hätte. Der König rolle von den Bisdófen und Großen jedesmal an dem Ort gewählt werden, wo sein Vorgänger gestorben. Gegen die Juden wurden die frühern Edicte wiederholt; die, welche sich hatten taufen lassen, wurden unter strenge Aufsicht gestellt, da die Erfahrung gelehrt hatte, daß die meisten nur Scheinchristen waren 95).

Incursationem Vasconum non cum modico exercitu repulit sine damno. Risko in Florez España sagrada Tom. XXXII. p. 336. entscheidet fidy fúr Roderichs Angabe.

95) Acta Concilii Tolet. VIII. bei Colet. T. VII. p. 409.

« НазадПродовжити »