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elle serait seule à jouir), auch bei fragenden Fürwörtern 26. haben wir dieselbe Erscheinung: quel lieu voulez-vous donc que mon amour choisisse? Redensarten wie J'ai une chose importante à vous communiquer etc., die streng genommen in dieselbe Kategorie gehören, haben für uns weniger etwas Auffallendes, wähs rend die Wendung: „Ce nom ne fait aucun scrupule à prendre *) uns nur durch obiges Prinzip erklärlich werden. Wie dem Franzos sen sein: „Elle s'est venue présenter“ vorzüglicher erscheint als das steife: „elle est venue se présenter“, so spricht er auch: Le catholicisme l'a presque laissée vide (wo presque offenbar zu vide gehört); il n'y a que honneur et que civilité avec eux (statt il y a

y a ..., seulement avec eux); ja hieraus erklärt sich wol auch die für uns Deutsche so seltsame Wendung: „toutes les fois qu'il tonne, le tonnerre ne tombe pas“ (nicht jedesmal 2c.). Ohne uns hier weiter bei dem Kapitel der Negationen aufzuhalten, in denen die Attraktion eine so große Rolle spielt, daß gemäß den revolutionären Gelüsten des französischen Volkes kein Titelchen Positives im Saße bleibt, wenn der Franzos angefangen hat zu nes giren **), erwähne ich schließlich mehrere einzelne Wendungen, die nur durch die Attraktion zu erklären sind. „A onze heures précises“, „être de guerre lasse“, liefern den besten Beweis, wie gern der Franzos die Attraktion zur Erzielung einer gefälligen Form gebraucht. Der bekannten Attraktion des Adverbs tout (lorsque vous étiez de toutes petites filles), die häufig auch noch eine andere adverbiale Bestiminung mit fortreißt (la porte est toute grande ouverte), liegen ohne Zweifel euphonische Rücksichten zu Grunde, denen ja der legère Franzos so häufig die Korrektheit opfert (de bonnes gens etc.).

Zeigt es sich in dem Genius der französischen Sprache einmal begründet, daß die Fundamentalgeseße der Sprache öfters zu Gunsten der Form verlegt werden, so wird dagegen die Störung des durch dieselben festgestellten Gleichgewichts zwischen Inhalt und Form zu

*) Deux heures vont sonner = il va sonner deux h.; les expressions ne me

coûtaient rien à trouver; ses belles larmes nous plaisaient trop à faire couler (Lamartine, Graziella) etc.; une dame qui s'échappe à

qualifier le général de libertin etc. **) Cfr. die (darfsinnige Behandlung dieses Kapitels in Hauschild, Bildungs

elemente der deutschen, französischen und englischen Sprache, p. 95 - 105.

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Gunsten des ersteren in der französischen ' Grammatik selten sein müssen. Derselbe Grund, welcher es uns erklärt, warum der frans zösische Styl feinen Tacitus, feinen Shafespeare, keinen Jean Paul hat

läßt es uns als sehr natürlich erscheinen, daß die Sylepse oder constructio xatà cúveow dort eine so unbedeutende Rolle spielt. Einzelne Details, wie „avoir l'air bonne(für den Fall, daß avoir l'air nicht buchstäblich, sondern als paraître zu fassen ist), die Wendungen: la plupart (oder le peu) de ces hommes qui restaient, prirent la fuite *), ni l'un ni l'autre ne l'ont fait sind, abgesehen von einzelnen, wenigen stylistischen Besonderheiten **), so ziemlich alles, was die französische Sprache in dieser Hinsicht aufzuweisen hat.

Ihren Triumph aber feiert die légèreté auf grammatikalischem Gebiete jedenfalls in der Saßverbindung. Der an Flüssigkeit bei griechischen nicht nachstehende französische Infinitiv ist in dieser Hinsicht unübertrefflich. Abgesehen von dem, was wir hierüber schon oben bei Gelegenheit der acc. cum. inf. gesagt haben, ers wähnen wir hier noch die ausgedehnte Anwendung der französischen Infinitive mit Präpositionen, selbst in den Fällen, wo der Infinitiv auf das Objekt des Hauptsabes bezogen werden muß (je vous suis obligé de prendre part aux honneurs etc.) Verbinden sich doch felbst Konjunktionen vermittelst de (afin etc.) mit dem französischen Infinitiv! Wie glücklich vertritt der legère Jufinitiv mit à das fteife part. prés. init en (A l'entendre parler on croirait; je passe le tems à faire; je gagne la vie à etc.; je m'engage à recevoir = en recevant), oder Relativwendungen (le premier à rompre). Muß aber denn eininal das génie der Sprache zur Konjunktion refurriren, so zeigt sich auch hier wieder die légèreté derselben, indem der einfachsten gern der Vorzug gegeben wird. „Je voudrais qu'il m'eût coûté deux doigts de la main et être né comte ou marquis; plût à Dieu avoir tout à l'heure le fouet et savoir ce qu'on apprend au collège“, sagt Molière in seinem bourgeois gentilhomme, um in beiden Fällen die wenig gefälligen Ronditios nalfäße oder Wendungen mit pour zu vermeiden. „Comment un

*) Cfr. die englische Wendung: „part of my bed-clothes are at your service.“ **) On devient forte alors qu'on devient mère; ici on est égaux; les ca

rognes sont descendus; ma diable de femme etc.

homme pourrait-il en voir s'égarer un autre et ne pas chercher à le ramener" kommt neben der rigoristischen Wendung „sans chercher vor. Bei der Reftion der Zeitwörter zeigt sich die légèreté in der großen, aus so vielen Beispielen ersichtlichen Vors liebe für das nächste D biekt, statt unseres entfernteren Dbs jekts, während die umgekehrte Auffassung weit seltener ist, sowie aus den Lizenzen: être obéi, être pardonné, être blanchi (et nourri etc.), éclairer qn. in der Bedeutung: Jemandem leuchten.

Gehen wir endlich auf das lexikalische Gebiet über, um auch hier die Spuren der légèreté zu erkennen. Ist es zufällig, daß die franzöftsche Sprache so unerschöpflich reich an Adjektiven erscheint, welche den guten Humor bezeichnen? Wo das gdiom die Au$: brüde: folâtre, fringant, guilleret, égrillard, plaisant, jovial, bouffon, farceur, grivois , raillant, goguenard *), sémillant, gaillard, enjoué, comique, divertissant init ihren verschiedenen Nüancen neben den allgemeinen Bezeichnungen hat, da muß gewiß auch die Sache in großem Ueberflusse vorhanden sein, welche durch jene Wörter repräsentirt wird. Daß es bem Franzosen auch so genau nicht auf die Wahrheit ankommt, die er so gern der Eitelkeit und Gefallsucht zum Opfer bringt, beweisen seine „mystifications, canards und chansons“, seine Gewandtheit in der Kunst des : gasconner, la donner bonne, en donner d'une (oder en donner), en donner à garder, en conter, la bailler belle, habler, être fanfaron, faire des bourdes, donner un col, en imposer, faire accroire und blaguer. Die zahlreichen Ausdrüde für die verschiedenen Nüancen des parler: causer, débiter, deviser, babiller, disputer, discuter, disputailler, débattre, tripoter, jacasser, radoter, zeugen von einer „langue bien pendue et bien frétillante“ **). Sagt doch Me. de Staël sehr richtig, daß die französische Sprache „n'est pas seulement comme ailleurs un moyen de communiquer ses idées, ses sentiments et ses affaires, mais un instrument dont on aime à jouer et qui ranime les esprits comme

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*) Homme qui aime les goguettes. **) Das leichte, aufbrausende Temperament des Franzosen findet seinen Barometer

in dem Reichthum an Ausdrücken, wie: se chamailler, chipoter, bûcher, piocher, cogner, creinter, frotter, étriller, échiner, gourdiner, aplatir qn., gaufrer le dos, donner une pile etc., sowie den subst. grabage, bagarre, démêlé, querelle, rixe, altercation, noise.

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la musique chez quelques peuples et les liqueurs fortes chez quelques autres !

Und wie reich ist nicht das Lerifon aller jener Dinge, die zum äußeren Leben, namentlich in den Bereich des Lurus und der Mode gehören. Die bergères, fauteuils, causeuses, tabourets, die guéridons, consoles, die crédences und buffets, die girandoles, torchères de bronze, falots, reverbères, die tablettes, layettes, placards und étagères etc. sind für uns Deutschen unüberseßbar. In allen Welttheilen sucht hier das génie der französischen Sprache die Ausdrüde zusammen, um sie feinem Idiom zu assimiliren. Was Charles Reybaud in seinem Jerome Paturot *) vom poète chevelu sagt: „Aucun vètement, aucun aliment, aucun spiritueux même n'échappe à votre Muse: La basquine, le burnous, le langouti, la saya, le kari et le couscoussus, le kava et le gin, le kirsch et le samchou“ trifft als ein nicht ininder schwerer Vorwurf das génie der französischen Sprache überhaupt. Auf diesem Gebiete kann der Franzos in seiner légèreté so recht gründlich, ja pedantisch werden. Kennt man doch in Frankreich „de la toile d'une finesse idéale, un véritable brouillard tissu!“ Und in allem Ernste berichten die Zeitungen über die Reise des Präsidenten: Le célèbre gastronome N. N. a prouvé à tous les convives que son nom pouvait dignement être placé à côté de nos artistes culinaires les plus rénommés. La table des princes était ornée de pièces montées à la confection desquelles l'art semblait avoir présidé. Il est impossible de rencontrer dans une fête semblabe une réunion plus complète de ce qui constitue le triomphe de l'art culinaire.“

Während in diesen lerikalischen Details die légèreté fich auf eine unmittelbare, materielle Weise spiegelt, gibt es nicht minder zahlreiche mittelbare, formale Belege dafür in dem Wörterschaße der französischen Sprache. Ist es nicht eben die légèreté, welche den Rayon der allgemeinen, möglichst farblosen Ausdrüde, wie „faire, être, coup, montera so außerordentlich, man möchte sagen, über Gebühr erweitert hat? Eine banale Anschauung führt zwar diese Erscheinung auf die Armuth der franzöftschen Sprache zurück, ohne tabei zu denken, daß im Falle eines Bedürfnisses das génie der

*) à la recherche d'une position sociale.

Sprache nicht versäumt haben würde, einen Ausdruck zu schaffen. Den schlagendsten Beweis gegen jene Auffassung liefert aber der Umstand, daß selbst da, wo bestimmtere Bezeichnungen eristiren, die französische légèreté fich lieber in den bequemeren, geläufigen Ausbrücken bewegt. Das Zeitwort faire wird für „procréer, enfanter, couper, étudier, consumer, essuyer, donner, opposer, dire, ja parcourir (faire les 4 coins de la ville) gebraucht, und man vers gißt hier sogar der légèreté zu Liebe die fonft fo gebieterischen, euphonischen Nücksichten.' On fait faire des bottes (wo füglich fabriquer stehen fönnte), on fait ses affaires, on ne peut faire qu'en faisant *). In dieselbe Kategorie gehören die Ausdrücke : je fus le voir, j'ai été le chercher (wo être für aller steht); du clôitre sa reputation avait été au peuple (être=passer); ce livre est à moi (être=appartenir); il est mieux (être=se trouver);" toujours est-il que etc. (= tant il y a que) und der Gallicismuo: il est bien de son village. Nicht minder charafs teristisch sind die Wendungen: les hauteurs (airs hautains) du ministre, cet homme est difficile à vivre; une rue très passante; je me réglai au soleil etc. Die familiären Phrasen : il a tenu son dire (= sa parole) le faire d'un peintre, le fini parfait, c'est du dernier indispensable, il est d'un primitif hängen eben so genau mit der vivacité, wie mit der légèreté zus fainmen, die überhaupt noch in den andern Kapiteln (wie in der précision, délicatesse etc.) implicite behandelt werden wir5 **).

Auch die Wortbildung, welche zur Lerifographie zu rechnen ist, hat im Französischen ihre legèren Seiten. Hebt doch der Franzos in manchen Zusammenseßungen eine Präposition durch die andere auf: décontenancer, décomposer, disconvenir, désemparer, désaccoutumer etc. Weberhaupt geht auf diesem Gebiete das génie jenes Idioms oft rein mechanisch zu Werfe, so daß ftatt der orgas nischen Compositionen eine Art von Agglomeration gebildet wird, welche es nicht verschmäht, durch einfache Vorseßung des Artifels

*) = Man muß dabei seine Zeit haben. **) So gehört z. B. die Brachylogie „une donagna priant les deux visiteuses

d'attendre et qu'elle allait prevenir sa maîtresse, von der wir bei der précision sprechen werden, auch zur légèreté. Die Doppelpräpositionen (distinguer qch. d'avec qch. commander une voiture pour dans une heure, de par etc.) werden am besten bei der délicatesse behandelt. Mrdyiv f. 11. Spradyon. IX.

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