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möchte, wenn er die Weltstadt betreten, auch ein frühzeitiger Tod bevorstehen, und sie waren daher gar nicht mit Unwillen weggezogen. Idatius aber, ein Zeitgenosse, der freilich in Spanien lebte, aber doch von allem gut unterrichtet seyn konnte, schreibt den Rüdzug Attila's aus Italien nicht dem Erfolg einer Gesandtschaft zu, sondern der Verminderung des Heeres, verans laßt durch Mangel an Lebensmitteln und durch Krankheiten, welche das ungewohnte Klima erzeugte. Auch die Truppen, welche der ostrómische Kaiser Marcian schidte, hätten Attila in mehrern Treffen so sehr geschwächt, daß er endlich Italien håtte verlassen müssen, um nicht gånzlich aufgerieben zu werden 45).

Da uns feia andrer Schriftsteller als Jornandes von dem zweiten Zug Attila's nach Gallien gegen die Westgos then berichtet, so kann man ihn mit Recht bezweifeln. Nach dem gothischen Geschichtschreiber war der Hunnenkönig nicht lange in die alten Wohnsiße an der Donau zurück gefehrt, als der unruhige Krieger fich zum neuen Kampf mit den Westgothen růstete, und mit einem måchtigen Heere zum zweitenmale über den Rhein zog. Diesmal richtete er sich zuerst gegen die Alanen, die am redyten Ufer der Loire wohnten. Chorismund, von der Richtung des feindlichen Marsches in Kenntniß gesekt, eilt früher zu den Alanen, als Attila anlangen founte. Alle Anstalten waren getroffen, ihn zurückzuschlagen: eine zweite Niederlage Attila's, die fast eben so bedeutend war, wie die auf den catalaunischen Feldern, sicherte den Westgothen den Ruhm zu, auch ohne die Rómer den größten Eroberer besiegt zu haben. Dieser fehrte darauf in sein Land zurück, wo er bald nachher starb (453) 46).

Da einen solchen wichtigen Sieg der Westgothen gewiß andere Schriftsteller nicht verschwiegen håtten, so ist des Jors nandes Nachricht sehr verdächtig. Viel wahrscheinlicher ist es,

45) Idat. Chronicon.

46) Jornand. c. 43. Ueber Attila's Tod c. 49. nach Priscus. Chronic. Alexandrin. et Marcellin. in Chronic.

daß Chorismund, als er sich in Loulouse den Thron gesichert hatte, mit den Alanen, die durch hunnische Völfer vielleicht unterstüßt wurden, Krieg führte und sie besiegte 47). Auch mit den Römern entzweite er sich, und bedrohte die Stadt Arles mit einer Belagerung, welche noch durch den klugen Statthalter Zonantius Ferreolus glücklich abgewendet wurde 48). Die Streitigkeiten mochten wohl dadurch veranlaßt worden seyn, daß fich Aetius nad der Entfernung des gothischen Königs vom Schlachtfeld bei Chalons sur Marne allein der hunnischen Beute angemaßt hatte, und so ungerechter Weise den Westgothen den verdienten Preiß ihrer Tapferkeit entzog. Der rómische General, der das Reich ohnedieß von so vielen und mächtigen Feinden umringt sah, wollte die Gothen nicht durch fchåndliche Habsucht zu einem den Römern verderblichen Kriege reizen. Er schickte daher dem gothischen Könige eine goldene Schüssel, mit kostbaren Edelsteinen beseßt. Dieses prachtvolle Geschenk, das 500 Pfund wog, stellte den Frieden wieder her. Die Nachfolger Thorismunds betrachteten es als ihr schåbarstes Kleinod, und besaßen es noch im Jahr 630, als Sisenand von dem Könige Dagobert damit seine Erhebung auf den Thron erkaufte 49).

Es scheint, so viel sich aus den wenigen, kurzen und abges riffenen Nachrichten der Quellen ersehen låßt, daß Chorismund sich durch ein herrisches und despotisches Wesen viele Feinde erregte; oder schon gleich beim Antritte seiner Regierung eine

47) Gregor. Turon. L. II. c. 7. Thorismundus Alanos bello edomuit, ipse deinceps, post multas lites et bella, a fratribus oppressus ac jugulatus interiit.

48) Sidon. Apollinar. L. VII. ep. 12. ibiq. Sirmond.

49) Fredegar. Scholost. Chronic. c. 73. Man ist sehr geneigt zu glauben, daß der sogenannte Salomonstisch, das kostbarste welches die Mauren bei dem Sturz des westgothischen Reiches in Spanien erbeute: ten, eben dieses goldene Gefäß gewesen ist, welches vielleicht später mit Füßen versehen worden war. Die Beschreibung, dieses Kleinods, wodurch Tarik, der Eroberer Spaniens, die Bosheit seines Oberfelds berrn Musa, darthat, sehe man bei Murphy history of the mahometan empire in Spain p. 66 et 67. und Conde historia de la dominacion de los Arabe en España Tom. I. c. 13. p. 45.

starke Parthet gegen sich hatte, die lieber einen seiner Brüder auf dem Throne sah. Daher finden wir auch zwei davon, Theodorich und Friedrich 50), an der Spiße der Verschworenen. Die Empórung wurde mit der größten Verschwiegenheit vorbes reitet und von dem Könige, der grade damals krant darnieder lag, nicht geahnet. Als er zur Aber ließ, überfielen sie ihn. Zwar unterrichtete ihn einer seiner Diener von der Ankunft der Verschworenen, allein es war schon zu spåt, gegen sie Anstalten zu treffen. Denn alle Waffen waren vorher heimlich bei Seite gebracht worden, und da Thorismund nicht ungeråcht fallen wollte, ergriff er mit der Hand, die er frei hatte, einen Sches mel, erschlug einige von den Verschworenen, unterlag aber endlich der Menge (453) 51).

Seit der Gründung des tolosanischen Reiches von Walia an, Theodorichs 31 jährige und Thorismunds 3 jährige Regies rung hindurch, war es zwar außerordentlich befestigt und durch innere Kraft zu den nachfolgenden Eroberungen vorbereitet, allein feinesweges bedeutend vergrößert worden: die Versuche auf Arles und Narbonne mißlangen, und Spanien besaßen

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50) Idạt. Chronie. T. I. p. 191. bei du Chesne Thorismo Rex Gothorum spirans hostilia a Theudorico et Frederico fratribus jugųlatur. Daß Thorismund mit den Rómern habe den Krieg erneuern wollen, und deswegen von seinen Brüdern umgebracht worden sey, wie Maskou in der liten Anmerkung Nro. 6. meint, ist nach Prosperi Chronic.: cum rex (Thorismodus) ea moliretur, quae et Romanae paci et Gothicae adversaretur quieti, a germanis snis, quia noxiis dispositionibus irrevocabiliter instaret, occisus est. Eher fónnte man annehmen daß Thorismund durch Stolz und Despotie sich verbaßt machte, wie Isidor. Hisp. in Chronic. Gothor, andeutet: qui postquam de Hunnis triumphavit, dum multa ageret insolentius, a fratribus interfectus est.

51) Jornandes c. 43. Thorismund vero repulsis ab Alanis Hun norum catervis, sine aliqua suorum laesione Tholosam migravit, suorumque quieta pace composita (also ganz gegen Idatius), tertio Anno regni sui aegrotans, dum sanguinem tollit de vena, ab Ascalervo cliente inimicos nuntiante, armis subtractis, peremptus est etc. Nach dieser Stelle, wie nad Prospero Chronit, fáūt sein Tod ins Jahr 453, welches 'mie Sirmond. (not. in Sidon. Apollinar. L. I. c. 2.) und die histoire de Languedoc (T. I. Not. LII. Nr. 3.) behaupten, das richs tige ist. Isidor. Hispalensis (in Chronic. Goth.) gibt ihm nur ein Regies rungsjahr und Idatius sept reinen Tod in's sweite Sabr der Ibronbes teigung des Raisers Marcian.

Römer unb Sucven. Durch den Sieg über Attila aber hatten die Westgothen, deren Zapferkeit er mit Recht hauptsächlich zugeschrieben ward, ein solches Uebergewicht über die andern Pdifer erlangt, daß nur ein geschidter Führer die Umstånde zu benußen brauchte, um nach allen Seiten hin das kleine Reich zu einer mächtigen Herrschaft auszudehnen.

3 we ite 8 Sa pitel. Blåthe des tolosanischen Reiches unter Theodos

rich II. und Euridh

(V. 453–484).

Durch Brudermord bahnte rich Theodorich, von dem Polke mehr als der stolze Chorismund geliebt, den Weg auf den Thron. Sein triegerischer Sinn ließ ihn nicht ruhen. Die Grenzen seines Landes waren ihm zu eng: sie zu erweitern, fühlte er sich angetrieben. So lange aber der Kaiser Valentinian lebte, verhielt er sich ruhig und stand mit den Römern in folch gutem Vernehmen, daß er ihnen unter der Anführung feines tapfern Brubers Friedrich Hülfetruppen schickte, wodurch die Bagauben oder Bauern, die sich in der Provincia Tarragonnensis in Spanien empórt hatten, wieder zum Gehorsam gebracht wurden (454) 52).

Die Erinorbung des Aetius durch Valentinian war für das rómische Reich von den traurigsten Folgen. Der Kaiser fiel bald darauf durch die gedungenen Dolche zweier Gepiden, und der Mörder Petronius Marimus bestieg den Kaiserthron. Sobald dieser Regierungswechsel unter den germanischen Vol. kern bekannt wurde, so glaubten sie sich gegen den neuen Kaiser durch die alten Vertråge nicht mehr an den Frieden gebunden,

62) Idat. Chronic. bei du Chesne T. I. p. 191. Per Fridericum, Theodorici regis fratrem, Bacaudae Tarraconnenses caeduntur, ex ayctoritate Romana.

und fielen daher auf allen Seiten die schwach vertheidigten Grenzen des sinkenden Reiches an. Um es noch vor dem dros henden Sturz zu sichern, erachtete Marimus die Westgothen als die sicherste Stüße. Er schickte den frühern Pråfecten von Gallien, Avitus, der von Theodorich I. ein vertrauter Freund gewesen, und selbst den regierenden König Theodorich II. in der römischen Bildung 53) unterrichtet hatte, nach Loulouse, um die Gothen in sein Interesse zu ziehen. Als Avitus die Franken, Chatten, Alemannen glücklich zum Frieden gebracht, begab er sich ins tolosanische Reich. Theodorich, davon benacha richtigt, kam ihm mit seinem Bruder Friedrich entgegen, und in ihrer Mitte hielt er in Toulouse einen glänzenden Einzug 5). Der Gothenfónig war sehr geneigt, mit Marimus in friebliche Verhältnisse zu treten, als die Nachricht anlangte: Eudoria, Valentinians Wittwe, die von Petronius wider ihren Willen geheirathet worden, håtte, um sich von ihrem Tyrannen zu befreien, Genserich aus Afrika nach Rom gerufen: und bei dessen Annåherung wäre der Kaiser in Folge eines Volfaufstandes ermordet, Rom aber von den Vandalen schredlich geplündert worden (455).

Sobald Theodorich diese Vorfälle erfuhr, faßte er den Entschluß seinen Freund Avitus auf den Kaiserthron zu seßen, durch welche Erhebung er das Ansehen des westgothischen Bola fes nicht wenig zu vergrößern hoffte. 06 Avitus, nach dem kaiserlichen Purpur Krebend, den Gothenfónig um Hülfe ange.

63) Sidon. Apollinar. carm. VII. v. 495.

Mihi Romula dudum
Per te jura placent: parvumque ediscere jussit
Ad tua verba pater, docili quo prisca Maronis

Carmine molliret Scythicos mihi pagina mores.

64) Sidonius Apollinar. in panegyr. Avit. (Carm. VII.) von v. 369—484. v. 432. beißt es vom Einzug in Toulouse:

Rex atque magister (sc. militum, i. e. Avitus)
Propter constiterant. Hic vultu erectus, at ille
Laetitia erubuit, veniamque rubore poposcit.
Post hinc germano regis, hinc rege retento,
Palladiam implicitis manibus subiere Tolosam.

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