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möglich sein: Jago's Virtuosität im Heucheln allein war unvermos gend, die Eifersucht in Othello anzufachen, wenn sie nicht im Reime schon in ihm vorhanden war. Aber das ist auch der Fall, und es gilt nur, ein wenig tiefer in die Natur der Liebe unfers Helden einzugehen. – Wir werden fehen, daß, wie in Destes mona die selbstlose Liebe, so in Othello, als · Ausfluß feines ganzen Standpunkts, die bedürftige dargestellt ist, die in ihrem leßten Grunde unsittlich, in ihrer Dialektif fich selbst und jenen Standpunft aufhebt, der als ihre Quelle auch die Bedingung ihrer Unsittlichkeit ist. Dieser Standpunkt aber ist der bürgerliche, der Individualis mus.

Uebersicht des in Othello dargestellten psychologischen

Prozesies.

Der Mensch, obschon als Geist an sich Totalität, kann doch nur dadurch zur erfüllten, zur wirklichen Totalität werden, daß er seinen wesentlichen Inhalt aus sich herausseßt, um in dem ihn doch schon hier in zwei Worten darauf aufmerksam machen, daß er weder meine Auslegung des Befehls des Geistes, noch meine Ansicht von Hamlets Plane widers legt hat. Was das Erstere betrifft, so hat Herr Job (Programm der Annaberger Realschule) fich in seiner Entgegnung eines folchen Schnißers schuldig gemacht, daß ich mich schon des Lesens seiner Abhandlung überhoben glaubte. Man höre und staune! Ich führe seine eignen Worte an: ,,Herr Sievers will diesen Saß (murder most foul, as in the best it is) so aufgefaßt wissen, als wolle der Geist damit sa: gen: der Mord (im Allgemeinen) bleibe schnöde, auch im besten Falle, unter den am meisten zu entschuldigenden Umständen. Man sieht aber leicht aus dem Zusammenhange (der folgende Vers, den Herr Job nicht anführt, lautet nämlich : But this, most foul, strange and unnatural), daß der Geist speciell seinen eignen Mord meint und diesen bezeichnet als einen schnöden, höchst unnatürlichen, wie er im besten d. h. vollsten, mithin schlimmsten Sinne nur sein kann.“ Unerhörter Insinn! Doch ich begnüge mich, Herrn Job in Grinnerung zu bringen, daß but hier wie überhaupt den Gegenfaß bezeichnet, ein Gegensaß, der hier durch this bestimmt wird, daß also hier von etwas Anderem als in der ersten Zeile die Nede fein muß hier bliebe also meine Auslegung und damit ihre Folgerungen noch in Kraft. Was aber Hamlets Plan betrifft, an dessen Auseinanderseßung Herr Jub Nichts auszu: zuseßen findet, von dem er aber nicht begreift, weshalb ihn Hamlet nicht ausführe, ,,da er ihn so gar leicht ausführen konnte," su verweise ich ihn auf sein eigenes Programm, in dem fich folgende Stelle findet : ,,Er wollte die That thun, aber er konnte nicht. Wir beklagen seinen Mangel an Thatfraft, feine Unbehülflichkeit im praktischen Leben“ u. . w.'

von ihm Gefeßten desto tiefer mit sich selbst zusammenzugehn. Dies ser Prozeß der Veräußerung des Innern, der allen Formen des praktischen Gefühls, der Begierde, Neigung, Leidenschaft u. f. w. zu Grunde liegt, ist auch die Lebensmacht der Liebe, in welcher der nur in der Geschlechtsbestimmtheit eristirende Mensch durch Hingebung des eignen Wesens an einen Vertreter des andren Geschlechts fich desto inniger mit der Gattung selbst zusammenzuschließen strebt. Die Liebe ist mithin eine Bethätigung des Menschen nur als allgemeinen Wefens.

Hieraus folgt, daß Liebe überhaupt nur auf dem Standpunkt des allgemeinen Selbstbewußtsein möglich ist, auf dem Standpunkt, auf dem das Subject sich selbst als allgemeines Wesen faßt und dies selbe Augemeinheit als Substanz aller Anderen segt. Denn nur auf diesem Standpunkt ist die Hingebung des Subjects als allgemeinen Wesens möglich, nur hier also kann es in dem Andern mit der Gattung selbst zusammengehen. Wo der Mensch sich auf der Grunds lage seiner individuellen Bestimmtheit zum Wiffen dieser Bestimmtheit, mithin zu einer bestimmten Allgemeinheit erhoben hat, wo er sich also als Einzelwesen faßt und in Gegenfaß zu allen Anderen steht: da ist die Liebe, als die treibende Kraft des Zusammenschlusses beider Geschlechter zum Behuf der wirklichen Erfüllung jedes derselben mit der Gattung, von vornherein negirt und fann nur noch die Bedeutung der Befriedigung des Subjects als Individuums haben. Denn zwar ist auch hier noch eine Hingebung des Subjects möglich, insofern es seine bestimmte Augemeinheit in seinen Gegenstand verlegt: aber diese Hingebung hebt einerseits die besondere Eristenz des Subjects, sein Selbst, nicht auf, hat vielmehr nur den Zweck, ihin feinen eignen besondern Inhalt durch fie erst ganz sicher zu stellen. Andrerseits aber liegt ihr die Vorausseßung zum Grunde, daß der Gegenstand der Liebe in dem bestimmten Wesen des Subjects ganz aufgehe, weil nur durch fte der frühere Gegensaß des Subjects zu demselben verwischt werden konnte. Die Befriedigung des Subjects als Individuums ist also so sehr Inhalt der Liebe, die auf diesem Standpunkt möglich ist, daß der Gegenstand derselben weder als allgemeines Wesen noch in seiner Individualität erfaßt, vielmehr als identisch init dem Subject geseßt, mithin als selbstständiges Wesen, als fittliche Persönlichkeit negirt, ja, insofern sein Inhalt der des Subject ist, den dieses in ihn verlegt hat, zum bloßen Gefäß für

Ardyiv f. n. Spradyen. IX.

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diesen Inhalt, in Wahrheit also für sich zur Sache herabgereßt wird.

Nun aber ist die Ehe, die der realisirte Zusammenschluß der Geschlechter zu dem oben aufgewiesenen Zwede, mithin nur die Vollendung der Liebe ist, nicht nur allein dann im Einklang mit dem fittlichen Geiste, wenn sie auf der unbedingten Hingebung beider Gatten ruht: fie bietet auch nur auf dieser Grundlage die absolute Gewähr einer, jeder fremden Einwirkung undurchdringlichen und überhaupt unlösbaren Einheit, weil die Ehegatten nun erst zu Einer sittlichen Persönlichkeit geworden sind. Eine auf jenem Stands punkt des Individualismus eingegangene Ehe bietet diese Bürgschaft nicht, weil hier die Einheit nicht auf einer Durchdringung Beider, fondern auf der Negation Eines derselben ruht, die mit jener oben moivirten Vorausseßung gegeben ist. Es bedarf mithin nur der Auf: hebung dieser in sich nichtigen Vorausseßung, um die Einheit wies der aufzulösen und das liebende Subject in seinen ursprünglichen Gegenfaß zu feinein Gegenstande zurüdzuverseßen. Diese Enttäuschung aber muß nothwendig erfolgen, zumal wenn der Andere seinerseits in ihm den Vermittler mit der Gattung liebt und sich von ihm in eben diesem Sinn geliebt glaubt. Denn nicht nur ist er dadurch, daß er von diesem zur Sache herabgefeßt ist, nun nicht etwa auch wirts lich zur Sache geworden, er ist auch ießt noch Geist, Totalität, die nach allseitiger Entfaltung strebt, sondern er ist auch gerade durch die Vereinigung mit dein Geliebten zu dem freudigen Bewußtsein seiner Erfüllung zu wahrhafter Totalität erhoben, und wird sich noch viel mehr zu allseitiger Bethätigung derselben gedrängt fühlen, wird also auch in Beziehungen treten, die zwar für ihn alle auf den Geliebten zurückgehen, die jedoch zunächst Beziehungen auf Andere sind und Jenem, gemäß der individuellen Form feiner Liebe, als solche auch erscheinen müssen.

Die Einheit also ist gestört, der frühere Gegensaß zurüdgekehrt, das nie aufgegebene Selbst des Subjects steht wieder da, doch ießt, fals jener Schein zur Wahrheit wird, entleert von seinem frühern Inhalt, der noch in seinem Gegenstande ruht. Nun wäre der einzige, des selbstbewußten Menschen würdige Weg, der einzige, der por der Sittlichkeit besteht, auf seinen Gegenstand Verzicht zu leisten, falls eine tiefere Wahlverwandtschaft zu einem Andern der Grund ihrer vermeinten Entfremdung von ihm wäre. Aber diesen Weg zu gehen,

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der eine gegenseitige Verständigung vorausseßt, daran hindert bas Subiect, auch wenn Offenheit ein Hauptzug seines Charakters wäre, die Natur feiner Liebe, der gemäß es den Andern nicht als cin ihm gleiches Wesen, sondern als Sache und überdies als Sache in ausschließlicher Beziehung auf es selbst, mithin als sein Eigenthum, als ihm unterworfen auffaßt. Vielmehr wird jene Regung seines Gatten, die ihm zuerst als Beziehung auf einen Andern, mithin als Verlegung jener Ausschließlichkeit, als Versuch, sich ihm zu ents ziehen, ins Bewußtsein trat, es einerseits mit Bitterfeit gegen ihn erfüllen, weil darin eine Negation feines Wesens, seiner Augemeins heit liegt, in die es ihn früher aufgegangen glaubte - andrerseits wird es, in Gefahr, seines ganzen Inhalts mit einem Schlage bes raubt zu werden, der äußersten Bedürftigkeit verfallen, die schon in der früheren bloß individuellen Befriedigung, die ihm die Liebe gab, all Moment. geseßt war. Von nun an wirfen jene drei Momente seiner Liebe, die Bedürftigkeit, die Selbstständigkeit und die Anschauung seines Gegenstandes als einer nicht selbstständigen sittlichen Personlichkeit zusammen, um nicht nur jene Einheit beider Gatten zu zerstören, sondern auch ihren Untergang herbeizuführen. Denn eine ges sonderte Eristenz Beider, eine bloße Trennung, ist nicht möglich, da der Eine feinen Inhalt, der Andere fich felbft mit seinem Inhalt an den Andern hingegeben hat.

Zunächst nun rächt sich die Anschauung des Gegenstandes seis ner Liebe an dem jeßt schon aus seiner Befriedigung aufgescheuchten Subject. Da es denfelben nicht als fittliche Persönlichkeit anschaut, so muß es ihn, sobald er ihm in seiner objectiven Lebendigkeit ents gegentritt, als sinnlich fassen, muß ihn also bloß sinnlicher Hins gebung fähig sprechen, womit der erste Zweifel an seiner ausschließlichen Beziehung auf es, an seiner Treue, die mit ihr ein und dasselbe ift, schon eine Stüße gewonnen hat. Nun macht sich die durch den Zweifel schon geweďte Bedürftigkeit des Subjects geltend, die um so tiefer ist, je fester es sich früher mit allem Seinigen an seinen Gatten als an seinen Anfergrund gefettet hatte. Da bedarf es nun nur eines Menschen, der, aus irgend einem Interesse dazu getrieben, feine Zweifel nährt und sich ihm in seinem jeßigen Elend als Stüße hins stellt, um ihn ganz von seiner Gattin zu lösen. Denn nicht nur bedarf er jeßt einer Stüke, da er sich elend fühlt, und wird also um so weniger den falschen vom wahren Freund zu unterscheiden wis:

fen: er sieht sich auch genöthigt, da Verständiguug mit seiner Gattin für ilin unmöglch ist, fie zu prüfen, zu überwachen, wozu sein eigner Blick, seine eigne Beobachtung nicht ausreicht. Damit ist sein Untergang entschieden, da diesem äußern Feinde die innern in die Hände arbeiten. Unter den legtern ist es seine Selbstständigkeit, die, je mehr sich im Verlauf der Prüfung die Ueberzeugung von der Untreue seiner Gattin in ihm feststellt, desto mehr in den Vordergrund

Sie ist es, die, jeßt alles objectiven Inhalts bar und ganz allein sein subjectives Interesse vertretend, die schon vorhandne Bits terkeit zu Haß und Rachsucht steigert. Denn durch sie empfindet er die Täuschung seines Vertrauens, den jegt erwiesenen Treubruch, als eine Herabseßung oder vielmehr Negation seiner ganzen Persönlichkeit, die nach Rache schreit. Insofern nun diese Negation von einem Wes sen ausgeht, das er als ein ihm unterworfenes, obschon ohne es zu wiffen, von Anfang an betrachtet hat: ist in derselben eine Aufforderung enthalten, ihr zu beweisen, daß fie vielmehr in Wahrheit Sache, Er ihr Herr sei. Damit ist ihre moralische wie physische Vernichtung als nothwendig geseßt, die mithin nur eine Consequenz seiner ursprünglichen Anschauung seiner Gattin oder vielmehr die Realisation derselben ist. Auf der andern Seite aber bedingt die Größe des Verlustes, den er selbst erleidet, der seine ganze Eristenz in Frage stellt, je nach der Naturbestimmtheit des Individuums, einen größern oder geringern Grad von Leidenschaft, und diese ist es, die ihin verblenden und seinem äußern Feinde weirlos in die Arme liefern muß. Er glaubt jeßt, was ihm dieser sagt, da nur sein eignes Herz aus Jenem spricht, und schreitet zur Ermordung feiner Gattin und ihres vermeinten Buhlen.

Damit aber ist nun nicht bloß seine Liebe aufgehoben, sondern auch er felbft vernichtet. Die Verkehrung seiner Liebe in ihr Gegentheil, den Haß, fahen wir bereits bewirkt. Nicht minder haben wir die Klippe aufgewiesen, an der seine männliche Offenheit, einst der Ausdruck feiner selbstbewußten Kraft im Gegensaß zur Welt, zu Grunde ges hen mußte. An ihre Stelle tritt Verstellung, selbst bewußte Lüge, zunächst zum Zweck der Prüfung seiner Gattin, dann aber treibt ihn feine Rachsucht bis zu heimlichem Morde fort. Hier tritt noch ein Moment hinzu. Das Subject hat verinöge seines Standpunkts als Individuum früher die abstracte Allgemeinbeit des Staates anerkannt, derselbe war die Basis seiner eignen Bethätigung als Ins

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