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einander reißt; mit andern Worten: der Pantheismus und der dualistische Deismus ergeben sich als gleich unzulängliche Anrichten. Als ich vor zwölf Jahren in der ,,Philosophischen Weltansdauung der Reformationszeit“ dies als die Aufgabe der Gegenwart und den innersten Gedanken meines Denfens aus: sprach: daß es gälte den Wahrheitsfern beider Ansichten festzuhalten und sie, ihre Mängel überwindend, in einer höhern Idee fid) ergänzen zu lassen, sofah man darin vielfach bald wieder Deismus oder Pantheismus, oder man stellte es als eine neue Meinung hin, die man dahingestellt sein lafíe. Indeß ist die Idee allmählich doch durchgedrungen und auch wol für die Erfindung anderer ausgegeben worden, die meine Schriften ganz wohl kannten. Mag es sein, wenn nur den Gebildeten der Nation endlich zum Bewußtsein kommt, daß es etwas Anderes und Höhe: res gibt als die Gegensäße des Materialismus und Dogmatismus.. Gar dilettantisch ist es freilich, wenn unreife Leute beurtheilen was sie nicht verstehen, und die Meinung verbreiten als seien Deismus und Pantheismus zwei Sachen, die, an fich durch eine Kluft getrennt, ießt durch eine Brüde verbunden werden follten. Es gibt ja nur die eine Sache, das wirkliche Sein; dies soll begriffen werden. Die ursprüngliche gefühlsinnige Anschauung der Menschheit erfaßt es als lebendige organische Einheit und selbstbewußte Wesenheit, die alles in sich hegt und trägt, aus sich hervorbringt und liebend umschließt; der unterscheidende Verstand hält später einzelne Seiten des Wesens in fich fest, bald daß es der einwohnende Grund aller Dinge, bald daß es Fürsichsein und Geist sei; wer über dem einen dieser Worte das andere vergißt, der stellt eine Ansicht auf, die nur eine der hauptsächlichen Bestimmungen erfaßt und durch das Verfennen der andern einseitig wird, statt in beiden zusammen die ganze Wahrheit zu ergreifen. Die gereifte Vernunft weiß dem Gefühl wie dem Verstande gerecht zu werden und in der dialektischen Ueberwindung der Gegenjäße das Sein nach seinem vollen Begriff zu verstehen und darzustellen. Von hier aus wird dann die Begründung der ästhetischen Thatsachen möglich. Wer da von Ueber

griffen in das theologische und ethische Gebiet redet, der vergißt daß die Philosophie gerade den Weltzusammenhang und das allgemeine Princip aller Lebensentfaltung zu betrachten hat. Wir müssen einen solchen an das tiefsinnige Wort Lessing's erinnern: ,,Eine jede Wissenschaft in ihren engen Bezirf eingeschränkt fann weder die Seele bessern noch den Menschen vollfommener machen. Nur die Fertigkeit sich bei einem jeden Vorfall sdynell bis zu allgemeinen Grundwahrheiten zu erheben, nur diese bildet den großen Geist, den wahren Helden in der Tugend und den Erfinder in Wissensdaft und Künsten.“

Hätte ich den Fadigenossen nicht eine ganze Reihe neuer Begriffsbestimmungen und Begründungen zu bieten gehabt, so wäre das Budy ungeschrieben geblieben ; ich habe es aber so zu dyreiben gesucht, daß es den Gebildeten der Nation verständlid) sei. Es ist nicht wahr daß Tiefe des Gehalts und Dunkelheit oder Schwerfälligkeit der Darstellung einander bedingen. Nur wo wir den Mittelpunkt einer Sadie noch nicht recht erfaßt haben, und aus verschiedenen Merkmalen ihren Begriff zusammenseßen, werden wir leicht verworren und unverständlicy; haben wir den Kern und das rechte Wort für ihn gefunden, dann ist er immer einfach und seine Entfaltung klar. Bei solchen Ideen wie die des Erhabenen, Komischen, Plastisden, Musikalischen sind, habe ich bei wiederholtem Vortrage es erlebt, daß meine Entwickelung nur schwer war wo ich noch mit dem Gedanken zu ringen hatte, daß fie deutlich und leicht wurde wo er in seiner Bestimmtheit und in seinem organisden Zusammenhange mir aufging. Id bin nidyt eher zur Veröffentlichung geschritten als bis dies im Ganzen der Fall war.

Gelegentlidye Bemerkungen über das Sdyöne wie über die Kunst, und zwar vortreffliche und maßgebende, finden wir in der ganzen Literatur der Menschheit seit Moses und Homer; aber zum Mittelpunkt der Forschung und Betrachtung ist es erst in neuerer Zeit gemacht worden, erst der Leibnizianer Baumgarten schrieb eine ,, Aesthetit", erst Rant ftellte neben die Kritik der reinen und praktischen Vernunft auch die der Urtheilskraft, erst Schelling,

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Solger, Hegel beschäftigten fidy auf der Grundlage unserer poetischen Literatur und der Forschungen Lessing ́s und Wincelmann's mit dem Schönen um seiner selbst willen. Ich habe darum sogleich mit der Entwickelung der Aesthetik selbst begonnen ftatt eine Gesdichte derselben vorauszusenden. Was id, aber bei Philosophen, Kunsthistorikern und Dichtern gefunden habe, das ich als Baustein der Wissenschaft vom Schönen ansehen konnte, das habe ich gern mit Angabe seiner Quelle an geeignetem Orte dem System der Entwickelung eingefügt. Numentlid waren die Briefwechsel Goethe's und Schiller's in dieser Beziehung eine reiche Fundgrube. Aber man findet erst was man sucht, das heißt was man schon selber gedacht hat, man lernt von andern nur was man schon weiß, wofür man schon innerlich bereitet ist. Meine vorher festgestellte Einsidit mußte das Kriterium sein an weldem ich die Brauchbarkeit der Säße anderer für mein Werk bemaß. Wir Philosophen aber müssen endlich lernen fortzubauen auf den Resultaten der Vorgänger, und nicht in das Einreißen und das Ersinnen neuer Systeme um der Neuheit willen unser Ziel zu seßen, wir müssen es machen wie die Naturforscher, die das Bild des Kosmos durch die vereinte Kraft vieler entwerfen. So schließt meine Aesthetik fich demjenigen an was auf logischem und theologischem, ethischem oder psychologischem Gebiete von Fichte und Weiße, Ulrici und Wirth, Ritter und Loße, Franz Hofmann und Chalybäus, Richard Rothe und Bunsen geleistet worden. All diese Männer werden im Grundprincip mit mir oder den Aesthetifern Zeising und Eckardt übereinstimmen daß wir Transscendenz und Immanenz verbinden müssen, wenn wir irgend die Fragen der Wirklichkeit lösen, den Thatsachen gerecht werben und sie als Thaten des Geistes, als Selbstbestimmungen des Unendlichen begreifen wollen. Lebt und waltet denn nicht audy unser Denken, unsere Seele in und über dem Leibe, unser Selbstbewußtsein und Wollen nicht in und über unsern Vorstellungen und Trieben ?

Wir wollen keine Sdyule bilden, sondern zu freiem Forsden und Denken anregen. Die Zeit der Schulphilosophie ist vorüber,

aber damit nidit die Philosophie selbst, vielmehr beginnt fie Lebenswissenschaft zu werden. Ihre Bedeutung wächst je vou ständiger die Menschheit in das Weltalter des Geistes eintritt, und nicht mehr unter äußerer Autorität oder instinctiv, sondern mit klarem Selbstbewußtsein ihr Tagewerk volbringt. „Ihr werdet die Wahrheit erfennen und die Wahrheit wird eud frei maden." Das war die große Weifsagung vom Reiche des Geistes, sie wird fid) erfüllen. Der Geist weiß was er will und will was er weiß, er macht sein Wesen, seine Naturanlage durch selbständige Ausbildung zu seiner That. Dazu bedarf er der Philosophie, die uns das Ziel der Entwicelung nidyt blos in einzelnen Werken zur Anschauung bringt, wie die Kunst, sondern die Ideale des fittlichen Lebens audy in Gedanken erfaßt und als den Zweck desselben ausspricht. Die Reaction, die nur aufhalten oder auf frühere Standpunkte zurückkehren will, braucht freilid) feine Philosophie und verschmäht oder haßt dieselbe; ebenso die Revolution, die nur zerstören und umstürzen will, als ob das Weitere sich dann von selber fände. Soll nicht die Kraft der Menschheit in einem Hin- und Herschwanken zwischen Despotismus und Anarchie sich verzehren, so muß an der Stelle beider die fünstlerische Reform walten, die das Wesenhafte erhält, aber fortbildet, und das Neue und Zukünftige mit flarem Blick und ruhiger Hand aus dem Bestehenden organisch entwickelt, Freiheit und Ordnung verbindet. Das ist auch, wie dies Buch darthut, die Lehre der Aesthetif.

Mün den.

M. Carriere.

Inhaltsübersicht des ersten Theils.

Seite

Die Idee des Schönen.

Unser Gefühl vom Schönen ein sinnlich geistiges Wohlgefallen, erregt

durch das Zusammenwirken von Objecten mit unserer Subjectivität, die Harmonie von Innen- und Außenwelt, erzeugt durch Gegenfände in welchen Gedanke und Erscheinung, Geist und Natur, Ideales und Reales völlig in eins gebildet find. Gegen die Einseitigkeit des Materialismus und Spiritualismus .

1-14 Das Schöne in Rückficht auf die Idee; Begriff der Idee.

14-21 Das Schöne in Mücksicht auf die Erscheinung. Das Individuelle und Monadische.

21-27 Freiheit und Ordnung; die Nothwendigkeit der Freiheit Werf. 27-41 Das Normale und Charafteristische.

42--48 Ausdrud

49 Durchdringung von Idee und Erscheinung: Einheit in der Mannichfaltigkeit, im Unterschied, Symmetrie

54 Proportionalität.

55-58 Zweckmäßigkeit

59–63 Organismus.

64-68 Form als selbstgefeptes Mag innerer Bildungefraft, Darstellung des Wesens

69-71 Anmuth und Würde.

72-79 Der volle Begriff des Schönen

80—98 Das Angenehme

99 Der Geschmack

100-103 Der schöne Gegenstand ftellt ideate Wesenheit in pinnengefälliger

Form dar; er kann dabei aber auch vorzugsweise durch feine
Größe oder feinen Stoff wirken. Das Erhabene als dasjenige
Schöne deflen Grö uns überwältigt und die Idee des Unendli-
chen als ihr Träger in uns erweckt

104-128

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