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Shakespeare's Ovid in der Bodleian Library

zu Oxford.

Von

F. A. Leo.

(Mit zwei Photolithographien, deren Negativ mit gütiger Genehmigung des Oberbibliothekars der Bodleian Library, Rev. H. 0. Coxe, M. A., in Oxford auf meine

Veranlassung hergestellt worden ist. 1)

Der Rev.: William Dunn Macray, M. A., hat im Jahre 1868 ein interessantes Buch veröffentlicht, das den Titel führt: Annals of the Bodleian Library, Oxford, a. D. 1598 a. D. 1867. With a preliminary notice of the earlier library founded in the XIV. century. Auf pag. 300 dieses Werkes begegnen wir folgendem Passus, den ich übersetzt wiedergebe:

'A. D. 1865. Anfang Januars wurden in London durch Sotheby und Wilkinson die Vorräthe der Buchhandlung des verstorbenen W. A. Elkins, 41 Lombardstreet, verauctionirt. Bei dieser Gelegenheit war die Bibliothek glücklich genug, etwas zu erwerben, das ein echtes Shakespeare-Autograph zu sein scheint. Das Buch enthält Ovid's Metamorphosen, gedruckt bei Aldus, Venedig, October 1502, 8o; auf dem Titel steht der Namenszug Wm. Sh'. in einer Handschrift, die keinerlei Aehnlichkeit mit den Ireland-Fälschungen hat, aber nicht der Unterschrift unähnlich ist, welche unter Shakespeare's Testament steht. Gegenüber dem Titel, auf einem Blatte, welches über die innere Seite des ursprünglichen Einbandes geklebt ist, befindet sich die Notiz (jedenfalls Original-Handschrift aus der Zeit, die dabei erwähnt ist), deren Facsimile zugleich mit dem des Autographs hier

1) Die Photolithographien sind im Atelier der Hoflithographen Herren Gebrüder Burchard, Brandenburgstraße 44, Berlin S, hergestellt.

beigefügt wird. Daß die Note selbst keine Fälschung sei, wird von Allen zugestanden, die sie geprüft haben; der Band scheint daher zweifellos dem Dichter gehört zu haben. Die einzige Frage ist nur, ob der Name nicht durch Veranlassung des Vorhandenseins der Note gefälscht wurde. Dieser Ansicht, welche von Manchen getheilt wird, läßt sich Folgendes entgegenstellen: Da keine abgekürzte Unterschrift-Form Shakespeare's bekannt ist, so läßt sich kaum vermuthen, daß ein Fälscher für diesen Zweck eine solche erfunden haben sollte; im Gegentheil! er würde sicher die gebräuchliche, bekannte, den vollen Namen enthaltende wiedergegeben haben; was wäre aber andererseits bei Annahme der Echtheit --- natürlicher, als daß der Eigenthümer sich durch überlieferten Familienbericht genau der Thatsache erinnerte, daß das “Shr.' auf dem Titelblatte wirklich die Handschrift Shakespeare's sei? Die in der Notiz vorkommenden Namen stehen alle, wie Jeder weiß, in Beziehung zu Shakespeare. Hall war der Name seines Schwiegersohns, des Gatten Susannahs, welcher er sein Haus in Henleystreet hinterließ; und ein gewisser William Hall, ein Handschuhmacher, scheint, entsprechend der Angabe in den Stratford-Records, herausgegeben von Halliwell, in derselben Straße um 1660 ein Haus besessen zu haben. Er war es jedenfalls, der das Buch schenkte. Susanna Hall's Tochter, Elisabeth, war an einen Thomas Nash verheirathet, welcher 1647 starb; doch wenn er gleich keine Nachkommen hinterließ, so können die Anfangsbuchstaben T. N.' sich ja auf ein anderes Familienglied des gleichen Namens beziehen. Wenn aber ein Hall erst das Buch besessen, und es dann – höchst wahrscheinlich – einem Nash geschenkt hatte, so sprechen diese beiden Thatsachen sehr für die Echtheit der Shakespearischen Reliquie. In einem Berichte über den Band, in welchem für die Echtheit eingetreten wird (Athenaeum, Jan. 28. 1865, pag. 126), wurde darauf hingewiesen, daß die beiden Bezugnahmen auf Baucis und Philemon, welche in Shakespeare's Stücken vorkommen, einen Beweis für seine Bekanntschaft mit Ovid's Metamorphosen lieferten. Einen noch besseren Beleg für diese Bekanntschaft findet man in den zwei Zeilen aus den Amores (I xv. 35, 36), welche das Motto zu Venus und Adonis bilden.

Der Band ist ziemlich schmutzig und man sieht es ihm an, daß er viel gebraucht ist und so könnte er also in jenen Schullehrertagen benutzt worden sein, von denen uns Aubrey erzählt;1) vielleicht indessen

1) Aubrey's Manuscript im Ashmolean Museum in Oxford enthält folgende Worte: Though as Ben Johnson said, of him, that he had but little Latine and hat ein früherer Eigenthümer ihn so abgenutzt, dessen Notizen in fremder Handschrift sich durch den ganzen Band verbreitet vorfinden. Die Bibliothek verdankte es der im Auctionsraume allgemein verbreiteten Befürchtung, der Namenszug sei gefälscht, daß sie das Buch für den geringen Preis von 9 € erstand!'

Als ich im Jahre der Grundsteinlegung des Stratforder ShakespeareMemorials in Oxford war, zeigte Mr. Coxe mir das interessante Buch; mein Aufenthalt indeß war ein zu flüchtiger, als daß ich es gründlicher hätte prüfen können; von jenem Augenblicke an aber stand der Entschluß bei mir fest, die erste günstige Gelegenheit zur Durchforschung des merkwürdigen Bandes zu ergreifen. So interessant es sein mochte, festzustellen, ob das Buch überhaupt Shakespeare gehört habe, so konnte Das für mich doch nicht den Kernpunkt der Frage bilden; ich mußte vor allen Dingen prüfen, ob äußere und innere Spuren vielleicht auf den Beweis hinführen

mochten, daß unser Dichter in der That Ovidstudien getrieben habe, daß Zeichen davon uns in dem vorliegenden Exemplare entgegentreten, und ob in diesen Zeichen vielleicht wichtiges Material für einzelne Feststellungen in Bezug auf Shakespeare's Sprache zu finden seien.

Es sei mir gestattet, den Leser auf denselben Weg der Beobachtung und Untersuchung zu führen, den ich an Ort und Stelle einschlagen mußte, denn wir werden so am Besten zu gleicher Zeit das Interessante und das Wichtige erledigen.

Um ebenso mühselige wie unfruchtbare Beschreibungen zu umgehen, habe ich das Titelblatt, die demselben gegenüberstehende innere Seite des Vorderdeckels, so wie ein Blatt des Textes in natürlicher Größe photolithographiren lassen, und füge die Facsimilia dieser kleinen Untersuchung bei.

Auf dem Titelblatte tritt uns als wichtig und beobachtungswerth in erster Reihe der Namenszug Shakespeare's zwischen den Worten

OVIDII METAMORPHOSEIN

LIBRI QVINDECIM. und dem Druckerzeichen der Aldiner, dem Anker, entgegen; auch zwischen den Buchstaben des Wortes QVINDECIM sehen wir einzelne Tintenspuren, welche uns durch gleiche Färbung fast zu jenem Namenszuge zu gehören scheinen. Die Frage nach der Authenticität derselben wird uns natürlich zuletzt beschäftigen. Links vom Anker und von den ShakespeareInitialen finden wir die Spuren eines viel späteren w, das in irgend welcher officiellen oder officiösen Beziehung zu jenem unmöglich stehen kann. Der Handschrift, welche oben über dem Titel die Worte

lesse Greek.

He understood Latine pretty well: for he had been in his yonger yeares a Schoolmaster in the Countrey'. Jahrbuch XVI.

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,,Virtus clara aeternaque habetur salus in coelogeschrieben hat, begegnen wir später unter den Marginalien im Werke. Mit dem Druckzeichen rechts vom Anker haben wir natürlich nichts zu thun: es ist der Stempel der Bodleian Library. Hiermit wäre die vorläufige Untersuchung des Titelblattes erledigt; complicirter ist die Innenseite des vorderen Deckels: wie wir später im Texte selbst verschiedene Handschriften finden werden, so treffen wir einige von ihnen schon hier auf dem Deckel. Er ist von außen mit gepreßtem Schweinsleder bezogen und zeigt noch die Spuren früherer Beschläge, durch deren Abreißen auch die innere Seite Verletzungen erhalten hat. Diese ist mehrfach überklebt, und unter der an den Rändern zerrissenen Oberfläche blicken einzelne Streifen früherer Druckschrift hervor, die vom Buchbinder jedenfalls als Maculatur benutzt wurde.

Wenn die untere Hälfte des nunmehr näher zu prüfenden Blattes für unsere Untersuchung wichtiger ist, so bietet doch auch die obere einiges Interesse, da sie von der gewissenhaften Art des Arbeitens Zeugniß ablegt, mit welcher die verschiedenen Handschriftenträger an die Durchforschung des Ovid gegangen sind. Die erste Handschrift bringt uns, wie ich der Mittheilung eines gelehrten Freundes verdanke, sechs Zeilen aus dem Werke des römischen Grammatikers Sextus Pompejus Festus (der einen Auszug aus dem großen Sammelwerke des Verrius Flaccus 'de verborum significatu' herstellte, und später selbst wieder von Paulus Diaconus umgearbeitet wurde), welche folgendermaaßen lauten:

hesiodus confusam quandam ab initio unit.
hiantem patentemque in profundum. Ex eo xivelv
greci et nos hiare dicimus. Unde Janus detracta aspirat.
nominatur eo quod fuerit omnium primus cui primo suppli
cabant velut parenti et a quo rerum omnium factum putabant
initium. Festus pompeius.

Diese Form ist vermuthlich irgend einer der verschiedenen Handschriften entnommen, welche von der Bearbeitung des Paulus D. existiren; in der von Otfried Müller im Jahre 1839 (2. Ausgb. 1880) veranstalteten Ausgabe lautet der Text folgendermaaßen:

Chaos appellat Hesiodus confusam quandam ab initio unitatem, hiantem patentemque in profundum. Ex eo et xáoxeuv Graeci, et nos hiare dicimus. Unde Janus detracta aspiratione nominatur ideo, quod fuerit omnium primus; cui primo supplicabant veluti parenti, et a quo rerum omnium factum putabant initium.

Diese Worte sollen natürlich als Erklärung für Zeile 6 und 7 des ersten Buches der Metamorphosen dienen:

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