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V.
Double, double toil and trouble;
Fire burn and couldron bubble.

Da die FurneB'sche Ausgabe des Shakespeare vielleicht nur einer geringen Zahl unserer Leser zugängig ist, scheint es angemessen, hier eine ganz besonders für das deutsche Publicum interessante Zusammenstellung von Uebersetzungen obiger Zeilen wiederzugeben, wie Furneß sie in seiner Macbeth-Ausgabe pag. 455 aufführt. Eschenburg (1776); Schiller (1801); Ortlepp (1838):

Rüstig, rüstig! nimmer müde!

Feuer, brenne; Kessel, siede!
Wagner (1779):

Holteri, polteri, ruck! ruck! ruck!

Feuerchen brenn! Kesselchen schluck!
Schink (1780):

Puh! puh! Würrel Kessel, puh!

Würres' würrel' Kessel, halt nicht Rast noch Ruh!
Bürger (1784); Voß (1810); Keller und Rapp (1845); Max Moltke:

Lodre, brodle, daß sich's modle!

Lodre Lohe! Kessel, brodle! E. Schlegel, Bürger und A. W. Schlegel in einer unvollendeten Uebersetzung); auch Schlegel und Tieck (1855):

Mischt, ihr alle! mischt am Schwalle!

Feuer, brenn', und, Kessel, walle!
Voß in seinen Noten, pag. 214, Ausg. 1829):

Dopple Müh' sei, dopple, dopple!
Lodre, Glut; und Kessel, bopple!

oder
Doppelt Müh' und Kraft gekoppelt!

Gluten flammt, ihr Brodel boppelt!
Benda (1825):

Spiker (1826):
Doppelt! doppelt Werk und Müh', Doppelt, doppelt Fleiß und Mühe,
Brenne Feu'r und Kessel sprüh! Feuer brenn' und Kessel sprühe!
Lachmann (1829):

Kaufmann (1830); Glühe Brühe, lohn der Mühe,

Brudle, brudle, daß es sprudle!
Kessel wall', und Feuer sprühe.

Feuer brenne, Kessel brudle!
Tieck (1833):

Hilsenberg (1836):
Feuer sprühe, Kessel glühe!

Glühe, sprühe, Hexenbrühe, Spart am Werk nicht Fleiß noch Mühe! Feuer brenn' und Kessel glühe! Körner (1836):

Heinichen (1841):
Dopplet, dopplet Plag' und Müh, Brodle, schwitze Gift und Galle,
Aufwall, Kessel; Feuer, glüh!

Feuer brenne, Kessel walle!
Simrock (1842):

Jacob (1848):
Brudle, brudle, daß es strudle,

Doppelt, doppelt Fleiß und Mühe!
Feuer brenne, Kessel sprudle.

Sprühe Feuer, Kessel glühe!
Jencken (1855):

Bodenstedt (1867):
Glühe, Kessel, poltre, polter,

Nun verdoppelt Fleiß und Mühe!
Brühe Noth und Todes-Folter.

Kessel, schäume; Feuer sprühe!
Jordan (1867):

Leo (1871):
Mehret, mehret, Qual und Mühe, Feuer toller, Kessel voller,
Flackre Flamme, brodle Brühe.

Rüstig, rüstig! Brodeln soll er.

VI.

Ausgrabungen in der Kirche und auf dem Kirchhof

von Stratford-on-Avon.
(The Birmingham Daily Gazette 17. XII. 80.)

GOOD FREND FOR JESVS SAKE FORBEARE,
TO DIGG THE DUST ENCLOASED HEARE:
BLESTE BE YE MAN YT SPARES THES STONES,

AND CVRST BE HE YT MOVES MY BONES. Auf dem flachen Steine, welcher das Grab William Shakespeare's in dem Chor der Holy Trinity-Kirche in Stratford-on-Avon deckt, sind diese Verse eingegraben und stets mit Ehrfurcht betrachtet worden. Sie haben von jedem Versuch, die Heiligkeit des Ortes zu stören, der Alles, was von William Shakespeare sterblich war, birgt, erfolgreich abgeschreckt. Es heißt, der Dichter habe sie selbst verfaßt, für diese Behauptung existirt keine andere Gewähr als das Zeugniß der Ueberlieferung: Einst wurde der Vorschlag lebhaft erwogen, die Gebeine von ihrem Ruheplatz fort nach der Westminster-Abtei zu führen; aber die Bitte, sein Grab unangetastet zu lassen, und der Fluch, welchen der letzte Vers enthält, verhinderten die Ausführung des Planes.

Washington Irving erzählt in seinem Sketchbook, daß, als man im Anfang dieses Jahrhunderts ein Gewölbe neben Shakespeare's Ruhestätte grub, der Grund einsank und einen leeren bogenförmigen Raum, durch welchen man in des Dichters Grab gelangen konnte, freiließ. Alle waren jedoch von dem Verdammungsfluch so eingeschüchtert, daß Keiner es wagte und der Todtengräber zwei Tage und Nächte den Ort bewachte, bis die Oeffnung wieder geschlossen. Der alte Mann gestand freilich hineingesehen zu haben, aber er sah nur Staub. ‘Den Staub Shakespeare's gesehen zu haben', bemerkt Washington Irving dazu, 'ist immerhin schon etwas.' Die eifersüchtige Sorgfalt, mit der Shakespeare's Grab jeder Zeit gehütet wurde und welche nur der darauf befindlichen Inschrift zu danken ist, erstreckte sich auch auf dessen Umgebung. Seit Shakespeare's Tod, über die Zeit vorher wissen wir nichts, ist der Kirchhof auf dem des Dorfes rauhe Ahnen schlafen' von allen Einwohnern streng behütet und sorgfältig vor Entweihung und Zerstörung bewahrt worden. Der Kirchhof und der Chor der Kirche auch sind Freilehen der Stadtcorporation, 'Laienbesitz', nicht dem Pfarrherrn zugehörig; Eintragungen wie die folgenden finden sich häufig in den Corporationsbüchern: Der Kirchhof ist für 10 sh. per annum an Herrn Byfield verpachtet. 11. Mai 13. Elisabeth'. '1697: Einige Gemeindegenossen bestreiten der Corporation das Anrecht an einen, auf dem Kirchhof gefallenen Baum'. Der Kirchhof ist zu verpachten. Weder dürfen Häute in dem Wasser in der Nähe des Kirchhofes gewaschen, noch darf derselbe als Durchgang, um Häute im Avon zu waschen, benutzt werden. 11. Dez. 1696.' 'Der Pfarrer Mr. Rodgers anerkennt das Vorrecht (am Kirchhof) der Corporation, der getroffenen Vereinbarung gemäß.' Man ersieht hieraus, daß dem Pfarrer und den Einwohnern der Stadt, wenn nicht gesonderte Gerechtsame, so doch wenigstens ein gemeinsames Besitzrecht an der Kirche und ihrer Umgebung zustand, welches sicher zum Vortheil Beider so lange Jahre gedauert hat.

Jedoch vor einer Woche, am vergangenen Sonnabend, durcheilte die kleine ruhige Stadt plötzlich die Kunde von ungewöhnlichen Vorgängen auf dem Kirchhof. Ein großer Theil der Einwohner verfügte sich dorthin und angekommen waren Einige entrüstet, Alle aber erstaunt über das, was sie sahen. Man entdeckte, daß auf dem Kirchhof eine große Aushöhlung gemacht worden war; außerhalb der nördlichen Chormauer war ein vier Fuß breites und vierzehn Fuß tiefes Loch gegraben, unmittelbar neben Shakespeare's Gruft. Zwischen der äußeren Aushöhlung und dem Grabgewölbe innerhalb der Kirche war nur noch eine einfache Ziegelwand stehen geblieben. Viele Knochen und Schädel waren ausgegraben und in angrenzenden Theilen des Kirchhofes eingesenkt worden. Die ganze Sache scheint sehr geheim betrieben zu sein, denn am verflossenen Mittwoch hatte man mit den Ausgrabungen begonnen, also drei Tage hatte das Heraufschaffen und Beisetzen der Gebeine gedauert, ohne daß die Einwohner das !

Geringste gemerkt hätten. Daß man es nicht früher erfahren, kommt zweifellos
von dem geringen Besuch des Kirchhofes während des Winters. Zwei Ursachen
begründeten die Unzufriedenheit der Leute aus der Stadt, erstens daß das Graben
ohne Zustimmung des Stadtraths und der Einwohner vor sich gegangen; dann
die unmittelbare Nähe der Arbeiten an dem Gruftgewölbe Shakespeare's, welches
leicht auch hätte zerstört werden können. Der Pfarrer hatte seit langem eine
vollständige Restauration der Kirche geplant, die von den Einwohnern nicht be-
günstigt wurde, daher diese Vorgänge. Von den beiden Transepten dient der
südliche augenblicklich zur Sacristei, der nördliche als Rumpelkammer und Todten-
gräberstube. Der Pfarrer beabsichtigte diese auch für den Gottesdienst zu öffnen
und die Gallerie herunterzunehmen, dadurch wird der Bau einer neuen Sacristei
nothwendig. Diese sollte nun außerhalb der nördlichen Wand des Chors errichtet
werden; dort stand in früheren Zeiten ein großes Gebäude, lange unter dem
Namen Beinhaus' bekannt. Der berühmte Kirchenbaumeister Mr. Butterfield war
von London eingetroffen, um über den Zustand der Kirche im Allgemeinen zu be-
richten; die Ausgrabungen waren gemacht worden, um die Mauerreste des Bein-
hauses bloßzulegen. Wenige Zoll unter der Oberfläche stießen die Arbeiter auf
einen rohgezimmerten Bogen, der sich nach allen Seiten zu erstrecken schien,
die oben beschriebene Oeffnung wurde gemacht und eine beträchtliche Menge
menschlicher Knochen zu Tage gefördert. Später ergab sich, daß sie in einer
Höhe von acht Fuß den ganzen untern Theil des Gewölbes, welches dreißig Fuß
lang und funfzehn breit war, anfüllten. Es müssen Tonnenlasten gewesen sein.
Hauptsächlich fanden sich Schädel und große Knochen, man sah, sie waren nicht
willkürlich zusammen geworfen, sondern regelmäßig und eng aufeinandergepackt
worden. Das Beinhaus war sicher viele Jahrhunderte gebraucht, denn seit der
Reformation wurden dort keine Beerdigungen vorgenommen und 1680 wurde es
endgültig geschlossen. Aller Wahrscheinlichkeit nach kannte Shakespeare diesen
Ort gut, und möglich ist es, daß er ihm die Worte: 'Der Schrecken dieses Ortes',
von dem er die entsetzte Julia sprechen läßt, eingegeben und welcher ihn auch
zu der Bitte, dem Segen und dem Fluch in seiner Grabschrift veranlaßten.
Es heißt, daß die Worte Julia's:

As in a vault, an ancient receptacle,
Where, for these many hundred years, the bones

Of all my buried ancestors are pack'd
denen, die die Höhle gesehen, besonders treffend erschienen seien. Wheler, der
Geschichtsforscher von Stratford, sagt bei Gelegenheit der Beschreibung des
Beinhauses: 'Es war ein einfaches Gebäude, dreißig Fuß lang und funfzehn breit
und mit dem Chor in gleicher Höhe. Man hielt es für den ältesten Theil der
Kirche, er stammte aus der Zeit Eduard's des Bekenners. Die Säulen ragten
etwas über die Erdoberfläche hinaus, jede war in drei sich durchschneidende
Rippen getheilt und das Ganze mit unbehauenen Steinen verschlossen. Darüber
war ein Gelaß, wahrscheinlich der Schlafraum der vier Chorsänger; den Aufgang
hierzu bildeten steinerne Stufen. Auf Ansuchen des Kirchenvorstandes war vom
Bischof von Worcester die Erlaubnis ertheilt, das Gebäude wegen Baufälligkeit
niederzureißen; infolge davon wurden die Knochen sorgfältig zugedeckt und das
Beinhaus selbst, oder vielmehr der Theil über dem Erdboden im Jahre 1800 ab-
getragen. In dem Kirchenbuch wird dieser unter dem Datum 17. März 1620 des
Pfarrers Studirzimmer genannt, welches auf Befehl des Kirchenältesten reparirt
werden soll.

ga (Nachdem die Aushöhlung gemacht war, wurde ein massiver steinerner Bogengang frei, mit einer fast sechs Fuß breiten Oeffnung, das Dach reichte beinahe bis an die Chormauer. Dasselbe hatte keine Seitenträger, daraus schloß man, es sei erst, nachdem man das Beinhaus entfernt, errichtet worden, nur um den Grund zu stützen, wenn die darunter liegenden Knochen vermodert und verwest seien. Man sieht noch in der nördlichen Chorwand innerhalb der Kirche, dicht unter Shakespeare's Grab, einen alten verzierten Eingang, welcher früher zweifellos in des Pfarrers Studirzimmer, oder was der Ort sonst war, geführt hat; sollten die beabsichtigten Restaurationsbauten ausgeführt werden, so wird dieses der Eingang zur neuen Sacristei. Daß die gefundenen Knochen sich seit Jahrhunderten aufgesammelt haben, ist gewiß; es heißt, es seien an Gewicht mehrere Tonnen! Auffallend ist noch der gut erhaltene Zustand, in dem sie sich befanden. Unter den am Sonnabend aufgefundenen Schädeln war einer viel sauberer als die anderen, von guter Größe und schöner Bildung. Ueber das Stirnbein waren, wahrscheinlich mit Dinte, die Worte

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'HODIE MIHI

CRAS TIBI, mit lesbaren, kühnen, römischen, ungefähr ein Viertel Zoll hohen Buchstaben eingeschrieben. Wörtlich übersetzt: Heute mir, morgen dir', eine Warnung des Todten an die Lebenden. Die bessere Erhaltung dieses Schädels im Vergleich zu den andern läßt schließen, daß er in früheren Zeiten als Memento Mori auf einem Grabe gestanden und daß er, als mit der Reformation diese Dinge entfernt wurden, in das Beinhaus geworfen sei. Jetzt ist die Schrift schon schwächer als kurz nach der Auffindung, weil mit der Hand darüber gerieben, um den überflüssigen Schmutz zu entfernen. Trotzdem ist sie deutlich lesbar, die umgebenden Theile und die Zwischenräume der einzelnen Buchstaben müßten sorgfältig mit einem Haarpinsel gereinigt werden, dann würde die Schrift in noch schärferer, kühnerer Art hervortreten. Der Schädel ist jetzt in der Kirche eine merkwürdige Reliquie aus vergangener Zeit! Die Oeffnung ist am Sonnabend mit Brettern zugelegt und später mit einer fußdicken Erdlage bedeckt worden, in diesem Zustand ist der Platz jetzt noch. Am Sonnabend und Sonntag kamen viele Leute auf den Kirchhof, mit wenigen Ausnahmen sahen sie nichts weiter als die feste Decke über der Grube.

Der Ort, wo die Ausgrabung vorgenommen, ist noch mit Brettern und wenig Erde darüber verdeckt; er sieht nicht anders aus als die übrigen Theile des Kirchhofs, in welche man die aufgefundenen Knochen verscharrt hat. Auswärtige Besucher, die nach Stratford eilen, um zu sehen was geschehen, kehren enttäuscht zurück.

VII. Eine Shakespeare-Biographie von Halliwell.')

Wenn Kraft, Gesundheit und Neigung es gestatten, so ist es möglich, daß ich einst unter dem Titel: 'Contributions towards a Life of Shakespeare' eine Reihe von Foliobänden veröffentliche, in welchen ich versuchen möchte, der Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit jedes überlieferten Ereignisses, betreffe es die Person oder die Werke des großen Dramatikers, auf den Grund zu gehen; außerdem würde ich eine große Menge sich gegenseitig ergänzender Thatsachen, die Frucht langjährigen Forschens, anfügen und das Ganze ausgiebig mit Holzschnitten und Facsimiles illustriren. Unter den letzteren würden sich Facsimiles aller bekannten Documente, die den Namen des Dichters enthalten, befinden. Daß die Zusammenstellung einer wirklich erschöpfenden Biographie Shakespeare's ein Ding der Unmöglichkeit ist, bedarf keines Nachweises. Ein Lebensbild ohne Correspondenz, ohne Berichte über mündliche Auslassungen und ohne volle Darlegung des Charakters von Seiten der Zeitgenossen muß nothwendig Stückwerk bleiben.

Freilich ist über den Lebenslauf des Dichters viel mehr bekannt als die Meisten ahnen, theils sind es neue Thatsachen, theils viele Schlußfolgerungen, die noch der Veröffentlichung harren. Ueberdies hat sich neuerdings auf ganz unerwartete Weise eine höchst interessante Quelle unbekannter Informationen erschlossen; dieser Umstand hat mehr als alles Andere dazu beigetragen, meine Abneigung den Widerwärtigkeiten, welche mit der Herausgabe zusammenhängen, die Stirn zu bieten, zu überwinden. Nachforschungen werden nur, wenigstens was mich betrifft, mit Energie durchgeführt, wenn die Resultate schließlich einem nützlichen Zwecke dienstbar gemacht werden. Nach meinem Plan würde die Aufgabe, die ich mir gestellt, eine eingehende detaillirte Schilderung von Stratford-on-Avon zu des Dichters Zeit, und, wie ich 1874 bei Gelegenheit eines ähnlichen Projects auseinandersetzte, allgemeine Notizen über Shakespeare's Umgebung, d. h. unter Anderm seine Familie, die Menschen, mit denen er verkehrte,

) Wir halten es für Pflicht, unsere Leser mit obiger Veröffentlichung J. O. Halliwell-Phillips' bekannt zu machen,

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die Bücher, welche er brauchte, die Bühne, auf welcher er spielte, die Güter, die er kaufte, die von ihm bewohnten Häuser und Orte, und das Land, durch das er reiste, in sich schließen müssen. Die Berücksichtigung dieser und ähnlicher Gegenstände muß biographisch von Werth sein. Die Persönlichkeit Shakespeare's wird greifbarer, wenn wir annähernd den damaligen Zustand Englands, die Zeitgenossen des Dichters, den Charakter der von ihm bewohnten Städte, wie es ihm gelungen, ein Vermögen zu erwerben, die Hantirungen und sociale Stellung seiner Verwandten und Freunde, die Einrichtung der alten Bühne und die Gewohnheiten des damaligen häuslichen Lebens in Erwägung ziehen.

Die zahlreichen den großen Dramatiker betreffenden Ueberlieferungen sind niemals eingehend gesichtet worden. Staunenswerth ist es, wie lange sich, ehe es Zeitungen gab, die mündlichen Berichte in den Provinzen erhalten haben; alle, die man bis zum vorigen Jahrhundert verfolgen kann, verdienen eingehendste Prüfung: Viele beruhen auf reiner Erfindung, andere sind äußerst unwahrscheinlich, jedoch einige können zum Theil bezeugt werden. Was diesen Theil der Lebensbeschreibung betrifft, so habe ich den Vorzug genossen, eng mit dem verstorbenen R. B. Wheler und W. 0. Hunt, den letzten lebenden Gliedern aus der Traditionszeit, befreundet gewesen zu sein und haben wir diesen Gegenstand häufig mit einander durchgesprochen. Mit der echten mündlichen Tradition ist es heutzutage vorbei; leider sind aber selbst in den letzten Jahren eine Menge ähnlicher Geschichten ohne Scheu erfunden worden; wäre ihre Verbreitung nicht so unheilvoll, so könnte die Zuversicht, mit der sie verbreitet werden, belustigen.

Charles Dickens schreibt in einem seiner flüchtigen Briefe: “Shakespeare's Leben ist ein schönes Mysterium und es ist meine tägliche Angst, man könnte etwas entdecken. Ich sage: Wenn ich fürchten müßte, es sei auch nur entfernt die Möglichkeit vorhanden, Entdeckungen zu machen, die uns Shakespeare als schlechten Menschen enthüllen könnten, so würde ich meine emsigen Forschungen einstellen. Aber der günstigen Zeugnisse über den Menschen sind zu viele, um dies befürchten zu müssen. Daß er in seiner Jugend wild gewesen, manchmal etwas mehr Wein getrunken habe, als gerade nothwendig und sich gelegentlich mehr mit den jungen Damen in Barkside abgegeben, als Mrs. Shakespeare in Stratford-on-Avon genehmigt hätte, werden Alle die einräumen, denen es nicht unerläßlich scheint, daß der größte Dichter auch zugleich der größte Heilige gewesen ist. Daß er aber absichtlich den guten Namen eines Andern geschädigt, oder das Vertrauen eines Freundes oder Wirthes verrathen habe, stimmt zu wenig mit den Urtheilen aus seiner Zeit über ihn, als daß man es für wahrscheinlich halten könnte. Mit Ausnahme einer Anekdote, die zweifellos erfunden ist, ist die Davenantgeschichte die einzige, welche Shakespeare, wenn sie bewiesen, der Anklage einer verbrecherischen Handlung aussetzen könnte; Klatschgeschichten ausrotten ist aber so schwer, daß die Geschichte Generationen hindurch, auch noch jüngst, als wahr angenommen worden ist. Aus dem Grunde gereicht es mir zu besonderer Befriedigung, jetzt nach dreihundert Jahren im Stande zu sein, einen Fund, Beweise von Zeitgenossen, zu veröffentlichen, der endgültig feststellt, daß die Schmähschrift kein wahres Wort enthält.

Der erste Band der projectirten Serie kann nicht vor dem Frühjahr des künftigen Jahres beendigt werden.

Namen von Subscribenten bitte ich mir nicht einzusenden, denn das Werk soll nicht auf Subscription herausgegeben werden. Wenn es je erscheint, so wird es nur von einem Londoner Agenten erhältlich sein, die Zahl der Abzüge wird auf's äußerste beschränkt werden. Diese vorläufige Anzeige hat den Zweck, festzustellen, ob das Interesse für den Gegenstand genügend groß ist, um ein solch weitaussehendes, kostspieliges Unternehmen zu rechtfertigen. Hollingbury Copse, Brighton, 3. April 1880.

J. 0. HALLIWELL-PHILLIPPS. Anmerkung. Der angeführte Brief erschien im Athenaeum vom 10. April. Die Correspondenz, welche der Veröffentlichung gefolgt, war nach jeder Richtung erfreulich und ermuthigend. Es ist mir aber nach sorgfältiger Erkundigung klar geworden, dass die damals vorgeschlagene Art der Publication von fast unübersteiglichen Hindernissen begleitet ist, d. h. wenn ich mir, wie ich es wünsche, vollkommene Unabhängigkeit in der Ausführung und Fernhaltung aller Subscriptions- und Publicationsmühen sichern will. Deshalb werde ich nicht eine Serie, die Fortsetzung heischt, herausgeben, sondern eine Anzahl

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