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offene Grab und ringt darin mit Laertes, wie es der Text vorschreibt, am Rande des Grabes ringen beide mit einander. Das Wechseln der Rapiere geschieht in folgender Weise: Hamlet schlägt dem Laertes das Rapier, mit dem er so eben verwundet worden ist, aus der Hand und bietet ihm, indem er sich niederbeugt, das auf dem Boden liegende Rapier aufzuheben, das seine an: die Bewegung ist ebenso natürlich wie voll ritterlichster Höflichkeit. Darüber bin ich mir bei dem einmaligen Anschauen des Hergangs nicht ganz klar geworden, ob Hamlet nur zufällig dem Laertes das Rapier aus der Hand schlägt, nur aus Artigkeit ihm das seinige überreicht, oder ob er bei seiner Verwundung Verdacht geschöpft hat und sich durch seinen Fechterstreich der verrätherischen Waffe bemächtigen will. Den König durchsticht Salvini zweimal: gegen den Text, der ausdrücklich vorschreibt, daß Hamlet den König zwingt, den vergifteten Trank zu trinken. Mit den Worten Horatio's: 'Da bricht ein edles Herz – fällt der Vorhang.

So treu, als es mir möglich ist, habe ich in dieser Schilderung dem großen Schauspieler die Contouren seiner Gestalt nachgezogen; die Farbe, die er ihnen giebt, kann ich freilich nicht in Worten nachahmen. Um eine richtige Vorstellung von ihnen zu gewinnen, muß man Bilder und schauspielerische Darstellungen mit eigenen Augen sehen. Es ist eine außerordentlich sorgfältige, fein ausgearbeitete, klug überlegte, interessante Leistung aber ein Gemälde in Aquarellfarben, das Temperament und die Jugend, die Unmittelbarkeit der Empfindung fehlen. Salvini's Hamlet ist ein nicht mehr junger Mann, von fürstlichem Anstande, mit festlichen Geberden, langsamen Schrittes, von Anfang zu Ende ein grübelnder Denker, in gedämpfter Melancholie, von einem gewissen Phlegma angekränkelt, weder der wirkliche noch der erheuchelte Wahnsinn kommt in der Darstellung zu einem wahrhaft ergreifenden Ausdruck, am sichtbarsten springt noch ein eingeborenes Mißtrauen gegen seinen Oheim-Vater hervor, die heftigen und unvermittelten Uebergänge in Hamlet's Stimmung, die zu dem unbeschreiblichen, immer von Neuem anziehenden Reiz gerade dieser Dichtung, als einer der tiefsinnigsten Offenbarungen des Menschenherzens, so wesentlich beitragen, verlieren in Salvini's Spiel durch die Kunstpausen mit dem Ueberraschenden auch ihre Natürlichkeit. Bei allem Geist, der sie durchdringt, trotz aller Kunst, mit der er sie ausgestattet, hat mich die Darstellung des Künstlers mehr ermüdet und gequält, als bewegt. Denn um meine Meinung von Hamlet als einer Schauspielfigur noch einmal in dem kürzesten Ausdruck zusammenzufassen: ich halte dafür, daß Hamlet ein jugendlicher, feuriger, leidenschaftlicher Prinz ist, nicht ohne starke Selbstsucht und den Stolz seiner geistigen Ueberlegenheit, nicht ohne hochfahrende Geringschätzung der Andern, mit deren

Leben und Tod er spielt; ihm, dem Thronfolger, hat sein Oheim die Krone entrissen, durch die rasche Heirath seiner Mutter mit demselben, durch die Erscheinung und Offenbarung des Geistes geräth ihm die bisher' so schöne, so klare und feste Welt in's Dunkle und ins Schwanken; im Sturm der Gedanken, in beständiger Unruhe und Aufregung strebt er der Rachethat zu, die er, ohne die Hülfe des Zufalls, zu vollenden sich doch nicht fähig fühlt: "Schmach und Gram, daß ich zur Welt, sie einzurichten, kam,' an diesem Zwiespalt zwischen der ihm gewordenen Aufgabe und seiner Willenskraft, in diesem Kampf mit dem Wahnsinn, der ihn zu ergreifen droht, während er ihn nur erheucheln will, geht er zu Grunde.

Ueber Shakespeare's Geistlichkeit.

Ein Vortrag

von

Julius Thümmel.

Wer es unternimmt, eine Charakteristik der Shakespeare'schen Geistlichkeit zu geben, sollte wohl füglicher Weise in erster Linie und an der Spitze seiner Erörterungen die Feststellung der Frage versuchen, von welchen kirchlichen Anschauungen und Ueberzeugungen der Dichter bei Gestaltung der Vertreter von Gottes Wort ausgegangen sein, wie er selbst zu den transcendentalen Dingen gestanden haben möchte. Dieser Versuch ist allerdings von Biographen und Commentatoren schon vielfach gemacht, ohne daß man jedoch zu einem einigermaßen anerkannten Resultate gelangt wäre.

Schon die Confession des Dichters ist bis in die neueste Zeit angezweifelt worden nicht bloß von Engländern, sondern auch von französischen und deutschen Forschern. So hat es nach Chateaubriands 1) Vorgange der Franzose Rio) unternommen, den allgemein für einen Protestanten geltenden Dichter der Elisabethischen Aera für die allein selig machende Kirche zu retten, und zuletzt noch sind in Deutschland zwei Kämpen des römischen Stuhls A. Reichensperger und Hager) mit der Behauptung aufgetreten, der große Brite sei seiner tiefinnersten Ueber

1) Essai sur la lit. angl. I. 195.
2) Shakespeare, Paris 1865.

3) A. Reichensperger, William Shakespeare, insbesondere sein Verhältniß zum Mittelalter und zur Gegenwart. Münster 1872. Hager, die Größe Shakespeare's, Freiburg i./Br. 1873.

zeugung nach ein Bekenner des katholischen Glaubens, mindestens ein Kryptokatholik gewesen, obwohl diese Frage mit Michael Bernay's schlagender Beweisführung gegen die Rio'schen Ansichten in dem trefflichen Aufsatze: Shakespeare, ein katholischer Dichter l) für abgethan erklärt werden sollte. – Aber auch da, wo der Protestantismus Shakespeare's anerkannt wird, muß sich derselbe die verschiedenartigsten Nuancen und Wandelungen gefallen lassen. Die Einen unter den Commentatoren erklären unsern Dichter für einen Supernaturalisten, ) die Andern für einen Naturgläubigen, 3) Andere wiederum für einen freidenkenden, also rationalistischen Hochkirchler;4) die Einen betonen seinen sittlichen, 5) Andere seinen humanistischen 6) Standpunkt, und besonders unter seinen Landsleuten 7 ist alles Ernstes geltend gemacht worden, daß Shakespeare nicht allein völlig confessionslos – daß er gar kein Christ, sondern im eigentlichsten Sinne des Worts Verachter jeglichen Glaubens,

daß er Atheist gewesen sei.

Hätte uns Shakespeare selbstbiographische Notizen hinterlassen, auch wenn wir in ihnen nur Wahrheit mit Dichtung gemischt begegnen möchten, oder wären nur einigermaßen zuverlässige Nachrichten von Zeitgenossen über seinen Lebensgang vorhanden, so hätte man doch einigen Anhalt. So wie die Sache liegt, sind wir auf die Productionen des großen Dichters angewiesen, und aus diesen einen Rückschluß auf seine religiösen Anschauungen zu machen, dürfte mehr als bedenklich erscheinen. In den Sonetten, selbst wenn man annehmen wollte, daß in ihnen der Subjectivismus des Dichters zu Tage träte, 8) ist nur von Liebe und Freundschaft die Rede, und die epischen Dichtungen sind schon ihrem ganzen Inhalte nach in der That nicht dazu geeignet, für die vorliegende Frage irgend welches Material zu liefern. Und aus den Dramen für die subjective Denkweise des Dichters, für sein Selbst, ein einheitliches Bild zu construiren, wie dies bei den großen deutschen Poeten gestattet ist, verbietet uns jene immer und immer wieder sich vollziehende Verwa lung des Dichtersubjects in das Object bis zur völligen aktiven Gegenwart (Vischer), jene Identificirung des Stofflichen mit dem Seelischen, jene 'verzweifelte Objectivität des Briten, die jeden seiner Charaktere ohne alle Ausnahme lediglich aus seiner Eigenartigkeit heraus denken, sprechen, handeln läßt, wie z. B. einen Heinrich IV. den treuen Sohn der Kirche, als er zum heiligen Lande ziehen will:

1) Jahrbuch I, 220 bis 300. 2) z. B. Ebrard, von Friesen. 3) Goethe, Börne. 4) Charles Wordsworth. 5) Ulrici, Gervinus. 6) Elze, Gildemeister.

7 Besonders W. J. Birch. 8) Gildemeister in der Vorrede zu seiner Uebersetzung, Leipzig 1876, bekämpft diese Ansicht mit großem Glück.

über dessen Hufen
Die segensreichen Füße sind gewandert,
Die uns zum Heil vor vierzehnhundert Jahren
Genagelt wurden an das bittre Kreuz,

oder einen Richard III., den Verspötter alles Heiligen, der seine nackte Bosheit bekleidet

„Mit alten Fetzen aus der Schrift gestohlen“ und ein Heiliger scheint, wo er Teufel ist.

So wenig wir im dritten Richard ein Stück Shakespeare-Seele und Gesinnung zu wittern befugt sind, so wenig können wir dem Dichter die fromme Denkart des vierten Heinrichs vindiciren; nicht die speciellen Charakterzüge seiner Figuren, sondern nur die aus der Gesammtheit seiner Productionen hervortretenden Kennzeichen und Merkmale über die substanzielle Behandlung des dramatischen Stoffs lassen uns einen Blick in das Tiefinnere der Dichterseele thun geben uns das Recht, aus den Intentionen unseres Meisters in grossen Ganzen für seine Denkart die Summa zu ziehen. Und Eins ist es nur, was uns nach dieser Richtung hin mit Sicherheit aus Shakespeare's Dramen entgegentritt: daß der Dichter nämlich das, was er darstellt, in seiner ganzen Objectivität mit allem englischen Realismus vorführt, der Sünde kein Mäntelchen umhängt und dem Bösen niemals zum endlichen Siege verhilft. - Dies durchlaufende Resultat aller seiner Dramen stempelt ihn zum Propheten der Moral, und sofern sich ihm das Gute zugleich als das Schöne, die Tugend als das Ebenmaab darstellt, finden wir seine ethischen Anschauungen von dem Humanismus durchdrungen, der Religion des künstlerischen Elisabethischen Zeitalters. Zu weiter greifenden Schlüssen sind wir nicht berechtigt.

Dies vor allen Dingen müssen wir festhalten, daß uns Shakespeare in seinen Geistlichen nicht Vertreter von religiösen Ueberzeugungen, nicht tendenziöse Dogmatiker, die für das Bibelwort und für die Offenbarungen der heiligen Schrift Zeugniß ablegen, mit einem Worte nicht Theologen vorführt, sondern Glieder der staatlichen Gemeinschaft, welchen durch die jeweilige Machtstellung der Kirche im Gemeinwesen der ihnen zukommende Platz angewiesen und deren Einfluß auf die Zeitläufte von dem Verhältnisse der Kirche zum Staate bedingt wird. Nicht der Glaube, nicht die Innerlichkeit der religiösen oder kirchlichen Anschauungen bildet deshalb für unsre Untersuchung das bestimmende Moment, sondern einzig die Position, die die Shakespeare-Geistlichen in der sie umgebenden Realität einnehmen, ihre weltliche Stellung.

So wenig betont Shakespeare das eigentlich kirchliche Element, daß wir selbst in Heinrich VIII., in demjenigen Drama, in welchem nicht

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