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Syntag der neufranzösisdien Sprache. Von Ed. Mäkiner. (Brod hoff.) 221

Die neuesten Hilfsbücher beim Unterricht im Französischen und Englischen

242

Gthnographisch-Sprachlidyes. (Dr. Beltz.)

440

Die neuesten Hilfsbücher beim Unterricht im Französischen und Englischen

442

Mittelhochdeutsches Lesebuch von Karl Weinhold

445
Praktischer Unterricht in der slovenischen Sprache, für Deutsche von Anton
Janezié (Dr. Frite.)...

446
Kurzgefaßte Grammatik der böhmischen Sprache, von A. Gebus ki. (Dr. Fripe.) 448
Edelsteine deutscher Dichtung und Weisheit im XIII. Jahrhundert von Philipp
W adernagel (Dr. C. A. Berglein.)

448
- Friedrich und Voltaire in ihrem persönlichen und literarischen Wechselverhält
nisse. Von Robert Schultheß (Dr. A. Philippi.).

454
Englisches Sprachbuch von Friedrich Kölle. (Selbstanzeige.)

454
Deutsches Sprachbuch yon F. W, Straub (H. Surz.)

458
Neues deutsch-französisches Gesprächbuch von Dr. Emil Otto

461
- Die letzten hundert Jahre der vaterländischen Literatur von Dr. T. 8. Scholl
(01s cher.)

462
Französisches Lesebuch von Dr. Eitre

464
Sammlung englischer und französischer Gedichte von Louis Simon

464

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Warum wendet sich die englische Sprache beim
Entlehnen und Busammenseken neuer Worte

vorzüglich an die klassischen Sprachen des Alterthums, statt den Wortschaß und die Plasticität des deutschen Sprachelementes in Anspruch zu

nehmen?

Es ist in der neuesten Zeit häufig die Behauptung aufgestellt worden, daß die Sprache die Geschichte des Volkes enthalte, und es läßt sich nicht läugnen, daß dieser Saß sehr viel Wahres enthält, nur muß man ihn so verstehen, daß nicht allein die Spuren von politisch wichtigen Ereignissen in ihr zu finden sind, sondern daß auch Erfindungen von culturgeschichtlichem Interesse Beweise ihrer Eristenz in derselben niederlegen. Fassen wir aber jenen Ausspruch so auf, wie ich eben angedeutet habe, so können wir weiter hinzufügen, daß die Sprache ein genauer Spiegel der socialen und politischen Ausbildung ist, auf wilcher ein Volf steht, und daß wir den jedesmalis gen Standpunkt seiner Bildung ziemlich genau bestimmen fönnten, wenn wir ein genaues Verzeichniß der zu gewissen Zeiten im Ges brauche befindlichen Wörter besäßen. Allein so reich die Literaturen vieler europäischen Völker auch sind, so wenig ist doch in früheren Zeiten für Lerifographie geschehen, ja man barf dreist behaupten, daß, hätten wir keine anderen Quellen für die Culturgeschichte der verschies denen Völfer als ihre Lerika, die Abfassung eines solchen Werkes so ziemlich zu den Unmöglichkeiten gezählt werden müßte. Wie die Sachen liegen, ist es nicht einmal möglich, eine vollständige Ges fchichte der Sprache zusammenzustellen, welche von jedem Volfe ges sprochen ist, denn zwischen den wenigen Wörterbüchern, die wir bes sigen, liegt oft ein bedeutender Zeitraum, eine Reihe von Fahren, die uns kaum gestattet, das Alter gewisser Ausdrücke annähernd zu bestimmen. Plößlich treten Tausende und aber Tausende von Worten in der Sprache auf, ohne daß man nachweisen könnte, bei welcher Gelegenheit der lebende Sprachförper diesen Zuwachs erhielt. Als Johnson sein großes englisches Wörterbuch verfaßte, machte er in der Vorrede die Bemerkung: „To collect the words of our language was a task of greater difficulty, the deficiency of the dictionaries was immediately apparent - my search however has been

s!rchiv f. n. Sprachen, IX.

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either skillful or lucky, for I have augmented the vocabulary." Und dennoch gesteht er einige Zeilen später ein, daß er weder die Kunstausdrüde der Schiffer und Bergleute, noch auch die der Künstler und Gelehrten habe alle sammeln fönnen und wollen. Wenn aber Johnson, der bei der Abfassung feines Wörterbuchs so viele und - große Hindernisse glücklich überwunden hatte, es wagte, sein Werk dein Publifuin zu übergeben, obgleich er selbst wohl wußte, was ihm noch fehlte, mußte der ehrgeizige Mann da nicht Gründe haben, die ihn auf vollständige Entschuldigung dieses Mangels rechnen ließen? Allerdings wußte Johnson sehr wohl, daß es unmöglich ist, ein vollständiges Wörterbuch zu schaffen, wenn jeder Tag neue Worte bringt, er wußte, daß er mit einer riesigen Kraft und Lebensfähigkeit hätte begabt sein müssen, um ein fo rasches Fortschreiten der Cultur controliren zu können, und daß die Hoffnung, diesen Strom von neuen Worten eines Tages zit bewältigen, nicht eitler sein konnte, als die Hoffnung des Hundes in der Fabel, der den Fluß austrinken wollte, um seinen vermeintlichen Gegner im Wasser zu zerfleischen. Seit diesem Lerikon von Johnson erschienen unzählige andere, von denen das folgende das vorhergehende ftets übertreffen wollte, und fidy doch 15 oder 20 Jahre später sagen lassen mußte: Auch du bist veraltet! So versicherte und auch Grieb in der Vorrede zu seinem befannten Lerifon, daß es fich durch bessere Anordnung der Bedeutungen und durch Aufnahme von 20,000 neuen Worten vor allen ähnlichen Werfen auszeichne, allein troß dieser 20,000 neuen Worte zeigt der Gebrauch desselben beim Lesen neuerer Schriftsteller, daß hier noch Vieles nachzutragen sein möchte, und wahrscheinlich ist der Tag nicht mehr fern, wo ein anderes Lerifon ihm den Rang abläuft.*) Eine größere Vollftändigkeit der technischen Ausdrücke findet fich schon in dem englisch - französischen Lerikon von Spiers, allein auch dieser durch seinen Fleiß und seine Sprachkenntniß rühmlichst bekannte Gelehrte ist noch nicht dahin gelangt, daß vorhandene Material für die Lerifographie vollständig auszubeuten. Ein weiterer nicht unglücklicher Versuch zur Vervollständigung des Materials scheint in dein eben von Odell Elwell herausgegebenen Wörterbuche gemacht zu sein, das nach Angabe der Recensenten den Amerikanismen eine besondere Aufmerksamkeit widmen soll, und hätten wir nun

*) Ist bereits geschehen durch Flügel's treffliches Werk.

D. R.

noch Werke, die den in Australien, Afrifa und den beiden Indien üblichen Worten und Rebensarten die nöthige Aufmerksamkeit schenkten, so könnten wir bald ein ziemlich vollständiges Wörterbuch der englischen Sprache zu erhalten hoffen. Da es uns indessen nicht darauf ankommt, diejenigen Ausdrüde zu untersuchen, welche zur Bezeichnung neuer Verhältnisse und Provincialismen entstanden sind, sondern wir nur die ins Auge fassen, welche in England felbft fich mit dem Körper der englischen Sprache verbunden haben, so kann die Unvollständigkeit der Lerika kein Hinderniß für unsere Untersuchung abgeben. Sehen wir uns nun einmal die Worte an, die in den leßten 30—50 Jahren ins Englische aufgenommen sind, so finden wir in der Meteorologie Ausbrücke, wie auroral corona, aurora borealis, celestial phenomena und cirrocumulus; in der Astronomie ist die Rede von einer perihelion passage, coplanarity, cometographia; in der Geognose von dolomitis limestone, super imposed earth, interstratified beds, unfossiliferous sites und schilfglaserz; in der Botanik von rhododendrons, plants, imbricate in aestivatim with the filaments cuspidate at the apex; in der Naturgeschichte von mammalia, operculated species of Mollusca; in der Chemie von Potassio cyanuret, Soda hyposulphite, ferrocynide of nickel; in der Phyfte von einem Thermoelectric fluid, ozonized atmosphere und galvanometer. Ich könnte diese Beis spiele leicht um ein Bedeutendes vermehren, allein da ich weiter uns ten darauf zurüdfommen muß, und mir das Angeführte fchon hinzus reichen scheint, um eine Idee von den neuen Worten zu geben, so wende ich mich gleich zur Analyse dieser Ausdrüde. Schon ein flüchtiger Blick über die vorgeführten Ausdrüde zeigt, daß das deutsche Element sehr schwach vertreten ist, und die meisten Worte durch neue Zusammenseßungen auf dem Gebiete der klassischen Sprachen gebildet wurden. Nimmt eine Sprache, deren Bildungsfähigkeit im Absters ben begriffen ist, zu diesem Mittel der Ergänzung ihre Zuflucht, so können wir das nicht nur erflären, sondern auch entschuldigen; ges fchicht es dagegen von einer Fräftigen, lebensfähigen und biegsamen Sprache, so sind wir verpflichtet, nach den Gründen dieser auffallenden Erscheinung zu forschen. Zwar zeigt auch die deutsche Sprache seit einiger Zeit eine große Hinneigung, sich mit diesen ausländis fchen Producten zu bereichern und zu schmüden, allein das Uebel scheint hier noch nicht den Grad von Ausdehnung erreicht zu haben,

welchen ce in England einnimmt, denn ein Ausdruck wic Schilfglaserz zeigt wenigstens, daß man bei neuen wissenschaftlichen Wors ten zunächst die Muttersprache zu Hülfe ruft und erst da, wo diese entweder ihre Hülfe verweigert, oder schon feststehende Kunstausdrücke fich als nothwendige Vermittler der neuen Idee aufdringen, an das Herbeirufen fremder Worte denkt. Der Engländer dagegen, weit entfernt, die Biegsamkeit des deutschen Elementes feiner Sprache auf die Probe zu stellen, wendet fich direct zu den klaffischen Sprachen und hat fich auf diese Weise feit 30 Jahren eine Nomenclatur geschaffen, die, ftatt fich mit dem vorhandenen Sprachförper organisch zu verschmelzen wie das neue Zusammenseßungen mit fächsischen Worten sicher gethan haben würden –, neben demselben stehen geblieben ist, einen Auswuchs bildet und wie eine Schmaroßerpflanze das Gedeihen und den Wohlstand des ursprünglichen Sprachganzen bedroht. Hätte fich nun dieser Bedarf neuer Worte zitin Ausdruce neuer Ideen zu einer Zeit geltend gemacht, wo man die deutsche Sprache von den Höfen der deutschen Fürsten verbannte, wo man fie wegen ihrer Nauhheit und Ungelenfigfeit verachtete, wo felbft Gelehrte ihr Bildungsfähigkeit und Productivität abzusprechen be: müht waren, fo würden wir uns nicht wundern, daß die Engländer weder aus ihr entlehnen, noch auch den ums Fahr 1066 vom Bliße zerspaltenen und seiner Zweige beraubten Baum um neue Blüthen und Früchte angehen wollten. Allein da der Aufschwung jener die neuen Worte fordernden Wissenschaften mit dem Aufschwunge unserer Literatur zusammenfällt, ferner die Fähigkeit der Weiterbildung unserer Sprache in demselben Augenblicke glänzend bewiesen wurde, wo man nach dem fremden Elemente zur Aushülfe griff, und da in derselben Zeit das Studium der deutschen Sprache und Literatur anfing, in England festen Fuß zu fassen, so darf man wohl fragen, warum man sich dort an die todten klassischen Sprachen um Aushülfe wandte, ftatt die Bildungsfähigkeit des angelfächsischen Elementes znach Kräften auszubeuten, und wo dieses nicht ausreichte, den reis chen Schaß deutscher Worte in Anspruch zu nehmen.

Uin diese Frage genau und schlagend zu beantworten, müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf die Punkte richten, wo sich das Bes dürfniß neuer Worte fühlbar machte, und die Ideen ins Auge farsen, die ausgedrückt werden sollten. Es fehlte dem Engländer weder an Ausdrüden für lieben, leiden und empfinden, noch auch an sols

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