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mit zwei unnatürlichen Töchtern bestand, so lange war der Dialog die Form, in welcher er, je nach der jedesmaligen Situation, mit dem Ausbruch seines Zornes, mit dem Appell an das Gerechtigkeitsgefühl oder an das Mitleid, mit dem Versuche der Unterhandlung, mit der Aeußerung bitterster Ironie seine Stellung behaupten oder wiedergewinnen wollte. Jetzt, da er sich aus allen diesen Positionen herausgeschlagen sieht, bleibt ihm nur der Monolog übrig, in dessen leidenschaftlichen Ergüssen wir ihn vollends dem Wahnsinn entgegentreiben sehen.

Zu der folgenden Wahnsinnscene in ihrer überwältigenden Wirkung hat der Dichter, gleichsam als eine Ruhepause und ein Moment der Beschwichtigung, Edgar's nächsten Monolog gefügt. In Reimversen, in welche Shakespeare auch sonst antithetische Sentenzen einzukleiden liebt, stellt Edgar hier seine Interessen als geringfügige und bescheidene den Angelegenheiten der Höheren gegenüber, die doch nicht besser daran sind als er, und er findet in dieser Parallele eine Art von Trost. ihm durch seinen Vater Gloster dasselbe Leid widerfahren, wie dem König Lear durch seine Töchter.

Noch tröstlicher für seine eigene Lage lautet Edgar's folgender Monolog, dessen optimistische Resignation und getroste Zuversicht freilich alsbald auf die härteste Probe gestellt wird beim Anblicke seines geblendeten Vaters, der, von einem alten Lehnsmann geführt, nun der Führung seines nicht erkannten Sohnes übergeben wird.

In den Dialog der vierten Scene des vierten Aktes zwischen Cordelia und dem Arzt, wie zwischen Cordelia und dem Boten finden wir einige monologische Stellen eingeflochten. Die erste spricht Cordeliens Wünsche für die Wiederherstellung des geisteskranken Vaters aus, die zweite rechtfertigt im Sinne des Dichters für sein englisches Publicum den kriegerischen Einfall der französischen Truppen in England. Sie sagt:

Ist ja

Kein hohler Ehrgeiz treibt uns zum Gefecht,
Nur inn'ge Lieb' und unsers Vaters Recht.

wie sie eben vorher betont hatte, daß ihr Gemahl, der französische König, nur ihrer Thränen Flehen erhört habe, als sie sich zum Feldzuge gerüstet.

Wie im Hamlet und Othello, bietet auch im Lear die im fünften Akte sich vollziehende Katastrophe zu Monologen keinen weiteren Anlaß, und der Dichter hat sie aus denselben Gründen unangewendet gelassen, die wir dort schon erörterten.

Jahrbuch XVI.

2

Unsere Monologenmusterung schliesse mit Macbeth, der an äusserem Umfange ärmsten, an Monologen reichsten Tragödie Shakespeare's. Letzterer Umstand erklärt sich nicht wie bei Jago im Othello, bei Edmund im Lear aus der isolirten Stellung des Charakters, der seine verbrecherischen Pläne etwa für sich allein entwerfen und ausführen müßte. Macbeth hat ja an der Lady Macbeth mehr als eine bloße Mitwisserin, eine Helfershelferin des Königsmordes. Vielmehr scheint der Dichter in unser Drama deshalb so viele Monologe eingefügt zu haben, weil dem Tiefsinn seiner spätern Dramaturgie gemäß eine psychologische Entwickelung und Darlegung der dramatischen Figuren ihn eben so anzog und sein Publicum anziehen sollte, wie die Vorführung der dramatischen Handlung. Bei Edmund und bei Jago lag das Element des Bösen schon fertig vor in ihrem ersten Auftritte; bei Macbeth aber hat sich der Abfall vom Guten zum Bösen erst vor unsern Augen zu vollziehen. Um diesen Wandlungsprozeß in der Seele des Helden den Zuschauern zu verdeutlichen, bedurfte der Dichter des Monologs, sogar einer Reihe von Monologen, gleichsam einer Reihe von Scenen, in denen diese innere Tragödie parallel mit der äußern Tragödie fortschreiten sollte.

Macbeth's erster Monolog unterbricht seinen Dialog mit den beiden Abgesandten des Königs Duncan, deren Begrüßung und Botschaft ihm die Erfüllung eines Theiles der eben gehörten Hexenprophezeiungen gebracht hat. Sein zunächst sich ihm aufdrängender Gedanke ist: Wenn so viel erfüllt ist von Dem, was die Hexen prophezeiten, so kann auch die Verheißung des Uebrigen, der Königswürde, in Erfüllung gehen. Dass ihm diese Erfüllung nur durch die Wegräumung des Königs Duncan möglich scheint, das deutet er eher an, als daß er es ausspräche, in der Schilderung der furchtbar aufregenden Wirkung, die schon der bloße Mordgedanke auf seinen gesammten Organismus ausübt. So weist er denn diese erschütternde Vorstellung als eine Versuchung von sich ab und will es dem Schicksal überlassen, ihn zum König zu machen ohne sein Zuthun. – Aber der einmal in ihm aufgestiegene Mordgedanke läßt sich nicht bannen; von Neuem und in faßbarerer Gestalt drängt er sich ihm auf bei Duncans Verkündigung, daß Prinz Malcolm feierlich als Thronerbe proclamirt werden solle. Damit ist denn Macbeth jede Aussicht benommen, ohne sein Zuthun, wie er doch gemeint, König zu werden. Und dieses sein Zuthun kann eben nur die Mordthat sein, die er in's Auge zu fassen sich scheut, wenn die Hand sie vollbringt. Das ist der Inhalt des zweiten Monologs zum Schlusse der vierten Scene des ersten Aktes.

Die Mordthat, vor welcher Macbeth selbst noch zurückschrak, fast die Lady in ihrem folgenden Monologe desto fester in's Auge. Und eben so bestimmt und klar erkennt sie dabei die Nothwendigkeit ihrer Mitwirkung in der richtigen Würdigung ihres Gemahls, dessen Gewissensbedenken sie als Resultat seiner Charakterschwäche erklärt. Das Pathos, mit dem sie sich selbst zur Mordthat rüstet und reizt und dazu den Beistand aller Geister des Verderbens anruft, könnte, wie der fertig in sich abgeschlossene Charakter der Lady sich uns sonst darstellt, fast überflüssig erscheinen, hätte nicht der Dichter damit auf die Vollführung des Mordes in seiner ganzen entsetzlichen Bedeutung die Gemüther der Zuschauer vorbereiten wollen. Zugleich liegt in diesem Pathos eine Steigerung des Monologs in seinem zweiten Theile, herbeigeführt durch die dazwischenfallende Botschaft von der nahebevorstehenden Ankunft des Königs auf Macbeth's Schloß. Damit hat Duncan's Ermordung für die Lady aufgehört eine Frage der Zeit zu sein. Es muß alsbald gehandelt werden.

Macbeth's folgender Monolog, während der König noch beim Nachtmahle sitzt, fügt zu den früher geäußerten Bedenken gegen den Mordplan neue hinzu. Seiner Erwägung, daß solche That schon hienieden ihren Lohn erwarten muß, schließt sich zunächst die warnende Mahnung an das verletzte heilige Gastrecht an, und dann die Vorstellung des allgemeinen Jammers, den die Ermordung eines so vortrefflichen und geliebten Königs im Lande verbreiten werde. Diesen Abmahnungen hat Macbeth, wie er schließlich sagt, keinen andern Antrieb zur That entgegenzustellen, als den blind dahinstürmenden Ehrgeiz, der sich selber überspringt und jenseits niederfällt.

Der nächste Monolog zum Schlusse der ersten Scene des zweiten Aktes zeigt uns Macbeth auf seinem nächtlichen Gange zum Königsmorde. Seine Gewissensqualen scheinen beseitigt oder doch für den Augenblick zurückgedrängt durch den energischen Zuspruch der Lady. Aber an die Stelle der früheren Bedenken tritt die Vision des ihm vorschwebenden Dolches, das Vorbild des wirklichen Dolches, den er bald selbst ergreifen soll. Die dann folgende Ausmalung des nächtlichen Grausens in der Natur ist das Gegenstück zu dem Grausen in Macbeth's eigener Seele, ganz wie jener blutbefleckte Dolch in Macbeth's Phantasie ein Reflex ist des Dolches der schlafenden Kämmerlinge, der erst mit Duncan's Blut befleckt werden soll. Im Gegensatze zu dem visionären Monologe Macbeth's steht der sich daran schließende aller Visionen baare, rein auf die Vollführung der Mordthat gerichtete praktische Monolog der Lady, für die Zuschauer ein Bericht der von ihr vorbereiteten Mittel, sich vor jeder Entdeckung der wirklichen Mörder sicher zu stellen.

Es folgt der Monolog des Pförtners, der das scurrile Element des Clowns auch in der Tragödie vertritt und neben diesem conventionellen

Zwecke auch den andern hat, über die Zeitpause der nächtlichen Stunde des Mordes und der morgendlichen der Entdeckung desselben den Zuschauer hinüberzuleiten.

Banquo's kurzer Monolog zu Anfang des dritten Aktes äußert neben dem unbestimmten Verdachte gegen Macbeth, an welchem nunmehr sämmtliche Hexenprophezeiungen in Erfüllung gegangen sind, die Hoffnung, daß diese auch an Banquo oder vielmehr an Banquo's Geschlecht sich erfüllen mögen. – Mit derselben Möglichkeit, nur in entgegengesetztem Sinne, beschäftigt sich denn auch Macbeth's nächster Monolog. Diese letzte Prophezeiung darf und soll nicht verwirklicht werden, und deshalb muß Banquo und dessen Sohn Fleance den gedungenen Meuchelmördern zum Opfer fallen. So läßt sich die Frucht der ersten Mordthat mit Sicherheit nur genießen im Gefolge weiterer Mordthaten. Aber daß der gekrönte Mörder auch so dieser Frucht nicht froh wird, das verräth uns ein kurzer, in gereimten Sentenzen verfaßter Monolog der Lady. Er bezieht sich auf die melancholische Stimmung ihres Gemahls, der seines Wunsches theilhaft geworden ohne die Zufriedenheit, deren Entbehrung alles Gethane hat umsonst gethan sein lassen. Wir sehen, die Lady spricht nicht von ihrem Gemüthszustande, sondern von dem ihres Gemahls, und diesen feinen Charakterzug hat uns der Dichter eben nur im Monologe geben können.

Wie Macbeth's Seelenstimmung, so wird auch seine äußere Lage immer verzweifelter. Banquo's Sohn ist der Mörderhand entflohen und die aus dem Hexenkessel aufsteigenden Erscheinungen zeigen den ermordeten Banquo als Stammvater des künftigen schottischen Königshauses. Nur in terroristischer Tyrannei, die sich zunächst gegen die Familie des geflüchteten Macduff wendet, will Macbeth noch sein Heil suchen. Das ist der Inhalt seines Monologs zum Schluß der ersten Scene des vierten Aktes, gleichsam das Vorspiel zu Macbeth's Monologen im fünften Akte, die das krampfhaft vergebliche Aufraffen seiner Widerstandskraft nach Außen und das quälende Bewußtsein seines zusammenbrechenden Innern bezeichnen und die sich füglich kurz zusammengefaßt hier anticipiren lassen.

Die gemeinsame Blutschuld, welche die verbrecherischen Ehegatten enger mit einander verknüpfen sollte, scheint vielmehr das Band gelockert zu haben und jedes der Beiden hat seine Kämpfe für sich allein durchzukämpfen. Denn auch der Lady sind solche auf die Dauer nicht erspart geblieben. Seitdem ihr Gemahl gegen die aufrührerischen Vasallen in's Feld zog und ihre eigne Stellung gefährdet schien, da spiegelt ihr aufgeregter Geist ihr im Schlafe alle jene Grauenbilder vor, welche Macbeth vor der Mordthat im wachen, aber visionären Zustande zu erblicken

wähnte. So aufgefaßt erscheint der Monolog der Lady zu Anfang des fünften Aktes als ein Seitenstück zu Macbeth's früherem Monologe. Als Nachtwandlerin hat sie die Ereignisse jener Mordthat, die damals spurlos an ihrem verhärteten Gemüthe vorübergingen, jetzt nachträglich in allen ihren Einzelheiten wieder durchzuleben und im Traume die damals im Wachen gespielte Rolle abermals zu spielen. Daß diese Qualen aber nicht bloß im Traume an ihr nagen, sondern auch beim Erwachen sie peinigen, das konnte der Dichter allerdings nicht im Monologe der Nachtwandlerin andeuten, wohl aber in dem, was der Arzt über die Natur der Krankheit der Lady sagt. Seine an die Kammerfrau gerichtete Mahnung, alle Mittel sich Schaden zu thun von der Lady fern zu halten, scheint, im Sinne des Dichters, das als thatsächlich zu bestätigen, was Malcolm am Schlusse des Dramas von einem vermeintlichen Selbstmorde der Mörderin sagt.

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