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Unus erat toto naturae vultus in orbe,
Quem dixere Chaos . .

Unter dem Festus’schen Citat finden wir von anderen Handschriften, welche auch im Texte wieder erscheinen, Folgendes:

De. fabulam vide apud Philostratum in pe Und ferner:

rtus amantium vide fabulam de

.. be & Daphnide ...
Auf der unteren Hälfte dieses Blattes finden wir folgende Worte:

This little Boole of Ovid was given to me
by W. Sall who said it was once Will
Shalfpares.

T n
1682

Etwa zwei Centimeter über dieser Schrift zeigen sich die Spuren einer kindischen Zeichnung: die Contour eines Kopfes, Augen, Nase und Mund, und einen Theil des Oberkörpers, der fast wie ein Chemiset oder wie ein Pfarrerkragen aussieht, und zum Theil durch Querlinien schraffirt ist. ) Durch diese Linien zieht sich wiederum Geschriebnes, das aber leider an einer Stelle durch spätere zerstörende Einflüsse unleserlich geworden Wir entziffern noch:

Michael T vid Das auf den Vornamen Michael Folgende rührt augenscheinlich von derselben Hand her, welche die obige Erklärung geschrieben hat, ganz besonders trägt das T durchaus den gleichen Charakter, wie wir ihn beim ersten Buchstaben des Satzes und der Unterschrift finden. Danach könnte also der Träger des Namens TN oben in spielender Schreibelust noch einmal vermerkt haben: T's Ovid den Raum zwischen T und v füllt ein Fleck aus der das daselbst Stehende unentzifferbar macht wenn uns der davorstehende Name Michael nicht etwas in Verlegenheit setzte: während die erste Silbe in fast moderner, schlanker Form geschrieben ist, erscheinen die drei letzten Buchstaben wiederum ganz im Charakter des darauf folgenden T und der untenstehenden Erklärung,

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1) Ein in heraldischen Dingen sehr unterrichteter Freund macht mich darauf aufmerksam, daß, was ich für einen Theil des Oberkörpers oder für ein Chemiset hielt, vielmehr durch zwei sich gegenüberstehende Wappenschilder gebildet werde, deren rechtes sogar schraftirt sei. Nach genauer Prüfung habe ich ihm durchaus beizustimmen, doch werden wir durch diese neue Form kaum irgend welche Aufklärung für unsere Frage gewinnen.

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und stellen die Frage an uns, ob hier das T etwa den Vatersnamen eines andern Besitzers mit dem Vornamen Michael vertreten solle, oder aber, ob die beiden Ts identisch als Vornamen seien, während später irgend ein Michael in zufälliger Aehnlichkeit der Form seinen Namen neben jenes T gesetzt habe. Wie immer Frage und Antwort hier lauten mögen für das uns Wichtige, für die Zusammengehörigkeit des vorliegenden Buches mit Shakespeare, sind sie von keiner Bedeutung, und dürfen deshalb hier unerledigt bleiben. Ebenso bedarf es keiner weiteren Prüfung einiger anderen Zeichen, wie einzelner Wörter (z. B. quinto etc.) und Zahlen, die theils älteren, theils jüngeren Datums sind; sie können keine uns wichtige Aufklärung schaffen.

Wir begegnen sechs verschiedenen Handschriften in dem Buche, und zwar ist der in einer von ihnen sich legitimirende, wahrscheinlich letzte Besitzer des Buches (soweit es sich um diejenigen handelt, welche sich handschriftlich verewigt haben) ein Deutscher aus dem Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts. Neben einer Zeile in der Cadmus - Erzählung:

Fecerat exiguas jam sol altissimus umbras stehen die Worte in deutschen Lettern: Wan es mittag iß; an anderen Stellen finden wir: begråbnuß; dann wieder: der hals ist mir vor Zorn auffgelaufen, u. s. f. Ein audrer Epigraphiker drängt seine lateinischen Erklärungen mit kräftiger Handschrift bald zwischen die Zeilen, bald neben dieselben, in schwarzer und rother Dinte, oder unterstreicht den Text. Wir finden eine Probe seiner Schrift auf der Textseite unseres Facsimiles neben der zweiten und dritten Zeile von oben, und sie will uns sehr an die Schreibweise auf dem Titelblatte erinnern. - In der Vita Ovidi, wo auch obiges begråbnuß steht, finden wir Spuren einer andern und zwar neuern Handschrift, z. B. „F. M.“, worunter ein Wort steht, das leicht für „Paris“ gelesen werden kann, und auf dem andern Rande derselben Seite ein gleiches ,,M." Derselben Handschrift (welche ein wenig an das oben erwähnte Aubrey'sche Manuscript erinnert), begegnen wir auch wiederholt im Texte, z. B. neben der letzten Zeile unsres Text- Facsimiles, und an anderen Stellen. Irgend Jemand hat sich in der verschlungnen Namenschiffre J. G. E. B., ein Andrer mit vielen lustigen, zum Theil sogar nicht talentlosen Zeichnungen, welche den Text illustriren, verewigt; eine von ihnen finden wir auch in unserm Facsimile, von der wir später sprechen werden. Einen sehr wichtigen und populären Factor im gesellschaftlichen Leben der Periode unsres Zeichners scheint der Galgen gespielt zu haben, denn wir finden ihn in einfacher und doppelter Gestalt, mit menschlicher Decoration und frei von derselben, nicht weniger als sieben mal im gan

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zen Buche vertreten. Unter den Eigenthümern oder Durchforschern unsres Bandes scheint auch ein Mediciner gewesen zu sein, denn an einer Stelle sind die Worte immedicabile cancer unterstrichen, und am Rande steht dann

carcinoma

καρκινώμα; an andrer Stelle wieder die Worte tuntum medicamina possunt. Auch finden sich einige Worte, resp. Zeilen hier mit rother, dort mit lichtgrüner Farbe stark und energisch unterzogen, und zwar hat der Pinsel da sein Werk gethan, wie wir an grünen Flecken erkennen, deren Ursache er jedenfalls war, als er, voll von Farbe, durch ungeschickte Hand auf das Blatt geworfen wurde. Ein grün unterstrichner Vers hat mir doch zu denken gegeben:

in

L. II v. 846, 847. Non bene conueniunt nec

Maiestas et amor.

una sede morantur

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Die Worte erinnerten mich in ihrem Gedankengange an des Laertes Rede:
I, III, 14 ff.

Perhaps he loves you now,
And now no soil nor cautel doth besmirch
The virtue of his will: but you must fear,
His greatness weigh’d, his will is not his own;
For he himself is subject to his birth:
He may not, as unvalued persons do,
Carve for himself, for on his choice depends
The safety and health of this whole state,
And therefore must his choice be circumscribed
Unto the voice and yielding of that body
Whereof he is the head. Then if he says he loves you
It fits your wisdom so far to believe it
As he in his particular act and place
May give his saying deed; which is no further

Than the main voice of Denmark goes withal. Die Hauptarbeit der verschiedenen Exploratoren unsres Bandes concentrirt sich auf die sechs ersten Bücher der Metamorphosen; später erscheinen die Marginalien weniger regelmäßig, verschwinden auch wohl ganz, um dann hie und da für kurze Zeit sporadisch wieder aufzutreten. Die fleißigste Arbeit hat die Hand ausgeführt, der wir auf der im Facsimile ausgeführten Seite 47 begegnen, aber sie hört schon im 5. Buche auf; man möchte dieser ängstlich microscopischen Schrift gegenüber, die überall unfehlbar klar und gleichmäßig correct auftritt, fast die Furcht aussprechen, das Augenlicht habe seinen Dienst versagt. - Ich erwähnte oben der Zeichnung auf pg. 47; ihre nähere Prüfung wird kein für unsere Zwecke wichtiges Resultat, aber immer etwas Anregendes bieten: das

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Gesicht ein karrikirter Kopf in der Shakespeare-Tracht, darüber eine später dicht durchstrichne Schriftspur, aus der man aber noch eine Andeutung an ein W, vielleicht an ein p durchschimmern sieht, und daneben ein deutliches WS jüngeren Datums. Liegt hier nicht ganz hübsches Material für Forscher vor, denen Thätigkeit auf diesem Gebiete Beruf ist?

Für uns aber handelt es sich, nach ziemlich gewissenhafter Beschreibung des Bandes, nur um zwei Fragen:

1. Gehörte dies Buch Shakespeare, und hat er das durch seinen eigenhändigen Namenszug documentirt?

2. Hat er es für seine dramatischen Zwecke benutzt?

Ich möchte zuerst an die Erledigung der zweiten Frage gehen, weil sie eine kürzere und definitivere Antwort zuläßt, und weil, wenn sie verneint werden kann, die erste Frage nur noch antiquarisches Interesse bietet.

Nun denn, was obige zweite Frage betrifft, so finden sich unter den vielen handschriftlichen Notizen in unserm Bande, solche ja auch an einigen von den Stellen, bei welchen auf eine Bekanntschaft Shakespeare's mit Ovid hingewiesen oder geschlossen wird; aber keine von ihnen ist besonders ausgezeichnet oder hervorgehoben; bei keiner von ihnen tritt eine andere Handschrift auf, als eine der von uns bereits untersuchten,

, und keine von diesen gemahnt uns an Shakespeare! Wir dürfen also folgendes Votum abgeben: Für seine dramatischen Zwecke hat einen augenscheinlichen Gebrauch von diesem Exemplare der Aldinischen Metamorphosen Shakespeare zweifellos nicht gemacht, wenn nicht eine lebendige Phantasie nach irgend einem Zusammenhange zwischen den schon erwähnten grün unterstrichenen Zeilen aus dem 2. Buche, und den Worten des Laertes suchen will.

Die erste der oben gestellten Fragen wird gleich jenen Seelen, die der Sage nach nie zur Ruhe kommen, immer im Zuge der wilden Jagd des Unerledigten dahintreiben; wenn aber in der That die Erklärung T. N's – wie Mr. Macray sagt von Allen, die sie geprüft haben, als echt erkannt wird, so ist das Wichtigste der Frage eigentlich bejahend erledigt, und der Zweifel an der Echtheit des Wm. Shr. wird zweifellustigen Gemüthern selbst dann kaum zu nehmen sein, wenn man ein Duplicat des abgekürzten Autographs nachweisen könnte. Beleg für Shakespeare's Liebe an guten Büchern finden wir in M. Skeat's Mittheilung (Skeat’s Plutarch, preface XII), daß er im Besitz der PlutarchAusgabe von 1612 gewesen sei, und da die Anhänger der Shakespearischen Unwissenheits- Theorie hoffentlich immer mehr und mehr zu den Raritäten zählen, dürfen wir wohl voraussetzen und es würde Das

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unser Bild des Dichters vervollständigen -, daß er sich in behaglichen Stunden an seiner schönen Ausgabe des Ovid ergötzt, und ihr Eindrücke entnommen habe, die wir zwar nicht durch Marginalien nachweisen, aber aus seinen Dichtungen herausfühlen können.

Die Echtheit der T. N. Erklärung hat meines Erachtens übrigens einen sehr starken Advocaten in der unter den Initialen stehenden Jahreszahl 1682; es ist dies grade die Zeit zwischen dem Erscheinen der dritten und vierten Folio-Ausgabe, also die Zeit der Neuerweckung Shakespeare's in England, und da mochte es wohl für ein poetisches Gemüth der Erwähnung werth sein

that it was once Will Shalspares. Und so wollen denn auch wir, bis ein Handschriftenkenner seine traurige Pflicht erfüllt hat, uns unwiderleglich vom Gegentheil zu überzeugen, freudig der Bodleian Library Glück zu ihrem werthvollen Besitze einer echten Shakespeare-Unterschrift wünschen, und ich persönlich will diesem Glückwunsche noch den Dank für die unbegrenzte Liebenswürdigkeit folgen lassen, mit der mir ihre literarischen Schätze zur Verfügung gestellt wurden.

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